{"id":8934,"date":"2026-03-30T21:04:42","date_gmt":"2026-03-30T19:04:42","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8934"},"modified":"2026-03-30T21:04:42","modified_gmt":"2026-03-30T19:04:42","slug":"morrissey-make-up-is-a-lie-digital-deluxe-version-sire-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/morrissey-make-up-is-a-lie-digital-deluxe-version-sire-2026\/","title":{"rendered":"Morrissey \u2013 Make-Up Is A Lie (Digital Deluxe Version) \u2013 Sire 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Morrissey-Make-Up-Is-A-Lie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Morrissey-Make-Up-Is-A-Lie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8935\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (30.03.2026)<\/p>\n\n\n\n<p>Morrissey, der unsympathische ehemalige Gladiolenschwinger aus \u201eTop Of The Pops\u201c, hat es wieder getan: Mit \u201eMake-Up Is A Lie\u201c ver\u00f6ffentlicht der unsympathische K\u00fcnstler Stephen Patrick Morrissey aus Old Trafford, Greater Manchester, UK (former member of the EU) sein gef\u00fchlt f\u00fcmmensiebzichstes Soloalbum seit Aufl\u00f6sung der The Smiths, an deren Aufl\u00f6sung der unsympathische britische S\u00e4nger nicht unbeteiligt war, im Gegenteil, er war urs\u00e4chlich daf\u00fcr. Seitdem k\u00e4mpft er f\u00fcr den Brexit, setzt sich f\u00fcr Rassismus ein und alle paar Jahre kommt er um die Ecke geschissen und beschuldigt in den mehr oder weniger sozialen Medien den ehemaligen Smiths-Gitarristen Johnny Marr, einer Smiths-Reunion im Wege zu stehen. Was dieser jedes Mal sinngem\u00e4\u00df damit pariert, von SPM nicht gefragt worden zu sein und ohnehin f\u00fcr so einen Mumpitz nicht zur Verf\u00fcgung zu stehen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>In dieser Frage und auch ansonsten bin ich ganz klar Team Johnny, eine Smiths-Reunion (die nach dem fr\u00fchen Tod des Bassisten Andy Rourke auch gar nicht mehr richtig m\u00f6glich w\u00e4re) w\u00fcrde meines bescheidenen Erachtens zu einer kompletten Entzauberung der Indie-Sensation der 80er Jahre f\u00fchren und au\u00dferdem gibt es ja Morrissey und Marr, die regelm\u00e4\u00dfig neue Musik auf den Markt schmei\u00dfen und dabei zeigen, wie weit sie sich auseinanderentwickelt haben. Ich habe haufenweise Lob &amp; Anerkennung (Lob &amp; Anerkennung!) f\u00fcr Marrs Solowerke \u00fcbrig und finde es auch klasse, wenn er auf seinem Live-Album alte Smiths-Songs ohne Morrisseys Gesang zu Besten gibt, denn sein Gitarrenspiel ist f\u00fcr das origin\u00e4re Smiths-Gef\u00fchl unverzichtbarer als Morrisseys Gesang (auch wenn dieser immer zu jedem Zeitpunkt gro\u00dfartig war), und die Texte kann er ja auch selber singen, es gibt Schlimmeres, als Marr beim Singen zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo war ich? Ach ja \u2013 Morrissey hat ein neues Album ver\u00f6ffentlicht und wie beim sprichw\u00f6rtlichen Unfall auf der A7 kann ich nicht umhin, es mir anzuh\u00f6ren. Morrissey ist von allen von mir regelm\u00e4\u00dfig geh\u00f6rten K\u00fcnstlern derjenige, der mir am meisten abverlangt, wenn es um die Trennung von Werk und K\u00fcnstler geht. Und ja, Schei\u00dfe, verdammt, auch \u201eMake-Up Is A Lie\u201c ist wieder ein hervorragendes Album geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Goethe war gut, aber Morrissey ist doch immer noch der bessere Texter, wenn es um in Erinnerung bleibende, markante und mitten ins Gesicht gehende Textzeilen wie \u201eHang the DJ\u201c, \u201eMargaret On The Guillotine\u201c, \u201eThe Queen is dead, Boys\u201c, \u201eHeaven Knows I\u2019m Miserable now\u201c oder \u201eOh Manchester, so much to answer for\u201c (letztzitierter Song, \u201eSuffer Little Children\u201c, handelt von der Kinderm\u00f6rderin Myra Hindley) geht, und verdammt, Schei\u00dfe, auch das aktuelle Album ist voll von solchen Momenten. Hinzu kommt, dass Morrissey \u2013 vermutlich in dem Wissen, dass Marr musikalisch durch niemanden zu ersetzen ist \u2013 sich immer der Mitarbeit kompetenter Kollaborateure versichert hat, die ihm die Musik zu seinen Texten schreiben. Fr\u00fcher war es \u00fcber Jahre hinweg (zu der Zeit von Morrisseys legend\u00e4rsten Alben wie \u201eYour Arsenal\u201c, \u201eVauxhall And I\u201c oder \u201eRingleader Of The Tormentors\u201c) Alain Whyte, der auch hier an einigen Titeln mitgewerkelt hat, und ansonsten haben verschiedene Mitglieder aus Morrisseys aktueller Band \u2013 allen voran die Keyboarderin Camila Grey \u2013 Morrisseys immer noch grandiosen Texten wundersch\u00f6ne und an Stilwechseln nicht eben arme Musik an die Seite gestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit also: Obwohl der K\u00fcnstler seit Jahren ein ekeliger Unsympath ist (laut New-Order-Bassist Peter Hook war SPM schon in den 80er Jahren kein netter Kerl, andere Zeitgenossen sehen es anders, die einen sagen so, die andern sagen so, es ist also auch in Manchester mal wieder fast wie im richtigen Leben), ist \u201eMake-Up Is A Lie\u201c ein wirklich gutes und angenehm h\u00f6rbares Album geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum ist das so? Nun, ich lasse mich nun mal \u00fcber einige Titel aus und \u00fcberlasse es Ihrer Beurteilung, liebe Lesenden, zu entscheiden, ob es sich lohnt, dem Album einige Aufmerksamkeit zu schenken, zu widmen, angedeihen zu lassen, wot the fuck:<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich beim ersten Song, \u201eYou\u2019re Right, It\u2019s Time\u201c, macht Morrissey in den ersten Zeilen deutlich, dass er a) ein Unsympath ist, der sich permanent irgendwelcher Zensur ausgesetzt sieht, b) tats\u00e4chlich noch Weisheit sieht, die \u00fcber seine eigene hinausgeht, und c) die selbsmitleidige Weinerlichkeit erfunden hat. Aber \u201eI want to speak up and not be trapped by censorship \/ In search of wisdom so much wiser than my own \/ I wanna let somebody love me if they can\u201c geht gut ins Ohr, und sp\u00e4testens, wenn er sich in der zweiten Strophe mit der Endlichkeit des eigenen Seins besch\u00e4ftigt (\u201eTill gentle doctors, tell me why I now must die?\u201c) und dann den Refrain \u201eYou\u2019re right \u2013 it\u2019s time\u201c anf\u00fcgt, das hat wirklich Klasse und kommt b\u00f6se-humorvoll r\u00fcber. Die Musik dazu ist toller gitarrenbasierter Indie-Pop, der Einstieg ins Album macht neugierig auf das, was noch kommen mag, und nichts davon entt\u00e4uscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem der Einstieg in den zehnten Song, der von dem vor \u00fcber 40 Jahren verstorbenen Musikjournalisten und Pionier des New Journalism Lester Bangs handelt, zeigt, dass Morrissey auf der Klaviatur des sarkastischen Zynismus\u2019 immer noch einer von den ganz Gro\u00dfen ist: \u201eAnother tight beer-can night in your basement of despair \/ Naked ladies on the wall because they belong there \/ Detroit T-shirt, worn and torn, with seven days of stains\u201c, das sitzt und das klingt vernichtend, und dann preist Morrissey Bangs als wichtigen Kommentator f\u00fcr ein Leben und eine Jugend, die \u201eoh so wrong\u201c verliefen. Also mal wieder Selbstbemitleidung in Reinkultur. Roxy Music wird als Gegenstand des Bangs\u2019schen Schaffens genannt, und folgerichtig covert Morrissey mit \u201eAmazona\u201c einen Song des dritten Roxy-Music-Albums \u201eStranded\u201c, und das macht er richtig gut. Ab der H\u00e4lfte des Songs ert\u00f6nt ein nicht enden wollendes Gitarrensolo und ich staune, wie sehr der unsympathische selbstmitleidige Jammers\u00e4nger in der Lage ist, sich selber mal zur\u00fcckzunehmen und seinem Gitarristen Jesse Tobias das Feld zu \u00fcberlassen. Und dass der alte Morrissey (66 Jahre ist er inzwischen alt, h\u00f6rt sich aber viel j\u00fcnger an) es gesanglich mit dem jungen Bryan Ferry aufnehmen kann, das ist schonmal was.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Titelsong \u201eMake-Up Is A Lie\u201c beginnt als d\u00fcsteres, von monotonem Getrommel dominiertes St\u00fcck melancholischen Indie-Pops (jahaa, auch Streicher sind vorhanden), dann folgt ein in typischem Morrisseygejammer vorgetragener, melodischer Refrain, dann wieder Getrommel und Sprechgesang, ganz gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf \u201eNotre Dame\u201c legt die Band monotone Elektronik-B\u00e4sse unter eine dezent jammernde Gitarre und Morrissey singt unpathetischer als auf den vorherigen Songs, dieser Song ist sehr zeitlos und sehr sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p>Das getragene und wieder einmal mehr sehr unaufgeregt gesungene \u201eBoulevard\u201c h\u00e4tte ich mir auch gut auf Morrisseys Deb\u00fct \u201eViva Hate\u201c vorstellen k\u00f6nnen, so sehr erinnert es mich an dieses Album, das mich damals nach all den Smiths-Gro\u00dftaten so ern\u00fcchtert hat und das ich heute gerne h\u00f6re.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eThe Night Pop Dropped\u201c baut auf einem funkigen Zusammenspiel von Gitarre und Bass auf, musikalisch \u00fcberraschend und \u00fcberraschend gut gelungen, warum der Pop in jener Nacht gefallen ist, verstehe ich nicht ganz, aber das tr\u00fcbt das H\u00f6rerlebnis in keinster Weise.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf \u201eMany Icebergs Ago\u201c z\u00e4hlt Morrissey Kneipen- und Getr\u00e4nkenamen auf und jammert sich um Kopf und Kragen, genauso wollen wir ihn h\u00f6ren, der Song ist auf jeden Fall einer der besseren auf einem an besseren Songs nicht eben armen Album.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein pers\u00f6nliches Highlight auf dem Album ist \u201eThe Monsters Of Pig Alley\u201c: In teils r\u00e4tselhaften Worten singt Morrissey (seine beste und smithsm\u00e4\u00dfigste Gesangsleistung auf diesem Album, wie ich finde) von einem Kind (ob Sohn oder Tochter, wird nicht ganz deutlich, ich tendiere eher in Richtung Tochter), das in der Fremde nach Ruhm und Erfolg sucht und anscheinend scheitert, zuhause jederzeit wieder willkommen w\u00e4re, aber dann in der Fremde verschillt und verstirbt. Gerade ob seiner R\u00e4tselhaftigkeit und Angedeutetheit geht dieser Text zu Herzen und sowas konnte Morissey schon immer sehr gut und kann es noch.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier endet dann die Spielzeit des urspr\u00fcnglichen Albums, die digitale Deluxeversion wartet noch mit \u201eHello Hell\u201c und \u201eHappy New Tears\u201c auf, beide Songs sind gut, aber \u201eThe Monsters Of Pig Alley\u201c ist der eigentliche und w\u00fcrdige Abschluss dieses sehr guten Albums, das anzuh\u00f6ren ich momentan nicht m\u00fcde werde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (30.03.2026) Morrissey, der unsympathische ehemalige Gladiolenschwinger aus \u201eTop Of The Pops\u201c, hat es wieder getan: Mit \u201eMake-Up Is A Lie\u201c ver\u00f6ffentlicht der unsympathische K\u00fcnstler Stephen Patrick Morrissey aus Old Trafford, Greater Manchester, UK (former member of the &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/morrissey-make-up-is-a-lie-digital-deluxe-version-sire-2026\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,19],"tags":[],"class_list":["post-8934","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-download-stream"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8934","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8934"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8934\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8936,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8934\/revisions\/8936"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8934"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8934"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8934"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}