{"id":8695,"date":"2026-02-01T21:10:05","date_gmt":"2026-02-01T20:10:05","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8695"},"modified":"2026-02-08T21:18:44","modified_gmt":"2026-02-08T20:18:44","slug":"was-guido-sonst-noch-gehoert-hat-im-jaenner-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/was-guido-sonst-noch-gehoert-hat-im-jaenner-2026\/","title":{"rendered":"Was Guido sonst noch geh\u00f6rt hat\u2026 im J\u00e4nner 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Was-Guido-sonst-noch-gehoert-hat.jpeg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"147\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Was-Guido-sonst-noch-gehoert-hat.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8696\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (01.02.2026)<\/p>\n\n\n\n<p><em><strong>ZU \u2013 They Might Be Giants \u2013 Sleaford Mods \u2013 Cat Power \u2013 The Damned \u2013 Van Morrison \u2013 Francis Rossi<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Seit 2022 schreibe ich wieder f\u00fcr KrautNick, vorwiegend \u00fcber Musik. Jedes Jahr erscheinen so viele Alben, die mich interessieren und begeistern, und nur \u00fcber einen Bruchteil davon schaffe ich zu schreiben. Daher hatte ich Anfang 2023 und Anfang 2024 jeweils einen Artikel mit dem Titel \u201eAlben, \u00fcber die ich nicht geschrieben habe, aber gerne h\u00e4tte\u201c ver\u00f6ffentlicht, damit nichts unter den Tisch fiel. Im Januar 2025 habe ich das zeitlich nicht geschafft, und in diesem Jahr werde ich es auch nicht hinkriegen. Das wurmt mich kollateral, da in den beiden letzten Jahren so viel h\u00f6renswerte neue Musik erschienen ist, dass ich ihr gerne in einer pers\u00f6nlichen Landkarte im Ma\u00dfstab 1:1 Achtung gezollt h\u00e4tte. Mal sehen, ob ich es irgendwie hinkriege, einiges davon noch auf diesen Seiten zu verwurschten.<\/p>\n\n\n\n<p>Um nun aber nicht \u00fcber l\u00e4ngst vergossene Milch herumzuwundern, bin ich beigegangen und habe mir \u00fcberlegt, dass ich in 2026 immer dann, wenn ein Monat zuende gegangen ist (wie heuer j\u00fcngst der J\u00e4nner), all das, was ich im abgelaufenen Monat nicht per Rezension abgek\u00fcndigt habe, in einem Multifunktions-\/Kombinationsartikel Paroli laufen lasse. Also das, was ich sonst noch geh\u00f6rt habe.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><strong>ZU \u2013 Ferrum Sidereum \u2013 House Of Mythology 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Braucht Metal Klargesang? Nein, \u00fcberhaupt nicht, und mancher Metal braucht nicht mal \u00fcberhaupt Gesang. Zum Beispiel der von der prinzipiell ungoogelbaren Band \u201eZu\u201c aus Rome, Italy, EU. \u201eFerrum Sidereum\u201c (das ist laut \u201eApotheken Umschau\u201c ein anthroposophisches Arzneimittel aus dem Hause Weleda in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd) besteht aus 11 St\u00fccken und hat eine Spielzeit von ungef\u00e4hr einer Stunde und zwanzig Minuten \u2013 das Preis\/Leistungs-Verh\u00e4ltnis ist also schon mal sehr gut. Und das Album entt\u00e4uscht in keiner einzigen Sekunde: Sch\u00f6\u00f6n dejentigen Progmetal mit sch\u00f6\u00f6n viel Baritonsaxofon kriegen die H\u00f6renden hier geboten, in jedem Song wird eine \u00fcberzeugende Spannungslinie aufgebaut und von wildem Krach bis zu ruhigen, von Massimo Pupillos donnerndem Bass getragenen Passagen ist alles dabei, was ich mir von progressivem Metal w\u00fcnsche, bei dem keiner singt. Paolo Mongardi haut teilweise auf die Drums wie Animal von Doctor Teeth And The Electric Mayhem und dazu \u00fcbernimmt Luca T. Mais Baritonsax immer wieder die Funktion der Gitarre (sowohl Lead als auch Rhythmus, wobei zweiteres auch gerne vom Bass erledigt wird) \u2013 es groovt, es kracht, es s\u00e4gt, und es ist eing\u00e4ngiger als die meines Erachtens in eine \u00e4hnliche, aber deutlich dissonatere Kerbe hauenden Imperial Triumphant aus NYC, NY, USA.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>They Might Be Giants \u2013 Eyeball EP \u2013 Idlewild Recordings 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ach, was haben uns die beiden Johns aus New York City, a\/k\/a They Might Be Giants damals in den 1980er und 1990er Jahren immer bestens unterhalten. \u201eAna Ng\u201c (eine sch\u00f6ne Hommage an einen Nachnamen, der aus zwei Konsonanten besteht), \u201eDon\u2019t Let\u2019s Start\u201c, \u201eBirdhouse In My Soul\u201c, \u201eIstanbul (Not Constantinople)\u201c, \u201eYour Racist Friend\u201c, \u201eParticle Man\u201c, \u201eI Palindrome I\u201c, \u201eDoctor Worm\u201c und nicht zuletzt \u201eBoss Of Me\u201c, das Titelst\u00fcck der Fernsehserie \u201eMalcom In The Middle\u201c, sind nur einige Ohrw\u00fcrmer, mit denen uns John Flansburgh und John Linnell damals mehr als gl\u00fccklich gemacht haben. Und diese Band gibt es immer noch? Ja, es gibt sie noch, und \u201eEyeball\u201c ist die neueste Lebens\u00e4u\u00dferung der beiden Musiker seit \u201eBook\u201c aus 2021. Die EP enth\u00e4lt vier St\u00fccke, die alle die typischen TMBG-Trademarks enthalten, die schriftlich schwer zu beschreiben sind. Da sind zum einen die leicht qu\u00e4kigen, aber dennoch ernst klingenden Stimmen der beiden Johns und zum anderen ist da dieser leichtf\u00fc\u00dfige Mix aus grandiosen Pop-Melodien, Harmonieges\u00e4ngen und rockiger Musik mit viel Keyboard und Saxofon, der wirklich zeitlos ist und 2026 noch immer genauso gut funktioniert wie 1990, also zum Zeitpunkt ihres \u00dcber-Albums \u201eFlood\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sleaford Mods \u2013 The Demise Of Planet X \u2013 Rough Trade 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Pop goes the fuckin\u2019 weasel. Der stets angepisst klingende und in Interviews urst sympathisch r\u00fcberkommende East Midlands-Grantler Jason Williamson haut uns im zweiten St\u00fcck des aktuellen Albums, \u201eDouble Diamond\u201c gleich mal seine Version des beliebten Kinderreims um die Ohren, zusammen mit anderen Zeilen f\u00fcr die Ewigkeit wie \u201eThe smell of pale ale makes a man pale\u201c oder \u201eFucking wanker only lives in St Ann&#8217;s, why don&#8217;t you tell him I&#8217;m a sex worker?\u201c Noch bevor ich den Text ganz verstanden habe, z\u00e4hle ich insgesamt dreizehnmal \u201efuck\u201c oder \u201efucking\u201c, aber fangen wir von vorne an: Es gibt ein neues Album von Sleaford Mods, und es ist gro\u00dfartig. Hier die Highlights eines an Highlights nicht eben armen Albums:<\/p>\n\n\n\n<p>Das erste St\u00fcck \u201eThe Good Life\u201c haben Sleaford Mods zusammen mit Gwendoline Christie sowie Joe Hicklin und Callum Moloney von der Band Big Special aus den den East Midlands im Westen benachbarten West Midlands aufgenommen, Gwendoline Christie ist die Schauspielerin, die in der Serie \u201eWednesday\u201c die Schuldirektorin Larissa Weems gespielt hat. Das St\u00fcck startet mit Christies irrem Gel\u00e4chter, dann startet eine typische elektronische Andrew-Fearn-Basslinie und dann wechseln sich Williamson und Hicklin (sp\u00e4ter dann auch Moloney) mit w\u00fctendem Gekeife in diesem tollen East-Midlands-Slang und ruhigem Melodizismus im West-Midlands-Slang (naja, eigentlich eher in normalem Schulenglisch) ab. Williamson flucht dabei wild herum, wie schei\u00dfe das Leben ist, w\u00e4hrend Hicklin und Moloney feststellen, dass sie ein Phantom sehen k\u00f6nnen und dass das gute Leben doch deutlich was f\u00fcr sie sei. In der dritten Strophe \u00fcbernimmt dann Gwendoline Christie das Mikro und rappt mit sich \u00fcberschlagender Stimme Formulierungen wie \u201efucking fake shit\u201c, \u201efuck it\u201c, \u201efucking bastard\u201c usw., quasi als innere Stimme des Erz\u00e4hlers. Irgendwann kristallisiert sich heraus, dass hier wohl beschrieben wird, wie es sich anf\u00fchlt, in der Schule gemobbt zu werden. Dazu passt, dass der abwertende Spitzname \u201eMaggot Man\u201c, den Williamson als Sch\u00fcler ertragen musste, hier genannt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim dritten Song, \u201eElitest G.O.A.T.\u201c, wird Williamson gesanglich von der wunderbaren Aldous Harding aus Neuseeland unterst\u00fctzt, was sich anh\u00f6rt, als mische man Sleaford Mods von heute mit Phillip Boa &amp; The Voodoo Club aus den 80ern.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso wie zuvor auf \u201eUK Grim\u201c (2023) zeichnen Williamson und Fearn ein d\u00fcsteres Bild vom Lebensgef\u00fchl im aktuellen UK \u2013 \u201eThey are essentially the Sex Pistols of today\u2019s sprechgesang\u201c, schreibt der New Musical Express, und recht hat er.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Cat Power \u2013 Redux EP \u2013 Domino 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gut 10 Minuten neue Musik von Cat Power (of 90er Jahre Matador Records Fame), darunter eine Coverversion \u2013 knapp 6 Minuten lang \u201eNothing Compares 2 U\u201c. Dem EP-Titel gerecht werdend reduziert Chan Marshall dabei den Sin\u00e9ad-O\u2019Connor-Song auf ein nacktes, zerbrechliches apselutes Minimum an minimal instrumentierter Gesangskunst und setzt damit einerseits der ikonischen Originalinterpretin ein Denkmal und zeigt andererseits, was f\u00fcr einen grandiosen Song Prince seinerzeit f\u00fcr Sin\u00e9ad O\u2019Connor geschrieben hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden Eigenkompositionen gehen in dieselbe Richtung: Irgendwo im Blues verwurzelt, melancholisch und mit einer wundervollen Stimme gesungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>The Damned \u2013 Not Like Everybody Else \u2013 Ear Music 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Captain Sensible, Dave Vanian, Paul Gray, Monty Oxymoron sowie der nach 30 Jahren zur\u00fcckgekehrte urspr\u00fcngliche Damned-Drummer Rat Scabies huldigen auf diesem Cover-Album dem im M\u00e4rz 2025 verstorbenen Gr\u00fcndungsmitglied der Band, dem Gitarristen Brian James. Gekr\u00f6nt wird das Ganze von einer Damned-Version des Stones-Klassikers \u201eThe Last Time\u201c, auf dem James Gitarre gespielt hat. \u00dcberhaupt zeigt das Album, dass The Damned wirklich verdammt gut sind: Mit \u201eNew Rose\u201c ver\u00f6ffentlichten die Damned 1976 die erste englische Punk-Single, und in den folgenden Jahren haben sie aus dem urspr\u00fcnglichen Punkrock ihren eigenen Signature-Post-Punk-Sound entwickelt, der melodisch, d\u00fcster (man merkt immer mal wieder New Wave durchscheinen) und virtuos dargeboten r\u00fcberkommt (klar, einem Captain Sensible macht man nach so vielen Jahren weder modetechnisch noch an der Gitarre was vor). Dementsprechend dr\u00fccken The Damned jedem auf \u201eNot Like Everybody Else\u201c gecovertem St\u00fcck den eigenen Stempel auf, und das tut allen Songs ausgesprochen gut, als da beispielsweise w\u00e4ren: \u201eThere\u2019s A Ghost In My House\u201c (ein Klassiker aus dem Hause Holland\/Dozier\/Holland), \u201eSummer In The City\u201c, dem fr\u00fchen Pink Floyd-Hit \u201eSee Emily Play\u201c und nat\u00fcrlich das titelgebende Kinks-St\u00fcck. Sogar \u201eSummer In The City\u201c bringen die Punkveteranen so l\u00e4ssig \u00fcber die B\u00fchne, dass man sich nicht vorstellen kann, diesen Gassenhauer jemals von einem anderen Interpreten geh\u00f6rt zu haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Morrison \u2013 Someone Tried To Sell Me A Bridge \u2013 Orangefield 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte nie die Absicht, Sir George Ivan Morrison eine Br\u00fccke zu verkaufen \u2013 schon gar nicht nach seinen Ausfl\u00fcgen in die Schwurblergilde w\u00e4hrend der Coronajahre \u2013, aber irgendwer hat es anscheinend doch versucht. Und was soll ich sagen? Der gr\u00f6\u00dfte wei\u00dfe Bluess\u00e4nger der westlichen Welt, wenn nicht sogar der britischen Inseln, auf jeden Fall aber der s\u00fcdlicheren der beiden, hat sich ja schon im vergangenen Jahr mit \u201eRemembering Now\u201c, einem Album voller grandioser Eigenkompositionen, eindrucksvoll als der ernstzunehmende K\u00fcnstler, der er immer war, zur\u00fcckgemeldet, und mit dem aktuellen Album legt er nochmal nach, indem er 20 Bluesst\u00fccke covert, als w\u00e4ren sie seine eigenen. Stimmlich wie immer \u00fcber jeden Zweifel erhaben \u2013 vermutlich war der junge George Ivan auch an der besagten Kreuzung zugegen und hat sich eine ewig junge Stimme im Eintausch gegen irgendetwas anderes verpassen lassen \u2013 covert sich Morrison gut gelaunt quer durch die Genres, solange sie im Blues verhaftet sind. \u201eKidney Stew Blues\u201c hat m\u00e4chtig viel Swing, danach wird es dann mehr 100%iger Blues. Elvin Bishop, Taj Mahal (!), John Allair und Buddy Guy (!!) unterst\u00fctzen den kleinen Mann aus Belfast auf einigen der St\u00fccke, was Van the Man eigentlich nicht n\u00f6tig hat, die H\u00f6rfreude aber auf jeden Fall nochmal zu neuen H\u00f6hen treibt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Francis Rossi \u2013 The Accidental \u2013 Ear Music 2026<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was soll man dazu jetzt sagen? Au\u00dfer, dass es immer wieder toll ist, Francis Rossis unverwechselbare Stimme zu h\u00f6ren, und dass es mal wieder an der Zeit f\u00fcr ein neues Quo-Album w\u00e4re. Nun, sowas in der Art liefert der Status-Quo-Gr\u00fcndungsgitarrist und -S\u00e4nger hier jetzt ab, und das auf qualitativ erstaunlich hohem Niveau. The Mighty Quo Themselves waren in den letzten Jahrzehnten schon \u00f6fter mal schlechter. H\u00f6ren wir zum Beispiel mal in die Mitte des Albums rein und starten mit \u201eGoing Home\u201c (Track 6 des aktuellen Albums): Boogie-Woogie vom Feinsten, sch\u00f6\u00f6ne Sologitarre, dezentes Klavier im Hintergrund und Francis Rossi stimmlich und gesanglich in H\u00f6chstform, l\u00e4ssiger kann man den Boogie-Woogie nicht singen. Auf dem folgenden \u201eBye My Love\u201c setzt Rossi das eben erkannte Schema fort und l\u00e4sst seine Stimme so jung klingen, als h\u00e4tten wir sagenwirmal 1970 und nicht das erste Jahr des zweiten Viertels des 21. Jahrhunderts.<\/p>\n\n\n\n<p>Schwafeln wir also nicht lange um den Greasy Spoon herum: \u201eThe Accidental\u201c macht Spa\u00df und l\u00e4sst viele gute Erinnerungen an die fr\u00fchen und mittleren Quo (also die vor \u201eIn The Army Now\u201c) aufleben und das einzige Manko ist, dass es nicht von Quo ver\u00f6ffentlicht wurde. Aber feiern wir Rossi dennoch daf\u00fcr, dass er nicht das Gl\u00fcck oder den vierten Akkord sucht, sondern das Quo-Erbe hoch h\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (01.02.2026) ZU \u2013 They Might Be Giants \u2013 Sleaford Mods \u2013 Cat Power \u2013 The Damned \u2013 Van Morrison \u2013 Francis Rossi Seit 2022 schreibe ich wieder f\u00fcr KrautNick, vorwiegend \u00fcber Musik. 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