{"id":8847,"date":"2026-03-11T20:53:10","date_gmt":"2026-03-11T19:53:10","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8847"},"modified":"2026-03-11T20:53:10","modified_gmt":"2026-03-11T19:53:10","slug":"father-mother-sister-brother-jim-jarmusch-usa-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/father-mother-sister-brother-jim-jarmusch-usa-2024\/","title":{"rendered":"Father Mother Sister Brother \u2013 Jim Jarmusch \u2013 USA 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (11.03.2026)<br><br>Puh, das ging gerade nochmal gut: Obwohl \u201eFather Mother Sister Brother\u201c nicht der beste Film von Jim Jarmusch ist, macht er den unseligen \u201eThe Dead Don\u2019t Die\u201c gottlob vergessen. Drei Episoden, in denen Jarmusch eine Handvoll Stars interfamili\u00e4re Sprachlosigkeiten ausleben l\u00e4sst: Zwar bleibt der Humor hier etwas bem\u00fcht, doch gehen die unausgesprochenen Spannungen sehr an Herz und Nerven. Und die Darstellenden sind einfach grandios.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dieser Film braucht, abgesehen von Skateboardern und Passanten, tats\u00e4chlich lediglich zehn Darstellende \u2013 und es f\u00e4llt gar nicht auf, so intensiv sind die drei Geschichten. Obwohl der Filmtitel vier Episoden suggeriert, sind es nur drei: \u201eFather\u201c, \u201eMother\u201c und \u201eSister Brother\u201c. Der \u201eFather\u201c aus der ersten Geschichte ist dargestellt von Tom Waits, und es ist eine helle Freude, ihm beim Performen zuzusehen. Dessen spie\u00dfige Kinder, gespielt von Adam Driver und Mayim Bialik, fahren gemeinsam irgendwo in die verschneite US-Wildnis, um ihren kauzigen Vater nach Jahren mal wieder zu besuchen, und sehen sich ihrerseits zum ersten Mal seit Ewigkeiten. Die vermeintlich heruntergerockte H\u00fctte an einem See bietet ein grandioses Panorama, und mehr gibt es kaum zu besprechen; wahres Interesse zeigt niemand am Gegen\u00fcber. Der Sohn unterst\u00fctzt seinen Vater gegen den Willen der Schwester finanziell \u2013 und die Episode endet als einzige mit einem unerwarteten Twist.<br><br>Auf nach Dublin, wo die \u201eMother\u201c Charlotte Rampling als erfolgreiche Autorin in einem mond\u00e4nen Reihenhaus auf ihre sehr unterschiedlichen T\u00f6chter wartet: Cate Blanchetts Figur ist eine verklemmte, gehemmte Frau, Vicky Krieps spielt die pinkhaarige Schwester kontrastreich flippig mit angemessener Erdung. Sarah Greene als deren Freundin, die sie zum einmal pro Jahr stattfindenden Teetreffen mit der Mutter f\u00e4hrt, hat die zweitk\u00fcrzeste Screentime. W\u00e4hrend die drei am luxuri\u00f6sen Kaffeetisch Allgemeinpl\u00e4tze austauschen, lassen die Schwestern kurz durchscheinen, dass sie in verschiedenen Welten leben; einen erhofften Nachhall erfahren diese Leben bei der Mutter kaum. Mehr Sprachlosigkeit als in den abschlie\u00dfenden sieben Minuten Warten auf das Taxi lassen sich kaum ausdr\u00fccken. \u201eNoch drei Minuten.\u201c<br><br>Indya Moore und Luka Sabbat als \u201eSister Brother\u201c cruisen abschlie\u00dfend durch Paris, um ein letztes Mal die leerger\u00e4umte Wohnung ihrer bei einem Flugzeugabsturz verstorbenen Eltern zu besuchen, in der sie selbst aufwuchsen. Die Zwillinge, die j\u00fcngsten Kinder in diesem Film \u00fcberdies, tauschen Erinnerungen aus. So liebevoll und warmherzig wie hier ist der Film nie zuvor, und es r\u00fchrt an, den beiden dabei zuzusehen, wie sie als Folge eines erheblichen Verlustes ihre famili\u00e4re Bindung und die Liebe zueinander ausleben. Das kann auch Fran\u00e7oise Lebrun mit der k\u00fcrzesten Screentime als energische Hausverwalterin nicht unterbrechen. Damit bildet diese Episode einen auch kommunikatorischen Gegenpol zu den ersten beiden, die vielmehr eine verfilmte Leere, eine vielsagende Sprachlosigkeit darstellen.<br><br>Entfremdung, Distanz, Sprachlosigkeit, Verlust, Harmonie: Obwohl in diesem Film kaum etwas passiert, steckt er voller Inhalte, Themen, Emotionen. Und wunderbarer Darstellender: Es ist ein Fest, ihnen allen dabei zuzusehen, wie sie ihre Rolle ausleben. Insbesondere Tom Waits, der sich ja musikalisch seit seinem Album \u201eBad As Me\u201c 2011 zur\u00fcckzog, abgesehen von \u201eBella Ciao (Goodbye Beautiful)\u201c, das er 2018 f\u00fcr ein Album seines Gitarristen Marc Ribot sang. Hier spielt er sich beinahe selbst, der zottelige Kauz mit dem verschmitzten Grinsen. Aber gut sind sie hier alle, nicht nur er, das macht es umso angenehmer, den Film zu gucken.<br><br>Den h\u00e4lt Jarmusch \u00fcberwiegend in unerwartet blassen Bildern, was zun\u00e4chst etwas entt\u00e4uscht. Die gro\u00dfe Filmkunst dringt dann eher in Perspektiven und Ausschnitten durch. Au\u00dferdem passt das Blasse ja auch zu den Inhalten; die dritte Episode immerhin wirkt farblich wesentlich kr\u00e4ftiger. Nicht zu vergessen die Musik: Den Soundtrack spielte Jarmusch einmal mehr selbst ein, dieses Mal solo, nicht als Sq\u00fcrl wie sonst. Die zerbrechlichen Gitarrentupfer umrahmt Jarmusch mit zwei Cover-Songs, gesungen von der Berliner K\u00fcnstlerin Anika: \u201eSpooky\u201c und \u201eThese Days\u201c, die Originale von Dusty Springfield und Nico. Jarmusch l\u00e4sst seine Musik in den Weiten seiner Episoden schweigen, sie markiert zumeist die \u00dcberg\u00e4nge zwischen ihnen oder seltene szenische Wechsel. Damit unterstreicht er zus\u00e4tzlich die Leere zwischen den Figuren.<br><br>Einen echten Jarmusch erkennt man hier au\u00dferdem daran, dass sich der Regisseur selbst zitiert. Die Dreiteilung \u00fcbernimmt er von \u201eMystery Train\u201c, die Draufsicht auf Getr\u00e4nke von \u201eCoffe And Cigarettes\u201c, die Schwenks \u00fcber Kulturprodukte von \u201eOnly Lovers Left Alive\u201c, die Autofahr-Episoden von \u201eNight On Earth\u201c. Ganz abgesehen von den Ensemble-Darstellern, die immer wieder f\u00fcr ihn spielen. Doch auch intern zitiert er sich: In allen Episoden treten manche Themen immer wieder auf, darunter Wasser, \u201eFertig ist die Laube\u201c, Rolex, die Skater, und naja, die Farbe Rot beim dritten Film nur angedeutet, \u201edarf man damit ansto\u00dfen\u201c h\u00f6rt man in der mittleren Episode nicht. Das wirkt etwas arg bem\u00fcht, sehr mit dem Holzhammer, \u00e4hnelt darin dann also doch noch \u201eThe Dead Don\u2019t Die\u201c. Da war Jarmusch schon mal besser, was pointierte Dialoge und Humor betrifft. Der beste Schlagabtausch findet in \u201eMother\u201c statt: \u201eIch mache mal die Mutter\u201c, sagt Rampling und will den T\u00f6chtern gro\u00dfm\u00fctig Tee einschenken, Krieps erwidert: \u201eDas wird ja auch Zeit.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (11.03.2026) Puh, das ging gerade nochmal gut: Obwohl \u201eFather Mother Sister Brother\u201c nicht der beste Film von Jim Jarmusch ist, macht er den unseligen \u201eThe Dead Don\u2019t Die\u201c gottlob vergessen. 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