{"id":8917,"date":"2026-03-26T21:39:14","date_gmt":"2026-03-26T20:39:14","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8917"},"modified":"2026-03-26T21:39:14","modified_gmt":"2026-03-26T20:39:14","slug":"steve-albini-spezial-killing-joke-und-fugazi-albini-demos-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/steve-albini-spezial-killing-joke-und-fugazi-albini-demos-2026\/","title":{"rendered":"Steve Albini Spezial: Killing Joke und Fugazi \u2013 Albini-Demos \u2013 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Killing-Joke-Extremities-Albini-Demos.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Killing-Joke-Extremities-Albini-Demos.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8918\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Fugazi-Albini-Sessions.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Fugazi-Albini-Sessions.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8919\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (26.03.2026)<br><br>Die Relevanz Steve Albinis f\u00fcr den Noiserock ist unabsch\u00e4tzbar, und selbst \u00fcber dieses schmale Genre hinaus hinterlie\u00df der dereinst ebenso schmale Musiker und Produzent tiefe Spuren. Einige erblicken erst posthum \u2013 er verstarb 2024 \u2013 das offizielle Licht der Welt, zwei aus anderen Genres als dem Noiserock dieser Tage parallel: Interims-Drummer Martin Atkins bringt die \u201eBlack Cassette\u201c der Post-Punks Killing Joke mit einigen Live-Aufnahmen auf der B-Seite als \u201eExtremities: The Albini Demos And Live Beginnings \u201888\u201c auf Vinyl heraus, die Post-Hardcorer Fugazi reichen ihr sp\u00e4teres Album \u201eIn On The Kill Taker\u201c rein digital als \u201eAlbini Sessions (Benefit For Letters Charity)\u201c nach. Beide Aufnahmen entstanden in Chicago bei Albini.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Killing-Joke-Extremities-Albini-Demos.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Killing-Joke-Extremities-Albini-Demos.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8918\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Killing Joke \u2013 Extremities: The Albini Demos And Live Beginnings \u201988 \u2013 PPIM\/Overdrive Records 2026<br><br>\u201eExtremities, Dirt And Various Repressed Emotions\u201c aus dem Jahr 1990 gilt in vielen Kreisen trotz sp\u00e4terer Ausfl\u00fcge der Engl\u00e4nder in die N\u00e4he des Metal als das h\u00e4rteste, mindestens kompromissloseste Album von Killing Joke. Es entstand in einer Umbruchphase, nach der zweiten von wie vielen Trennungen, in der Folge von Colemans Quasi-Soloalbum \u201eOutside The Gate\u201c und in ver\u00e4nderter Besetzung, n\u00e4mlich mit Martin Atkins von Pigface und PiL am Schlagzeug, der als heutiger Direktor des PPIM, des Post Punk &amp; Industrial Museum in Chicago, die Ver\u00f6ffentlichung dieser Archivsch\u00e4tze lancierte. Und er tat gut daran.<br><br>Alles auf der A-Seite mit den Albini-Demos ist instrumental, man h\u00f6rt offenbar lediglich Atkins und Gitarrist Geordie Walker. \u201eMoney\u201c, noch ohne \u201eIs Not Our God\u201c, hat hier einen derbe fuzzy Bass, den ja auch Geordie gespielt haben muss. Das nie weiter ausgearbeitete \u201eUnreleased\u201c verf\u00fchrt mit klickernden Drums im H\u00fcpferhythmus und Geordies typischer Gitarre, brachial, melodi\u00f6s, voller Effekte und Ideen. \u201eScrape\/North Of The Border\u201c mit diesem stolpernden Beat und der Snare auf der Vier rotzt und rumpelt. Der Sound des Schlagzeugs auf diesen Demos ist gar nicht so typisch Martin Atkins, sondern sehr an Killing Joke angepasst, man h\u00e4tte ihn sonst nicht erkannt. Zuletzt der \u201eReflex Mix\u201c von \u201eMoney Is Not Our God\u201c, in den gedubbte Tape-Glitches eingef\u00fcgt sind. Der Track ist bereits bekannt als \u201eHideous Mix\u201c, erschienen urspr\u00fcnglich auf dem Reflex-Label, und zwar als Flexi-7\u201c mit \u201eSpecial (Live)\u201c von den Violent Femmes als A-Seite, und 2007 auf der Compilation \u201eInside Extremities, Mixes, Rehearsals And Live\u201c, wo auch schon der erste Track dieser A-Seite enthalten war.<br><br>An der B-Seite ist Albini erstmal nicht beteiligt, sie enth\u00e4lt Ausz\u00fcge aus dem allerersten \u2013 sogar geheimen \u2013 Konzert, das Atkins mit Killing Joke gab, und zwar im Burberrie\u2019s in Birmingham am 20. Dezember 1988. Dort spielte die Band \u2013 vermutlich mit dem 2007 verstorbenen Paul Raven statt Martin \u201eYouth\u201c Glover am Bass \u2013 die hier enthaltenen Songs erstmals vor Publikum: \u201eExtremities\u201c, \u201eThe Fanatic\u201c, \u201eIntravenous\u201c und \u201eBeautiful Dead. Das Album dazu war noch in weiter Ferne, \u201eThe Fanatic\u201c schaffte es sogar nie darauf, ist als Demo-Version aber auf der Bonus-CD der 2007 ver\u00f6ffentlichten Variante des Albums zu finden, neben weiteren Demos, die allesamt nicht von Albini betreut wurden. Bis dahin galt der Song stets als Geheimnis, als unver\u00f6ffentlichtes R\u00e4tsel, allerh\u00f6chstens auf obskuren Bootlegs zu finden. Bedauerlicherweise ist der Sound dieser Liveaufnahmen nicht der beste, aber als Dokument sind sie mehr als reizvoll. Der knackige Bass, die typisch un\u00fcblichen Gitarren und das explosive Schlagzeug nebst Jaz Colemans beschw\u00f6rendem Gesang erfasst man ja dennoch. Und es gibt leichte Abweichungen von den LP-Versionen, einige Gitarrenfiguren, der Mittelteil und Jaz\u2018 Lache in \u201eIntravenous\u201c etwa.<br><br>Da mit dem Tod von Geordie im Jahre 2023 die Existenz von Killing Joke zwar nicht endete, aber auch nicht fortgef\u00fchrt wird, freut man sich ja \u00fcber alles, was man von dieser Band noch zu h\u00f6ren bekommt. Ein Dokument wie dieses \u2013 zumal auf sch\u00f6nem buntem Vinyl \u2013 findet in der Sammlung einen besonderen Platz. Nach \u201eExtremities\u201c war mit Killing Joke \u00fcberdies abermals, und nicht letztmals, Schluss, das erst 1994 losgetretene \u201ePandemonium\u201c nahm die H\u00e4rte seines Vorg\u00e4ngers wuchtig auf.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Fugazi-Albini-Sessions.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Fugazi-Albini-Sessions.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8919\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Fugazi \u2013 Albini Sessions (Benefit For Letters Charity) \u2013 Discord 2026<br><br>Was Fugazi betrifft, sitzen wir alle seit 2001 im Wartezimmer \u2013 neue Alben gibt es einfach nicht, dabei hat sich die Band offiziell nie getrennt. Umso erfreulicher ist nun also die Ver\u00f6ffentlichung der Albini-Demos zum Album \u201eIn On The Kill Taker\u201c, das die z\u00f6gerliche Abkehr vom groovebetonten Post-Hardcore hin zum experimentellen, beinahe Jazz-nahen Avantgarde-Punkrock anbahnt. Hier bekommt Albinis Steckenpferd, der Noiserock, die gr\u00f6\u00dfere Auspr\u00e4gung als bei Killing Joke. Sogar NoMeansNo mag man hier durchdringen h\u00f6ren, auf die Fresse gibt\u2019s zwischen den kontemplativen Experimenten auf jeden Fall immer noch erheblich.<br><br>1992 juckelte das Quartett von Washington nach Chicago, um mit Albini herumzuexperimentieren \u2013 und heraus kamen pl\u00f6tzlich die Aufnahmen von satten zw\u00f6lf Songs. Von denen alle Beteiligten, also auch der Produzentenheld selbst, anschlie\u00dfend jedoch der Meinung waren, sie seien zu flach, weshalb das offiziell dritte Album \u201eIn On The Kill Taker\u201c 1993 als komplette Neueinspielung und in ver\u00e4nderter Trackreihenfolge herauskam.<br><br>Flach, das ist vielleicht Geschmackssache. Die Aufnahmen sind klar, transparent, selbst der Noise l\u00e4sst es zu, dass man diese Musik erfassen kann. Man bekommt den Eindruck, mitten unter ihnen im Studio zu sein, als Teil der Aufnahme. Die St\u00fccke haben eine Unmittelbarkeit, als gesch\u00e4hen sie um die H\u00f6renden herum, als befinde man sich mitten in ihnen. \u201eIn On The Kill Taker\u201c ist nat\u00fcrlich ein Zeitdokument, ein wichtiges Album f\u00fcr den Hardcore, den Post-Hardcore, den Indierock, den Noiserock, das offenbart, wie man mit dem selbst in die Welt gesetzten Erbe umgehen kann, wenn man nicht auf der Stelle treten will, und die folgenden Alben von Fugazi untermauerten diese Vorgehensweise ja nur. Das Album ist ein Scharnier im kreativen Wirken der Band.<br><br>Und wie gro\u00dfartig auch der wechselnde Gesang der beiden Gitarristen und S\u00e4nger Guy Picciotto und Ian Mackaye hier wirkt, der eine schreit mehr, der andere h\u00e4lt sich etwas bedeckter, Energie sto\u00dfen sie beide aus. Joe Lally am Bass und Brendan Canty am Schlagzeug sichern den groovenden Unterbau. Am Sound dieser rein digital ver\u00f6ffentlichten Demos gibt es nichts auszusetzen, eine physische Ver\u00f6ffentlichung w\u00e4re ein noch gr\u00f6\u00dferes Geschenk.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (26.03.2026) Die Relevanz Steve Albinis f\u00fcr den Noiserock ist unabsch\u00e4tzbar, und selbst \u00fcber dieses schmale Genre hinaus hinterlie\u00df der dereinst ebenso schmale Musiker und Produzent tiefe Spuren. 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