{"id":8454,"date":"2025-11-17T20:59:44","date_gmt":"2025-11-17T19:59:44","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8454"},"modified":"2025-11-17T20:59:44","modified_gmt":"2025-11-17T19:59:44","slug":"anna-von-hausswolff-iconoclasts-year0001-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/anna-von-hausswolff-iconoclasts-year0001-2025\/","title":{"rendered":"Anna von Hausswolff \u2013 Iconoclasts \u2013 Year0001 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Anna-von-Hauswolff-Iconoclasts.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Anna-von-Hauswolff-Iconoclasts.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8455\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (16.11.2025)<\/p>\n\n\n\n<p>Schlechtestes Albumcover-Artwork des Jahres? Mindestens. Aber eine gute Stunde neuer Musik von Anna von Hausswolff, die zuletzt 2022 mit \u201eLive at Montreux Jazz Festival\u201c begeisterte, ist auch zugleich eine der vom Rezensenten mit allergr\u00f6\u00dfter Spannung und Vorfreude erwartete Neuerscheinungen des aktuellen Jahres.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Anna von Hausswolff hat nicht nur einen bemerkenswerten Namen \u2013 voll ausgeschrieben lautet er sogar \u201eAnna Michaela Ebba Electra von Hausswolff\u201c und stellt damit sowohl unseren schmierigen ehemaligen Verteidigungsminister als auch Hadschi Halef Omar klar in den Schatten (den ihre Eltern wohl auch hatten, angesichts dieses Vornamens-Overkill). Aber wie Onkel Gert sagen w\u00fcrde: \u201eSpielt keine Rolle!!!\u201c \u2013 Frau von Hauswolff liefert mit \u201eICONOCLASTS\u201c ein Album ab, das zu lobpreisen ich nicht m\u00fcde werden werde, sobald sich nicht etwas Besseres am Firmament manifestiert, und das mag lange dauern.<\/p>\n\n\n\n<p>Anna von Hausswolff ist von Haus(s) aus Organistin und hat eine tolle Stimme. Dazu l\u00e4sst sie elektronische Elemente in ihre Musik einflie\u00dfen, die durchweg d\u00fcster und bombastisch ist. Und wie sch\u00f6n \u201ed\u00fcster und bombastisch\u201c klingen kann, davon \u00fcberzeugte sie mich auf \u201eLive at Montreux Jazz Festival\u201c, und seitdem hat mich ihre Musik nicht mehr losgelassen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eICONOCLASTS\u201c haut in dieselbe Kerbe wie das Montreux-Live-Album und begeistert von der ersten Sekunde an: \u201eThe Beast\u201c beginnt mysteri\u00f6s streichinstrumenteorientiert und macht mit wundersch\u00f6nen Melodien neugierig auf das, was einem hier noch bevorsteht \u2013 nach zwei Minuten bekommt man Angst, dann wird es wieder ruhig. Ein wahres Biest (oder wie meine Mudda und die Mutter meiner Tante formulieren w\u00fcrden: \u201eD\u00fctt ist aber ok ein Beist!\u201c) von einem ersten Song. \u201eFacing Atlas\u201c beginnt dann mit leisen, verspielten Keyboardkl\u00e4ngen und nach gut einer halben Minute ert\u00f6nt von Hausswolffs Stimme und nimmt die H\u00f6renden mit in das Album hinein. Die Ich-Erz\u00e4hlerin will jemanden dahin zur\u00fcckbringen, wo er\/sie herkam, aber das ist nicht das, was er\/sie will. Sie k\u00e4mpfte hart f\u00fcr ihn\/sie, f\u00fcr uns, f\u00fcr unser Leben hier, aber nun muss er\/sie gehen. \u201eThe world is full of shit and full of evil. But there you stand, you looked at me and begged me for some mercy. But I, I couldn&#8217;t take your hand. So I came to take you back to where you came from. But you see, that&#8217;s not what I want.\u201c Und dann nimmt der Song Fahrt auf. Ein elektronisches Geplucker macht sich im Hintergrund breit und mit \u201eCan\u2019t we just run away, it\u2019s no fun to stay\u201c wird es lauter und lauter, der Verzweiflung des Textes wird musikalisch ordentlich Raum gegeben und am Ende hei\u00dft es \u201eYour hand reached out and touched my Soul\u201c. Ist anscheinend alles doch nicht immer so einfach.<\/p>\n\n\n\n<p>Der sich anschlie\u00dfende Titelsong \u201eThe Iconoclast\u201c (ohne Plural-s) beginnt laut und krachig, wird dann ruhiger, aber nicht entspannter. Auch hier geht es um nicht funktionierende zwischenmenschliche Interaktionen. Auf gut elf Minuten besingt von Hausswolff dysfunktionale Eltern-Kind-Beziehungen, wie sie anscheinend an der Tagesordnung sind, und dazu kracht es aus allen Rohren, also aus Schlagzeug, Gitarren, Bass und Keyboards, und am Ende wird es dann merkw\u00fcrdig poppig, was aber den Gesamteindruck des Songs nicht schm\u00e4lert.<\/p>\n\n\n\n<p>Bereits jetzt gef\u00e4llt mir das Album wirklich gut, aber Anna von Hausswolff w\u00e4re nicht Anna von Hausswolff, wenn sie das derzeitige Niveau nicht nochmal anheben k\u00f6nnte:<\/p>\n\n\n\n<p>N\u00e4mlich auf \u201eThe Whole Woman\u201c, das eine Konversation zwischen Mann und Frau darstellt, dysfunktional ist auch hier wieder das Stichwort und man wei\u00df nicht, wessen Aussagen man weniger verstehen kann, aber hey! Wurscht! Der m\u00e4nnliche Teil wird n\u00e4mlich von Iggy Pop dargeboten, und Herr Pop und Frau von Hausswolff erg\u00e4nzen sich auf das sowas von Vortrefflichste, dass man k\u00fcnftig eigentlich nie mehr etwas Anderes h\u00f6ren m\u00f6chte.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eThe Mouth\u201c und \u201eStardust\u201c sind dann wieder l\u00e4ngere Songs (der Erstere gut und der Zweitere knapp sieben Minuten lang) und beide sind wundersch\u00f6n und wunderbar d\u00fcster, mit viel Orgel und dabei viel Geschrei von Frau von Hausswolff, und dann folgt wieder ein deutlich k\u00fcrzerer Song, der es aber dennoch in sich hat:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAging Young Women\u201c beginnt ganz ruhig und nach einer eher kryptischen ersten Strophe hei\u00dft es im Refrain, dass wir immer \u00e4lter werden, von Jahr zu Jahr mehr \u00c4ngste entwickeln und dass der Traum von der Zukunft langsam verschwindet. Diese Zeilen singt Anna von Hausswolff zusammen mit Ethel Cain, die dann auch die folgende Strophe beisteuert und weiters mit von Hausswolff zusammen den Gesang bestreitet. Und diese beiden Stimmen passen wunderbar zusammen und liefern ein trauriges, hymnisches Lied ab, dass f\u00fcr mich ein Highlight des Albums darstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eConsensual Neglect\u201c ist ein Instrumental, das mit einem nicht enden wollenden traurigen Saxofon-Intro beginnt und dann von Streichern begleitet ebenso traurig immer lauter wird.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eStruggle With The Beast\u201c ist dann nochmal ein Song, der den H\u00f6renden zu schaffen macht. Er beginnt mit Klarinette und Saxofon, zun\u00e4chst ein wenig kakophonisch, und dann sich in einen hypnotischen und dann auch vom Schlagzeug begleiteten Rhythmus hineinm\u00e4andernd, und der Text handelt von jemandem, die\/der sich selbst in die Psychiatrie einweist und sich \u201efucked up in my head\u201c f\u00fchlt. Dieser Song ist mit knapp neun Minuten kein bisschen zu lang, w\u00fchlt die H\u00f6renden auf und h\u00e4lt immer wieder noisige Passagen (und der Krach kommt hier nicht aus der E-Gitarre, sondern aus dem Saxophon!) bereit, die gut zu von Hausswolffs panischen und kreischenden Vocals passen. Von \u201egut miteinander harmonieren\u201c will ich hier nicht schreiben, und gegen Ende kommt noch ein wahrhaft apokalyptisches Saxophon hinzu. Puh.<\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt hoffentlich relaxen. Zwei lange St\u00fccke (\u201eAn Ocean Of Time\u201c, knapp acht Minuten, und \u201eUnconditional Love\u201c, sieben Minuten) wollen noch durchgeh\u00f6rt werden, bevor das Album mit dem nur zweieinhalb Minuten langen \u201eRising Legends\u201c dann ein Ende findet.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eAn Ocean Of Time\u201c ist ein sehr ruhiges St\u00fcck, fast ein Instrumental, wenn da nicht mittendrin diese zwei Minuten w\u00e4ren, in denen von Hausswolffs Stimme die Instrumente erg\u00e4nzt, und \u201eUnconditional Love\u201c ist tats\u00e4chlich ein leiser Song, auf dem die Stimme das Hauptinstrument darstellt. \u201eRising Legends\u201c schlie\u00dft das Album dann instrumental ab, und das braucht man auch. Anna von Hausswolff hat die H\u00f6renden mit ihrer Stimme, den ganzen Saxophonen und der vielen Orgel in der Stunde zuvor mehr als genug gefordert und mit \u201eICONOCLASTS\u201c ein grandioses Album vorgelegt, das lange nachhallen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (16.11.2025) Schlechtestes Albumcover-Artwork des Jahres? Mindestens. 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