{"id":8654,"date":"2026-01-21T21:19:17","date_gmt":"2026-01-21T20:19:17","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8654"},"modified":"2026-01-21T21:19:17","modified_gmt":"2026-01-21T20:19:17","slug":"was-meine-freundin-gerne-hoert-die-musikkolumne-ddr-spezial-lausemann-und-ich-das-ist-ne-feine-sache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/was-meine-freundin-gerne-hoert-die-musikkolumne-ddr-spezial-lausemann-und-ich-das-ist-ne-feine-sache\/","title":{"rendered":"Was meine Freundin gerne h\u00f6rt \u2013 die Musikkolumne (DDR-Spezial): Lausemann und ich, das ist ne feine Sache"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Was-meine-Freundin-gerne-Logo-111.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/Was-meine-Freundin-gerne-Logo-111.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4578\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Onkel Rosebud<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Lieblingsband aus der DDR ist die Arbeitsgemeinschaft Geige aus Karl-Marx-Stadt. Sie existierte von 1986 bis 1993. Da die Stadt 1990 wieder in den namensgebenden Fluss Chemnitz r\u00fcckbenannt wurde, kommt die Band quasi aus einem Ort mit drei Bezeichnungen, wenn man s\u00e4chsisches Manchester noch dazu z\u00e4hlt. Was ich mich in dem Zusammenhang schon immer gefragt habe, ist, was Leute in einem Fragebogen\/Antrag\/Visum etc. eintragen, in welcher Stadt sie geboren wurden, wenn diese nach ihrer Geburt umbenannt wurde. Schreiben die dann die Wahrheit, wie Karl-Marx-Stadt oder zum Beispiel auch Stadt des KdF-Wagens? Bitte nur ernstgemeinte Zuschriften dazu an onkel@krautnick.de.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Frank Bretschneider, Torsten Eckhardt, Jan und Ina Kummer gr\u00fcndeten AG.Geige als experimentelles Kunstprojekt. Die Band spielte von elektronischen Elementen gepr\u00e4gte Musik mit dadaistischen Texten und verstand sich hierbei als multimedial agierend. Auf ihren Konzerten setzte AG.Geige auf eigene Videos und Grafiken und trat in fantasievollen Kost\u00fcmen auf \u2013 unter anderem mit Ku-Klux-Klan-\u00e4hnlichen M\u00e4nteln und Pilzh\u00fcten. Dass sie keine \u201eechten\u201c Musiker waren, wurde von der Band offen eingestanden. So oder so \u00e4hnlich lautet der frei zug\u00e4ngliche Eintrag der Band im Internetz.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich war sechzehn, meine popkulturelle Birne war weichgesp\u00fclt mit Puhdys und dem ganzen anderen uninspirierten, musikalisch-sozialistischen Bumsklumpen-Schei\u00df, als ich in Lutz Schramms Parocktikum deren Song \u201eDas Scheusal&#8220; zum ersten Mal h\u00f6rte. Ich lag im Bett \u2013 Kopf an Kopf mit dem Aquarium meines Vaters, die K\u00fchltruhe daneben mit vielen Hasenherzen, die meine Mutter da reingelegt hatte, brummte mit 70 Dezibel, und ich h\u00f6rte \u00fcber Kopfh\u00f6rer der Geschichte zu, wie ein Gast im Restaurant zu einer Wildsau wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Moment hat mein Leben ver\u00e4ndert, weil sich eine Welt der Avantgarde auftat. So wie viele andere Lieder danach aus den drei offiziellen Tontr\u00e4gern \u201eYachtclub &amp; Buchteln\u201c, \u201eTrickbeat\u201c und \u201eRaabe?\u201c, wie \u201eDie Waldschleiereule\u201c, \u201eZw\u00f6lf Trombonen\u201c, \u201eFischleim\u201c und nat\u00fcrlich \u201eBlauer Mond\u201c sowie \u201eLeysegang und ich&#8220;, wobei ich immer \u201eLausemann\u201c verstanden habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis 1993 habe ich AG Geige zweimal live gesehen, dann l\u00f6ste sich die Band \u00fcberraschend auf, obwohl im gleichen Jahr das Erscheinen eines vierten Albums angek\u00fcndigt worden war. Dieses Album mit dem Arbeitstitel \u201eAG Geige 3\u201c wurde fertig produziert, erschien jedoch nie, sondern tauchte erst Jahre sp\u00e4ter in Fankreisen auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Der ganzen Sache mit der Nostalgie bezogen auf Ostrock kann ich ja insgesamt gar nix abgewinnen. Aber, im Bereich der Popmusik gibt es f\u00fcr mich im Wesentlichen zwei Szenarien, die als \u201eNachrichtenlagen\u201c gelten. Szenario Eins: Jemand stirbt. Ich lasse mir dann ein Bad ein, z\u00fcnde eine Kerze an und leide, w\u00e4hrend ich das Oeuvre noch mal durchh\u00f6re. Szenario Zwei: Jemand gibt ein Comeback. Ich fordere hiermit eine Reunion von AG Geige. Engagiert mich als Tourmanager und ich garantiere ausverkaufte Hallen in Karl-Marx-Stadt, Manchester und ja, auch in Chemnitz. Aber nur, wenn Lausemann anstelle Leysegang gesungen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein L\u00e4cheln umspielt die schmalen Lippen bei flotter Bedienung von<\/p>\n\n\n\n<p>Onkel Rosebud<\/p>\n\n\n\n<p>P.S.: Die S\u00f6hne von Jan und Ina Kummer, Felix und Till, gr\u00fcndeten 2009 in Chemnitz die erfolgreiche Indie-Rockband Kraftklub. Ersterer hat auch eine Solokarriere als Rapper. 2014 folgten deren j\u00fcngere Schwestern Nina und Lotta mit dem Indie-Pop-Trio Blond.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Onkel Rosebud Meine Lieblingsband aus der DDR ist die Arbeitsgemeinschaft Geige aus Karl-Marx-Stadt. Sie existierte von 1986 bis 1993. 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