{"id":9030,"date":"2026-04-30T19:58:01","date_gmt":"2026-04-30T17:58:01","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=9030"},"modified":"2026-04-30T19:58:01","modified_gmt":"2026-04-30T17:58:01","slug":"irdorath-bestiarium-irdorath-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/irdorath-bestiarium-irdorath-2026\/","title":{"rendered":"Irdorath \u2013 Bestiarium \u2013 Irdorath 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Irdorath-Bestiarium.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"150\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Irdorath-Bestiarium.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-9031\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (30.04.2026)<br><br>Mittelaltermusik ist ein alter Hut, haha! Gibt\u2019s ja schon seit \u00fcber tausend Jahren. Dank solcher Bands wie Corvus Corax brach ab Ende der Achtziger eine wahre Welle an neuen Mittelalterbands \u00fcber die Welt hinein \u2013 und riss auch solche Projekte mit sich, die historisches Instrumentarium, historische Kompositionen und historische Themen auf eine eher experimentelle Variante umsetzen. Die belarussischen Irdorath \u2013 nicht zu verwechseln mit der \u00f6sterreichischen Black-Metal-Band \u2013 verbinden auf ihrem vierten Album \u201eBestiarium\u201c Mythologie und Mittelaltermucke mit energetischer Tanzbereitschaft und verspielten Einf\u00e4llen. Schwerwiegend sind die Bedingungen: Dies ist das erste Album nach politischer Gefangenschaft und Flucht ins Exil.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Hier gniedeln und fiedeln die \u00fcblichen Sounds, die man seit beinahe vier Jahrzehnten zun\u00e4chst auf Mittelalterm\u00e4rkten, bald schon in jedem Grufticlub um die Ohren geschallert bekommt: Sackpfeifen, Drehleiern, Fl\u00f6ten, m\u00f6glicherweise sogar Nyckelharpa, Bodhran, all solches, und vermutlich auch uralte Instrumente aus Wei\u00dfrussland, von denen man hier noch nie geh\u00f6rt hat. Diese Sounds jedenfalls sind einem derart vertraut, dass man die Augen verdreht und wegh\u00f6ren will. Auch die Art zu singen, alternierend einzeln und mehrstimmig, klar und kehlig, kennt man bereits. Allerdings nicht auf Wei\u00dfrussisch.<br><br>Na gut, die Sounds sind ansprechend angeordnet, die Musizierenden beherrschen ihre Sujets, alles ist amtlich produziert. Und w\u00e4hrend man noch im Opener \u201eLesavik\u201c in der historisierten Anmutung der Instrumente versinkt, dreht die Kapelle pl\u00f6tzlich auf und generiert einen Disco-Rhythmus. Oder danach auch mal Polka, Offbeat oder Punk, jedenfalls etwas, wozu sich amtlich abhotten l\u00e4sst, w\u00e4hrend die Kapelle aufdreht und alle Energien freisetzt. Das k\u00f6nnte an Dead Can Dance erinnern, lenkt den Blick aber irgendwie eher in Richtung Dschinghis Khan. Und selbst die Electro-Sprengsel kennt man in der Kombi bereits, nicht ausschlie\u00dflich von Qntal. Okay: Der von den S\u00e4ngerinnen vorgebrachte Rap in der Single \u201eVuzhalka\u201c kommt unerwartet. Und wenn die Band wie in \u201eVadzianik\u201c auf s\u00e4mtlichen Szene-Zierrat verzichtet, tritt ihre Qualit\u00e4t umso deutlicher hervor.<br><br>Dieses Album entstand in den zur\u00fcckliegenden f\u00fcnf Jahren, in denen sich einige der Bandmitglieder in politischer Gefangenschaft befanden, l\u00e4sst die Info wissen. 2020 nahmen die Mitglieder an Protesten gegen den wei\u00dfrussischen Diktator Alexander Lukaschenka teil, was 2021 zu Verhaftungen f\u00fchrte \u2013 und teils brutalen Bedingungen in den Gef\u00e4ngnissen. Mittlerweile arbeitet die einst in Minsk gegr\u00fcndete Band daher in Berlin, im politischen Exil mithin. Zur aktuellen Besetzung geh\u00f6ren: Nadzeya Kalach (Gesang, Sackpfeife, Drehleier), Uladzimir Kalach (Gesang, Sackpfeife, Didgeridoo, Fl\u00f6te, Schalmei), Aliaksandra Hrakhouskaya (Gesang), Alexander Cumming (Schlagzeug), Kevin Schweikert (Gitarre) sowie Aliaksandra Aleksiuk (Cello).<br><br>2012 erschien das erste Album \u201eAd Astra\u201c, das dritte Album \u201eWild\u201c hat bereits neun Jahre auf dem Buckel. Dennoch: Vornehmlich richtet sich dieses Album \u2013 feilgeboten \u00fcberdies in einem schmucken Buch mit Texten auf Belarussisch und Englisch \u2013 an eine Szene, die zwischen M\u2019era Luna und Wacken pendelt. An den exotischen Elementen kann man trotz alledem seine Freude haben. Inhalt des Albums nun sind Figuren der belarussischen Mythologie, anhand derer Irdorath weltpolitische und pers\u00f6nliche Themen verarbeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (30.04.2026) Mittelaltermusik ist ein alter Hut, haha! 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