{"id":8596,"date":"2026-01-02T15:39:25","date_gmt":"2026-01-02T14:39:25","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8596"},"modified":"2026-01-04T22:09:24","modified_gmt":"2026-01-04T21:09:24","slug":"stranger-things-5-the-duffer-brothers-netflix-2025-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/stranger-things-5-the-duffer-brothers-netflix-2025-2026\/","title":{"rendered":"Stranger Things 5 \u2013 The Duffer Brothers \u2013 Netflix 2025\/2026"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (02.01.2026)<br><br>Wer h\u00e4tte das geahnt, dass es die Duffer Brothers hinbekommen, nach einer Dekade und Stunden an teils widerspr\u00fcchlicher Handlung sowie einem qualitativen Wechselbad ein solch emotionales und dabei noch \u00fcberzeugendes Finale hinzulegen. \u201eStranger Things\u201c hinterl\u00e4sst ein aufgew\u00fchltes Publikum, so es denn dazu bereit ist, diese Serie als M\u00e4rchen aufzufassen und die Ungereimtheiten einfach einzustecken. Mit diesem Finale machten die Duffers das Beste, das m\u00f6glich war. Da kann man nur dankbar sein.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Die Serie beginnt mit einer halben Handvoll Kinder, die Anfang der Achtziger im fiktiven \u00d6rtchen Hawkins im Keller sitzen und Dungeons &amp; Dragons spielen, und sie endet auch genau damit. Alles sieht aus wie damals, als wir erstmals in dieses bald kopf\u00fcbergestellte Universum blickten, das uns zu Herzen ging, uns mitriss, uns aufw\u00fchlte, aufbrachte und wieder bes\u00e4nftigte, bevor all das \u00dcble geschah, das wir dann f\u00fcnf Staffeln lang begleiteten, und es sieht zuletzt genau so aus wie vorher, nur \u2013 dass diese Kids ihre Spielordner ein letztes Mal ins Regal stellen und den Keller verlassen. Wir alle wissen: So wird es nie wieder sein. Weder in \u201eStranger Things\u201c, schlie\u00dflich sind auch die Kinderdarsteller selbst zehn Jahre \u00e4lter, zumal dies als allerletzte Episode angek\u00fcndigt ist, noch im echten Leben, denn auch wir Zuschauenden machten \u2013 zumeist unbemerkt \u2013 Dinge in unserer Kindheit irgendwann zum letzten Mal und folgten dem Ruf des Erwachsenwerdens. Im R\u00fcckblick aus der Erwachsenenzeit \u00fcberkommt einem beim Schauen von \u201eStranger Things\u201c Wehmut, Sehnsucht nach besseren, verantwortungsloseren, unbeschwerteren Zeiten als diesen, und es bricht einem das Herz, mitansehen zu m\u00fcssen, dass auch die Kinderhelden nach all ihren Abenteuern und dem Umstand, dass sie mal eben die ganze Welt retteten, nicht davon ausgenommen sind, fortan den ganzen zivilisatorischen Schei\u00df der Moderne mitspielen zu m\u00fcssen. Wir kennen es aus \u201eEs\u201c von Stephen King, dass eine Gruppe weltenrettender Kinder einander vergisst, und heulen umso mehr, wenn Mike in Gedanken versunken den Keller als letzter verl\u00e4sst. Ja, sie \u2013 und auch die \u00e4lteren Freunde aus der Gruppe \u2013 versichern sich anhaltende Freundschaft, doch wissen wir, die wir so etwas wie einen Schulabschluss und unz\u00e4hlbare gebrochene Treueschw\u00fcre hinter uns haben, es besser, dass nichts bleibt, wie es war, dass man sich entwickelt, ver\u00e4ndert, wom\u00f6glich auseinanderbewegt. Es bricht einem das Herz, das jetzt auch in Hawkins erleben zu m\u00fcssen. Genau deshalb verfielen die Duffers auf den Trick, Mike von den j\u00fcngeren Geschwistern auf der Treppe umrennen zu lassen, die voller Energie die Pl\u00e4tze der Scheidenden einnehmen und die Tradition von D&amp;D fortsetzen, nicht ahnend, welche Anforderungen das Leben auch f\u00fcr sie noch in petto hat. Da steckt Hoffnung in der Wehmut: Irgendwas geht weiter.<br><br>Dennoch ist es ein Abschied, ein Abschied aus Hawkins, aus dem Upside Down, von den Kids und dem enorm vielk\u00f6pfigen Ensemble aus lauter Individuen, die allesamt zehn Jahre lang einen Platz im Herzen einnahmen. Es erinnert daran, wie man selbst in wom\u00f6glich zuf\u00e4lligen, manchmal gew\u00e4hlten Gruppen f\u00fcr einen tempor\u00e4ren Zeitraum aus dem Alltag entflieht und nach Ablauf wieder zur\u00fcckkehren muss. Das kann eine Fortbildung sein, ein Urlaub, ein Kulturprojekt, was auch immer \u2013 f\u00fcr eine gewisse Zeit hat man andere Aufgaben, ist man mit Nicht-Allt\u00e4glichem befasst, bekommt das eigene Handeln eine Wichtigkeit, die sich von der allt\u00e4glichen unterschiedet, und es ern\u00fcchtert, wenn die Zeit abl\u00e4uft und man in den Alltag zur\u00fcckkehren muss. Denn, so sehr man auch in der Lage sein mag, sich sein Leben positiv zu gestalten, es gibt immer Aspekte, auf die der eigene Einfluss nicht einwirken kann und die Routine, Dunkelheit, Machtlosigkeit oder sonstige deprimierende Anteile mitbringen. Die Duffers schonen uns nicht: So muss es den Kids aus Hawkins eben auch gehen. Niemand ist davon ausgenommen, nur weil er seinen Anteil am Gemeinwohl damit, dass er spektakul\u00e4r und mutma\u00dflich sogar unbemerkt die Welt gerettet hat, sogar \u00fcbererf\u00fcllte. Sobald man also den Schritt macht, sich im sonstigen Leben zu integrieren, muss man sich als Gruppe f\u00fcr das, was vorher Usus war, turnusm\u00e4\u00dfig verabreden, und hoffen, dass der gemeinsame Geist nicht trotzdem verlorengeht. Umso dankbarer sollte man sein f\u00fcr alles, was man an guten Anteilen im Leben hat, und vielleicht auch mal reflektieren, wie es zu dem kommt, was einem guttut, und was man selbst dazu beitragen kann, dass es existiert und erhalten bleibt. Gemeinschaft ist ein hohes Gut. Freundschaft mithin.<br><br>Das Gef\u00fchl stellt sich bei \u201eStranger Things\u201c indes nur dann so intensiv ein, wenn man bereit ist, zu akzeptieren \u2013 etwa, dass die Duffers nicht alle F\u00e4den, die sie \u00fcber das Jahrzehnt hinweg lose verteilten, auch wieder zusammenf\u00fchrten. Man muss bereit sein, \u201eStranger Things\u201c als M\u00e4rchen aufzufassen, oder besser: als D&amp;D-Spiel, wie es das zugeklappte Kampagnenbuch am Schluss suggeriert. Das Gute darf auch mal mit Plotholes und Logikfehlern siegen, das ist on Ordnung, insbesondere deshalb, weil das Gute hier auf eine so schl\u00fcssige und bei allem Siegestaumel so melancholische Weise gewinnt. Das erdet das Gute wieder und man f\u00fchlt sich leichter damit, die L\u00fccken auszublenden. Jedes Pochen auf Einhaltung der Logik schadete nur dem Rausch. Schlie\u00dflich wollen wir doch alle, dass das Gute die Oberhand beh\u00e4lt, zumal die Duffers darauf verzichteten, jemandem aus dem Haupt-Cast \u00fcber die Klippe springen zu lassen \u2013 der Verlust von Bob und Eddie Munson war hart genug. Letzterem setzt Dustin am Schluss ein so treffendes Denkmal, dass es dem emotional aufw\u00fchlenden Finale eine weitere Komponente hinzuf\u00fcgt: Anders als der schier unendliche Schmalz am Ende von \u201eDer Herr der Ringe\u201c begleiten diesen Herzschmerz hier auch Humor, Anarchie, Insubordination.<br><br>Auch dar\u00fcber hinaus machten die Duffers in der letzten Folge von \u201eStranger Things\u201c eine Menge richtig, insbesondere mit Blick auf den ins Unendliche gedehnten Schei\u00df, den sie uns die drei Episoden davor aussetzten, nachdem sie diese f\u00fcnfte Staffel mit vier sehr guten Folgen gestartet hatten. Hier passt das Verh\u00e4ltnis von Action und Psychologie wieder, hier ist Tempo drin, aber auch Tiefe, sogar ungew\u00f6hnlich viel. Wenn Hopper Mike die zwei Optionen aufz\u00e4hlt, die er hat, nachdem er seine Freundin verlor, und als erstes damit beginnt, dass man in Selbstschuld versinken und zu leben aufh\u00f6ren k\u00f6nnte, ist seine Alternative nicht, einfach Party zu machen, sondern das Schicksal zu akzeptieren, auch wenn man es nicht versteht. Damit ermuntert er Mike zur Selbsterm\u00e4chtigung, und Mike l\u00e4sst dies zu, zumal Hoppers Perspektive da eine vergleichbare ist.<br><br>Naja, eine Hauptfigur opfert sich, und das ist auch der Grund f\u00fcr Mikes und Hoppers Gram: Die vom Milit\u00e4r gejagte Elfie zerst\u00f6rt das Upside Down mit ihrem Leben. Und doch, Geschichtenerz\u00e4hler Mike deckt eine alternative Lesart auf: Wir d\u00fcrfen alle glauben, dass Elfie noch lebt. Obschon so ein einsames Schicksal in karger Landschaft bei drei Wasserf\u00e4llen nicht eben reizvoll erscheint. Aber es weckt die Hoffnung auf eine Fortsetzung, und zumindest k\u00fcndigten die Duffers ein Spin-Off an, und sei es nur die Fortsetzung in unserer Seele, in unserem Herzen.<br><br>Noch einige Beobachtungen: Man stelle sich die Butthole Surfers oder die Cowboy Junkies in einer deutschen Serie vor. Die Musikauswahl \u2013 erg\u00e4nzend zum Synthie-Score von Kyle Dixon und Michael Stein \u2013 ist durchgehend recht geschmackssicher und reicht, typisch f\u00fcr US-amerikanische Nicht-Unterscheiden von Subkultur und Mainstream, von Tiffany bis The Clash. Und einem den Tr\u00e4nenfluss befeuernden \u201eHeroes\u201c von David Bowie zum Abspann. Ein Vers\u00e4umnis indes ist es in der f\u00fcnften Staffel, dass diese filmisch nicht an die cineastischen Qualit\u00e4ten der vierten heranreicht. In der letzten Episode etwa gibt es nur eine \u00dcberblendung mit einem Kniff, als n\u00e4mlich aus der rotierenden Prince-Single auf einem Plattenteller die rotierende Radkappe eines Lastwagens wird. Ansonsten bleibt die Staffel k\u00fcnstlerisch eher konventionell und verlegt mehr Energie auf Special Effects, wo sie sich nicht in Dialogen verliert. Erz\u00e4hlerisch ist etwas merkw\u00fcrdig, dass einige Nebenfiguren zum Ende hin einfach nicht mehr auftreten. Aber mit denen verh\u00e4lt es sich dann wohl wie mit den unz\u00e4hlbaren losen F\u00e4den, und da handelten die Duffers ganz richtig: Was nicht passt, wird ignoriert.<br><br>Schlie\u00dflich verfuhr man 2016 mit der ersten Staffel von \u201eStranger Things\u201c wie mit allen Serien, die \u00fcberraschend erfolgreich waren: Man rang ihnen eine Fortsetzung ab. Obschon die erste Staffel zu einem schl\u00fcssigen Abschluss kam, musste also eine Bedrohung her, die irgendwie mit der ersten zusammenhing. Und eine dritte Staffel. Und eine vierte und f\u00fcnfte. Da bleibt eben einiges auf der Strecke, was zuvor mal relevant war. Wenn Henry und Vecna nicht eins waren, wo verblieb dann Henry? Egal \u2013 die b\u00f6se Macht ist besiegt, in einem spektakul\u00e4ren Dekapitationsmoment von Joyce, den die Duffers gleich noch dazu nutzten, unz\u00e4hlige Flashbacks einzubauen und die Zuschauerschaft an bewegende Momente der zur\u00fcckliegenden zehn Jahre zu erinnern. Angesichts dessen, was man da mit dem Cast in der Zeit durch hat, ist man nach Ablauf des Abspanns zus\u00e4tzlich gepl\u00e4ttet. Was f\u00fcr ein Ritt! Zur\u00fcck zu den F\u00e4den: Der Serienschluss von \u201eAkte X\u201c etwa, der ja dann doch keiner war, entt\u00e4uschte auf ganzer Linie, bei der H\u00f6rspielserie \u201eGabriel Bruns\u201c verzettelte sich Volker Sassenberg schon mittendrin so sehr, dass er die Serie einfach abbrach. Dann doch lieber wie hier eine gigantische Vers\u00f6hnung, auch wenn sie nicht realistisch ist und Fragen offen l\u00e4sst. Man m\u00f6chte doch auch mal etwas Gl\u00fcck im Leben haben. Und tr\u00e4umen.<br><br>Man kann nur dankbar sein f\u00fcr dieses Universum, in das uns die Duffers mitnahmen. Es wird im Herzen bleiben, noch eine ganze Weile. Und wenn sie es vern\u00fcnftig anstellen, liefern sie ja noch etwas nach, was einem den Geist der Serie am Flackern zu halten hilft. Schlie\u00dflich blieb komplett offen, woher der Typ in der H\u00f6hle den Vecna-Stein hatte und wie Henry danach in die F\u00e4nge des Papas geriet, der auch Kali und Jane zu seinen Schwestern machte. Wirf die W\u00fcrfel, lasse den Zauberer einen unerwarteten Spruch machen.<\/p>\n\n\n\n<p>[Edit 04.01.2026] Noch einige Betrachtungen: Es erschwert den Abschied aus Hawkins, dass man in eine Welt entlassen wird, die wie ein Gegenteil dazu wirkt. In Hawkins siegt das Gute, ganz wie bei \u201eDie drei ???\u201c oder \u201e5 Freunde\u201c geht man mit einer Gruppe von Leuten durch \u00fcble Geschehnisse, kommt aber unversehrt heraus und darf sich in der Gewissheit einkuscheln, dass es am Ende immer gut ausgeht.<br><br>Als Kontrast zur echten Welt bietet \u201eStranger Things\u201c zudem, dass hier eine Gruppe von Menschen zusammenfindet, die sich teilweise gar nicht leiden kann \u2013 der Dialog von Steven und Jonathan ist bemerkenswert, was die Klarheit und die Loyalit\u00e4t betrifft \u2013 und die trotzdem einander das Leben rettet.<br><br>Zuletzt bedient die Serie die Generation X, die als erste Generation verweigert, erwachsen zu werden: die Achtziger als Zufluchtsort des eigenen Eskapismus\u2019. Nehmen wir gern an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (02.01.2026) Wer h\u00e4tte das geahnt, dass es die Duffer Brothers hinbekommen, nach einer Dekade und Stunden an teils widerspr\u00fcchlicher Handlung sowie einem qualitativen Wechselbad ein solch emotionales und dabei noch \u00fcberzeugendes Finale hinzulegen. \u201eStranger Things\u201c hinterl\u00e4sst ein &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/stranger-things-5-the-duffer-brothers-netflix-2025-2026\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[],"class_list":["post-8596","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-tv"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8596","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8596"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8596\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8600,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8596\/revisions\/8600"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8596"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8596"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8596"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}