{"id":9313,"date":"2026-07-07T22:09:16","date_gmt":"2026-07-07T20:09:16","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9313"},"modified":"2026-07-07T22:09:16","modified_gmt":"2026-07-07T20:09:16","slug":"onenine-myk-jung-duress-onenine-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/onenine-myk-jung-duress-onenine-2026\/","title":{"rendered":"Onenine + Myk Jung \u2013 Duress \u2013 Onenine 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Onenine-Myk-Jung-Duress.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/07\/Onenine-Myk-Jung-Duress.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9314\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Matthias Bosenick (07.07.2026)<br><br>Da wird man auf ein Musikprojekt aufmerksam, weil man einem bestimmten Musiker folgt, und entdeckt dann, dass der Betreiber dieses Projektes nur unwesentlich weniger lang aktiv ist als der, dessentwegen man darauf aufmerksam wurde. Onenine ist das Solo-Projekt von Axel Kleintjes, und man kann einfach nicht alles kennen, zum Beispiel Page 12, seine alte Electro-Band aus den Neunzigern, oder Cyber Axis, bei denen er in den Nullern einstieg. Daf\u00fcr kennt man eben Myk Jung, weil man dessen Band The Fair Sex vollst\u00e4ndig in seinem Regal stehen hat. Jener Jung singt nun auf der neuen Onenine-EP \u201eDuress\u201c den Titelsong \u2013 und man reibt sich \u00fcberrascht die Ohren: Dieser Dark Electro funktioniert auf allen Ebenen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man h\u00f6rt eben sofort heraus, dass man es bei Onenine nicht mit einem Newcomer zu tun hat, der sich mit oberfl\u00e4chlichen Tricks auf einem l\u00e4ngst totgerittenen Pferd pr\u00e4sentieren will. Hier steckt Erfahrung drin, ein weiter Horizont, eine Tiefe, und in gewisser Weise eine Gelassenheit, weil \u201eDuress\u201c keine Grufti-Charts anf\u00fchren muss, sondern f\u00fcr sich existieren darf. Und f\u00fcr Leute, die Bock haben, dunklen Electro zu h\u00f6ren, der auch ohne plakative Effekte auskommt, nicht nur \u00fcberhaupt, sondern auch noch erheblich besser.<br><br>Das Haupt-St\u00fcck \u201eDuress\u201c ist so d\u00fcster und kompromisslos, wie es der Electro abseits der Charts gegen Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger war. Insbesondere der aus Kanada, hier h\u00f6rt man Skinny Puppy und Front Line Assembly durchaus als Inspiration heraus, etwa in Sachen Tempo, H\u00e4rte, Struktur, denn an das klassische Format mit Strophe und Refrain mag sich der im unteren Midtempo gehaltene Song oberfl\u00e4chlich nicht binden. Daf\u00fcr baut Kleintjes noch Br\u00fccken, Effekte, abweichende Passagen und sogar gegen Ende eine sch\u00f6ne Melodie ein, als w\u00e4re ein ganzes Album zu f\u00fcllen und nicht nur ein Song. Anders als bei den genannten Vorlagen sind die Sounds hier klarer, transparenter, greifbarer, was an der D\u00fcsternis des St\u00fccks nichts \u00e4ndert, es aber in der Gegenwart verortet.<br><br>Ins Gesamtbild passt die Stimme von Myk Jung, und das ist die n\u00e4chste positive \u00dcberraschung: Ohne das Wissen, dass er hier singt, h\u00e4tte man ihn vermutlich gar nicht erkannt. Auch er f\u00fcgt sich in die alte Kanada-Schiene, sein Gesang ist in tieferer Lage gehalten und atmosph\u00e4risch unklar, kurz vor gebremst gebr\u00fcllt. Das passt perfekt.<br><br>Sechs Tracks umfasst diese EP, davon viermal \u201eDuress\u201c plus zwei Remixe anderer Tracks, von denen es aber gar keine Originale gibt. Mit der \u201eNavigator Version\u201c von \u201eFixed\u201c schielt Kleintjes sehr wohl auf den Dancefloor, so offensichtlich wie kein anderer Track hier. Denn auch \u201eThe Survey Version\u201c von \u201eExamination\u201c reiht sich im Intro vielmehr im historischen Kanada-Electro ein und entwickelt dann eine ganz andere Identit\u00e4t, zwischen dunklem Electro, tanzbarem Ambient und Synthiepop. Kleine Kuriosit\u00e4t: Klassisch wie in den Achtzigern auf Vinyl gibt\u2019s \u201eDuress\u201c hier als \u201eSeven Inch Version\u201c und als \u201eTwelve Inch Version\u201c, dabei ist erstere bereits radiountaugliche f\u00fcnfeinhalb Minuten lang, zweitere noch zwei Minuten l\u00e4nger. Der \u201eJuma-Poliboy-Mix\u201c verk\u00fcrzt den Track auf viereinhalb Minuten, addiert aber eine E-Gitarre und macht ihn insgesamt tanzbarer, und der instrumentale \u201eMaze-Mini-Mix\u201c verknappt ihn auf atmosph\u00e4rische eindreiviertel Minuten.<br><br>Kleintjes begann 1990 mit Page 12, einer Dark-Electro-Band, die zehn Jahre lang existierte. Parallel betrieb er bereits die Projekte C~Abal und The Amp. Ende der Neunziger hob er noch Cycloon und Megadump aus der Taufe, sp\u00e4ter Mindware. F\u00fcr das Comeback- und Abschiedsalbum \u201eSkin\u201c war er 2003 Mitglied bei Cyber Axis, die Electro und Gitarre kreuzten. Als Onenine arbeitet er seit kurz vor Corona mit mindestens einer Ver\u00f6ffentlichung pro Jahr, \u201eDuress\u201c k\u00f6nnte die zw\u00f6lfte sein.<br><br>Mit The Fair Sex war Jung bereits in den Achtzigern Teil der Wave-Szene, die Band ruht seit \u00fcber 20 Jahren. Zweiter prominenter Ex-Mitmusiker d\u00fcrfte Rasc alias Udo H\u00fcppe sein, der l\u00e4ngst als Rotersand eine Future-Pop-Karriere machte. Jung jedenfalls bet\u00e4tigte sich noch als Nice Gods Bleed, mit Psytrance-Musiker Tim Schuldt als Schuldt, solo sowie mit genanntem Rasc als Testify, ansonsten l\u00e4sst er seit zwei Jahrzehnten eher von sich lesen als h\u00f6ren, etwa als Schriftsteller sowie unter dem R\u00fcckw\u00e4rts-Alias Kym Gnuch als Redakteur des Gruftimagazins Sonic Seducer. Umso sch\u00f6ner, ihn hier endlich wieder vor die Ohren zu bekommen \u2013 davon darf es gern mehr geben, ihr zwei!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (07.07.2026) Da wird man auf ein Musikprojekt aufmerksam, weil man einem bestimmten Musiker folgt, und entdeckt dann, dass der Betreiber dieses Projektes nur unwesentlich weniger lang aktiv ist als der, dessentwegen man darauf aufmerksam wurde. 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