{"id":8609,"date":"2026-01-07T21:14:26","date_gmt":"2026-01-07T20:14:26","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8609"},"modified":"2026-01-07T21:14:26","modified_gmt":"2026-01-07T20:14:26","slug":"tineke-de-meyer-inland-island-antibody-label-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/tineke-de-meyer-inland-island-antibody-label-2025\/","title":{"rendered":"Tineke De Meyer \u2013 Inland Island \u2013 Antibody Label 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Tineke-De-Meyer-Inland-Island.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/Tineke-De-Meyer-Inland-Island.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8610\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (07.12.2026)<br><br>Die Tonspur zu einer Kunstinstallation: \u201eInland Island\u201c braucht einen Kontext, damit man es voll erfassen kann, doch der unvoll erfasste Eindruck ist auch schon eindrucksvoll. Eigentlich war \u201eInland Island\u201c eine von der Ghenter K\u00fcnstlerin Tineke De Meyer konzipierte Mischung aus Performance und Installation, bei der eine Handvoll Menschen mit Kopfh\u00f6rern um einen selbstleuchtenden Tisch herum sa\u00dfen und den Anweisungen einer k\u00f6rperlosen Stimme folgten. Das kann die H\u00f6rerschaft nun tischlos mithilfe dieser Audiospur nachvollziehen, die die artifizielle Stimme und die kaum weniger virtuelle Musik des Duos Zonderwerk beinhaltet.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die weibliche Stimme ist spooky, die einen da begr\u00fc\u00dft, offenkundig virtuell, da sie auf Verfremdungen nicht verzichtet und somit offenlegt, dass sie k\u00fcnstlich ist. Gleichsam gruselig wie einladend, auffordernd, einnehmend holt sie die H\u00f6renden ab, l\u00e4sst das Manipulierte bis auf wenige Glitches weitgehend fallen, r\u00fcckt nahe an die H\u00f6renden heran, erz\u00e4hlt etwas, als s\u00e4\u00dfe sie neben einem und spr\u00e4che behutsam ins Ohr und von dort aus direkt in die Seele.<br>Ein ganz leichter Ambient-Sound liegt dahinter.<br><br>Erst nach f\u00fcnf Minuten steigern sich die Drones. Die Stimme spricht derweil unabl\u00e4ssig die H\u00f6renden an, fordert sie auf, stellt Fragen. Weitere Sounds kommen hinzu, angemessen wenige, mal ein Grummeln im Hintergrund, mal synthetische Scapes, mal ein Rascheln wie von einem Regenmacher. Mittlerweile reflektiert die Stimme \u00fcber den Wesen des Seins als \u201esolch eine Art von Daseinsform\u201c, einer unrealen n\u00e4mlich, und stellt fest, dass unsere Reaktion auf sie dennoch real ist.<br><br>Dann kommt tats\u00e4chlich so etwas wie Musik, sch\u00f6ne Sph\u00e4ren, ein Rhythmus wie \u201eWhy Can\u2019t We Live Together\u201c von Timmy Thomas, aber nur kurz, es bleibt hernach bis kurz vor Schluss zwischen spooky mit Rascheln und Drones und Sph\u00e4ren. Dazu erh\u00e4lt man immerzu Anweisungen, wie man seine H\u00e4nde zu bewegen hat oder dass man seine Augen schlie\u00dfen solle. Au\u00dferdem \u00e4u\u00dfert die Maschine weitere Betrachtungen, erz\u00e4hlt zu Vogelzwitschern und Naturger\u00e4uschen Geschichten, etwa \u00fcber Prophezeiungen und tote V\u00f6gel. Eine sakrale Kirchenorgel l\u00f6st kurz die Sph\u00e4ren ab. \u201eLineare Zeit ist ein mentales Konstrukt\u201c, sagt die Gruselstimme, als w\u00e4re HALs Schwester durchgedreht. Man gr\u00fcbelt: F\u00fchlt man sich jetzt manipuliert oder eher als Teil von etwas Gemeinschaftlichem? Auch wenn man allein ist?<br><br>Erst kurz vor Schluss l\u00e4sst das Konzept wieder einen Rhythmus zu, ein extrem verlangsamtes Motortuckern. Mit den Scapes hat es etwas von Fever Rays erstem Album, melancholisch und sch\u00f6n. Die Stimme entl\u00e4sst die Teilnehmenden, jubelt ihnen noch schnell einen unspezifischen Geruch unter und glitcht wieder gruselig aus.<br><br>An irgendwas Meditatives erinnert dieser mehr als halbst\u00fcndige Track, an ein H\u00f6rbuch, an eine Traumreise, aber an nichts davon ausschlie\u00dflich, besser: an alles gleichzeitig, inklusive verst\u00f6render Anteile, die das Vertraute torpedieren und es mit einem augenzwinkernden Unwohlsein verfremden. Das St\u00fcck \u201eInland Island\u201c wurde zuletzt in Br\u00fcssel in der Galerie Pilar dargeboten. Konzept, Texte und die k\u00fcnstliche Stimme kreierte Tineke De Meyer aus Ghent, die Musik lie\u00df sie von Linde Carrijn und Dijf Sandersalias Zonderwerk erstellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (07.12.2026) Die Tonspur zu einer Kunstinstallation: \u201eInland Island\u201c braucht einen Kontext, damit man es voll erfassen kann, doch der unvoll erfasste Eindruck ist auch schon eindrucksvoll. 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