{"id":8704,"date":"2026-02-03T20:58:58","date_gmt":"2026-02-03T19:58:58","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8704"},"modified":"2026-02-08T21:20:54","modified_gmt":"2026-02-08T20:20:54","slug":"huesker-due-1985-the-miracle-year-numero-group-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/huesker-due-1985-the-miracle-year-numero-group-2025\/","title":{"rendered":"H\u00fcsker D\u00fc \u2013 1985: The Miracle Year \u2013 Numero Group 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Huesker-Due-1985-The-Miracle-Year.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Huesker-Due-1985-The-Miracle-Year.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8705\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (03.02.2026)<\/p>\n\n\n\n<p>Ze German \u00dcml\u00e4\u00fct ist echt klasse, nur mitgesprochen wird er nie. Au\u00dfer bei H\u00fcsker D\u00fc (Hey Matze \u2013 remember the H\u00fcsker-D\u00fc-Sch\u00fcle?) und vielleicht noch bei M\u00f6tley Cr\u00fce, die wir fr\u00fcher immer \u201eH\u00fcsker D\u00fc\u201c und \u201eM\u00f6tlie Kr\u00fch\u201c ausgesprochen haben. \u201eMoteur-Head\u201c hat hingegen niemand gesagt, Mot\u00f6rhead waren immer Motorhead. Wie A Moder H\u00e4tt. And we play Rock\u2019n\u2019Roll.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Gleich zu Anfang der vorliegenden Aufnahme werden die live auftretenden Interpreten mit \u201eLadies and Gentlemen \u2013 Husker Du!!!\u201c angek\u00fcndigt, also hier nix hier mit Umlaut und so. H\u00fcsker D\u00fc stammten aus dem derzeit sehr in der Presse seienden Minneapolis, Minnesota, USA \u2013 wobei Schlagzeuger Grant Hart geb\u00fcrtig aus St. Paul (\u201eI met her accidentally in St. Paul, Minnesota\u201c, wie schon J.R. Cash in \u201eBig River\u201c sang), also der Zwillingsstadt von Minneapolis, das mit St. Paul zusammen die \u201eTwin Cities\u201c bildet, stammte. Also Husker Du aus Minneapolis\/St. Paul. Bevor ich mich \u00fcber das auslasse, was es auf \u201e1985: The Miracle Year\u201c zu h\u00f6ren gibt, folgt hier erstmal der Geschichtsstunde zweiter Teil:<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00fcsker D\u00fc ist eine der Bands, die \u2013 ebenso wie Rush, ZZ Top, Minutemen oder The Police (ja, auch Trio k\u00f6nnten wir hier mit reinnehmen), von Anfang bis Ende ihres Bestehens aus den selben drei Musikanten bestanden haben. Im Fall von H\u00fcsker D\u00fc sind das Bob Mould (Gesang und Gitarre), Grant Hart (Gesang und Schlagzeug) und Greg Norton (Bass). Mould und Hart haben sich nach anf\u00e4nglicher Dominanz von Mould die Songeschreiberei geteilt und jeder der beiden hat auch immer das, was er geschrieben hat, selber gesungen. Das f\u00fchrte dazu, dass nach anf\u00e4nglichen Endless-Gekn\u00fcppel-und-Gebr\u00fcll-Alben auf den wichtigen H\u00fcsker-D\u00fc-Alben immer eine sch\u00f6ne Ambivalenz zwischen harten und gebr\u00fcllten Mould-Songs und eher melodischen, ein klein wenig sanfter gesungenen und dennoch sch\u00f6n harten Hart-Songs bestand. Auf \u201eZen Arcade\u201c, dem wegweisend\/bahnbrechenden Doppelalbum aus dem Jahr 1984, war mit \u201eNever Talking To You Again\u201c sogar ein schmissiger Song vertreten, auf dem Hart \u2013 nur mit einer Akustikgitarre bekleidet (in Th\u00fcringen und Sachsen d\u00fcrfte man mich jetzt verstehen) \u2013 davon singt, wie Schei\u00dfe er jemanden findet. Seit immer schon mein Lieblings-H\u00fcsker-D\u00fc-Song. Doch sowas war bei H\u00fcsker D\u00fc die absolute Ausnahme, zwar gab es in sp\u00e4teren Jahren tolle nicht-ganz-so-krachige Songs aus der Feder von Grant Hart, doch das, was uns in Erinnerung bleibt, ist Krach \u2013 s\u00e4gende Gitarre, ein br\u00fcllender Bob Mould, ein wahnsinnig schnell spielender Grant Hart am Schlagzeug, der immer so klingt, als w\u00fcrde er sich verstolpern wie weiland meine kleine Tochter auf dem Rasen des Kindergartens der St.-Thomas-Kirche zu Volkmarode, aber im Gegensatz zu Greta damals schlug Hart (zumindest bis kurz vor Ende der Band, wo er es substanzenbedingt nicht mehr so gut hinbekam, aufrecht hinter dem Schlagzeg sitzen zu bleiben) nie lang hin und blieb immer im Takt.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00fcsker D\u00fc war \u2013 soweit ich mich erinnere \u2013 die erste Band des legend\u00e4ren, vom Black-Flag-Gitarristen Greg Ginn gegr\u00fcndeten und gef\u00fchrten SST-Labels, die einen Major-Plattenvertrag abschlie\u00dfen konnte, und zwar bei Warner Bros. Dort ver\u00f6ffentlichen sie die sehr hervorragenden Alben \u201eCandy Apple Grey\u201c und \u201eWarehouse: Songs And Stories\u201c (wieder einmal mehr ein Doppelalbum), anschlie\u00dfend brachen sie \u2013 unter anderem aufgrund Harts Heroinsucht und der st\u00e4ndigen Zerstrittenheit Harts und Moulds \u2013 auseinander. Der Rest ist Geschichtsstunde: Mould ver\u00f6ffentlichte zwei Soloalben, machte dann mit Sugar kurzzeitig Geschichte und ist seitdem mit immer wundervollen Soloalben dauerhaft pr\u00e4sent, Hart gr\u00fcndete Nova Mob und ver\u00f6ffentlichte zwei gro\u00dfartige Alben mit ihnen und ver\u00f6ffentlichte danach auch noch einige wunderbare Soloalben. Vor allem in Erinnerung ist mir seine EP \u201e2541\u201c aus dem Jahr 1988, auf dessen Titelst\u00fcck er eine Hausnummer der Nicollet Avenue in Minneapolis besingt, in der die Plattenfirma Twin\/Tone Records ihr Domizil hatte. Greg Norton wurde Koch und gr\u00fcndete zusammen mit seiner Frau das \u201eNorton\u2019s Restaurant\u201c in Red Wing, Minnesota, das es inzwischen leider nicht mehr gibt. Seit 2006 ist er wieder in verschiedenen Bands musikalisch aktiv.<\/p>\n\n\n\n<p>So, und nun zur aktuellen Ver\u00f6ffentlichung: \u201e1985: The Miracle Year\u201c enth\u00e4lt auf einer L\u00e4nge von zwei Stunden und zehn Minuten das komplette Konzert vom 30. Januar 1985 aus dem First Avenue in Minneapolis sowie 20 weitere Live-Aufnahmen aus verschiedenen Orten. Die erste Stunde \u2013 also das komplette First-Ave-Konzert \u2013 ist hier eindeutig das Highlight, die Zuh\u00f6renden erleben hier eine Band auf dem Zenit ihres Schaffens (eigentlich ihres Auftretens, der Zenit des Schaffens wurde auch danach noch weiter ausgearbeitet) in bestechender Tonqualit\u00e4t, die weiteren Aufnahmen sind toll, klingen aber nicht so brillant, weshalb ich mich hier mit meinen weiteren Einlassungen auf das First-Ave-Konzert beschr\u00e4nke. Mit 23 St\u00fccken in nur einer knappen Stunde bietet dieses Konzert aber auch alles, was es an H\u00fcsker D\u00fc zu lieben und zu verehren gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>1985 war ein besonderes Jahr f\u00fcr H\u00fcsker D\u00fc: Nach dem 1982 ver\u00f6ffentlichten Album \u201eLand Speed Record\u201c, das gef\u00fchlt 200 Songs in nur wenigen Minuten Spielzeit enthielt und dennoch deutlich machte, dass sich hier gerade etwas ganz Besonderes abspielte, und den Studio-Alben \u201eEverything Falls Apart\u201c (1983) und den oben erw\u00e4hnten ebenfalls ganz besonderem Doppelalbum \u201eZen Arcade\u201c ver\u00f6ffentlichte die Band im Januar 1985 \u201eNew Day Rising\u201c, mein Lieblings-H\u00fcsker-D\u00fc-Album. Und um die Zeit dieser Ver\u00f6ffentlichung fand dann das First-Ave-Konzert statt. Anschlie\u00dfen wurde in 1985 noch \u201eFlip Your Wig\u201c ver\u00f6ffentlicht, ein Album, das weniger brachial als die vorherigen klang, mit ausgefeiltem Songwriting und der kongenialen Abwechslung Moulds und Harts am Songrwriting und am Leadgesang die Weichen f\u00fcr die beiden folgenden Major-Ver\u00f6ffentlichungen stellte, aber dieses Live-Dokument umfasst eben nur alles bis \u201eNew Day Rising\u201c und stellt damit ein einzigartiges Dokument dar, das allen jenen, die H\u00fcsker D\u00fc bisher nicht kennen oder sie (wie der Autor dieser Zeilen) erst mit einem ihrer letzten Werke kennengelernt haben, vor Augen f\u00fchrt, was den besonderen Zauber des Trios aus Minneapolis ausmachte und was ihren herausgehobenen Platz in der Geschichte der h\u00e4rteren Postpunkmusik, wie wir sie kennen, ausmacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eNew Day Rising\u201c beginnen H\u00fcsker D\u00fc das Set mit einem ihrer ikonischsten Songs: Das Titelst\u00fcck des gro\u00dfartigen \u201eNew Day Rising\u201c-Albums lebt vom stakkatohaft kn\u00fcppelnden Schlagzeug Grant Harts und dem wild schreienden Gesang Bob Moulds, der immer wieder nur die einzige Zeile \u201eNew Day Rising\u201c wiederholt. Liebe H\u00f6renden, das bitte mal mit Kopfh\u00f6rer anh\u00f6ren \u2013 am Ende f\u00fchlt man sich durchgesch\u00fcttelt und erfrischt. \u201eIt\u2019s Not Funny Anymore\u201c ist dann ein typisches fr\u00fches Grant-Hart-St\u00fcck, deutlich melodi\u00f6ser als von Mould, aber da es von der 1983er EP \u201eMetal Circus\u201c stammt, hat auch Hart damals gerne noch mehr geschrien als gesungen. Danach wieder Mould mit \u201eEverything Falls Apart\u201c, ebenfalls aus dem Jahr 1983, vom ersten richtigen Album der Band.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis hierher haben die H\u00f6renden schon einen guten Eindruck vom fr\u00fchen Schaffen H\u00fcsker D\u00fcs bekommen, und auch und vor allem die vorantreibende Dynamik eines H\u00fcsker-D\u00fc-Konzerts wird auf diesem Tondokument gut transportiert. Alles passt mit allem zusammen, es gibt keine Durchh\u00e4nger, die Dramaturgie des Auftritts \u00fcberzeugt und wirkt trotzdem an keiner Stelle so, als w\u00e4re hier irgendetwas inszeniert und werwei\u00dfwie durchdacht, es klingt rauh und roh und dennoch irgendwie perfekt. Und es folgt Hit auf Hit, bei H\u00fcsker D\u00fc klang nie ein Song wie der andere, alle Songs haben einen hohen Wiedererkennungswert.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich sind es in erster Linie Mould und Hart, die den H\u00fcsker-D\u00fc-Sound ausmachen, logisch, weil sie sich ja den ganzen Kram ausgedacht und gesungen haben. Aber ohne den schnurrb\u00e4rtigen Greg Norton w\u00e4re dieser Sound nur h\u00f6chstens halb so gut: Gehen Sie, liebe H\u00f6renden, bitte mal bei und platzieren Sie den Tonabnehmer auf \u201eTerms Of Psychic Warfare\u201c. Na? Hm? H\u00e4h? Ist das ein Bass von hohem Wiedererkennungswert? Bei Gott, das ist er.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eEvery Everything\u201c, \u201eMakes No Sense At All\u201c, \u201eHate Paper Doll\u201c, \u201eGreen Eyes\u201c und \u201eDivide And Conquer\u201c enth\u00e4lt die Konzertaufnahme auch f\u00fcnf St\u00fccke vom erst im Oktober 1985 erscheinenden Album \u201eFlip Your Wig\u201c, und gegen Ende des Konzerts werden dann noch ausgiebig die Beatles gecovert (die einen sehr wichtigen Einfluss auf das Songwriting von H\u00fcsker D\u00fc darstellen \u2013 H\u00fcsker D\u00fc sind quasi sowas wie die Beatles des 80er-Jahre-Hardcore). Vor allem die H\u00fcsker-D\u00fc-Version von \u201eHelter Skelter\u201c wei\u00df hier zu \u00fcberzeugen. War das Original damals ohnehin schon eines der h\u00e4rtesten Musikst\u00fccke \u00fcberhaupt, legen Mould, Hart und Norton hier noch eine ordentliche Sch\u00fcppe on Top obendrauf und ergehen sich ab Minute 1:30 in einer ausgiebigen und ausufernden Krach-Orgie, die dann schlie\u00dflich einer ebenso krachigen Version von \u201eTicket To Ride\u201c m\u00fcndet. Gro\u00dfartig. Und als letztes St\u00fcck des Konzerts bringen H\u00fcsker D\u00fc dann noch \u201eLove Is All Around\u201c von Sunny Curtis, das Titelst\u00fcck der Mary-Tyler-Moore-Show. Echt wirklich ganz gro\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Die weiteren Aufnahmen aus sp\u00e4teren Konzerten aus 1985 sind dann wie schon gesagt soundtechnisch leider nicht so gro\u00dfartig wie die des First-Ave-Konzerts, lohnen sich aber dennoch zu h\u00f6ren. Hier tragen H\u00fcsker D\u00fc schon die H\u00e4lfte des erst 1986 ver\u00f6ffentlichtem Album \u201eCandy Apple Grey\u201c \u2013 der ersten Warner-Ver\u00f6ffentlichung \u2013 vor, und w\u00e4hrend das Album dann typisch Major-Label-m\u00e4\u00dfig sehr angenehm und teilweise zu glatt produziert (Hey! Dennoch ist \u201eCandy Apple Gey\u201c ein Jahrhundertwerk und das darauf folgende \u201eWarehouse\u201c erst recht) klang, bekommen wir die Songs hier roh und nach 1985 klingend geboten.<\/p>\n\n\n\n<p>1985 war definitiv DAS Jahr f\u00fcr H\u00fcsker D\u00fc. Und was mag ich vor allem an dieser Band?<\/p>\n\n\n\n<p>Every Heartbeat, every movement, every moment, every sigh \u2013 every everything.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (03.02.2026) Ze German \u00dcml\u00e4\u00fct ist echt klasse, nur mitgesprochen wird er nie. 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