{"id":8452,"date":"2025-11-17T20:58:55","date_gmt":"2025-11-17T19:58:55","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8452"},"modified":"2025-11-17T20:58:55","modified_gmt":"2025-11-17T19:58:55","slug":"sehnsucht-in-sangerhausen-julian-radlmaier-d-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/sehnsucht-in-sangerhausen-julian-radlmaier-d-2025\/","title":{"rendered":"Sehnsucht in Sangerhausen \u2013 Julian Radlmaier \u2013 D 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (17.11.2025)<br><br>Ausnehmend spr\u00f6de und gek\u00fcnstelt, fast amateurhaft wie aufgesagt startet der Episodenfilm \u201eSehnsucht in Sangerhausen\u201c, in dem Regisseur Julian Radlmaier diverse Frauen die titelgebende Emotion am titelgebenden Ort haben l\u00e4sst. Beinahe aufdringlich baut er Wiederholungen ein, die auf einen finalen Zirkelschluss hindeuten, und sobald der wahrhaftig eintritt, ist man mit dem Film bereits mehr als vers\u00f6hnt. Ein wenig Roy Andersson schwingt mit, wenn sich aus der zun\u00e4chst eher funktionalen Erz\u00e4hlung die glaubhaften Gef\u00fchle herausbilden. Der Film lief beim Braunschweig International Film Festival.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Zu Zeiten des Dichters Novalis spielt die erste Episode, in der eine Frau mit einem Fremden nach Frankreich zu fliehen gedenkt, der gestohlenen Pferde wegen verfolgt wird und sich in einer H\u00f6hle zu verstecken versucht. Die zweite Episode setzt in der Gegenwart an, man begleitet eine verheiratete Frau mit mehreren Kleinjobs, die sich am Leben langweilt und eine diffuse Zuneigung zu einer Berliner Klassik-Musikerin versp\u00fcrt. Die dritte Episode behandelt zwei Frauen aus dem Iran, die einander in Sangerhausen zuf\u00e4llig wiederfinden, und die vierte \u2013 darauf wartet man die ganze Zeit \u2013 b\u00fcndelt alle drei Handlungsstr\u00e4nge, indes auf unvorhersehbare Weise.<br><br>Die gek\u00fcnstelte Sprechweise der ersten Episode f\u00fchrt man noch auf die Zeit zur\u00fcck, in der sie stattfindet, und dazu passt sie auch. Emotionen indes vermittelt sie nicht, alles wirkt eher sachlich, wenn auch rational nachvollziehbar. Irritierenderweise setzt sich dieses Gek\u00fcnstelte in der zweiten Episode fort, wenn auch mit heutigem Sprachgebrauch, aber wie einstudiert, nicht authentisch. Die Szenerie wirkt wie Amateurtheater, inklusive \u2013 dazu scheint sich der Regisseur angesichts des Handlungsortes verpflichtet zu f\u00fchlen \u2013 der abgebildeten Alltagsrassismen. So richtig nat\u00fcrlich und fl\u00fcssig kommunizieren erst die Iranerinnen, deren Gespr\u00e4che im Original belassen sind. Ihnen nimmt man das Miteinander ab, w\u00e4hrend ihre Begegnungen mit Einheimischen weiterhin spr\u00f6de bleiben. Erst der vierte Teil mit dem mongolischen Fremdenf\u00fchrer und dessen illegal eingewanderten Halb-Enkel bringt die losen Erz\u00e4hlf\u00e4den zusammen \u2013 man ahnt, wie, und doch kommt diese Zuspitzung wie eine wohlige Erl\u00f6sung daher.<br><br>Einsamkeit ist zentrale Emotion hier, die Suche nach Zuneigung und Liebe resultiert daraus. Die Ausgangslage ist f\u00fcr alle der gezeigten Figuren eine andere: Die erste ist Dienstmagd, die zweite Billigl\u00f6hnerin, die dritte als lediglich geduldete Asylantin eine Reise-Influencerin und der vierte ist ein vor den Russen gefl\u00fcchteter Mongole. Ihre jeweils ureigene Motivation, sich im Leben einzubringen, b\u00fcndelt sich bei einer \u2013 erfolgreichen \u2013 Geisterjagd zu etwas, was alle verbindet und jede Eigenschaft zu etwas Ganzen zusammenf\u00fchrt. Bis dahin hat man l\u00e4ngst all die spr\u00f6den Figuren ins Herz geschlossen.<br><br>Zun\u00e4chst erscheint es durchschaubar und nervig, dass Radlmaier fortw\u00e4hrend wiederkehrende Elemente in die Episoden einbaut. So ein Holzhammer tut einfach weh, wenn man Subtilit\u00e4t gewohnt ist. Doch wie mit den unzug\u00e4nglichen Figuren findet man auch zu diesen Wiederholungen einen Zugang und freut sich, sobald sie wieder eintreten. Dabei f\u00e4llt n\u00e4mlich auf, welche Elemente keine Auffrischung erfahren, und freut sich auch dar\u00fcber, denn diese \u2013 die Cellistin aus der zweiten Episode etwa \u2013 w\u00fcrden den Fluss unterbrechen.<br><br>Zwar legt der Film auch einen Schwerpunkt auf den Tourismus, indem er die \u201eBerg- und Rosenstadt\u201c Sangerhausen, das vielen jenseits des Harzes eher unbekannt sein d\u00fcrfte, in allen sp\u00e4rlichen Fassetten darstellt, dem pyramidalen Abraumh\u00fcgel etwa, der aus allen Blickwinkeln sein Erscheinungsbild \u00e4ndert, wie es hei\u00dft, das nahegelegene Kyffh\u00e4user-Monument und die Barbarossa-H\u00f6hle, die weltgr\u00f6\u00dfte Rosensammlung. Mit der bisweilen offen gelebten Fremdenfeindlichkeit indes empfiehlt sich Sangerhausen eher weniger als Reiseziel. Erstaunlich ist, dass dieser Film als Kom\u00f6die gehandelt wird, denn so viel zu lachen gibt es eigentlich nicht, da auch die eingebauten Gags so spr\u00f6de sind, dass man die auf die Brust gesetzte Pistole mit dem Lachbefehl vielmehr abwehren m\u00f6chte. Daf\u00fcr ist die Grundstimmung zu deprimierend, was sich erst im Verlauf der dritten Episode \u00e4ndert. Und doch freundet man sich mit dem Film und seinem Ensemble an und freut sich, sich die Zeit daf\u00fcr genommen zu haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (17.11.2025) Ausnehmend spr\u00f6de und gek\u00fcnstelt, fast amateurhaft wie aufgesagt startet der Episodenfilm \u201eSehnsucht in Sangerhausen\u201c, in dem Regisseur Julian Radlmaier diverse Frauen die titelgebende Emotion am titelgebenden Ort haben l\u00e4sst. 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