{"id":9182,"date":"2026-06-11T20:25:10","date_gmt":"2026-06-11T18:25:10","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9182"},"modified":"2026-06-11T20:25:10","modified_gmt":"2026-06-11T18:25:10","slug":"devin-townsend-the-moth-inside-out-music-2026-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/devin-townsend-the-moth-inside-out-music-2026-2\/","title":{"rendered":"Devin Townsend \u2013 The Moth \u2013 Inside Out Music 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Devin-Townsend-The-Moth.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/Devin-Townsend-The-Moth.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9148\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von Matthias Bosenick (11.06.2026)<br><br>\u00dcberambitionierter Kleistermeister: Seit zehn Jahren schwirrt \u201eThe Moth\u201c bei Devin Townsend im Kopf herum, jetzt auch auf Tontr\u00e4ger. Auf diesem Mammutwerk geht der kanadische Gitarrengott \u2122 die unheilige Allianz von Metal und Klassik ein, und er bringt darauf tats\u00e4chlich alles unter, was selbst einem Laien einfallen w\u00fcrde, und noch zwei Dutzend Ideen obendrauf. Eines Nur nicht: wiedererkennbare Songs, die man sich als jahrzehntelanger Devinfan gern ein weiteres Mal anh\u00f6ren mag. Um es mit Guido D\u00f6rheide zu sagen: Opulenz in H\u00fclle und F\u00fclle.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eHeavy As A Really Heavy Thing\u201c (1995) mit dem Hit \u201eIn The Rainy Season\u201c von Devins damaliger Hauptband Strapping Young Lad und sp\u00e4testens \u201eOcean Machine: Biomech\u201c (1997) von Devin solo legten den Grundstein f\u00fcr eine dauerhafte Anh\u00e4ngerschaft, deren Verehrungstiefe mit jedem Output zunahm. Es gab vor einiger Zeit ein Meme in diesem Internet, das zeigte einen Mann, der ein Buch von der Dicke einer Telefonzelle aufbl\u00e4tterte, mit dem Zusatz: \u201eMusical ideas of Devin Townsend, Vol. 1\u201c. Zu dem Zeitpunkt traf das auch zu: Jedes Album quoll \u00fcber vor Hits, egal, in welcher Konstellation er sie aufnahm. Da erweiterte der Metalhead sein Universum sogar um Fl\u00f6ten-Ambient und Techno, und alles passte. Dann geschah etwas, das f\u00fcr die Person Devin Townsend von immenser Bedeutung war: Er bekam seine Probleme in den Griff, \u00e4nderte sein Leben und trat in eine neue Phase des Daseins ein. \u00c4hnlich wie bei Trent Reznor blieb danach indes festzustellen, dass die Musik ihre Tiefe verlor. Sei\u2019s drum, es ist wichtiger, dass der Mensch gesund ist.<br><br>Nun haben wir aber seitdem mit so etwas wie \u201eEmpath\u201c zu k\u00e4mpfen, einem Album, in auf dem Devin sich selbst \u00fcberholte und damit Teile seiner H\u00f6rerschaft ebenso. Mit \u201ePowerNerd\u201c schlug er wieder einen vertr\u00e4glicheren Weg ein. Jetzt kommt \u201eThe Moth\u201c, ein Konzeptalbum rund um das Thema Transformation, dargebracht anhand des Lebens einer Motte und eingespielt nicht nur als Metal-Band, sondern mit Orchester und Chor. Die Partituren daf\u00fcr verfasste Townsend zusammen mit Joseph Stevenson, der bereits einen \u00e4hnlichen Job f\u00fcr Dream Theater \u00fcbernahm, und das ist schon eine reichlich unbequeme Verwandtschaft.<br><br>Man wei\u00df also nicht, wem man \u201eThe Moth\u201c letztg\u00fcltig zur Last legen soll, doch schlie\u00dflich ist es Townsends Kind, also muss er herhalten. Er komponiert sich hier den Wolf, mit Streichern und Gesang, mit Bombast, mit Ambossschl\u00e4gen, mit Fanfaren, mit Schunkeln und mit Klagen, mit cineastischem Drama und mit kurzem Chill-Out, und er nimmt daf\u00fcr jede noch so kleine Idee und jedes Instrument aus dem Klassik-Kontext und dr\u00fcckt alles irgendwo rein, jedes Klischee, das selbst einem Laien einf\u00e4llt, taucht irgendwann auf. Es ersch\u00f6pft beim H\u00f6ren, dabei ist man erst bei Track vier \u2013 von 24.<br><br>Unter den Sounds gehen die Lieder reichlich verloren. Weitestgehend ist die Musik hier einfach nur Musik, also gar nicht als Lied gedacht, und manchmal erinnern die zug\u00e4nglicheren Momente an solche, die man bereits aus Devins \u00fcppigem Katalog kennt. Es wirkt, als sei sein kompositorischer Pool ausgesch\u00f6pft; von wegen, musical ideas als dickes Buch. Dabei handelt es sich bei \u201eThe Moth\u201c ja eigentlich um so etwas wie Prog-Metal, aber der Rock\u2019n\u2019Roll tritt hier bereitwillig in den Hintergrund und klingt dann, wenn er mal deutlicher wird, in diesem Kontext sehr weich, da hilft auch eine Doublebasskanone nix. An f\u00fcnfter Stelle ist \u201eOde To The City\u201c der erste Track, den man irgendwie wiedererkennen k\u00f6nnte. Das achtmin\u00fctige \u201eCovered By Causes\u201c beginnt als Ballade und mausert sich dann zu einer Art Rocksong. F\u00fcr \u201eLexin\u201c greift Devin auf Electro-Ambient-Effekte zur\u00fcck, angereichert mit Gekreische. \u201eOrion\u201c ist ein Bisschen Popsong, sehr niedlich, und \u201ePrepare For War\u201c mit seinem milit\u00e4rischen Bombast h\u00e4tte bestimmt Wagner gefallen, also Franz-Josef. Nee, Richard!<br><br>Die Doppel-CD-Version beinhaltet das \u00fcberlange Album auch als \u201eThe Moth \u2013 Afterlife\u201c, was bedeutet, dass hier ausschlie\u00dflich Orchester und Chor zu h\u00f6ren sind. Dabei treten die kompositorischen Schw\u00e4chen bisweilen deutlicher zutage, Wiederholungen pr\u00e4gnanter Elemente etwa, Banalit\u00e4ten, egal. Da w\u00fcnschte man sich vielmehr die gespiegelte Variante, n\u00e4mlich die ohne Orchester und Chor, ausschlie\u00dflich den Metal. Schlie\u00dflich hat Dev hier stapelweise beste Mitmachende an Bord \u2013 Mike Kennealy, Ex-Zappa und bereits auf \u201ePowerNerd\u201c zu h\u00f6ren, Devs Gitarrenlehrer Steve Vai tritt als Komponist eines Interludiums auf, Morgan \u00c5gren von unter anderem Mats\/Morgan und Fredrik Thordendal\u2019s Special Defects hilft beim Trommeln, Anneke van Giersbergen singt, und so weiter. Das gro\u00dfe Audio-Buch jedenfalls hat als dritte CD die Liveauff\u00fchrung von \u201eThe Moth \u2013 The War\u201c dabei sowie jenen Mitschnitt auch noch als BluRay, und daran ist interessant, dass diese Auff\u00fchrung bereits vor den Studioaufnahmen stattfand.<br><br>Wie oft wird man sich \u201eThe Moth\u201c unter solchen Bedingungen anh\u00f6ren? Schwierig abzusch\u00e4tzen, wie viel gr\u00f6\u00dfer als Null die Anzahl sein wird. Stattdessen sei hier \u201eYeah! Yeah! Die! Die!\u201c empfohlen, die \u201eDeath Metal Symphony In Deep C\u201c von Waltari, die ist bereits exakt 30 Jahre alt und kombiniert nicht nur Metal und Sinfonie, sondern auch Techno und Rap, und sie hat \u2013 anders als \u201eThe Moth\u201c \u2013 ein Augenzwinkern in der Partitur. Oder man greift zu den Kompositionen von Jaz Coleman, der hat das mal gelernt und wei\u00df, was er da tut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (11.06.2026) \u00dcberambitionierter Kleistermeister: Seit zehn Jahren schwirrt \u201eThe Moth\u201c bei Devin Townsend im Kopf herum, jetzt auch auf Tontr\u00e4ger. 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