{"id":8941,"date":"2026-03-31T22:06:28","date_gmt":"2026-03-31T20:06:28","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8941"},"modified":"2026-03-31T22:06:28","modified_gmt":"2026-03-31T20:06:28","slug":"clawfinger-before-we-all-die-perception-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/clawfinger-before-we-all-die-perception-2026\/","title":{"rendered":"Clawfinger \u2013 Before We All Die \u2013 Perception 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Clawfinger-Before-We-All-Die.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Clawfinger-Before-We-All-Die.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8942\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (31.03.2026)<br><br>1993 krachten Clawfinger mitten in den Crossover-Hype hinein, etablierten sich mit dem Deb\u00fctalbum \u201eDeaf Dumb Blind\u201c in der Szene und lieferten danach noch einige weitere relevante Tanzfl\u00e4chenf\u00fcller ab. Nur stellte sich \u00fcber Zeit heraus, dass Crossover \u2013 also jener aus Metal und Rap \u2013 nicht unbedingt das nachhaltigste Genre ist, es nutzte sich schnell ab, Neuver\u00f6ffentlichungen in dem Genre klangen gestrig, so gern man die alten Kracher auch noch h\u00f6rte. Wenn jetzt Clawfinger also knapp 20 Jahre nach ihrem letzten Album wieder mit einem neuen auf den Plan treten, das sie auch noch freundlichst \u201eBefore We All Die\u201c nennen, erneuern sie dann sich und das Genre? Spoiler: nein.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Der gesprochene oder geshoutete Gesang und die Metal-Riffs zu synthetischen bis analogen Beats sind vertraut. Gehen wir einmal durch: eine Slide-Gitarre in \u201eScum\u201c, ein schr\u00e4ges Synthie-Intermezzo in \u201eBall &amp; Chain\u201c, synthetische Beats im bereits 2019 ver\u00f6ffentlichten \u201eTear You Down\u201c, die an \u201eCatch Me\u201c erinnern, trippig-poppige Synthies in \u201eBig Brother\u201c, die Band skandiert darin \u201eBig Brother\u2019s watching you\u201c, als w\u00e4re das neu, Scratches im Mitsing-Song \u201eLinked Together\u201c, chillige Pop-Beats in \u201eA Perfect Day\u201c, die sich in Hysterie steigern, eine electro-jazzige Textur in den Strophen von \u201eGoing Down (Like Titanic)\u201c, ein Vocoder-Text im Refrain, die Uptempo-Nummer \u201eYou Call Yourself A Teacher\u201c hat einen punkigen Refrain, \u201eA Fucking Disgrace\u201c hat den Milli-Vanilli-Rhythmus und eine Slide-Gitarre, \u201eKill The Dream\u201c nimmt den Beat synthetisch auf und erinnert abermals an \u201eCatch Me\u201c, dieses Mal auch in Bezug auf die Struktur mit den heavy Ausbr\u00fcchen, \u201eEnvironmental Patients\u201c hat ein perkussives Neunziger-Charts-Klicken, das Titellied \u201eBefore We All Die\u201c beschlie\u00dft das Album hymnisch, zum Mith\u00fcpfen und mit allerlei \u201efuck\u201c.<br><br>Hei\u00dft: So ein paar Electro-Spielereien weichen etwas von dem Bild ab, das man von Clawfinger hat, und das, obwohl sie auf dem Deb\u00fct als Antwort auf Rage Against The Machine behaupteten, s\u00e4mtliche Gitarrensounds seien k\u00fcnstlich generiert worden, die Musik von Clawfinger mithin grunds\u00e4tzlich elektronisch. Aber eben nicht so wie hier, poppig-technoid. Das w\u00e4re die einzig wahrnehmbare Neuerung im Sound von Clawfinger, und dann noch nicht mal eine zeitgem\u00e4\u00dfe \u2013 nach 2026 jedenfalls klingt hier nichts. Somit stellt das Album vielmehr eine Erinnerungshilfe f\u00fcr die \u00dcberf\u00fcnfzigj\u00e4hrigen dar, wom\u00f6glich ein Vehikel, das die Retro-Livetouren begleitet, darin aber kaum auftauchen wird. Schlie\u00dflich gibt\u2019s diese Songs ja bereits in alt, bekannt und \u2013 ehrlich gesagt \u2013 besser, weil wiedererkennbarer.<br><br>Ist \u201eBefore We All Die\u201c deshalb Schei\u00dfe? Naja, irgendwie nicht, zumindest, wenn man es nicht Schei\u00dfe findet, dass es sich von den vorherigen Alben nicht unterscheidet. Irgendwie hat\u2019s der Crossover nicht geschafft, in seiner Form \u00fcber das Jahr, sagen wir, 1996 hinaus spannend zu bleiben. Man kann dieses Genre durchaus auf einen kurzen Zeitabschnitt festlegen, in dem die spannenden Sachen passierten, und die waren spannend, weil sie neu waren, und auch nur, so lang sie neu waren. Der exakt identische Sound aus dem Jahr, sagen wir, 2006 catcht \u00fcberhaupt nicht mehr, weitere 20 Jahre sp\u00e4ter sieht das nur unwesentlich anders aus, m\u00f6glicherweise auch nur deshalb, weil man altersmilde wurde und Bock hat, sich zu erinnern, aber nicht, weil neue Musik in diesem Kleid irgendwie herausragend w\u00e4re.<br><br>Was ist denn der letzte Song von Clawfinger, an den man sich lebhaft erinnert? \u201eBiggest &amp; The Best\u201c aus dem Jahr 1997 war noch ein Hit, der hat anscheinend auch mit die meisten Streams auf Spotify. Wer kennt noch \u201eNothing Going On\u201c aus dem Jahr 2001 oder \u201eRecipe For Hate\u201c aus dem Jahr 2003? Vom letzten Album \u201eHate Yourself With Style\u201c aus dem Jahr 2007 blieb sogar eher gar nichts langfristig h\u00e4ngen. Kurios: Zur Aufl\u00f6sung entschieden sich Clawfinger erst 2014 und widerriefen diese Entscheidung knapp vier Jahre sp\u00e4ter schon wieder. Die Comeback-Single \u201eSave Our Souls\u201c aus dem Jahr 2018 ist indes auf dem neuen Album nicht enthalten.<br><br>Und die Anf\u00e4nge? Noch vor der antirassistischen Deb\u00fctsingle \u201eNigger\u201c brachten Clawfinger mit dem Hip-Hop-Trio Just D als Kl\u00e5finger eine EP heraus, auf der sie \u201eEpic\u201c von Faith No More als \u201eVill ha allt\u201c auf Schwedisch coverten. Seit der Gr\u00fcndungszeit sind sogar noch \u00fcberraschend viele Musiker auch heute mit dabei: Der S\u00e4nger mit dem sprechenden Namen Zak Tell, Keyboarder und Gitarrist Jocke Skog und der aus dem Nachbarland Norwegen ausgeborgte Gitarrist B\u00e5rd Torstensen geh\u00f6ren zur Gr\u00fcndungsbesetzung des Jahres 1989, Bassist Andr\u00e9 Skaug stie\u00df noch vor den Aufnahmen zum Deb\u00fct dazu, mit ihm Gitarrist Erlend Ottem, der bereits 2003 ausstieg und nie ersetzt wurde. Schlagzeuger Micke Dahl\u00e9n ist zwar bereits der vierte und lediglich am aktuellen Album beteiligt, hat aber dennoch von allen Schlagzeugern die bisher l\u00e4ngste Bandzugeh\u00f6rigkeit in der Vita.<br><br>\u201eBefore We All Die\u201c ist nicht Schei\u00dfe, aber auch nicht wertvoll. Da waren selbst die Ramones und Status Quo und experimenteller und wandlungsf\u00e4higer. Aber das Album musste wohl noch sein, bevor wir alle sterben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (31.03.2026) 1993 krachten Clawfinger mitten in den Crossover-Hype hinein, etablierten sich mit dem Deb\u00fctalbum \u201eDeaf Dumb Blind\u201c in der Szene und lieferten danach noch einige weitere relevante Tanzfl\u00e4chenf\u00fcller ab. 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