{"id":9285,"date":"2026-06-30T21:40:28","date_gmt":"2026-06-30T19:40:28","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9285"},"modified":"2026-06-30T21:40:28","modified_gmt":"2026-06-30T19:40:28","slug":"was-guido-sonst-noch-gehoert-hat-im-mai-2026-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/was-guido-sonst-noch-gehoert-hat-im-mai-2026-teil-2\/","title":{"rendered":"Was Guido sonst noch geh\u00f6rt hat\u2026 im Mai 2026 \u2013 Teil 2"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Was-Guido-sonst-noch-gehoert-hat.-im-Mai-Teil-2.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"121\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Was-Guido-sonst-noch-gehoert-hat.-im-Mai-Teil-2.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9286\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Guido D\u00f6rheide (30.06.2026)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>Social Distortion \u2013 The Haunted Youth \u2013 Peter Frampton \u2013 Dua Lipa \u2013 Willie Nelson \u2013 Kurt Vile<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Social Distortion \u2013 Born <\/strong><strong>T<\/strong><strong>o kill \u2013 Epitaph 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Social Distortion aus Orange County, Kalifornien, sind schon seit Ende der 1970er Jahre aktiv, haben 1983 mit \u201eMommy\u2019s Little Monster\u201c ihr erstes Album ver\u00f6ffentlicht, dann lange Jahre lang nichts (u.a. aufgrund der Drogensucht des S\u00e4ngers und Gitarristen Mike Ness) und anschlie\u00dfend 1988 den Countrypunk-Klassiker \u201ePrison Bound\u201c und 1990 ihr selbstbetiteltes Major-Debut \u201eSocial Distortion\u201c. Danach betrugen die Abst\u00e4nde von Album zu Album erst zwei, dann vier, dann acht und dann nochmal sieben Jahre. Von \u201eHard Times And Nursery Rhymes\u201c, 2011, bis zum vorliegenden Album vergingen dann sogar 15 Jahre. Umso sch\u00f6ner, dass es Social Distortion noch gibt, und nochmal umso sch\u00f6ner, dass diese wunderbare Band nie entt\u00e4uscht hat und sich auch mit \u201eBorn To kill\u201c nicht anschickt, dies zu tun. Mike Ness hat immer noch diese leicht angerauhte, n\u00f6lende Stimme, die sich sowohl f\u00fcr den Punkrock als auch f\u00fcr Country so derma\u00dfen hervorragend eignet, dass SD beide Genres auf das wunderbarste verschmelzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Titelst\u00fcck, mit dem Ness, Johnny Wickersham (Gitarre), Brent Harding (Bass) und David Hidalgo jr. (Drums \u2013 und jahaa! \u2013 das ist der Sohn von David Hidalgo dem \u00c4lteren von den legend\u00e4ren Los Lobos) das Album er\u00f6ffnen, ist sehr relaxter Punk mit toll klingenden Gitarren (es s\u00e4gt, ohne weh zu tun) und gro\u00dfartigem Midtempogesang von Mike Ness. Punkuntypisch gibt es ein Gitarrensolo zu h\u00f6ren und \u2013 es nervt nicht, sondern passt sich auf das Vortrefflichste ein. Weiter geht es mit Punk, \u201eNo Way out\u201c erinnert mich an die Ramones zu \u201eBrain Drain\u201c-Zeiten und wieder einmal mehr ist Ness\u2019 Gesang \u00fcber jeden Zweifel erhaben. Auf \u201eThe Way Things Were\u201c halten dann eine stonesm\u00e4\u00dfige Gitarre (so ungef\u00e4hr aus der Exile-Zeit) und countryrockiger Gesang Einzug, der super zum Text passt. Ness setzt sich hier mit der Jugend auseinander, mit jugendlicher Verantwortungslosigkeit und mit dem Umstand, dass alles unter anderem auch durch reines Gl\u00fcck nicht in der Katastrophe geendet ist. Soweit meine Interpretation. \u201eAnd we said, \u201aGoodbye\u2018 to the way things were\u201c ist ein prima Schlusssatz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf den n\u00e4chsten Songs bleibt es beim sehr countrylastigen Punk; Social Distortion zeigen mit hoher Kompetenz, wie gut diese beiden Genres zusammenpassen, und dann kommt \u2013 eine alte SD-Tradition \u2013 eine richtig gute Coverversion. Auf dem selbstbetitelten 1990er Album war es \u201eRing Of Fire\u201c von Johnny Cash, auf \u201ePrison Bound\u201c wurde \u201eBack Street Girl\u201c von den Stones gecovert, auf dem 1992er \u201eSomewhere Between Heaven And Hell\u201c war es \u201eMaking Believe\u201c von Jimmy Work, 1996 auf \u201eWhite Light, White Heat, White Trash\u201c waren es wieder die Stones mit \u201eUnder My Thumb\u201c und auf \u201eHard Times And Nursery Rhymes\u201c 2011 schlie\u00dflich \u201eAlone And Forsaken\u201c von Hank Williams.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hier bekommen wir es mit \u201eWicked Game\u201c von Chris Isaak zu tun \u2013 und was soll ich sagen? Hammer! Der Song ist ohnehin \u00fcber jeden Zweifel erhaben, und nat\u00fcrlich kann Mike Ness nicht so melancholisch jodeln wie es Isaak weiland tat, aber seine etwas quengelige, unterdr\u00fcckt aggressive Herangehensweise, unterst\u00fctzt von toll schrammelnden und jaulend solierenden Gitarren, steht dem Song extrem gut zu Gesicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Punk finden Ness und Kollegen bis zum Ende des Albums nicht mehr zur\u00fcck, sie bleiben im h\u00e4rteren Country verhaftet, und das h\u00f6rt sich toll an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>The Haunted Youth \u2013 Boys <\/strong><strong>C<\/strong><strong>ry <\/strong><strong>T<\/strong><strong>oo \u2013 Play <\/strong><strong>I<\/strong><strong>t <\/strong><strong>A<\/strong><strong>gain Sam 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Indierockdreampopgruppe The Haunted Youth kommt aus Limburg in Belgien und ver\u00f6ffentlichte im Mai mit \u201eBoys Cry Too\u201c ihr zweites Album. W\u00e4hrend S\u00e4nger und Gitarrist Joachim Liebens auf dem 2022er Deb\u00fct \u201eDawn Of The Freak\u201c noch in einer so hohen Stimmlage sang, dass ich dachte, hier w\u00e4re eine S\u00e4ngerin am Werk, klingt seine Stimme auf \u201eBoys Cry Too\u201c einige Oktaven dunkler, was aber nicht hei\u00dft, dass er etwa irgendwie grunzt oder so, nein, seine sehr helle Stimme ist immer noch eines der Markenzeichen von The Haunted Youth. Das andere ist die Musik, die sich entfernt an fr\u00fche The Cure anlehnt. Hier f\u00fchrt der Albumtitel in die Irre \u2013 nicht nach den Cure der 1970er Jahre h\u00f6ren sich THY an, sondern eher nach \u201eSeventeen Seconds\u201c oder \u201eFaith\u201c, und das angereichert um eine geh\u00f6rige Portion Shoegaze. Hier wird also nicht The Cure kopiert, sondern die Stimmung der Alben aus den fr\u00fchen 1980er Jahren unter Zuhilfenahme von Nicht-Cure-Stilmitteln aus den 1990er Jahren mit einer einzigartigen (ebenfalls nicht curem\u00e4\u00dfigen) Stimme zu etwas Neuem und richtig Gutem verwoben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Peter Frampton \u2013 Carry <\/strong><strong>T<\/strong><strong>he Light \u2013 UMe 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Peter Frampton, der blondgelockte Typ von \u201eFrampton Comes Alive\u201c (Sie erinnern sich? \u201eShow Me The Way\u201c und \u201eDo You Feel Like We Do?\u201c sind die Stichworte) hat au\u00dfer \u201eFrampton Comes Alive\u201c noch haufenweise andere Alben aufgenommen, die ich alle nicht kenne, obwohl sie \u2013 wie das 2021er Instrumentalalbum \u201eFrampton Forgets The Words\u201c \u2013 durchaus lustige Titel haben. Da ich \u201eFrampton Comes Alive\u201c, also das Album, das die meisten H\u00f6renden sofort instinktiv mit dem Namen Frampton verbinden, weil \u201eFrampton Comes Alive\u201c so bekannt und beliebt ist, dass man in einem Nachruf auf den K\u00fcnstler diesen wahrscheinlich als den \u201eSch\u00f6pfer von \u201aFrampton Comes Alive\u2018\u201c bezeichnen wird, sehr gerne h\u00f6re, konnte ich an dem neuen Album, dessen Cover ein leuchtendes M\u00e4nnchen zeigt, das auf seinem R\u00fccken eine riesige Gl\u00fchbirne tr\u00e4gt, nicht vorbeigehen, ohne mal kurz hineinzuhorchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses kurze Hineinhorchen h\u00e4lt bis heute an, denn dieses neue Album ist wirklich sehr gut. Das er\u00f6ffnende Titelst\u00fcck \u201eCarry The Light\u201c, mit dem Frampton (der Frampton von \u201eFrampton Comes Alive\u201c \u00fcbrigens) das Album \u201eCarry The Light\u201c er\u00f6ffnet, beginnt irgendwie wie ein Gospel oder ein Baumwollfeldarbeitersong (\u201eCarry the Light \u2013 uh! Carry the Light!\u201c) und entwickelt sich dann langsam von reinem Rhythmus hin zu Melodie, und ich werde gewahr, dass Frampton eine richtig gute Stimme hat. Diese Stimme geht tief rein ins Empfinden der Rezipient:innen, die hat Volumen und Schmackes und dr\u00e4ngt sich dennoch nie auf. Dazu gniedelt die Gitarre, dr\u00e4ngt sich aber ebenfalls nie auf. Was f\u00fcr ein Einstieg in ein Album, von dem ich mir nichts versprochen hatte!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eBuried Treasure\u201c ist ein solider Rockstampfer, macht aber enorm Laune beim H\u00f6ren, und auch hier wieder \u2013 Framptons Gesang ist bei aller Unspektakularit\u00e4t sowas von gewaltig; vielleicht, weil Frampton diesem Gesang seine Gitarre quasi als Duettpartnerin an die Seite stellt. Und das alles wird unterst\u00fctzt von Benmont Tench von Tom Petty und den Heartbreakers.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf \u201eI\u2019m Sorry Elle\u201c zeigt Frampton zusammen mit Graham Nash, dass er nicht nur Midtempo, sondern auch kitschige Balladen kann, und zwar unter kompletter Kitschvermeidung. Es bleibt ruhig \u2013 \u201eBreaking The Mold\u201c besticht durch Framptons Gesang, Gitarrenriffs, die eigentlich allesamt Soli sind und Duettgesang mit der wunderbaren Sheryl Crow.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcberhaupt Duette: Auf \u201eLions At The Gate\u201c wird es h\u00e4rter, denn hier arbeitet Frampton mit Tom Morello von Rage Against The Machine zusammen, und das funktioniert pr\u00e4chtig. Framptons Stimme s\u00e4gt und seine und Morellos Riffs und Soli treten in den Arsch, und das Ganze klingt dennoch entspannt und achtsam.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf \u201eIslamorada\u201c wird Frampton von der R\u2019n\u2019B-Singer\/Songwriterin Gabi Wilson a\/k\/a H.E.R. unterst\u00fctzt, allerdings nicht gesanglich, da es sich um ein Instrumentalst\u00fcck handelt. Frampton und Wilson duellieren sich mit ihren Gitarren und das Resultat hinterl\u00e4sst die H\u00f6renden sprachlos, so sch\u00f6n ist es. Es folgen zwei Kollaborationen mit dem Jazzsaxofonisten Bill Evans, der bereits mit Miles Davis, Herbie Hancock und anderen zusammengearbeitet hat, und mit \u201eAt The End Of The Day\u201c beschlie\u00dft ein weiteres wundersch\u00f6nes Instrumentalst\u00fcck ein wundersch\u00f6nes Album.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Dua Lipa \u2013 Live <\/strong><strong>F<\/strong><strong>rom Mexico \u2013 Warner Records 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgendwann um 2015 herum oder eventuell auch fr\u00fcher habe ich angefangen, mich mit zeitgen\u00f6ssischer Popmusik zu besch\u00e4ftigen, weil meine Tochter Marleen im Autoradio die Musik h\u00f6ren wollte, die sie vom Tanztraining oder von irgendwoanders aus ihrem pers\u00f6nlichen Umfeld kannte. Also legte ich f\u00fcr sie einen Ordner auf dem USB-Stick an, der immer im Infotainmentsystem des Kombinationskraftwagens aus volkseigener Produktion steckte, und sammelte dort die Songs, die Marleen so gerne h\u00f6ren wollte, wie zum Beispiel \u201eBe The One\u201c von Dua Lipa oder \u201ePaparazzi\u201c von Lady Gaga. Und das \u00e4nderte meinen musikalischen Horizont dauerhaft: Sah ich vorher chartstaugliche Popmusik als minderwertige Gebrauchsmusik ohne k\u00fcnstlerischen Anspruch an, kriegte ich in von dem besagten Ordner auf dem besagten USB-Stick gelernt, dass K\u00fcnstlerinnen wie Lady Gaga, Taylor Swift, Kacey Musgraves und eben auch Dua Lipa sich ihre Lieder selber ausdenken und auch discoorientierte Popmusik gro\u00dfartig sein und Tiefe besitzen kann. Auf Lana del Rey als eine meiner Lieblingsk\u00fcnstlerinnen bin ich durch diese Vorbildung kurze Zeit sp\u00e4ter selber aufmerksam geworden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Um Dua Lipa so richtig wertsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, braucht es eigentlich nur \u201eNew Rules\u201c:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eOne: Don&#8217;t pick up the phone. You know he&#8217;s only callin&#8216; &#8218;cause he&#8217;s drunk and alone.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Two: Don&#8217;t let him in. You&#8217;ll have to kick him out again.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Three: Don&#8217;t be his friend. You know you&#8217;re gonna wake up in his bed in the morning. And if you&#8217;re under him, you ain&#8217;t gettin&#8216; over him.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">I got new rules, I count &#8218;em.\u201c Ein super Leitfaden zum Umgang mit toxischer Maskulinit\u00e4t. Und das alles vorgetragen zu grandios authentischer Discomusik mit einer umwerfenden Stimme. Und Dua Lipa ist eine von den Guten: Sie ist gegen den Brexit, f\u00fcr LQBTQI-Rechte, gr\u00fcndete zusammen mit ihrem Vater das Sunny-Hill-Festival in Pristina und machte Wahlwerbung f\u00fcr Bernie Sanders und Joe Biden, weil letzterer sich f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeit des Kosovo, der Heimat von Lipas Familie, einsetzte. \u201eMixing pop and politics, he asks me, what the use is?\u201c fragte Billy Bragg Ende der 1980er in seinem Song \u201eWaiting For The Great Leap Forward\u201c. Dua Lipas Musik ist hier ein Teil der Antwort. \u201eLive From Mexico\u201c enth\u00e4lt ihre gro\u00dfen Hits und transportiert die Begeisterung, mit der ihre Fans diese Musik feiern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Willie Nelson \u2013 Dream Chaser \u2013 Legacy\/Sony Music 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So langsam h\u00f6rt man Willie Nelsons Stimme an, dass der Mann keine 70 mehr ist. Er singt immer noch in diesem hellen Singsang wie schon immer, aber manchmal vernuschelt Meister Nelson auch gerne mal ein paar Silben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er ist aber auch verdammt nochmal keine 70 mehr, sondern 93 (dreiundneunzig!), also wird es so langsam Zeit, dass wir uns Gedanken machen, was f\u00fcr eine Welt wir ihm, Iggy Pop und Keith Richards hinterlassen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDream Chaser\u201c ist ein nur gut halbst\u00fcndiges Album voller wunderbarer Folk- und Countrysongs, die fast alle von Buddy Cannon, dem Produzenten des Albums, geschrieben oder mitgeschrieben wurden (bei sechs von zehn Songs ist Willie Nelson am Songwriting beteiligt), nur bei \u201eI Can\u2019t Read Your Mind\u201c, dem in meinen Augen sch\u00f6nsten St\u00fcck auf dem Album, ist Bob Dylan als Co-Autor gelistet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Album enth\u00e4lt alles, was an Willie Nelsons Musik so liebenswert ist: Die wunderbare Arbeit auf der Gitarre, melancholische Melodien, unnachahmlicher Gesang (ehrlich jetzt: bevor ich hier beschreibe, was Nelsons Gesang so einzigartig macht, h\u00f6ren Sie lieber selber rein, es gibt da einfach keine Worte f\u00fcr) und Texte mit dem ewigw\u00e4hrenden doppeldeutigen Schalk im Nacken (\u201eI don&#8217;t wanna drink no more, but the whiskey wants me to\u201c, \u201eI don&#8217;t know how to read your mind, the letters are too small. I guess you know what you mean, but it makes no sense to me at all\u201c, \u201eI don&#8217;t think I&#8217;ve cried today, I may have even smiled today. Didn&#8217;t once break down and almost drown in my own tears\u201c). Ich bin gespannt auf Nelsons n\u00e4chstes Album. Es wird das 80. sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Kurt Vile \u2013 Philadelphia\u2019s <\/strong><strong>B<\/strong><strong>een <\/strong><strong>G<\/strong><strong>ood <\/strong><strong>T<\/strong><strong>o <\/strong><strong>M<\/strong><strong>e \u2013 Verve Records 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt K\u00fcnstler:innen, die k\u00f6nnen einfach nicht entt\u00e4uschen. Man wei\u00df, was einen erwartet, und bekommt genau das und stellt nach dem ersten H\u00f6ren dennoch fest: Die\/der K\u00fcnstler:in hat sich auf ihrem\/seinen Territorium selber \u00fcbertroffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So ist es auch bei \u201ePhiladelphia\u2019s Been Good To Me\u201c von Kurt Vile: Nat\u00fcrlich ist \u201eLotta Sea Lice\u201c, das Kollaborationsalbum mit Courtney Barnett, sein bestes Werk (es ist ebenso das beste Werk von Courtney Barnett), aber das vorliegende Album schickt sich durchaus an, seit zweitbestes zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kurt Viles merkw\u00fcrdige Art zu singen besteht vor allem darin, jeden verdammten Satz offensichtlich mit einem Fragezeichen zu beenden, seine hohe, br\u00fcchige, aber dennoch kraftvolle Stimme \u00fcbernimmt den Rest. Getragen werden seine Songs haupts\u00e4chlich von der Gitarre, aber davon sollte man sich nicht kirre machen lassen und trotzdem mal genauer hinh\u00f6ren, denn es gibt da viel zu h\u00f6ren und viel zu entdecken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Richtig gro\u00dfartig finde ich an Kurt Vile, dass er sich eigentlich genauso anh\u00f6rt, wie er aussieht. Als ich zum ersten Mal diesen schlaksigen Nerd mit seiner langen Korkenzieherlockenhaarfrisur auf einem Foto gesehen habe, das auch seine Gitarre zeigte, hatte ich eine ganz bestimmte Vorstellung, wie er zu klingen h\u00e4tte, und die hat sich bewahrheitet. Bringt jetzt nicht viel weiter, wenn man ihn noch nie geh\u00f6rt hat, das gebe ich zu. Also, ich finde, Kurt Vile sieht aus wie ein j\u00fcngerer Bruder von J Mascis, nur eben mit einer unverzerrten Gitarre, und so h\u00f6rt er sich auch an. Wenn das immer noch nicht plastisch genug ist: H\u00f6ren Sie gerne mal in \u201e99th Song\u201c rein und \u00fcberzeugen Sie sich, dass man zehn Minuten lang singen und Gitarre spielen kann, ohne gro\u00df was zu \u00e4ndern und trotzdem nicht langweilen muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (30.06.2026) Social Distortion \u2013 The Haunted Youth \u2013 Peter Frampton \u2013 Dua Lipa \u2013 Willie Nelson \u2013 Kurt Vile<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,35],"tags":[],"class_list":["post-9285","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-was-guido-sonst-noch-gehoert-hat"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9285","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9285"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9285\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9287,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9285\/revisions\/9287"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9285"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9285"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9285"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}