{"id":8444,"date":"2025-11-16T22:37:06","date_gmt":"2025-11-16T21:37:06","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8444"},"modified":"2025-11-17T21:00:27","modified_gmt":"2025-11-17T20:00:27","slug":"stille-beobachter-silent-observers-%d1%82%d0%b8%d1%85%d0%b8-%d0%bd%d0%b0%d0%b1%d0%bb%d1%8e%d0%b4%d0%b0%d1%82%d0%b5%d0%bb%d0%b8-eliza-petkova-bg-d-2024","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/stille-beobachter-silent-observers-%d1%82%d0%b8%d1%85%d0%b8-%d0%bd%d0%b0%d0%b1%d0%bb%d1%8e%d0%b4%d0%b0%d1%82%d0%b5%d0%bb%d0%b8-eliza-petkova-bg-d-2024\/","title":{"rendered":"Stille Beobachter (Silent Observers\/\u0422\u0438\u0445\u0438 \u041d\u0430\u0431\u043b\u044e\u0434\u0430\u0442\u0435\u043b\u0438) \u2013 Eliza Petkova \u2013 BG\/D 2024"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-660\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (16.11.2025)<br><br>In ihrem Dokumentarfilm \u201eStille Beobachter\u201c kombiniert die bulgarische Regisseurin Eliza Petkova (\u0415\u043b\u0438\u0437\u0430 \u041f\u0435\u0442\u043a\u043e\u0432\u0430) zwei Themen: Die Visualisierung tierischer Sinne und den Zustand eines aus der Zeit gefallenen bulgarischen Dorfes. Was eindrucksvoll mit wunderbar komponierten Bildern und sogar mit Humor beginnt, verliert sich \u00fcber Zeit in Wiederholung, Tristesse und Depressivit\u00e4t. Die halbe Spielzeit und ein konzentrierterer Schwerpunkt h\u00e4tten dem Film gutgetan. Der Film lief beim Braunschweig International Film Festival.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eDie Katze ist \u00fcber den Toten gelaufen, jetzt ist sie ein Vampir!\u201c Mit diesem Schreckensruf beginnt der Film und steckt gleich beide Themen in eins ab: Tiere, die sich bei der Verrichtung ihrer ureigenen Aktivit\u00e4ten um nix scheren, und Menschen, die zwischen Glaube und Aberglaube ihre schmale Welt betrachten. Die Menschen treten dabei zun\u00e4chst auf wie in den alten \u201eTom &amp; Jerry\u201c-Cartoons, n\u00e4mlich nahezu unkenntlich, nur die Beine, man ahnt, dass es sich um alte Frauen handelt, die dem Leben begegnen. Die Tiere hingegen haben ihre eigene Wahrnehmung, und in der spiegelt sich die Welt der Menschen.<br><br>Da steckt das Sch\u00f6ne an diesem Film: Los geht es mit der Katze, ihr folgt der Hund. Geh\u00f6r, Geruchs- und Sehsinn sind bei beiden am besten ausgepr\u00e4gt, und diese zu visualisieren, gelingt Petkova fantastisch. Man sieht die Ohren, Nasen, Augen dieser Tiere in Gro\u00dfaufnahme, man sieht die Tiere ausschnitthaft auf Einfl\u00fcsse reagieren, und man sieht diese Einfl\u00fcsse: Kleine Ameisen, im Wind raschelnde Vorh\u00e4nge, eine Schnecke. Fasziniert folgt man den Tieren, die diese Welt in der Welt der Menschen auf eine andere Art wahrnehmen. Die Menschen hingegen sehen ihre eigenen Realit\u00e4ten: Die Katze ist ein b\u00f6ser Vampir, der in fremden H\u00e4usern poltert, sagen die Nachbarn, und die Besitzerin sagt, es sei ihr verstorbener Gatte Ivan, weswegen sie sie nicht verjagen wolle. Halleluja.<br><br>Man ist der Katze und dem Hund unmittelbar nahe, man ist bei ihnen, und dann f\u00fcgt Petkova dem Reigen weitere Protagonisten hinzu. Pferd und Esel r\u00fccken den Betrachtenden \u00e4hnlich nahe, doch haben beide bei den Menschen andere Rollen, n\u00e4mlich als Nutztiere, und so dr\u00e4ngen die Wahrnehmungen dieser Tiere hinter die Probleme, die die Menschen mit deren Verwendung haben. Noch distanzierter ger\u00e4t dies mit Schaf und Ziege, die in einer Herde untergehen und bei denen es darum geht, ihre Eigent\u00fcmer zu ern\u00e4hren. Das ist legitim, schafft aber kaum Zuneigung \u2013 ganz so, wie es in der Welt der Karnivoren mit der Fressbeute eben zugeht.<br><br>Diese Sequenzen ab Esel und Pferd nun dehnt Petkova in einer Weise aus und bildet sie in einer Willk\u00fcrlichkeit ab, dass man den Faden zu verlieren beginnt. Zumal aus den wundervoll bei Wim Wenders abgeguckt komponierten Bildern l\u00e4ngst verwaschene Totale geworden sind, die die vernebelte Tristesse des bulgarischen Landlebens mit all ihren lebensfeindlichen Ruinen zu einer verfilmten Depression machten. Das Fremdenverkehrsamt d\u00fcrfte seine Probleme mit dieser Darstellung haben.<br><br>Dabei sind die Bilder zun\u00e4chst ja wahrhaftig wundervoll. Gedreht im Format 4:3, zeigt Petkova oftmals bis zur H\u00e4lfte unscharfe Hinter- und Vordergr\u00fcnde und versteckt das Sujet scharf darin, es ist ein Fest, diese Kompositionen zu betrachten. Begleitet von Ger\u00e4uschen, gelegentlich von einer abstrakten, kargen, improvisierten, freien Musik auf Percussion oder Streichinstrumenten, die den ruin\u00f6sen Geb\u00e4uden akustisch entsprechen. Interessant ist auch, dass erst gegen Ende so etwas wie die moderne Einzug h\u00e4lt: Man h\u00f6rt keine Autos, Fernseher, Radios oder gar Smartphones, bis auf die wenigen intakten Geb\u00e4ude, die Z\u00e4une und die tropfenden Wasserleitungen ist kaum Moderne vorhanden. Jugend ebenso wenig, M\u00e4nner auch kaum: Einer h\u00fctet die Schafe, ein anderer ist ein Arschloch und hat es auf den Hund abgesehen. Komm, heil\u2019ger Geist.<br><br>Noch etwas, was bereits bei \u201eMikrokosmos\u201c st\u00f6rte: Die Nachvertonung von Ameisen oder Schnecken ist unnat\u00fcrlich, auch in Gro\u00dfaufnahme machen sie keine solchen Ger\u00e4usche. Umso gelungener ist etwa die Sequenz, als die Katze h\u00f6rbar ein Glas umwirft, man aber lediglich im Anschluss daran das tropfende Gef\u00e4\u00df auf dem Tisch liegen sieht, also weder die Situation noch die Verursacherin. Insgesamt sind die Passagen mit der Katze am eindrucksvollsten gelungen, darauf und auf den liebevollen Humor der orthodoxen Gl\u00e4ubigen beschr\u00e4nkt, h\u00e4tte der Film vermutlich eine bessere Wirkung gehabt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (16.11.2025) In ihrem Dokumentarfilm \u201eStille Beobachter\u201c kombiniert die bulgarische Regisseurin Eliza Petkova (\u0415\u043b\u0438\u0437\u0430 \u041f\u0435\u0442\u043a\u043e\u0432\u0430) zwei Themen: Die Visualisierung tierischer Sinne und den Zustand eines aus der Zeit gefallenen bulgarischen Dorfes. 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