{"id":8938,"date":"2026-03-31T22:05:41","date_gmt":"2026-03-31T20:05:41","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8938"},"modified":"2026-03-31T22:05:41","modified_gmt":"2026-03-31T20:05:41","slug":"glimmen-quatre-soutrane-recording-company-schneider-collaborations-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/glimmen-quatre-soutrane-recording-company-schneider-collaborations-2026\/","title":{"rendered":"Glimmen \u2013 Quatre \u2013 Soutrane Recording Company\/Schneider Collaborations 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Glimmen-Quatre.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"112\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Glimmen-Quatre.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8939\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (31.3.2026)<br><br>Spanisch f\u00fcr Anf\u00e4nger: Nach \u201eDos\u201c kommt \u201eQuatre\u201c, klar! Aber nur, weil das kontinente\u00fcbergreifende Experimentalduo Glimmen zwischenzeitig mit dem anderen Experimentalduo Drazek Fuscaldo zusammenarbeitete. Ein Duo indes waren Glimmen lediglich auf dem selbstbetitelten Deb\u00fct, f\u00fcr \u201eQuatre\u201c erweitern sie das Personal nochmal \u2013 und erzeugen mit jazzigem Instrumentarium Drones mit Unrhythmen, die ihre H\u00f6rerschaft in unterschiedliche Stimmungen versetzen. Ein ergreifender Rausch.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Nicht selten auf diesem Album f\u00e4llt es schwer, die Sounds einem konkreten Instrument zuzuordnen. Insbesondere, da die Info andere Instrumente auflistet, als man zu h\u00f6ren meint. Jason Wietlispach, der Glimmen mit Schlagzeuger J\u00f6rg A. Schneider vor vier Jahren aus der Taufe hob, ist hier mit \u201eKitchen sink\u201c gelistet. M\u00f6glicherweise erzeugt er ja auf dem Siphon eines K\u00fcchensp\u00fclenabflusses die Sounds, die hier nach Saxophon oder Oboe oder so etwas klingen, denn Blasinstrumente tauchen in der Liste gar nicht auf. Daf\u00fcr aber stapelweise Leute aus dem Umfeld von Soutrane Records, die bereits an \u201eDos\u201c beteiligt waren, n\u00e4mlich Vibraphonist Dr. Mark Mantel, Gitarrist Chet Garrett, Kontrabassist David Gelting und Soundmanipulator John McCoy; ein Jazz-Besteck mithin. Als gr\u00f6\u00dfte \u00dcberraschung spielt hier zus\u00e4tzlich jemand das Piano, und zwar Yvonne Nussbaum, was mit Schneider also zwei Drittel von Les Hommes Qui Wear Espandrillos ausmacht. Die ja nun vollkommen anders klangen als Glimmen.<br><br>Die beginnen das Album warm. \u201eJenseits von Jena\u201c lautet der Titel des ersten Tracks, und bis auf zwei Ausnahmen tragen alle der sieben Tracks deutschsprachige Titel, was angesichts der nichtdeutschsprachigen Mehrheit der Beteiligten verwundert und angesichts der schr\u00e4gen Titel auch erheitert. \u201eJenseits von Jena\u201c ist daf\u00fcr nur ein Vorgeschmack. Auch musikalisch: Ist das nun ein warmes Saxophon, mit dem Glimmen die H\u00f6rerschaft empfangen? In den traumhaften Rausch der ersten Sounds in diesem watteweichen Empfangsbereich bettet sich das vertr\u00e4umte Piano tupfend ein, man schmilzt dahin.<br><br>Doch der \u201eClown-Pr\u00e4parator\u201c richtet sich auf wie eine Wand, das St\u00fcck ist spr\u00f6der, das Schlagzeug klackernder, die Sounds sind gruselig und abgedreht, mit einem Chor-artigen Hintergrund, abstrusen Samples und angeschr\u00e4gten T\u00f6nen, die wie Ambient erscheinen. Schneider dreht bald ab, w\u00e4hrend die anderen noch chillen. \u201eDie H\u00f6lle kann warten\u201c beginnt mit etwas, das klingt wie ein Streichinstrument mit einer orientalisch empfundenen Melodief\u00fchrung. Das Schlagzeug klackt da hinein, dazu ein punktiertes Vibraphon, abermals begleitet von Ambient und Soundscapes, dazu ein vertr\u00e4umter Bass, und sobald die Drones anschwellen, ein qu\u00e4kendes Saxophon. Das bestimmt auch \u201ePrince Prairie\u201c, abermals mit der W\u00e4rme des Openers, nur dass das Schlagzeug dazu ausgelassener kreist.<br><br>Die \u201eFeldaufnahme einer Flamme\u201c auf der B-Seite bietet ein v\u00f6llig anderes Empfinden: Es ist d\u00fcster, hat gruselig dr\u00e4uende Sounds, eine v\u00f6llig andere Atmosph\u00e4re. Dann setzen ein wiederum qu\u00e4kendes Saxophon und ein rauschendes Schlagzeug ein, die Drones und Soundscapes steigern sich bedrohlich, und als h\u00e4tte das Saxophon damit dann doch nichts mehr zu tun, l\u00e4sst es durch das Rauschen eine dezente liebliche Melodie erklingen, wie die Erinnerung an sch\u00f6nere Tage, w\u00e4hrend die Katastrophe einen \u00fcberrollt \u2013 und zusehends katastrophaler wird.<br><br>Zur\u00fcck zur W\u00e4rme kehren die \u201eJoyless Biscuits\u201c, mit dem Saxophon, das wie im ersten Track das Kuscheln zul\u00e4sst, mit Drones dazu und einem Schlagzeug, das sich im Hintergrund h\u00e4lt. Das St\u00fcck endet mit einem Sound, der nach E-Gitarre klingt. Anders noch als in \u201eMordbider Abgesang\u201c, dem \u2013 wie man sich denken kann \u2013 letzten Track, da klimpert die Gitarre mit Echoeffekt freundlich herum. Ein tiefes Blasinstrument stimmt ein, das Schlagzeug klackt sanft, eine Welle erhebt sich, rauscht langsam an, rei\u00dft einiges mit, noch nicht ganz alles, aber sie endet nicht, zieht sich nicht zur\u00fcck, dauert an, wie eine Flut, die sich nicht als zerst\u00f6rerisch zu erkennen geben will, aber ihre Kraft voll auslebt. F\u00fcrwahr, ein morbider Abgesang.<br><br>Das Vinyl kommt im Doppel-Klappcover mit umfassender Plastikschutzh\u00fclle und einer Postkarte und sieht damit so ungew\u00f6hnlich aus, wie es die Musik darauf ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (31.3.2026) Spanisch f\u00fcr Anf\u00e4nger: Nach \u201eDos\u201c kommt \u201eQuatre\u201c, klar! Aber nur, weil das kontinente\u00fcbergreifende Experimentalduo Glimmen zwischenzeitig mit dem anderen Experimentalduo Drazek Fuscaldo zusammenarbeitete. 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