{"id":9300,"date":"2026-07-02T20:11:12","date_gmt":"2026-07-02T18:11:12","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9300"},"modified":"2026-07-02T20:11:12","modified_gmt":"2026-07-02T18:11:12","slug":"spider-noir-oren-uziel-mgm-prime-video-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spider-noir-oren-uziel-mgm-prime-video-2026\/","title":{"rendered":"Spider-Noir \u2013 Oren Uziel \u2013 MGM+\/Prime Video 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Matthias Bosenick (02.07.2026)<br><br>Merkw\u00fcrdig: Muss es erst die Comic-\u00c4sthetik sein, die Filmemachende dazu bringt, sich auch mal unkonventionelle und dabei enorm \u00e4sthetische Darstellungsweisen einfallen zu lassen? Die verbewegtbilderung von \u201eSpider-Noir\u201c ist ein Fest f\u00fcrs Auge, und das nicht nur, weil es die Serie in zwei Darreichungsformen gibt, n\u00e4mlich in noirtypischem Schwarzwei\u00df und in knackig koloriert, sondern weil hier mit Licht und Schatten, Perspektiven und Bildkompositionen gespielt wird, die der humorvollen, spannenden Geschichte gut zu Gesicht stehen. Die regem\u00e4\u00dfigen Anschlussfehler ignoriert man dann einfach.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erstaunlicherweise gelingt es dieser Serie aus dem Stand, einen in den Bann zu ziehen. Die Geschichte spielt in den Drei\u00dfigern, in der Wirtschaftskrise, die dem Ersten Weltkrieg folgte und den Zweiten erst d\u00e4mmern sieht, in New York. Ben Reilly war mal Spider, ein anonymer Held mit Superkr\u00e4ften, und verlegte sich nach dem Tod seiner Braut, den er nicht verhindern konnte, desillusioniert auf die Rolle des erfolglosen Privatschn\u00fcfflers. Seine engsten Vertrauten sind seine hispanische Sekret\u00e4rin Janet und sein Segregationsproblemen ausgesetzter und genau wie er erfolgloser Reporterfreund Robbie. Das Trio ger\u00e4t in ein Komplott, das bis in den Ersten Weltkrieg zur\u00fcckreicht, mit comictypischem Personal: ein Mafiaboss, ein korrupter B\u00fcrgermeister, eine Femme Fatale, eine verbissene Wissenschaftlerin, tumbe Handlanger und nat\u00fcrlich Menschen mit Superkr\u00e4ften.<br><br>Hei\u00dft schon mal: Peter Parker ist nicht, der genannte Ben Reilly stellt hier den Spider dar, der \u2013 man erf\u00e4hrt es erst im Verlauf der Serie, nicht sofort, was gut ist, weil man sich nicht mit Nebens\u00e4chlichkeiten aufh\u00e4lt, sondern gleich in die Vollen geht \u2013 zombiem\u00e4\u00dfig von einem Mutanten gebissen wurde, der das Resultat von Experimenten deutscher Wissenschaftler im Ersten Weltkrieg war. Anders als andere Superhelden, die aus diesen Experimenten hervorgingen, ist Ben nicht dem Tode geweiht, sobald sich die Kr\u00e4fte verst\u00e4rken, was ihm eine besondere Position in der verschachtelten Geschichte verleiht, zwischen den anderen Superhelden, die sich dem Mafiaboss zuwandten, der Liebschaft des einen, in die er sich dummerweise selbst verliebt, dem Mafiaboss sowie dem B\u00fcrgermeister, der von allem keine Ahnung hat.<br><br>Zun\u00e4chst geb\u00e4rdet sich Ben wie ein Spielball der Wellen, da er nach dem Tod seiner Verlobten desillusioniert und verh\u00e4rmt durch die Stadt streift. Motiviert von Janet und Robbie sowie der vermeintlichen Liebschaft, versucht er dennoch, zu ermitteln, reizt seine F\u00e4higkeiten dabei aber nicht vollends aus und negiert seine Identit\u00e4t als Spider, mithin seine Verantwortung, die, so zitiert er es gern, aus gro\u00dfer Kraft resultiert, die er, ganz der neumoderne Comic-Zweifler, gar nicht mehr haben m\u00f6chte. Die Umst\u00e4nde und eine gelungene \u00dcberzeugungsarbeit seiner Freunde bringen ihn zum Umdenken.<br><br>Anders als die j\u00fcngeren Spidey-Inkarnationen ist Ben kein J\u00fcngling, sondern im Gegenteil, \u00fcber 60 Jahre alt und damit nicht mal mehr in der Bl\u00fcte des Lebens. Eine ungew\u00f6hnliche Identifikationsfigur also, und Nicholas Cage spielt diesen Noirdetektiv \u00fcberzeugend gut, \u201eDer Malteser Falke\u201c findet hier nicht nur in ihm einen Widerhall. Auch Janet, die Ben ermittlungstechnisch ebenb\u00fcrtig ist und damit am Schluss auch die verdiente Wertsch\u00e4tzung erf\u00e4hrt, l\u00e4sst sich aus solchen Filmen wiedererkennen. Zur\u00fcck zu Ben: Der mag nun k\u00f6rperlich geschw\u00e4cht sein, doch gleicht er mit Schlagfertigkeit aus, was das Alter ihm nimmt, und hat eine nachdr\u00fccklich gro\u00dfe Klappe \u2013 allen gegen\u00fcber, furchtlos, undiplomatisch.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist der n\u00e4chste Pluspunkt hier: Die Dialoge sind auf den Punkt, was hier an Tiefgang suggeriert wird, hat wirklich welchen, Argumente gehen tief in die seelischen Wunden, Witz und Psychologie begleiten einander. Dazu kommt, dass diese Serie \u2013 anders als andere aktuelle \u2013 in Kauf nimmt, dass sie ein nebenbei doomscrollendes Publikum verliert, denn man muss aufpassen, um die Haken und Querverweise nachvollziehen zu k\u00f6nnen. Insbesondere der Anfang fordert die Konzentration heraus, und sobald der Dampfer erstmal l\u00e4uft, kommt man nicht nur gut mit, sondern wird mitgerissen, sofern man weiter bei der Stange bleibt. Serientypisch indes sind manche L\u00e4ngen, aber die gleicht der Rest gut aus.<br><br>Dann wie gesagt die \u00c4sthetik: Kameraschwenks, Perspektiven, Bildausschnitte, das Spiel von Licht und Schatten, hier bekommt das Auge Futter. Und man fragt sich: Muss eine solche \u00c4sthetik erst auf einem Comic basieren, damit Filmemacher mutiger werden? Warum kann es nicht normal sein, Geschichten auf eine ungew\u00f6hnliche Weise in Szene zu setzen? Zus\u00e4tzlich funktionieren hier Bauten und Kulissen auch noch sehr gut, das New York hier f\u00fchlt sich an wie aus einem 80 Jahre alten Film. Die \u2013 noch ein interessanter Aspekt \u2013 lediglich sp\u00e4rlich eingesetzte Action mit den technischen Mitteln der 1930er Jahre ist sehr reizvoll, zudem verzichtet die Serie darauf, den klassischen Spidey ins Zentrum zu setzen, der permanent durch H\u00e4userschluchten schwingt. Diese Serie hat andere Schwerpunkte. Noch etwas zur \u00c4sthetik: Man hat die Wahl, die acht Episoden in Farbe oder in Schwarzwei\u00df zu gucken, doch selbst f\u00fcr Noir-Puristen empfiehlt sich die Farbversion, denn die Farben sind hier von einer kraftvollen Knackigkeit und unterstreichen die Sch\u00f6nheit der Bilder noch. Eine k\u00fcnstliche, sehr wohl, aber wir sprechen hier ja auch von einer Comicverfilmung.<br><br>Ja, Schw\u00e4chen hat sie auch, diese Serie. Die angesprochenen L\u00e4ngen, die bisweilen kleisterliche Musik zwischen den grunds\u00e4tzlich guten Scoretracks \u2013 und die zahlreichen Anschlussfehler. Personen befinden sich in einer bestimmten Konstellation zueinander, es gibt einen Schnitt, eine Person bewegt sich, und nach dem Schnitt zur\u00fcck verhalten sie sich alle wieder wie zuvor, als h\u00e4tte es nie eine Bewegung gegeben. Das ist auf eine merkw\u00fcrdige Weise amateurhaft, da doch der Rest so professionell wirkt. Eine erz\u00e4hlerische Schw\u00e4che hat die Geschichte au\u00dferdem: Ben gibt vor, von den Ereignissen und den damit verbundenen Personen \u00fcberrascht zu sein, obwohl dies nachweislich nicht der Fall ist; aber auch dar\u00fcber kann man sich hinwegrei\u00dfen lassen. Abschlie\u00dfend: Die ganzen Fachkenntnisse zu Comicvorlagen, dem Marvel Cinematic Universe und sonstigen Hintergr\u00fcnden d\u00fcrfen gern andere recherchieren, diese Serie funktioniert komplett auch ohne solche Kenntnisse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (02.07.2026) Merkw\u00fcrdig: Muss es erst die Comic-\u00c4sthetik sein, die Filmemachende dazu bringt, sich auch mal unkonventionelle und dabei enorm \u00e4sthetische Darstellungsweisen einfallen zu lassen? 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