{"id":8664,"date":"2026-01-23T16:16:04","date_gmt":"2026-01-23T15:16:04","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8664"},"modified":"2026-01-23T16:16:04","modified_gmt":"2026-01-23T15:16:04","slug":"megadeth-megadeth-blkiiblk-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/megadeth-megadeth-blkiiblk-2026\/","title":{"rendered":"Megadeth \u2013 Megadeth \u2013 BLKIIBLK 2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Megadeth-Megadeth.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Megadeth-Megadeth.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8665\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (22.01.2026)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beatles gegen die Rolling Stones, Coca-Cola gegen Pepsi, Haribo gegen Katjes, Marius gegen Herbert, Volkswagen gegen Opel \u2013 es gibt Situationen im Leben, da muss man sich klar positionieren. So muss man sich beispielsweise einmal dar\u00fcber klarwerden, ob man die gr\u00f6\u00dfte Metalband auf dem Planeten supportet oder den ewigen Underduck (ja \u2013 ich glaube, soo w\u00fcrde es Lothar Matth\u00e4us auf den Punkt bringen). Und hier geht es jetzt nicht um Judas Priest vs. Iron Maiden, sondern um Metallica vs. Megadeth.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Meine Metal-Sozialisation hat in Wittingen stattgefunden (einer Kleinstadt in n\u00f6rdlichen Landkreis Gifhorn, Niedersachsen), einer Opel-Metropole, weil der \u00f6rtliche freundliche Opelh\u00e4ndler es drauf hatte und der Volkswagenkonkurrent eben nicht, obwohl R\u00fcsselsheim weit und Wolzburch nah war \u2013 aber es geht immer um Personen und selten um das Produkt. Kann ich das jetzt auf meine Metalheadkarriere \u00fcbertragen? Wir wissen es nicht, aber wir gehen mal bei und versuchen, es rauszufinden: \u201eRide The Lightning\u201c von Metallica war das erste Metal-Album, das ich mir kaufte, damals wegen \u201eFade To Black\u201c. Das war 1990, \u201eRide The Lightning\u201c war also damals f\u00fcr mich ein altes Album aus dem Jahr 1984, dem schon l\u00e4ngst \u201eMaster Of Puppets\u201c und \u201e\u2026 And Justice For All\u201c nachgefolgt waren, aber Wurscht, nur auf \u201eRTL\u201c war eben \u201eFade To Black\u201c drauf, und als Joy-Division- und Cure-Fan reinsten Wassers, wollte ich mich dem Heavy Metal eben von der lebensverneinenden Seite aus n\u00e4hern und nicht vom Operettenhaus aus. So kam es, dass mich die Herren Dickinson und Halford erst ein gutes Vierteljahrhundert sp\u00e4ter f\u00fcr sich einnehmen durften. Aber wir waren alle mal jung und bekloppt &amp; eingebildet sind wir heute noch.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo war ich? Ach ja \u2013 Megadeth. Womit wir wieder beim Thema Metallica w\u00e4ren. 1991 ver\u00f6ffentlichen diese das \u201eSchwarze Album\u201c, das eigentlich \u201eMetallica\u201c hie\u00df. Also selbstbetitelt war und den selben Namen trug wie die Band, die es eingespielt und ver\u00f6ffentlicht hatte. Und damit verlie\u00dfen Hetfield, Ulrich, Hammett und Newsted (wobei ja eigentlich Cliff Burton mit seinem Bassspiel den Sound von Metallica zuvor so richtig gepr\u00e4gt hatte) den Thrash Metal und machten sich auf in Richtung des traditionellen Metals und der harten Rockmusik, womit sie ihren pers\u00f6nlichen VW Golf, also den Status als erfolgreichste und meistgeliebteste Metalband auf dem Planeten, schufen, in dessen Schatten Megadeth immer der ewige Opel Kadett war. Mit mehr Charakter und mehr PS, aber aufgrund mangelnder Qualit\u00e4tsanmutung (Mustaines ewiges Gejammer ob des Metallica-Rausschmisses und seine Drogeneskapaden [wegen derer er ja letztendlich auch bei Metallica rausgeflogen war] sowie st\u00e4ndige Besetzungswechsel) immer irgendwie leicht neben der Spur. Mir pers\u00f6nlich taugen Megadeth wesentlich besser als Metallica, weil sie mit wenigen Ausnahmen wie zum Beispiel \u201eSuper Collider\u201c (2013) immer nur tolle Alben rausgebracht haben und immer irgendwie im Thrash verhaftet geblieben sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier liegt nun also ihr nach eigenen Aussagen letztes Album vor, und es hei\u00dft wie die Band. Wieder mal ein Punkt f\u00fcr Megadeth gegen Metallica: Anstatt mit einem selbstbetitelten Album aus der Einzigartigkeit, die die Band immer ausgemacht hat und f\u00fcr die ihre Fans sie liebten, auszubrechen und sich in Richtung Massenkompatibilit\u00e4t aufzumachen \u2013 und das kurz nach dem Anfang ihrer Karriere, also nur f\u00fcnf Jahre nach \u201eMaster Of Puppets\u201c, dem apseluten Sgt. Pepper Of The Moon des Heavy Metal \u2013, kommen Megadeth erst Jahrzehnte sp\u00e4ter mit einem selbstbetitelten Album um die Ecke, und das ist dann auch ihr letztes. Also fast wie bei den Beatles, nur dass es kein Doppelalbum ist. Und nicht wei\u00df. Stattdessen zeigt das Cover Vic Rattlehead, eingekleidet in einen hellen Anzug und auf der rechten Seite (also von den Betrachtenden aus links) brennend, wie er sich die Krawatte zurechtzupft. Vom Titel her also Beatles, vom Brandmotiv her Pink Floyd (\u201eWish You Were Here\u201c), vom Albumtitel Metallica \u2013 was erwartet uns nun also?<\/p>\n\n\n\n<p>Da kann ich die Lesenden beruhigen \u2013 Megadeth klingen auch heuer noch \u2013 oder wieder \u2013 wie weiland 1990 auf \u201eRust In Peace\u201c oder 1992 auf \u201eCountdown To Extinction\u201c, hier findet kein Abverkauf in andere Stilrichtungen statt. Und wenn Megadeth ihre Ank\u00fcndigung wahrmachen und sich mit \u201eMegadeth\u201c nicht nur wie Elvis aus dem Geb\u00e4ude, sondern wie The KLF komplett aus dem Musikbusiness verabschieden, dann tun sie das in W\u00fcrde mit einem gro\u00dfartigen Album.<\/p>\n\n\n\n<p>Der das Album er\u00f6ffnende Er\u00f6ffnungs-Opener \u201eTipping Point\u201c beginnt mit einem lockeren, aber harten Riff, dann setzt das Schlagzeug ein, dann ein Solo und dann\u2026 ja dann starten Megadeth eigentlich erst so richtig. Auf einmal rattert die Gitarre, das Schlagzeug h\u00e4mmert (Dirk Verbeuren tut die Trommeln verbeulen, k\u00f6nnte man sagen) und Dave Mustaine singt besser als je zuvor. Ich bin ja immer ein vehementer Verfechter des Verzichts auf Klargesang im Heavy Metal, aber Mustaines Organ ist so rauh und meckernd, dass er so klar singen kann, wie er m\u00f6chte \u2013 es passt hervorragend und wird im Alter nicht schlechter, sondern besser. Der Text des Songs handelt nicht etwa vom Feierabend, auch nicht von Raub, daf\u00fcr aber umso mehr von Mord \u2013 Mustaine zaubert den Zuh\u00f6renden flackernde Horrorfilmbilder vor die Augen und erzeugt damit gespannte Erwartung auf das, was folgt. Das ist zun\u00e4chst mal \u201eI Don\u2019t Care\u201c, ein Lied, in dem Mustaine davon singt, was ihm alles egal ist, und das zun\u00e4chst einmal banal anmutet. Aber Mustaine und seine Mitstreitenden (neben dem das Drumkit verbeulenden Dirk Verbeuren sind das Teemu M\u00e4ntysaari \u2013 erstmals an der Leadgitarre zu h\u00f6ren, und wenn man wissen will, ob er es drauf hat, dann \u00fcberzeuge man sich davon ab Minute 1:43 auf \u201eI Don\u2019t Care\u201c \u2013 die daraufhin folgende Gitarrensolosaalschlacht zwischen M\u00e4ntysaari und seinem Chef nimmt mehr als eine Minute des insgesamt dreimin\u00fctigen Songs ein \u2013 das ist kein Thrash, das ist Rock\u2019n\u2019Roll, und es tritt uns H\u00f6rende geh\u00f6rig in den Arsch \u2013 und James LoMenzo am Bass, also dem einer Gitarre \u00e4hnelnden Instrument, das er bereits von 2006 bis 2010 bei Megadeth bedient hat.)<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eHey God!\u201c geht es genauso weiter \u2013 aber auch wenn es hier Rock ist und nicht Thrash, klingt es richtig sch\u00f6n nach Megadeth. Also wenig basslastig, sondern eher hocht\u00f6nend, mit w\u00fctend rausgepresstem Gesang und immer voller sch\u00f6ner Soli und richtig gut dosierter H\u00e4rte. Und Mustaine, der ja wohl seit l\u00e4ngerer Zeit irgendwie ein reaktion\u00e4r-republikanisches, fundamentalchristliches Arschloch zu sein scheint, hadert allen Ernstes mit seinem Gott. H\u00e4tte er vorher mal in die Offenbarung des Johannes reingeschaut \u2013 diese Entt\u00e4uschung w\u00e4re ihm erspart geblieben. Auf \u201eLet There Be Shred\u201c begibt sich Mustaine auf weniger kontroverses Territorium \u2013 hier singt er davon, wie viel Bock es macht, geil Gitarre spielen zu k\u00f6nnen, und \u2013 ja Schei\u00dfe \u2013 dieser Triumph sei ihm von Herzen verg\u00f6nnt, denn genau daf\u00fcr lieben wir ihn und genau das wollen wir von ihm h\u00f6ren. \u201eAnother Bad Day\u201c erinnert mich textlich an \u201eThe Morning After\u201c von Tankard, nur dass Tankard ihre ultimative Saufhymne schon 1989 eingepr\u00fcgelt haben und damals noch nicht im gesetzten Alter waren wie Mustaine heutzutage. Musikalisch ist \u201eAnother Bad Day\u201c ein ruhig vor sich hin rockendes St\u00fcck, und das passt schon besser zu Mustaines Lebensalter. Ich denke, er k\u00f6nnte auch keine 55 Meilen pro Stunde fahren. Aber der Song macht Laune (Mustaine h\u00e4tte ihn eben nur von Sammy Hagar singen lassen und sich selber aufs Gitarre spielen beschr\u00e4nken sollen). Ist aber weit entfernt von Thrash. Mal ehrlich: Ich kann hier nicht \u00fcber Metallica l\u00e4stern, aber Megadave jeglichen Verrat an seiner musikalischen Heimat durchgehen lassen, nur weil er hier ein sehr gutes Album abliefert. Jahaaa \u2013 er liefert vielleicht gut ab, aber eventuell aus dem falschen Grund, und das ist genauso zu verurteilen wie alles andere auch. Obwohl \u2013 \u201eMade To Kill\u201c startet als Rocksong (mit tollem Schlagzeugverbeulen am Anfang, rockiger Gitarre auf H\u00f6he der Knie des Spielenden aufgeh\u00e4ngt, einem grandiosen Hardrocksolo und gelangweiltem Gesang des Bandvorsitzenden. Und auf einmal wird es schneller, abgehackter, rhythmischer, Strophen und Soli wechseln sich ab \u2013 ja klasse, Megadeth kann auch gut nach Megadeth klingen, wenn kein Thrashmetal geboten wird. Diese Tempiwechsel hier, die immer wieder von Gitarrensoli flankiert werden, sind auf jeden Fall Welt und Mustaines Gesang ist dazu super passend.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMade To Kill\u201c und \u201eObey The Call\u201c sind auch wieder weniger Thrash als mehr Old School Heavy Metal, aber beide Songs funktionieren hier gut. F\u00fcr Old School Heavy Metal sind sie auch recht sch\u00f6n schnell, die Soli passen gut und Mustaines Gesang war echt schon mal schlechter. Hier ist er richtig gut. Und den Text von \u201eMade To Kill\u201c finde ich klasse \u2013 hier kriegen alle Kriegsbegeisterten ihr Fett weg. \u201eObey The Call\u201c haut in dieselbe Kerbe \u2013 Antikriegslieder konnten Megadeth schon immer und k\u00f6nnen sie noch, und das schnelle Schlagzeug- und Gitarrensologebolze im letzten Drittel des Songs ist gro\u00dfartig. Ratternde Riffs und tolle Soli wechseln sich ab und dazu ballert das Schlagzeug, herrlich! \u201eI Am War\u201c \u2013 ein weiterer Antikriegssong, ist insgesamt eher im Hardrock als im Metal angesiedelt, aber ich erfreue mich hier an Mustaines Gesang \u2013 nie klang seine Stimme besser und nie passte sie besser zur Stimmung eines Songs. Dazu dann noch immer wieder tolle Soli \u2013 Megadeth waren mal h\u00e4rter, aber sie waren auch nicht immer so stimmig und \u00fcberzeugend wie hier, Hardrock hin oder her.<\/p>\n\n\n\n<p>Das f\u00fcnfeinhalbmin\u00fctige \u201eThe Last Note\u201c ist dann nochmal ein Gro\u00dfereignis: Es startet mit ger\u00f6chelten Spoken Words, die irgendwie nach Schmerz und Leid klingen, dann folgen \u00fcberaus rockige T\u00f6ne, Mustaine f\u00e4ngt zu singen an und es wird den H\u00f6renden klar: Hier geht es um die Musik, das Gef\u00fchl, auf der B\u00fchne zu stehen, den Stress, auf Tour zu sein, seine Jugend an den Rock\u2019n\u2019Roll zu verschwenden, hier nimmt eine Band Abschied von dem Leben, dem sie sich seit fr\u00fchester Jugend verschrieben hat. Der Text endet mit \u201eThey gave me gold, they gave me a name, but every deal was signed in blood and flames. So here&#8217;s my last will \u2013 my final testament, my sneer. I came, I ruled, now I disappear.\u201c Dann disappearen Megadeth also nun eventuell \u2013 in unseren Herzen rulen sie weiter \u2013 killing is their business, and business is good. Oder was?<\/p>\n\n\n\n<p>Und was gibt es als Bonustrack? \u201eRide The Lightning\u201c \u2013 ein Metallica-Cover. Und hier schlie\u00dft sich der Kreis und vers\u00f6hnen sich die Thrash-Legenden. Ich pers\u00f6nlich f\u00fchle mich wieder in meine Jugend in Wittingen 1990 zur\u00fcckversetzt, auch wenn Mustaine an Hetfields \u201eFlaaash before my eye\u00f6\u00f6\u00f6s, now it\u2019s time to die\u00f6\u00f6\u00f6h \u2013 burning in my brai\u00f6\u00f6\u00f6hn, I can feel the fla\u00f6\u00f6\u00f6me\u2026 Iiiiiii don\u2019t waaaaaant to die\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6\u00f6h\u201c selbstverst\u00e4ndlich nicht heranreichen kann. Hier setzt er der Band, aus der er vor \u00fcber 40 Jahren aus Gr\u00fcnden herausgeworfen wurde \u2013 eine Tatsache, an der er sich bis vor wenigen Jahren ewig grantelnd abgearbeitet hat \u2013, ein wunderbares Denkmal und macht gleichzeitig deutlich, dass der Planet niemals zu klein f\u00fcr beide Bands, Metallica und Megadeth, gewesen ist. Yeeeaaaahh! W\u00fcrde Hetfield hoffentlich sagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (22.01.2026) Die Beatles gegen die Rolling Stones, Coca-Cola gegen Pepsi, Haribo gegen Katjes, Marius gegen Herbert, Volkswagen gegen Opel \u2013 es gibt Situationen im Leben, da muss man sich klar positionieren. 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