{"id":9241,"date":"2026-06-23T21:51:14","date_gmt":"2026-06-23T19:51:14","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9241"},"modified":"2026-06-23T21:51:42","modified_gmt":"2026-06-23T19:51:42","slug":"liegengeblieben-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/liegengeblieben-10\/","title":{"rendered":"Liegengeblieben! (10)"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Chrisz-Meier-Liegengeblieben.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/Chrisz-Meier-Liegengeblieben.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7217\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Chrisz Meier (23.06.2026)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Hallo. Ich bin Chrisz Meier und arbeite bei einem B\u00fcrgerradio in S\u00fcdwest-Niedersachsen. Der Sender bekommt st\u00e4ndig Promo-CDs zugeschickt, die niemand verlangt hat und um die sich niemand k\u00fcmmert. Diese CDs landen dann mitsamt ihrem Beipackzettel der Plattenfirma, auf der die jeweilige Band stets als die Neuerfinder der Musik gepriesen wird, in einer schmucklosen Ablage, beschriftet mit \u201eZum Mitnehmen\u201c. Einige der bei dem Sender ehrenamtlich T\u00e4tigen, Betreiber ihrer eigenen Radioshows, bedienen sich daraus, vieles bleibt aber dennoch liegen. Diese Liegengebliebenen durchforste ich in unregelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden, immer auf der Suche nach unentdeckten Perlen \u2013 nicht zuletzt deswegen, weil ich, selbst Teil einer Band, der keinerlei Beachtung entgegengebracht wird, es ungerecht finde, diese mit viel Herzblut und Zeit hergestellte Musik einfach zu ignorieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Also werde ich an dieser Stelle hin und wieder ein paar dieser Liegengebliebenen vorstellen. Und ja, dieser Text steht am Anfang jeden Teils dieser Reihe. Der letzte Beitrag ist n\u00e4mlich schon vier Monate alt und niemand guckt nach \u201e\u00e4lteren Beitr\u00e4gen\u201c, oder?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Glen-It-Was-A-Bright-Cold-Day-In-April.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Glen-It-Was-A-Bright-Cold-Day-In-April.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8783\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute habe ich viel Instrumentalmusik dabei. Den Anfang machen <strong>Glen<\/strong> aus Berlin, die mit \u201eIt Was A Bright Cold Day In April\u201c schon ihr viertes Album vorlegen. Ich mu\u00df leider sagen, da\u00df ihre Songs bei mir \u00fcberhaupt nicht z\u00fcnden. Hier passiert au\u00dfer ewigen Wiederholungen \u00fcber immer gleich bleibende Melodien (mit etwas Dynamik) n\u00e4mlich \u2013 nichts. Die meist \u00fcberlangen (5 bis 14 Minuten) Versuche, mit maximal zwei simplen Riffs Spannung zu erzeugen, mi\u00dflingt, trotz aufwendiger Instrumentierung und zugegebenerma\u00dfen glasklarem Sound. Auf dem Cover sind die Texte f\u00fcr die f\u00fcnf Lieder zwar abgedruckt, aber jemand hat vergessen, sie auch einzusingen. Kann ja jedeR f\u00fcr sich zuhause nachholen. Der f\u00fcnfte und l\u00e4ngste Track dann (14 Minuten) hat ein siebenmin\u00fctiges Intro, um dann weitere sieben Minuten vor sich hin zu daddeln, jetzt aber mit Schlagzeug. Das Ganze erinnert mich mehr an landscapes als an Songs und wer sowas mag, sollte sich <strong>Glen<\/strong> ins Haus holen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Glen: It Was A Bright Cold Day In April<\/strong><br><strong>LP, CD, Digital<\/strong><br><strong>Kapit\u00e4n Platte (2026)<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Magnify-The-Sound-Searching-For-A-Quiet-Place.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Magnify-The-Sound-Searching-For-A-Quiet-Place.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8824\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr mich noch langweiliger als <strong>Glen<\/strong> klingt <strong>Magnify The Sound<\/strong> auf \u201eSearching For A Quiet Place\u201c. Sie sind der Beweis daf\u00fcr, da\u00df aus Norwegen auch mal nicht so tolle Musik kommen kann. Auf diesem Album passiert \u00fcberhaupt nichts, es ist Stillstand in Musikform. Einschl\u00e4fernde sph\u00e4rische Sounds ohne Ziel und ohne Absicht. Vielleicht ist dies sogar Musik f\u00fcr Leute, die mit Musik nichts anfangen k\u00f6nnen, wer wei\u00df. Innerhalb der sechs Songs werden jeweils die Sounds von verschiedenen Instrumenten, gespielt von im wesentlichen zwei Menschen plus ein paar menschliche Stimmen \u00fcbereinandergeschichtet, um Atmosph\u00e4re zu erschaffen. Immerhin werden <strong>Magnify The Sound<\/strong> dem Albumtitel gerecht, denn allzu laut geht es hier wirklich nicht zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Magnify The Sound: Searching For A Quiet Place<\/strong><br><strong>LP, CD, Digital<\/strong><br><strong>Crispin Glover Records (2026)<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Thistle-Sifter-Forever-The-Optimist.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Thistle-Sifter-Forever-The-Optimist.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8718\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch beim n\u00e4chsten Album passiert nichts, das aber etwas abwechslungsreicher als eben. \u201eForever The Optimist\u201c von <strong>Thistle Sifter<\/strong> scheint das Projekt eines einzelnen Mannes zu sein, der hier mit einigen Gastmusikern ein acht-Song-Album unter dem Etikett Post Rock aufgenommen hat. Zu h\u00f6ren sind mit Streichern pomp\u00f6s aufgeblasene Arrangements \u00fcber simple Melodien, die nichts bei mir anrichten. Auch hier bleibt es instrumental, von ein paar Sprachsamples abgesehen. Die ganze Platte macht auf mich den Eindruck einer Abschlu\u00dfarbeit eines Musikhochschulabsolventen: Technisch perfekt, aber inhaltsleer. Hat man die ersten acht Takte eines Songs geh\u00f6rt, kennt man das ganze Lied. \u201eForever The Optimist\u201c ist wirklich gut als Hintergrundmusik geeignet. Mir f\u00e4llt blo\u00df partout kein Anla\u00df ein, wobei ich diese Musik gerne im Hintergrund h\u00f6ren wollen w\u00fcrde. Aber bitte, wer Musik, die gar nicht st\u00f6rt, mag, ist hiermit bestens bedient.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Thistle Sifter: Forever The Optimist<\/strong><br><strong>LP, CD, Digital<\/strong><br><strong>Freia Music (2026)<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/We-Stood-Like-Kings-Pinocchio.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/We-Stood-Like-Kings-Pinocchio.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9011\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und schon wieder Instrumentalmusik, diesmal Rock. Schwerer Rock mit Klavier. <strong>We Stood Like Kings<\/strong> beginnen ihr Album \u201ePinocchio\u201c mit einem Blender. \u201eAssassins\u201c beginnt mit einem Hook, das im Ohr h\u00e4ngenbleibt, untermalt von einem zeitgem\u00e4\u00dfem Drumspiel und -sound, der Lust auf mehr weckt. Zwischendrin verwirren dann drei kurze Free-Jazz\/Progrock-Passagen und man wird neugierig, zumal da ja auch noch dieses f\u00fcr das Genre eher ungew\u00f6hnliche Klavier im Raum steht. Schon ab Song zwei wird dann aber mehr und mehr klar, da\u00df hier nichts Besonderes zu erwarten ist. Die Songs klingen zunehmend nach dem Baukastensystem aneinandergesetzt: Dort ein Hochhaus, hier eine Br\u00fccke. Das recht dominante Klavier setzt dabei zwar Akzente, aber halt keine spannenden. Die Melodieb\u00f6gen werden vorherseh- und berechenbar. Da haben andere in den meist eineinhalb Minuten, bevor die Songs anfangen, loszugehen, Gr\u00f6\u00dferes erschaffen. Positiv zu vermelden ist wieder einmal die druckvolle Produktion. Au\u00dferdem wird es hier und da wenigstens rhythmisch interessant. Ja, das klingt heavy, ja, das ist vermutlich sogar zeitgen\u00f6ssischer Heavy Rock, l\u00e4sst mich aber insgesamt kalt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>We Stood Like Kings: Pinocchio<\/strong><br><strong>LP, CD, Digital<\/strong><br><strong>Kapit\u00e4n Platte (2026)<\/strong><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Sugar-Horse-Not-A-Sound-In-Heaven.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Sugar-Horse-Not-A-Sound-In-Heaven.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9008\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Schlu\u00df nochmal was mit Gesang, und diese Scheibe ist die mit Abstand interessanteste f\u00fcr heute. <strong>Sugar Horse<\/strong> aus Bristol nennen ihre Musik Experimental Rock, und mit der Bezeichnung macht man nichts falsch, kann sie doch vieles bedeuten. Und es bedeutet auch viel auf ihrem dritten Album \u201eNot A Sound In Heaven\u201c. St\u00e4ndig wird hier hin- und hergewechselt zwischen den Zust\u00e4nden \u201emaximal unzug\u00e4nglich, verst\u00f6rend\u201c und \u201ehochmelodi\u00f6s\u201c. Hier trifft 80er Synthie-Wave-Sound auf Screamopassagen \u2013 in einem Song. Der n\u00e4chste ist dann was ziemlich anderes. Das ist zwar nicht immer und nicht durchgehend sch\u00f6n, aber wenigstens unvorhersehbar. Einige Passagen erinnern ganz entfernt an <strong>Killing Joke<\/strong>, andere (\u201eYou Can\u2019t Say Dallas Doesn\u2019t Love You\u201c) an <strong>Bauhaus<\/strong>, wieder andere an <strong>Korn<\/strong>. Auch die Songl\u00e4ngen halten sich an keine Vorgaben, sie reichen von radiokompatibel bis zu zehn Minuten. Im Gegensatz zu den anderen hier besprochenen Scheiben schaffen es <strong>Sugar Horse<\/strong> hier, durch L\u00e4nge tats\u00e4chlich Spannung aufzubauen \u2013 und diese dann auch aufzul\u00f6sen. Als Sahneh\u00e4ubchen sei noch das offenbar vorhandene politische Bewu\u00dftsein der Band erw\u00e4hnt, die zumindest die doppelten Standards in der Berichterstattung des globalen Nordwestens benennen k\u00f6nnen. Lobenswert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Sugar Horse: Not A Sound In Heaven<\/strong><br><strong>LP, CD, Digital<\/strong><br><strong>Fat Dracula Records (2026)<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Chrisz Meier (23.06.2026) Hallo. Ich bin Chrisz Meier und arbeite bei einem B\u00fcrgerradio in S\u00fcdwest-Niedersachsen. Der Sender bekommt st\u00e4ndig Promo-CDs zugeschickt, die niemand verlangt hat und um die sich niemand k\u00fcmmert. Diese CDs landen dann mitsamt ihrem Beipackzettel der &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/liegengeblieben-10\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,33],"tags":[],"class_list":["post-9241","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-liegengeblieben"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9241","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9241"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9241\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9243,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9241\/revisions\/9243"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9241"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9241"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9241"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}