{"id":9212,"date":"2026-06-17T21:10:46","date_gmt":"2026-06-17T19:10:46","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9212"},"modified":"2026-06-17T21:10:46","modified_gmt":"2026-06-17T19:10:46","slug":"nine-inch-nails-tron-ares-divergence-nine-inch-noize-the-null-corporation-interscope-walt-disney-records-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/nine-inch-nails-tron-ares-divergence-nine-inch-noize-the-null-corporation-interscope-walt-disney-records-2026\/","title":{"rendered":"Nine Inch Nails \u2013 Tron Ares: Divergence\/Nine Inch Noize \u2013 The Null Corporation\/Interscope\/Walt Disney Records 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Nine-Inch-Nails-Tron-Ares-Divergence.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"122\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Nine-Inch-Nails-Tron-Ares-Divergence.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9213\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Nine-Inch-Noize.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Nine-Inch-Noize.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9214\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Matthias Bosenick (17.06.2026)<br><br>Merkw\u00fcrdig, woran liegt es? Am fehlenden Druck, weil die Musik dieses Mal nicht explizit in einem Disney-Film verwendet werden muss? Daran, dass andere Leute bessere Ideen davon haben, wie Musik der Nine Inch Nails im Jahre 2026 klingen k\u00f6nnte? Wie auch immer: Die Remix-Version \u201eDivergence\u201c des Soundtracks zu \u201eTron: Ares\u201c f\u00e4llt um ein Vielfaches besser aus als die regul\u00e4re Variante. Der zweite gemutma\u00dfte Aspekt indes trifft nicht grunds\u00e4tzlich zu: Die als \u201eNine Inch Noize\u201c ver\u00f6ffentlichten Versionen von Nine-Inch-Nails-Tracks im Kleid von Boys Noize haben eher etwas von Industrial-Schlager.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es muss ja nicht alles klingen wie fr\u00fcher, als es Trent Reznor, der einzigen personellen Konstante im Kleid von Nine Inch Nails, noch richtig schlecht ging, und man atmet ja mit ihm erleichtert auf, dass er seine tiefsten T\u00e4ler \u00fcberwand. Wenn dann aber die Musik, die er anschlie\u00dfend herausbringt, einer Art NIN-Schablone zu folgen scheint, die das Beste der Achtziger und Neunziger und die Hits von heute zu etwas leicht zug\u00e4nglich Massentauglichem vereint, dann f\u00fchlt man sich nicht mehr wie fr\u00fcher musikalisch in seiner Seele verstanden. Stillstand ist R\u00fcckschritt, aber nicht jeder Fortschritt f\u00fchrt in eine f\u00fcr alle vertr\u00e4gliche Richtung.<br><br>Was Reznor fr\u00fcher f\u00fchlte und analog ausgestattet in T\u00f6ne presste, scheint er seit 25 Jahren vornehmlich digital zu generieren. Damit unterscheidet sich sein Sound kaum von dem anderer Laptop-Elektroniker, und was an NIN-Identit\u00e4t \u00fcbrig blieb, folgte einem Schema, ohne ihm nachdr\u00fccklich Neues hinzuzuf\u00fcgen. So scheint es auf \u201eTron Ares: Divergence\u201c streckenweise auch noch zu sein, wenn Reznor zwischen die Remixe und Neubearbeitungen eigene Tracks schiebt, die es nicht auf den regul\u00e4ren Soundtrack schafften. Zwar bestehen die Nine Inch Nails nicht allein aus ihm, sondern seit Jahren aus ihm und Atticus Ross, aber wahrzunehmen ist dies allerh\u00f6chstens in der Verw\u00e4sserung, so man sie dem Sidekick zuschustern mag. Ein Track wie \u201eOperand\u201c jedenfalls belegt, wie willk\u00fcrlich und seelenlos die Electromucke der Nine Inch Nails sein kann. Funktional, bestenfalls. Die Drumpatterns h\u00e4tte auch ein Amateur mit etwas Vision nach einiger Zeit zusammengeklickt. Auch der eiskalte Ambient von \u201eZero State\u201c verr\u00e4t kaum die Handschrift der Ersteller.<br><br>Einen ausgepr\u00e4gten glasklaren Electro-Touch haben auch diese Neubearbeitungen allesamt, die Schippe Dreck der NIN aus den Neunzigern fehlt hier. Mark Pritchard f\u00fcgt eine Andeutung davon seiner Version von \u201eI Know You Can Feel It\u201c hinzu, und die gibt\u2019s nach einem kurzen NIN-Opener direkt am Anfang zu h\u00f6ren. Gleich dreimal ist Alexander \u201eAlex\u201c Ridha mit seinem Alias Boys Noize als Handanleger vertreten; diese Bearbeitungen wirken ernsthafter, seri\u00f6ser als sein Beitrag zu Nine Inch Noize. Sein \u201eGhost In The Machine\u201c, immer noch nicht von The Police, l\u00e4sst sowohl den Geist von Nine Inch Nails als auch den klassischen von \u201eTron\u201c heraush\u00f6ren, und sein \u201eWhate Have You Done?\u201c ist wie jener ein Kopfnicker, in den er eine wohldosierte Radikalit\u00e4t einflie\u00dfen l\u00e4sst, etwa, indem er seine Baller-Beats einsetzt, als w\u00e4re es Industrial.<br><br>Zuvor gibt\u2019s noch eine Passage mit Ambient, mit \u201eEmpathetic Response\u201c bearbeitet von Lanarc Artefax sowie, und das d\u00fcrfte hier eine \u00dcberraschung sein, Chilly Gonzales\u2018 Version von \u201e100% Expendable\u201c, in dem jetzt \u2013 nat\u00fcrlich! \u2013 ein Piano erklingt. In Richtung Ballermann, nicht in Richtung Queen, verzieht sich daraufhin \u201eWho Wants To Live Forever?\u201c, verzapft von Danny L Hare und der Tiefpunkt dieses Albums. Jack Dangers rettet die Sache sofort: Sein kopfnickender Hip-Hop-basierter \u201eInfiltrator\u201c ist lupenreines Meat Beat Manifesto, besser sogar als das letzte Album unter dem Namen. Pixel Grip machen aus der Hitsingle \u201eAs Alive As You Need Me To Be\u201c das, was es im Original bereits ist, nur konsequent: einen Popsong, einen dunklen Goth-Synthie-Track, mit Gesang von Rita Lukea und dem von Reznor sympathisch zum Background degradiert.<br><br>Die Beklemmung von fr\u00fcher hat\u2019s nicht mehr, was nat\u00fcrlich auch daran liegen kann, dass man sich im Laufe der Jahre seines Lebens fortw\u00e4hrend weniger beklemmen l\u00e4sst. Dennoch l\u00e4sst sich in \u201eI Know You Can Feel It\u201c vom Working Men\u2019s Club die alte dunkle Seele wieder heraush\u00f6ren, in Aufbau, Verlauf und Steigerung dieses Tracks. Reznors Stimme schafft es nicht in alle Bearbeitungen, einige Tracks waren ja bereits im Original instrumental, aber wo er zu h\u00f6ren ist, verst\u00e4rkt sich in den Neuversionen die Ahnung von Nine Inch Nails wieder. So auch in \u201eShadow Over Me\u201c von The Dare, was Reznor gleich als Aufh\u00e4nger nimmt, um im Zwischenst\u00fcck \u201eTerminal\u201c den Beat und das Tempo von \u201eCloser\u201c aufzugreifen. F\u00fcr Schwefelgelb ist \u201eForked Reality\u201c ein minimalistischer Housetrack im Uptempo, versetzt mit angenehm unbequemen Synthieeffekten. In eine digital verwaschene Version r\u00fcckt Arca zuletzt \u201eAs Alive As You Need Me To Be\u201c, befreit von Beats und H\u00e4rte, dezent n\u00e4her an Aphex Twin, der Rhythmus freundlich gebrochen.<br><br>Diese Remix-CD gibt es in zwei Varianten: Wer das Original noch nicht hat, kann sich die Doppel-CD zulegen, die anderen bekommen \u201eTron Ares: Divergence\u201c auch separat. Die dritten, die das Original nicht brauchen, freuen sich \u00fcber zweitere Variante. Gar nicht physisch gibt es kurioserweise \u201eNine Inch Noize\u201c, den vermeintlichen Live-Mitschnitt, den die Nine Inch Nails zusammen mit Boys Noize bestritten, um mehr oder weniger alte NIN-Hits mit Berliner Techno neu zu denken. Das Album tr\u00e4gt die Katalognummer Halo 38, \u201eTron Ares: Divergence\u201c hat Halo 37, \u00fcbrigens.<br><br>Dieses gemeinsame Album hat etwas Merkw\u00fcrdiges. Ganz abgesehen davon, dass es zwar auf einer Tour entstand, bearbeiteten es die Protagonisten im Studio weiter; der Applaus hat mithin etwas von dem, den The KLF in \u201eThe White Room\u201c gesampelt unterbrachten. Die Tracks nun: Der geneigte Rezensent unterteilt die Nine Inch Nails in vor und nach dem Jahr 2000; bis \u201eThe Fragile\u201c fand er sich in der musikalischen Seelenlandschaft von Trent Reznor auf eine beinahe metaphysische Art verstanden, ab \u201eWith Teeth\u201c schlug Reznor andere Wege ein. Somit sind die Tracks von nach dem Jahr 2000 hier auch eher egal; was Ridha da mit ihnen macht, ist ganz okay, netter Electro auf der Basis von der Idee von Industrial, etwas L\u00e4rm drin, passt schon, die Baller-Bl\u00f6cke nimmt man halt hin, ist halt Boys Noize, das muss so. Stattgegeben: \u201eParasite\u201c, im Original vom Nebenprojekt How To Destroy Angels, ist hier pl\u00f6tzlich besser, weil treibender, aggressiver. \u201eCopy Of A\u201c, ohnehin die Blaupause f\u00fcr den Post-2000-NIN-Sound (man suche \u201eThis Is A Trent Reznor Song\u201c von Freddy Scott auf Youtube), wird hingegen zu einer Mischung aus Ballermann-Schlager und Berlin-Bummbumm. Man ahnt, dass Ridha und Reznor f\u00fcr die Neuausrichtung vornehmlich St\u00fccke nach 2000 heranzogen \u2013 aus der gef\u00e4lligeren, massentauglicheren Zeit, Pseudo-Industrial f\u00fcr die Hipster-Tapete.<br><br>\u00c4ltere St\u00fccke sind lediglich drei dieser elf plus \u201eIntro\u201c, alle aus der Zeit von \u201eThe Downward Spiral\u201c, also aus dem Jahr 1994. Und da wird\u2019s schwierig: Diese Songs tragen urspr\u00fcnglich eine Dunkelheit, Verlorenheit, Verzweiflung, sogar Aggressivit\u00e4t, die nachvollziehbar von Reznor als wahrhaftig empfundene Emotionen zu Musik gemacht wurden und die bei der H\u00f6rerschaft das Gef\u00fchl ausl\u00f6sten, von ihm verstanden zu werden. Wenn nun aber Ridha aus \u201eHeresy\u201c einen fr\u00f6hlichen Uptempo-Dancefloor-Track macht, der zwar noch leicht die Aggression in sich hat, aber l\u00e4ngst nicht mehr die H\u00e4rte und die Verzweiflung, dann f\u00fchlt man sich betrogen. Noch schlimmer ist es mit \u201eCloser\u201c, das nur noch zum Chaos-Rummelplatz seiner selbst wird, zum Partyhit f\u00fcr NIN-Nostalgiker, seiner Bedeutung, seiner Wucht, seiner Hoffnungslosigkeit entrissen.<br><br>Als drittes \u201eMemorabilia\u201c, das Nine Inch Nails f\u00fcr die B-Seite von Closer bei Soft Cell coverten. Ja, bei denen mit \u201eTainted Love\u201c, und die waren abseits davon gelegentlich auch etwas harscher unterwegs, das passte schon; \u201eMemorabilia\u201c war deren erste Single \u00fcberhaupt, und wer sich die Tracklist des dritten Albums \u201eThe Last Night \u2026 In Sodom\u201c anguckt, entdeckt darauf als erstes Song einen namens \u201eMr. Self Destruct\u201c. Kein Zufall! Jedenfalls knallte Reznor einem \u201eMemorabilia\u201c urspr\u00fcnglich noch extrem stressig und nervenzerfetzend um die Ohren, die halb so lange Neubearbeitung macht daraus abermals einen unbefangenen Partysong mit latent unbequemen Mitteln.<br><br>Dieses gemeinsame Album schlie\u00dft mit \u201eAs Alive As You Need Me To Be\u201c, damit ist der Kreis zu \u201eTron Ares: Divergence\u201c geschlossen. Und es ist gut, dass diese \u201eYeah yeah yeah\u201c-Version nicht auf dem Remix-Album enthalten ist \u2013 sie h\u00e4tte die Qualit\u00e4t erheblich gesenkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (17.06.2026) Merkw\u00fcrdig, woran liegt es? Am fehlenden Druck, weil die Musik dieses Mal nicht explizit in einem Disney-Film verwendet werden muss? 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