{"id":9264,"date":"2026-06-28T20:47:39","date_gmt":"2026-06-28T18:47:39","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9264"},"modified":"2026-06-28T20:47:39","modified_gmt":"2026-06-28T18:47:39","slug":"die-toten-hosen-trink-aus-wir-muessen-gehen-alles-muss-raus-bonus-jkp-warner-music-central-europe-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/die-toten-hosen-trink-aus-wir-muessen-gehen-alles-muss-raus-bonus-jkp-warner-music-central-europe-2026\/","title":{"rendered":"Die Toten Hosen \u2013 Trink aus, wir m\u00fcssen gehen\/Alles muss raus! (Bonus) \u2013 JKP \/ Warner Music Central Europe 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Die-Toten-Hosen-Trink-aus-wir-muessen-gehen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Die-Toten-Hosen-Trink-aus-wir-muessen-gehen.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9265\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Guido D\u00f6rheide (28.06.2026)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit 1988 bin ich Hosenfan, das 1987er Livealbum \u201eBis zum bitteren Ende\u201c war damals mein Einstieg und binnen weniger Wochen legte ich mir fast alles zu, was die Hosen bis dahin ver\u00f6ffentlicht hatten \u2013 inklusive der \u201eBommerlunder\u201c-Single. Nach \u201eAuf dem Kreuzzug ins Gl\u00fcck (125 Jahre Die Toten Hosen)\u201c 1990 nahm mein Interesse dann ab, bereits mit \u201eEin kleines bisschen Horrorschau\u201c (1988 \u2013 jahaa, bereits in dem Jahr, in dem mein Hoseninteresse begann) hatten sie sich f\u00fcr meinen Teenagergeschmack ein wenig zu weit vom brachialen, aber nie schmerzhaften Sauf- und gehobenen Primitivhumorpunk entfernt. Inzwischen wei\u00df ich aber am 1990er Album zumindest die kabarettistischen Beitr\u00e4ge von Gerhard Polt sehr zu sch\u00e4tzen (\u201eWenn a Sochn genetisch versaut ist, dann kann man das allein durch Pr\u00fcgel net korrigier\u2019n!\u201c).<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Merken Sie selber, liebe Lesenden, nicht wahr: Von wahrem Fantum kann man da eigentlich kaum sprechen. Ich habe aber den Werdegang der Hosen von den lustigen D\u00fcsseldorfer Spa\u00dfpunktruppe hin zu einer der gr\u00f6\u00dften Deutschrockinstitutionen des Landes mit Wohlwollen verfolgt, auch wenn es mir bei \u201eTage wie dieser\u201c, \u201eBonny &amp; Clyde\u201c oder \u201eAlles aus Liebe\u201c zuverl\u00e4ssig den Magen umdreht. Politisch finde ich Campino \u2013 den Helmut Schmidt des Deutschrock \u2013 immer sehr OK, textlich schafft er es leider nicht so \u00fcberzeugend wie die von mir weniger favorisierten \u00c4rzte, gesellschaftliche und politische Missst\u00e4nde auf den Punkt zu bringen, manchmal nicht mal so \u00fcberzeugend wie die eigentlich fast primitiveren Betontod. Aber mehr dazu sp\u00e4ter.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Lieblingsst\u00fcck von den Toten Hosen ist seit damals \u201eWort zum Sonntag\u201c und wird es auch immer bleiben. Knapp 24 Jahre alt war Campino, als das St\u00fcck auf dem 1986er \u201eDamenwahl\u201c-Album ver\u00f6ffentlicht wurde, und reifer hat er sich f\u00fcr mich nie wieder angeh\u00f6rt. Er trauert auf diesem Song zuerst den guten alten Zeiten hinterher, in der \u201edie Bewegung\u201c noch Wut hatte, stellt dann fest, dass fr\u00fcher (also vermutlich ca. sechs bis acht Jahre fr\u00fcher) bei weitem nicht alles besser war, und wendet den Blick in die Zukunft. Seine Zukunft als Punk koppelt er an die Lebensdauer des Johnny Thunders (zum Zeitpunkt von Thunders\u2019 Tod im Jahr 1991 war Campino immer noch Punk, und innerlich ist er es auch trotz allem Deutschrock geblieben, behaupte ich mal), und erst, wenn er die 60 \u00fcberschritten hat, will er erz\u00e4hlen, was fr\u00fcher einmal war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die 60er-Schwelle hat Herr Frege bereits 2022 \u00fcbertreten, und so g\u00f6nne ich es ihm, auf dem aktuellen und als Abschied vorgesehenen Album den Blick teilweise in die Vergangenheit zu richten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Anfang tut Campino das nicht allein, sondern l\u00e4sst sich beim Blick zur\u00fcck auf \u201eHier sind die Hosen\u201c von Farin Urlaub von den parallel zu den Hosen zur Vorzeigedeutschrockkapelle aufgestiegenen \u00c4rzten unterst\u00fctzen. Bereits der Einstieg \u201eEin ganzes Leben voller Sch\u00f6nheit, voller Liebe, ein ganzes Leben f\u00fcr die Freiheit, f\u00fcr die Kunst\u201c ist toll \u2013 Campino hat die bessere Stimme, aber Farin kann besser texten. In Folgenden z\u00e4hlen die beiden dann die wichtigsten Hosen-Alben auf (n\u00e4mlich die fr\u00fchen Werke) und stimmen launig auf zahlreiche R\u00fcckblicke und neue gesellschaftliche Statements ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eWir waren nie weg\u201c z\u00e4hlt eindeutig zur ersteren Kategorie und ist richtig schmissig mit gutem Gitarrensolo und einem grandiosen Refrain (\u201eWir war&#8217;n nie weg, wir sind noch hier, fall&#8217;n mit der T\u00fcr ins Haus, in dein Haus, in dein Haus. Wir war&#8217;n nie weg, ihr seid frustriert, ihr seht neben uns schlecht aus, ganz schlecht aus, ganz schlecht aus.\u201c). Am Ende hei\u00dft es dann \u201eWir geh\u2019n nicht weg.\u201c Hm, aha!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDie Show muss weitergehen\u201c ist ein nachdenklicher Blick in die Zukunft: Manchmal kann man nicht mehr, aber der Zustand der Welt erfordert ein \u201eImmer Weitermachen\u201c. Und das tun die Hosen dann nach bester Hosenmanier mit \u201eSchlechte Nachbarn\u201c. Beste Hosenmanier bedeutet f\u00fcr mich in diesem Zusammenhang, dass die Band das beste will, eine bewundernswert korrekte Haltung hat, bereit ist, den Finger in die Wunde zu hauen und mehrmals umzudrehen, aber am Ende tr\u00fcben sie den guten Gesamteindruck durch peinliche Abgeschmacktheiten: \u201eSchlechte Nachbarn\u201c handelt von den Menschen in einer wohlhabenden Wohngegend, die fremdenfeindlich und AfD-affin agieren, die nach au\u00dfen hin perfekte Familie ist innerlich zerrissen, weil die Kinder die Bigotterien der Eltern kaum ertragen k\u00f6nnen, und au\u00dfen rum steht eine Mauer, da man \u201elieber unter sich\u201c bleibt, durch die der Wachdienst nur die Putzfrau rein und raus l\u00e4sst. So weit, so aufrecht, und die Musik ist schmissig. Warum aber thematisiert Campino neben den tats\u00e4chlichen Ungeheuerlichkeiten dieser rechten Spie\u00dfergemeinschaft noch den ordentlich gem\u00e4hten Rasen und den schicken BMW in der Einfahrt? Dieser Anflug von Sozialneid tr\u00fcbt die gute politische Aussage des Songs f\u00fcr mich ein wenig ein. Die Leute in der besungenen Siedlung sind Arschl\u00f6scher, weil sie eine intolerante und egoistische Haltung an den Tag legen und nach diesen \u00dcberzeugungen agieren und leben. Dass sie nicht zur Miete wohnen und keine 17 Jahre alten Toyotas fahren, m\u00f6chte ich diesen Menschen nicht vorwerfen. Ich gehe davon aus, dass Campino und seine Kollegen durch ihre Kunst (und wohl auch zu einem Teil ihrer kalkulierten Hinwendung zum Mainstream) auch sehr wohlhabend geworden sind, trotzdem halte ich sie f\u00fcr gute Menschen mit einer aufrechten Haltung. Also Zwei minus f\u00fcr \u201eSchlechte Nachbarn\u201c, musikalisch macht der Song Laune, wie sie die Hosen schon lange nicht mehr verbreitet haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Richtig gut wird es auf \u201eLass mal nicht machen\u201c: Zu einem soliden Bluesriff z\u00e4hlt Campino lauter Sachen auf, die man nicht machen sollte (Die T\u00fcr aufmachen f\u00fcr die Zeugen Jehovas, am Weltfrauentag im Rammstein-Pullover, mit der AIDA einmal um die Welt, &#8217;ne Runde Kugelfisch-Sushi bestell&#8217;n, auf wei\u00dfe Tauben schie\u00dfen vom Balkon, Die Toten Hosen bei Sing meinen Song). Bereits beim zweiten Refrain singen Campino und Kuddel \u201eoder vielleicht doch?\u201c und am Ende des Songs hei\u00dft es \u201eKomm, wir machen\u2019s doch!\u201c \u2013 \u201eArschloch!\u201c Die beiden k\u00f6nnen anscheinend allem widerstehen, au\u00dfer der Versuchung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf \u201eWas fr\u00fcher einmal war\u201c greift Campino im Titel eine Zeile aus \u201eWort zum Sonntag\u201c auf und erz\u00e4hlt dann ausgiebig von fr\u00fcher. Das Midtempo-St\u00fcck bietet dabei seiner Stimme eine prima B\u00fchne, hier kann er sein ganzes Stadionrockgesangspotenzial voll entfalten, und das funktioniert gut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht alle Songs werden mir auf ewig im Ged\u00e4chtnis bleiben, daf\u00fcr werde ich \u201eTrink aus, wir m\u00fcssen gehen\u201c auch wahrscheinlich nicht oft genug h\u00f6ren, aber dieses Abschiedsalbum ist nicht einfach nur funktional und OK, nein, es ist wirklich gut.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende noch zwei Anspieltipps: \u201eKeine Macht den Proben\u201c erz\u00e4hlt zu guter Punkmusik vom Alltag im Hosen-Proberaum, ist witzig und selbstkritisch zugleich und musikalisch wie fr\u00fcher in den 80ern, nur technisch auf einem ganz anderen Niveau. Der Titelsong \u201eTrink aus\u201c ist eine weitere Stadionhymne, die hinten raus immer kraftvoller und lauter, aber nicht weniger hymnisch wird. Ein sch\u00f6ner Abschluss f\u00fcr das Album. Auch das t\u00f6dliche Ungl\u00fcck auf dem 1.000. Hosen-Konzert wird hier sehr einf\u00fchlsam und sensibel thematisiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach diesem nachdenklichen und \u2013 ja, auch wieder supersch\u00f6nen \u2013 Schlussst\u00fcck bleibt es dann noch, die Bonus-CD einzulegen: Hier covern die Hosen 25 ihrer Lieblingssongs, und bei vielen von ihnen sind die gecoverten Musiker mit dabei: Justin Sullivan von New Model Army, Wolfgang Niedecken von BAP und Blixa Bargeld von den Einst\u00fcrzenden Neubauten, um nur drei musikhistorische Oberschwergewichte zu nennen. \u00dcberhaupt besticht die Auswahl der Songs: Mit \u201eKristallnaach\u201c von BAP h\u00e4tte ich auf einem Hosenalbum nicht gerechnet: Von der Aussage passt der Song 100% zur Einstellung der Hosen, ich h\u00e4tte aber vermutet, dass Campino sich angesichts der eher lyrischen Ausrichtung eines Wolfgang Niedecken schwer damit tut, den Song angemessen zu interpretieren \u2013 aber das Gegenteil ist der Fall: Niedecken und Campino erg\u00e4nzen sich hervorragend und tragen den Text abwechselnd auf K\u00f6lsch (Niedecken) und Hochdeutsch (Campino) vor \u2013 keine Spur von der traditionellen Feindschaft zwischen K\u00f6ln und D\u00fcsseldorf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Songauswahl auf der Bonus-CD ist voller Aha!-Momente, ich verrate hier mal nichts, h\u00f6ren Sie sich da mal sch\u00f6n selber durch, liebe H\u00f6renden. Einmal spoilern muss ich jedoch: Auf \u201eForever Young\u201c wirkt doch tats\u00e4chlich Marian Gold von Alphaville mit (immer noch mit einer tollen Stimme) mit, und vom Alphaville- zum Punk-Teil des Songs leitet Campino mit \u201eWollt Ihr wirklich immer Hippies bleiben?\u201c \u00fcber und singt kurz die Goldene-Zitronen-Version des Songs (\u201eF\u00fcr immer Punk\u201c \u2013 erschienen auf dem 1987er Zitronen-Deb\u00fct \u201ePorsche, Genscher, hallo HSV\u201c) an, bevor es die Band dann sch\u00f6\u00f6n l\u00e4ssig krachen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gestatten Sie mir noch eine enzyklop\u00e4dische Notiz am Ende: Mit Campino (Andreas Frege), den Gitarristen Kuddel (Andreas von Holst) und Breiti (Michael Breitkopf) sowie Bassist Andi Meurer weist die an Musikanten mit dem Vornamen Andreas nicht eben arme Band eine hohe Anzahl an Gr\u00fcndungsmitgliedern auf. Der urspr\u00fcngliche Schlagzeuger Trini Trimpop wechselte \u2013 \u00e4hnlich wie Tommy bei den Ramones \u2013 ins Management und wurde zun\u00e4chst von Jakob Keusen und dann vom legend\u00e4ren W\u00f6lli (Wolfgang Rohde, der verkehrsunfallbedingt aussteigen musste und 2016 viel zu fr\u00fch verstarb) und schlie\u00dflich vom bis zum bitteren Ende amtierenden Vom Ritchie abgel\u00f6st.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (28.06.2026) Seit 1988 bin ich Hosenfan, das 1987er Livealbum \u201eBis zum bitteren Ende\u201c war damals mein Einstieg und binnen weniger Wochen legte ich mir fast alles zu, was die Hosen bis dahin ver\u00f6ffentlicht hatten \u2013 inklusive der &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/die-toten-hosen-trink-aus-wir-muessen-gehen-alles-muss-raus-bonus-jkp-warner-music-central-europe-2026\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-9264","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9264","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9264"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9264\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9266,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9264\/revisions\/9266"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9264"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9264"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9264"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}