{"id":9083,"date":"2026-05-18T21:09:28","date_gmt":"2026-05-18T19:09:28","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9083"},"modified":"2026-05-18T21:09:28","modified_gmt":"2026-05-18T19:09:28","slug":"stefano-panunzi-caravaggio-sp-music-burning-shed-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/stefano-panunzi-caravaggio-sp-music-burning-shed-2026\/","title":{"rendered":"Stefano Panunzi \u2013 Caravaggio \u2013 SP Music\/Burning Shed 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Stefano-Panunzi-Caravaggio.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Stefano-Panunzi-Caravaggio.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9084\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (18.05.2026)<br><br>Der Mann meint\u2019s ernst: Zweieinhalb Stunden dauert \u201eCaravaggio\u201c, das f\u00fcnfte Solo-Album von Stefano Panunzi. Auf 24 Tracks beleuchtet der R\u00f6mer mit prominenter Hilfe die barocke Hell-Dunkel-\u00c4sthetik des titelgebenden Malers und beflei\u00dfigt sich daf\u00fcr ma\u00dfgeblich der Gestaltungsform des \u2013 wie passend \u2013 Art-Rock. Freunde von Marillion mit Steve Hogarth oder von Steven Wilson d\u00fcrften hier ihre gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Freude erfahren, f\u00fcr alle anderen sind hier immer noch einige tolle Momente verteilt. Man braucht aber eine Menge Sitzfleisch, um diese Flut zu bew\u00e4ltigen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eEndless\u201c hei\u00dft irgendwo mittendrin ein Track, und sobald man das Wort gesungen vernimmt, m\u00f6chte man ihm zustimmen: Endlos kommt einem das Album vor. Alle Instrumente machen exakt das, was man im soften progressiven Art-Rock mit Jazzeinfl\u00fcssen erwartet, also L\u2019art pour l\u2019art, ohne R\u00fccksicht auf Kompositionen. Und alle Instrumente sind hier eine Menge, neben dem in den Hintergrund ger\u00fcckten Kerngesch\u00e4ft aus Gitarre \u2013 diese indes weniger f\u00fcr den Rock, vorrangig f\u00fcr die Soli \u2013 und Bass zum pr\u00e4senten Schlagzeug sind dies auch Klavier, Synthies, psychedelisch-folkige Fl\u00f6ten, Streicher, Trompeten, Oboen und wer wei\u00df, was noch (Panunzi d\u00fcrfte es wissen). Die damit entstandenen Tracks sind eine Kombination aus Wiederholung und Gniedeln, aber es bleibt nicht viel h\u00e4ngen, es flie\u00dft vorbei, es hat kaum Konturen. Somit fordert es einiges von den H\u00f6renden ab, und wer damit nix anfangen kann, m\u00f6chte alsbald w\u00fctend seine Abspielger\u00e4tschaften mit Stahlbeton beschweren und aus dem n\u00e4chstbesten Hotelfenster werfen.<br><br>Zweieinhalb Stunden unendliches unteres Mid- bis Lowtempo sind so viel, dass man nix zu verpassen glaubt, wenn man mal kurz mit der Aufmerksamkeit oder auch dem Rest des K\u00f6rpers irgendwoanders ist. Was nicht ganz stimmt, weil Panunzi sekundenkurze Spezialit\u00e4ten in die gem\u00e4chlichen Fl\u00fcsse legt oder auch sonst mal vom Kerngesch\u00e4ft abweicht. Immerhin l\u00e4sst diese Art der songlosen Komposition Kitsch gar nicht erst zu, Klischees hingegen sehr.<br><br>Fangen wir an mit dem Intro des neunmin\u00fctigen Openers \u201eCaravaggio\u201c, der so hei\u00dft wie ein barocker Maler und der dem Doppelalbum mit dem selben Namen seinen Titel gibt (Gru\u00df an Guido): Zum Auftakt gibt es ein orientalisches Saiteninstrument, bevor der softe Art-Rock-Reigen losgeht. Das Orientalische findet sich im n\u00e4chsten Track \u201eI No Longer Know Who You Are\u201c in Form von Percussion wieder, nach der H\u00e4lfte des Tracks \u00fcberrascht Panunzi au\u00dferdem mit einem sekundenkurzen bratzigen Gitarrensolo inmitten des Wattemeers, also einem ohne N. \u201eNo More Wars\u201c r\u00fcttelt sp\u00e4ter mal etwas auf, mit fetten Drums, \u00fcberhaupt mal etwas flotter und gef\u00fchlt kantiger als die vorherigen St\u00fccke. Nochmal kurz: \u201eIsolation\u201c hat pl\u00f6tzlich ein abstraktes Synthie-Solo und ein Saxophon, vier Sekunden lang. Es ist noch nicht einmal die H\u00e4lfte des Albums vergangen.<br><br>F\u00fcr \u201eHymn\u201c verwendet Panunzi eine volumin\u00f6sere Snare, auf einmal ist abermals enorm kurz ein geiler, knarziger Bass zu h\u00f6ren, und zwar nicht als Groove-Instrument, sondern als Mitgestalter des Tracks. \u201eDon\u2019t Touch Me\u201c groovt und hat ein mitrei\u00dfendes Saxophon-Duell. \u201eIf It\u2019s Not Love, What Is?\u201c startet mit einem Synthie-Pop-Intro mit kraftvollem Keyboard und begleitet dies mit einer popjazzigen Till-Br\u00f6nner-Trompete. Nochmal Achtziger zitiert \u201eTribal Innocence, Part 2\u201c mit so etwas wie Synthiepop-Rock. Uff. Wie lang noch? In \u201eHold\u201c erinnert das Gesangsarrangement an das des sp\u00e4teren David Bowie, nach einem Oboensolo erscheinen pl\u00f6tzlich ein Synthieblubbern wie im Future Pop und eine knarzende Gitarre, dann Industrial-Bratzbeats mit Fl\u00f6te. \u201eSea Of Madness\u201c endet minutenlang mit dezenten soundscapeartigen Glitches. Zuletzt schickt Panunzi seine Mitstreiter episch nach \u201eGaza\u201c.<br><br>Seine Mitstreiter lassen wir Panunzi einfach mal inklusive Links zu bisherigen Einsatzfeldern unverifiziert selbst aufz\u00e4hlen: David Torn (David Bowie, David Sylvian), Theo Travis (Soft Machine Legacy, Porcupine Tree, Steven Wilson), Markus Reuter (The Crimson ProjeKct), Colin Edwin (ex-Porcupine Tree, O.R.k.), Nicola Alesini (David Sylvian, Harold Budd), Saro Cosentino (Franco Battiato, Radiodervish), Fabio Trentini (ex-Le Orme), Luca Calabrese (Richard Barbieri), Giacomo Anselmi (Goblin Rebirth), Fabio Fraschini (Novembre), Grice, 05Ric (Gavin Harrison), Alessandro Borgo Caratti, Alessandro Inolti und Nicola Lori (Fjieri). Bei jenen Fjieri handelt es sich um Panunzis Hauptband; seine bisherigen Solo-Arbeiten finden zudem zweimal Nachhall auf \u201eCaravaggio\u201c: \u201eEvery Drop Of Your Love\u201c erschien 2023 auf \u201ePages From The Sea\u201c und \u201eTribal Innocence\u201c 2005 auf dem Deb\u00fct \u201eTimelines\u201c. Wie, der Text ist lang? Das Album ist l\u00e4nger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (18.05.2026) Der Mann meint\u2019s ernst: Zweieinhalb Stunden dauert \u201eCaravaggio\u201c, das f\u00fcnfte Solo-Album von Stefano Panunzi. 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