{"id":854,"date":"2014-04-21T15:19:17","date_gmt":"2014-04-21T13:19:17","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=854"},"modified":"2014-04-21T15:19:17","modified_gmt":"2014-04-21T13:19:17","slug":"ronald-r-klein-sandow-30-jahre-zwischen-harmonie-und-zerstorung-verlag-andreas-reiffer-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/ronald-r-klein-sandow-30-jahre-zwischen-harmonie-und-zerstorung-verlag-andreas-reiffer-2014\/","title":{"rendered":"Ronald R. Klein \u2013 Sandow: 30 Jahre zwischen Harmonie und Zerst\u00f6rung \u2013 Verlag Andreas Reiffer 2014"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-855\" title=\"Ronald R. Klein - Sandow\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Ronald-R.-Klein-Sandow.jpg\" alt=\"\" width=\"100\" height=\"141\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (21.04.2014)<\/p>\n<p>Die Relevanz einer Band wie Sandow \u2013 oder besser: gleich konkret der Band Sandow \u2013 geht \u00fcber ihr musikalisches Wirken weit hinaus. Bis auf den Hit \u201eBorn In The GDR\u201c kennt man von diesem Wirken selbst in informierten Kreisen wenig, Sandow sind und waren nie Konsensband, auch nicht in Ostrockkreisen. Daf\u00fcr waren sie immer viel zu subversiv, inhaltlich wie formal. Das dokumentiert dieses Buch \u2013 aber eben noch viel mehr als das: auch den Kulturbetrieb der DDR sowie den Status einer nicht einmal im Osten breitenwirksam akzeptierten Band nach der so genannten Wende im vermeintlich wiedervereinigten Deutschland. Somit ist diese Biografie ein breit gef\u00e4chertes Zeitdokument.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wohl eher zuf\u00e4llig zum Thema Staatentrennung passend, ist auch der Inhalt zweigeteilt. Das erste Drittel nimmt die historische Nacherz\u00e4hlung ein, den Rest Interviews mit Wegbegleitern und Akteuren. Dabei erscheint die Historie wie eine Art Ger\u00fcst f\u00fcr den Kern der Dinge: Der Autor eilt schnellen Schrittes durch die Eckdaten und l\u00e4sst die Musiker selbst anschlie\u00dfend das Fluidum dazu beitragen, das aus mehr als nur Information besteht. Das fordert dem Leser die F\u00e4higkeit ab, die jeweils gegebenen Informationen und Berichte selbst zu kombinieren und in die korrekte zeitliche Abfolge zu bringen. Damit ist die Erz\u00e4hlstruktur vielleicht verwirrend, daf\u00fcr ist dann eben die Struktur des Buches eindeutig.<\/p>\n<p>Die Bandgeschichte zun\u00e4chst liest sich fast wie ein Lexikoneintrag: Gegr\u00fcndet irgendwann um 1982 im namengebenden Cottbusser Stadtteil Sandow, sahen die Teenager zun\u00e4chst wie Popper aus, wussten aber schon als schiere Dilettanten ihr Publikum mitzurei\u00dfen. Bis 1989 hatte sich die musikalisch und inhaltlich sch\u00e4rfer werdende Band am DDR-Regime abzurackern, mit den Alben und den Experimenten ging es erst nach 1989 so richtig los. Sandow mischten in Theater, H\u00f6rspiel, Trommel-Happenings und dem etablierten Kulturbetrieb mit, trennten sich, erfuhren ihre eigene Wiedervereinigung und sind tats\u00e4chlich immer noch aktiv, das aber wie gehabt offenbar eher f\u00fcr eingeweihte Kreise im Osten der Republik.<\/p>\n<p>Der Bericht deutet bestenfalls an, was hernach die Musiker von sich geben: innere Zerw\u00fcrfnisse der Band, Gef\u00fchle nach dem Unfalltod eines Weggef\u00e4hrten, einer anscheinend zun\u00e4chst zuf\u00e4lligen Verweigerungshaltung, die sich in schieren Trotz steigerte, Drogen und Alkohol, k\u00fcnstlerische Experimente, Schwierigkeiten als K\u00fcnstler in der DDR, Positionierung im Musikbusiness zwischen Indie, Kultur, Punk, Ostrock und globaler Relevanz, der Notwendigkeit von verschl\u00fcsselten Texten zu DDR-Zeiten, Einfl\u00fcssen, Weggef\u00e4hrten und mehr. Die lyrische Wucht von Texter Kai-Uwe Kohlschmidt bekommt dabei in seinem Interview-Teil am Ende ein besonderes Gewicht: Er darf wortw\u00f6rtlich unter Beweis stellen, wozu er sprachlich in der Lage ist. Faszinierend, mitrei\u00dfend, einnehmend und radikal sind seine oft bildgewaltigen Sentenzen.<\/p>\n<p>Zwischengedruckte O-T\u00f6ne von Bookern, K\u00fcnstlern, Journalisten, Musikern und dem Verleger selbst mit Berichten \u00fcber ihren jeweiligen Erstkontakt zu Sandow bilden sozusagen den dritten Teil des Buches. Zuletzt liefert der Autor eine Diskographie, ausgew\u00e4hlte Texte und ein Glossar. Der limitierten Ausgabe des Buches liegt die H\u00f6rspiel-CD \u201eIm Feuer\u201c \u00fcber die Historie der Band bei.<\/p>\n<p>So ist dieses Buch zwar einerseits die Biografie einer kompromisslosen Rockband, da sie aber kaum jemand kennt, kann dieses Werk andererseits auch als dokumentarischer Roman \u00fcber eine verkannte Band und ihren schwierigen Weg durch die DDR und sp\u00e4ter den Kapitalismus aufgefasst werden: Man hat bei der Lekt\u00fcre auch dann einen Gewinn, wenn man die Band nicht kennt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (21.04.2014) Die Relevanz einer Band wie Sandow \u2013 oder besser: gleich konkret der Band Sandow \u2013 geht \u00fcber ihr musikalisches Wirken weit hinaus. 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