{"id":8723,"date":"2026-02-08T21:23:51","date_gmt":"2026-02-08T20:23:51","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8723"},"modified":"2026-02-08T21:23:51","modified_gmt":"2026-02-08T20:23:51","slug":"the-hirsch-effekt-der-brauch-long-branch-records-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-hirsch-effekt-der-brauch-long-branch-records-2026\/","title":{"rendered":"The Hirsch Effekt \u2013 Der Brauch \u2013 Long Branch Records 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/The-Hirsch-Effekt-Der-Brauch.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/The-Hirsch-Effekt-Der-Brauch.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8724\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (06.02.2026)<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df immer noch nicht, a) was ein Hirscheffekt ist und b) ob mir Nils Wittrocks Klargesang etwas taugen soll, von daher bin ich keinen Schritt weiter als Anfang 2024 in meiner Kurzrezension zum 2023 erschienenen \u201eUrian\u201c. Fun Fact am Rande: Wenn man beim 2023 sowie beim aktuellen Hirscheffektalbum jeweils einen Buchstaben wegl\u00e4sst, erh\u00e4lt man (wie zumindest mein neunj\u00e4hriges Ich aus den 1980er Jahren findet) die viel originelleren Albentitel \u201eUrin\u201c und \u201eDer Bauch\u201c. Aber, Pech f\u00fcr mein neunj\u00e4hriges Ich aus den 1980er Jahren: Damals gab es den Hirsch Effekt aus Hannover noch gar nicht und damit auch keine Alben mit merkw\u00fcrdigen Titeln wie \u201eUrian\u201c und \u201eDer Brauch\u201c und gruseligen Coverartworks. Auf dem aktuellen sieht es aus, als sch\u00e4le man eine Schaufensterpuppe aus dem fr\u00fchen Sido heraus, naja, immerhin der dreifarbige Schriftzug ist schick geraten.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Was aber viel wichtiger ist: Mit \u201eDer Brauch\u201c ist Nils Wittrock (Gitarre, Gesang), Ilja John Lappin (Bass, Gesang) und Moritz Schmidt (Drums) wieder ein rundherum gro\u00dfartiges Album gelungen, das mit technisch ausgefeilter und stimmungsvoller Musik und (im Indie-Progmetalposthardcoremathrock nicht h\u00e4ufig anzutreffen) deutschsprachigen Lyrics aufwartet, die nicht nur sehr gut sind, sondern auch f\u00fcr Muttersprachler nicht den H\u00f6rgenuss kaputtmachen, weil man sich beim H\u00f6ren st\u00e4ndig denkt \u201eWas zum Teufel singt der da eigentlich f\u00fcr einen merkw\u00fcrdigen Kram?\u201c Das denkt man sich nat\u00fcrlich trotzdem, aber es st\u00f6rt nicht. Beispiel: \u201eJeden Tag das Gleiche, jedes Mal \/ Wo sind all die Leute, die ich nie sehen wollte? \/ Keiner bleibt zu Hause, au\u00dfer mir \/ Hoffentlich merkt keiner: Ich bin doch immer noch hier.\u201c, so beginnt das Titelst\u00fcck, mit dem die drei Niedersachsen das Album er\u00f6ffnen. Also quasi Alltag, ganz normal, auch das kommt im extremen Metal vor. Sehr sch\u00f6n dann der Refrain: \u201eKeiner hat dich darum gebeten \/ Komm h\u00f6r\u2018 auf, komm schon und lass den Schei\u00df \/ Keiner will was von dir h\u00f6ren \/ Keiner will was von dir.\u201c \u2013 das ist negativ, aber nicht theatralisch oder selbstmitleidig oder lebensverneinend oder sonst wie abgeschmackt. Und es geht weiter mit \u201eFlaschen in der Ecke, ein Regal voll mit Schei\u00df \/ Der sich anh\u00e4uft \u00fcber all die Jahre \/ Ja, ja, ich wei\u00df: Das muss eigentlich weg. Das kann eigentlich raus \/ So wie der Schimmel in Bechern und das alte Zeug \/ Das ich nie verkauf\u2019.\u201c \u2013 Wer kennt sowas nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>So lebensnah die Texte sind, so vertrackt, abwechslungsreich, angenehm und dennoch hart und fordernd ist die Musik: \u201eDer Brauch\u201c beginnt mit einer Akustikgitarre, dann setzen Bass, Schlagzeug und E-Gitarre ein und machen keinen Metal, sondern eher eine Art Gothrock-Zwischenspiel, bis Wittrock dann vom \u2013 f\u00fcr Klargesangsverweigerer wie mich \u2013 gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftigen Tenorgesang zu einem energischeren Tonfall wechselt, der mir deutlich mehr taugt. Dann tieft\u00f6nender Murmelgesang mit dem oben zitierten Refrain, und die folgende Strophe wird genauso gesungen, wobei Wittrocks Stimme manchmal angenehm knarzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende des Songs werden alle bisher geh\u00f6rten Elemente nochmal wunderbar miteinander vermischt: Die Musik bleibt ruhig, erzeugt dennoch einen enormen Krach, Wittrock kreischt \u201eIch kriege keine Luft, gib mich nicht auf, lass mich raus! \/ Glaubt wer, ich such mir das aus? Wer sonst sucht sich mir das aus? \/ Und wenn das alles ist, wo soll ich dann damit hin? \/ Glaubt wer, ich such\u2018 mir das, ich such\u2018 mir das nicht aus! \/ Wenn\u2018s das gewesen ist, w\u00e4re das wirklich so schlimm?\u201c, dann wieder ruhig und melodisch \u201eKeiner hat dich drum gebeten. Komm gib auf, komm schon und lass den Schei\u00df!\u201c, gefolgt vom wieder geschrienen \u201eIch kriege keine Luft, gib mich nicht auf, lass mich raus!\u201c und der nochmaligen ruhig vorgetragenen Aufforderung, aufzugeben und den Schei\u00df zu lassen. Am Ende wei\u00df ich nicht, zu welcher der beiden Alternativen ich dem Protagonisten raten m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Faden\u201c ist ein \u00e4hnliches St\u00fcck Musik, nun allerdings mit mehr metallischen, langsamen Riffs und Gitarrengeniedel, untermalt von einem brachialen Bass. Auch Wittrocks Gesang f\u00e4llt metalm\u00e4\u00dfiger aus. Der Faden, der sich hier abzeichnet, ist rot.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf \u201eDas Seil\u201c (klar, erst der Faden, dann das Seil, so ist es wohl Brauch in Hannover) wird erstmals die 7-Minuten-pro-Song-Marke \u00fcberschritten. Dementsprechend lassen sich The Hirsch Effekt ausgiebig Zeit, den Song aufzubauen, aber sie schaffen das: \u00dcber Minuten bleibt das St\u00fcck ruhig und getragen, dennoch ist die Gitarre eher im hektischen Bereich angesiedelt und das Schlagzeug liefert nicht nur Rhythmus und Struktur, sondern tritt in der Mitte des St\u00fccks in einen Dialog zur Gitarre. \u00dcberhaupt das Schlagzeug: Hier lohnt sich in jeder Sekunde das Hinh\u00f6ren, was Schmidt da macht, ist ganz gro\u00dfe Unterhaltung in technischer Perfektion. Und das gilt f\u00fcr alle drei Instrumente gleicherma\u00dfen: Bei The Hirsch Effekt sind sehr gute Techniker am Werk, die toll zusammenwirken und neben H\u00e4rte und Druck f\u00fcr Atmosph\u00e4re und W\u00e4rme sorgen. Gegen Ende des Seils wird es sch\u00f6\u00f6n hypnotisch, man mag in der Musik versinken, dann noch ein Gitarrensolo, das eher Indierock als Metal ist (\u00fcberhaupt liebe ich diesen Hang zum Indierock, den The Hirsch Effekt st\u00e4ndig und \u00fcberall ausleben), und dann ein abgehacktes Ende mit Gegrowle und dann Schluss.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBrauch Reprise\u201c ist, wie der Name schon sagt, ein akustisches instrumentales Zwischenspiel und dann kommt mein Lieblingsst\u00fcck auf dem Album: \u201eDer Doppelg\u00e4nger\u201c hei\u00dft es (\u201eIch brauche mehr Details!\u201c \/ \u201eSchreiben Sie es auf, ich besch\u00e4ftige mich sp\u00e4ter damit!\u201c \/ \u201eDas ist vielleicht Ihre Meinung\u201c). Gitarre und Schlagzeug sorgen f\u00fcr ein stimmungsvolles Intro, dann f\u00e4ngt Wittrock leiernd an zu fragen \u201eWer bist Du und woher kommst Du?\u201c Nach knapp \u00fcber drei Minuten wird es dann lauter, dem Protagonisten wird voller Abscheu dann klar, dass der Eindringling sein Ebenbild war, und nach knapp unter f\u00fcnf Minuten bricht das Pand\u00e4monium los: Das Tempo wird verdoppelt, die Gitarre soliert hektisch und der Bass kracht mit schweren Schl\u00e4gen ehrfurchgebietend dazwischen, w\u00e4hrend das Schlagzeug sich \u00fcberschl\u00e4gt. Nachdem ich das geh\u00f6rt habe, bin ich der Meinung, dass Nils Wittrock ruhig mal Klargesang machen kann, denn hier passt er hin wie die Faust des Herausgebers auf das sprichw\u00f6rtliche Butterbrot. Und zur Belohnung wird anschlie\u00dfend nochmal kurz und sehr sch\u00f6n gegrowlt. Wow!<\/p>\n\n\n\n<p>Auf \u201eDie L\u00fcge\u201c wird dann sehr sch\u00f6n gedjented, Krach und Ruhe wechseln sich ab, und das in eher verhaltenem Tempo. \u201eDie Br\u00fccke\u201c ist eine Indieballadenhymne mit viel Hall, auf der Wittrock seinen Gesang zu stadionrockkompatiblen H\u00f6hen aufschwingt, aber er will dabei nicht \u00fcber eine einstellige Primzahl an Br\u00fccken gehen, sondern dieselbige \u00fcberfluten. Soll er, er hat es sich verdient. \u201eDas Nachsehen\u201c beginnt mit ebensoviel Hall und einer Gitarre, die mit Wittrocks Gesang um die Wette klagt, und dann gibt es Noiserock in Spitzenqualit\u00e4t und Wittrock zeigt, dass er auch Screams sehr gut performen kann, w\u00e4hrend er die Gitarre jaulen l\u00e4sst, als w\u00e4ren wir auf einmal in den 1980ern, dann wird gegrowlt und alles rattert auf einmal auf das Allervortrefflichste vorantreibend vor sich hin, bis die Band das Tempo wieder herausnimmt, aber im Noise bleibt sie verhaftet. Ehrlich, mit sowas h\u00e4tte ich nach all den ganz hervorragenden St\u00fccken davor hier nun nicht mehr gerechnet, The Hirsch Effekt sind echt immer auch f\u00fcr eine \u00dcberraschung gut.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eDie Heimkehr\u201c beschlie\u00dfen Wittrock, Lappin und Schmidt das Album dann vorwiegend ruhig. Eine klassikgitarrenm\u00e4\u00dfig klimpernde Gitarre wechselt sich mit Kammergesang ab, nach der H\u00e4lfte des Songs steigt Schmidt mit einem hypnotisch-repetitiven Rhythmus ein und das Ende ist hymnisches Pathos mitsamt Streichern und pl\u00f6tzlicher Abbruch. \u201eDer Brauch\u201c besteht nicht nur aus lauter richtig guten Songs, sondern ist auch dramaturgisch vollendet durchdacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (06.02.2026) Ich wei\u00df immer noch nicht, a) was ein Hirscheffekt ist und b) ob mir Nils Wittrocks Klargesang etwas taugen soll, von daher bin ich keinen Schritt weiter als Anfang 2024 in meiner Kurzrezension zum 2023 erschienenen &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-hirsch-effekt-der-brauch-long-branch-records-2026\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-8723","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8723","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8723"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8723\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8725,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8723\/revisions\/8725"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8723"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8723"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8723"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}