{"id":880,"date":"2014-05-29T22:09:55","date_gmt":"2014-05-29T20:09:55","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=880"},"modified":"2014-05-29T22:09:55","modified_gmt":"2014-05-29T20:09:55","slug":"vi-sidder-bare-her-ingen-regning-til-mig-target-records-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/vi-sidder-bare-her-ingen-regning-til-mig-target-records-2014\/","title":{"rendered":"Vi sidder bare her \u2013 Ingen regning til mig \u2013 Target Records 2014"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-881\" title=\"Vi sidder bare her - Ingen regning til mig\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Vi-sidder-bare-her-Ingen-regning-til-mig.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (29.05.2014)<\/p>\n<p>Das ist wirklich mal weitgehend au\u00dfergew\u00f6hnlich: Regisseur J\u00f8rgen Leth erz\u00e4hlt vor sich hin, dazu machen Mikael Simpson und Frithjof Toksvig Musik, zumeist elektronisch, stets reduziert. Das ist kein Rap, das ist kein Ambient, das ist auch kein H\u00f6rbuch. Es klingt vielmehr wie eine experimentelle Reportage. Wenn man nur D\u00e4nisch verst\u00fcnde.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Immerhin: Der Bandname, der im \u00dcbrigen auf diesem dritten gemeinsamen Album nirgendwo steht, was wom\u00f6glich daran liegt, dass das Trio seine Alben unter den Namen der Beteiligten ver\u00f6ffentlicht und sich \u201eVi sidder bare her\u201c als Titel des ersten gemeinsamen Werkes im Volksmund als Bandname durchsetzte, hei\u00dft so viel wie \u201eWir sitzen hier nur so herum\u201c, der Albumtitel lautet \u201eKeine Rechnung f\u00fcr mich\u201c. Am Tonfall l\u00e4sst sich nicht erahnen, was Leth erz\u00e4hlt, ob er Geschichten fabuliert, von sich selbst spricht, etwas beobachtet, politisiert, ob er gut gelaunt ist, vielleicht deprimiert \u2013 letzteres zumindest ist etwas, was man als Halbwissender ahnen k\u00f6nnte, denn dem deutschen Publikum ist Leth bestenfalls dank Lars von Triers Film \u201eThe Five Obstructions\u201c bekannt.<\/p>\n<p>Vor elf Jahren zwang von Trier, selbst depressiv, den noch depressiveren Leth dazu, seinen Kult-Kurzfilm \u201eDet perfekte menneske\u201c von 1967 nach Vorgaben von Triers erneut zu drehen. \u201eThe Five Obstructions\u201c zeigt Leth und von Trier im Dialog bei der Aufgabenstellung, zeigt dann das Ergebnis und dann wieder den Dialog inklusive Werkkritik und erneuter Aufgabenstellung. Heraus kommen f\u00fcnf experimentelle Neuversionen des alten Werks. Leth war zuvor wegen seiner Depressionen nach Haiti ausgewandert, von Trier wollte ihn ins Leben zur\u00fcckholen \u2013 das war zumindest die Information, die den Film seinerzeit begleitete.<\/p>\n<p>Inzwischen scheint dies gegl\u00fcckt, Leth gibt gro\u00dfe Veranstaltungen in Kopenhagen, bei denen er auch \u00fcber \u201eThe Five Obstructions\u201c spricht, und ist in irgendeiner Form eben auch als Literat und Lyriker aktiv. Das Internet gibt preis, dass er auch als Radsportkommentator und am D\u00e4nischen Filminstitut t\u00e4tig war und zuletzt Kontroversen hervorrief, weil er seine Vorliebe f\u00fcr unangemessen junge Drittweltm\u00e4dchen postulierte.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re also mehr als interessant, Leths Texte zu verstehen. Die spricht er unmittelbar ein, nicht dramatisiert. Selbst F\u00fcllw\u00f6rter wie \u201e\u00e4h\u201c oder spontanes Lachen blieben in der Tonspur. So erzeugt er N\u00e4he und vermeidet \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Perfektionismus.<\/p>\n<p>Die Musik dazu ist entspannt und trippig. Pro Track sind zwei Instrumente zu h\u00f6ren, zumindest klingt es so, und die reichen einmal quer durch den Orchestergraben bis hin zu Gitarren und zum Synthie, der bisweilen f\u00fcr Fl\u00e4chen und dezente Beats sorgt. Von dort wieder zur\u00fcck zu Leth: Auch da w\u00e4re es interessant, zu wissen, ob die Musiker den Inhalt aufgreifen. Verwirrend in diesem Zusammenhang ist, dass allen drei bisherigen Alben jeweils eine Bonus-CD beiliegt, auf der die Tracks ohne Leth enthalten sind \u2013 also ohne den Anteil, den das Projekt \u201eVi sidder bare her\u201c gerade so speziell macht. Wiederum erstaunlich ist, wie gern man sich auch diese zweite CD anh\u00f6rt. F\u00fcr sich geh\u00f6rt ist das Ergebnis n\u00e4her an Kammermusik oder Soundtrackarbeiten (Angelo Badalamenti schimmert einmal durch; kein Wunder, ist Toksvig doch Filmkomponist) als an Ambient, und das, obwohl beide Musiker schon mit Anders Trentem\u00f8ller arbeiteten.<\/p>\n<p>Neu ist diese Kombination selbstredend nicht. Im Grunde sind schon die ersten Alben von Patti Smith und Anne Clark Poesie mit Musik, wenn auch im Gesprochenen deutlich rhythmischer. Nicht zu vergessen Goethes Erben. Air unterlegten auf dem Album \u201eCity Readings\u201c eine Lesung von Allessandro Baricco, das ist noch am dichtesten an \u201eVi sidder bare her\u201c. Eine Besonderheit bleibt diese Kooperation in jedem Fall, und auch f\u00fcr Nicht-D\u00e4nen ein Erlebnis.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (29.05.2014) Das ist wirklich mal weitgehend au\u00dfergew\u00f6hnlich: Regisseur J\u00f8rgen Leth erz\u00e4hlt vor sich hin, dazu machen Mikael Simpson und Frithjof Toksvig Musik, zumeist elektronisch, stets reduziert. 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