{"id":9195,"date":"2026-06-15T20:37:16","date_gmt":"2026-06-15T18:37:16","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9195"},"modified":"2026-06-15T20:37:16","modified_gmt":"2026-06-15T18:37:16","slug":"flix-reinhard-kleist-lucky-luke-hommage-8-die-grimm-brothers-egmont-ehapa-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/flix-reinhard-kleist-lucky-luke-hommage-8-die-grimm-brothers-egmont-ehapa-2026\/","title":{"rendered":"Flix &amp; Reinhard Kleist \u2013 Lucky Luke: Hommage (8) Die Grimm Brothers \u2013 Egmont\/Ehapa 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Flix-Kleist-Lucky-Luke-H8-Die-Grimm-Brothers.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"163\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Flix-Kleist-Lucky-Luke-H8-Die-Grimm-Brothers.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9196\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Matthias Bosenick (15.06.2026)<br><br>Und wenn diese Hommage-Reihe von Lucky Luke hundertmal bei den Specials von Spirou &amp; Fantasio abgeguckt ist, die Idee und deren Umsetzung sind gut genug, um sie zu kopieren. Zur Best\u00e4tigung sei der achte Band \u201eDie Grimm Brothers\u201c herangezogen, in dem Flix als Szenarist und Reinhard Kleist als Zeichner die Gebr\u00fcder Grimm in den Wilden Westen schicken, um dort erst mit deutschen M\u00e4rchen zu scheitern und dann mit amerikanischen das Rechtsempfinden ihrer Zuh\u00f6rer durcheinanderzuwirbeln. Anspielungen, Gags, Zeichnungen, Story: da passt alles.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee, \u201eDie Grimm Brothers\u201c in den Kosmos des Lonesome Cowboy zu schicken, h\u00e4tte auch Morris und Goscinny eingefallen sein k\u00f6nnen. Jacob und Wilhelm begeben sich auf Lesereise, um ihre M\u00e4rchenb\u00fccher zu verkaufen, du scheitern an der mangelnden Bildung ihres Publikums. Erst, als sie beginnen, lokale M\u00e4rchen zu sammeln, wendet sich das Blatt \u2013 dummerweise empfiehlt ihnen ihr Schutzpatron Lucky Luke ausgerechnet Ma Dalton als Quelle, und die zeichnet nat\u00fcrlich ein lebenswertes Bild von ihren vier missratenen Spr\u00f6sslingen Joe, William, Jack und Averell, woraus das Publikum der M\u00e4rchensammler (nicht -erfinder, sie sind ja nicht Hans Christian Andersen) folgert, sie seien ja gar keine schlimmen Verbrecher. Um ihren schlechten Ruf wiederherzustellen, entf\u00fchren die Daltons die Grimm Brothers, die ihre M\u00e4rchen gerader\u00fccken sollen \u2013 und bringen damit weitere Verbrecher auf den Plan, die ebenfalls eine verschlimmerte Biografie auf den Leib geschrieben bekommen wollen. Doch Luke ist nat\u00fcrlich findig, wie immer.<br><br>Die Konstellation mit der Lesereise gibt ja schon von sich aus eine Menge an Gags her, mit den Legasthenikern, die den Unterschied zwischen Saloon und Salon nicht verschriftlicht bekommen, mit dem undankbaren Publikum, den emp\u00f6rten Daltons. Doch ist der zwar naheliegende, aber zumeist gut gel\u00f6ste Meta-Kniff hier, dass es Anspielungen auf Grimms M\u00e4rchen gibt, und zwar nicht nur vordergr\u00fcndig wie mit dem Pferd Jolly Jumper, das in den Lauten der Bremer Stadtmusikanten kommuniziert, oder der etwas \u00fcberfl\u00fcssigen Traumsequenz, sondern auch subtil, indem etwa ein Klumpen Gold, der als Honorar an Lucky Luke ging, im Verlauf der Handlung ganz nach Hans im Gl\u00fcck nach und nach zur Gans wird.<br><br>Als n\u00e4chste Ebene baut das Autorengespann aktuelle Bez\u00fcge ein: Jeff Bezos ist da noch der Holzhammer, der Rest ist gelungener, etwa David Bowie am Piano in einem Saloon oder Nick Cave, dem Kleist ebenfalls eine Biografie widmete, als Jesse James, der schw\u00f6rt, er habe Eliza Day nicht get\u00f6tet; zusammen mit Warren Ellis nahm Cave zudem vor gut 20 Jahren den Soundtrack zu \u201eDie Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford\u201c auf, auch das passt. Eine gelbe Figur im Stil von Matt Groening muss man schon erkennen, das ist angenehm unaufdringlich.<br><br>Dazu kommt, dass sich Kleist zeichnerisch zwar identifizieren l\u00e4sst, das Bild sich aber doch deutlich an den klassischen Abenteuern des Westernhelden orientiert, mit den teils monochromen, unrealistisch gef\u00e4rbten Fl\u00e4chen und Panels. Interessant ist, dass die Autoren hier auch mit etwas ins Gericht gehen, das dem frankobelgischen Comic nicht erst seit Herg\u00e9 anh\u00e4ngt: Rassismen, Stereotype, Klischees. Sobald sich Luke \u00fcber Deutsche lustig macht, wird er zurechtgewiesen, um dann geneinsam festzustellen, dass auch die Zurechtweisung einem Stereotyp folgt. Mit einer markanten \u00c4nderung in der Reihe bricht das Gespann zudem: Luke muss an einer Stelle wieder rauchen, um eine brenzlige Situation aufl\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Und nicht zuletzt bildet das Buch auch eine US-Gegenwart ab, zwischen mangelhafter Bildung und dem blinden Glauben an \u2013 M\u00e4rchenerz\u00e4hler.<br><br>Interessanterweise gab Flix nach Spirou und dem Marsupilami die dritte Hommage eines Comichelden aus der zeichnerischen Hand und verlegte sich rein auf die Geschichte. Nicht schlimm: Die Kombi aus Kleist und ihm geht gut auf. Man sollte sich \u00fcbrigens nicht beirren lassen: Im Buchhandel gibt es offenbar ausschlie\u00dflich die teure Hardcover-Version des Buches, im Zeitschriftenhandel und in Superm\u00e4rkten ist das Softcover durchaus zu haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (15.06.2026) Und wenn diese Hommage-Reihe von Lucky Luke hundertmal bei den Specials von Spirou &amp; Fantasio abgeguckt ist, die Idee und deren Umsetzung sind gut genug, um sie zu kopieren. 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