{"id":844,"date":"2014-04-08T17:02:59","date_gmt":"2014-04-08T15:02:59","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=844"},"modified":"2014-04-08T17:02:59","modified_gmt":"2014-04-08T15:02:59","slug":"nymphmaniac-2-lars-von-trier-dk-b-f-d-gb-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/nymphmaniac-2-lars-von-trier-dk-b-f-d-gb-2013\/","title":{"rendered":"Nymph()maniac 2 \u2013 Lars von Trier \u2013 DK, B, F, D, GB 2013"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-660\" title=\"Kino-Film\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Kino-Film.jpg\" alt=\"\" width=\"178\" height=\"100\" \/><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (08.04.2014)<\/p>\n<p>Wie zu erwarten zeigt die zweite H\u00e4lfte des gesplitteten Mammutpornos mit Handlung alles das, was in der ersten H\u00e4lfte fehlte: Homoerotik, Sado-Masochismus, Gewalt, Vergewaltigung. Die Stimmung ist dabei zunehmend weniger humorvoll. Die sich f\u00fcr ihre Nymphomanie selbst kasteiende Joe und ihr rational-asexueller Retter Seligman n\u00e4hern sich seelisch aber immer weiter an. Mit \u00fcberraschendem Ende: Lars von Trier erlaubt einen Twist, \u00fcber den es sich trefflich lang diskutieren l\u00e4sst.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ohne Einleitung geht es einfach beim Schnitt nach Ende der ersten H\u00e4lfte weiter. Joe berichtet von dem Experiment, sich von einem Sprachproblem sexuell stimulieren zu lassen, indem sie sich mit einem Afrikaner einl\u00e4sst, der auch noch seinen Bruder mitbringt und mit dem dar\u00fcber streitet, wer bei ihr welches Loch f\u00fcllen darf. Mit Seligman streitet sie \u00fcber ihre Wortwahl \u201eNeger\u201c. Er meint, dass das Wort politisch nicht korrent ist, und sie argumentiert, dass man die Haltung der Gesellschaft nicht dadurch ver\u00e4ndert, dass man W\u00f6rter verbietet.<\/p>\n<p>Damit \u00e4ndert sich etwas im Gef\u00fcge der beiden: Er verliert zusehends seinen \u00fcberlegenen Posten als rational-naturwissenschaftlicher Philosoph, der ihre selbstzerst\u00f6rerische Eigensicht negiert, denn pl\u00f6tzlich sind ihre aus ihrer Lebenserfahrung gespeisten Argumente gewichtiger und effektiver als seine. Sein Einflussverlust gipfelt darin, dass sie den Hinweis f\u00fcr ihre finale Geschichte nicht wie sonst vorgegeben in seiner Wohnung findet, sondern als Folge einer ihrer Taten, in einem Fleck an der Wand n\u00e4mlich, verursacht dadurch, dass sie wutentbrannt eine Teetasse zertr\u00fcmmerte.<\/p>\n<p>Wie bei \u201eForrest Gump\u201c ist Joe eine Person, deren Biografie \u00fcppiger ausgestattet ist als die einer ganzen Familie. Sie hat mit Jer\u00f4me ein Kind, verliert die beiden aber, weil sie ihrer abgestorbenen Lust nachgeht, indem sie sich nachts k\u00f6rperlich z\u00fcchtigen l\u00e4sst und dabei ihre Sorgepflicht vernachl\u00e4ssigt. Danach wird sie illegale Schuldeneintreiberin und beginnt ein Verh\u00e4ltnis mit einer Teenagerin, die sie zu ihrer Nachfolgerin erziehen soll. Damit geht eine Ver\u00e4nderung in Joes Charakter einher: Sie ist nicht mehr l\u00e4nger passiv, sondern zerst\u00f6rt auch mal Autos oder peitscht M\u00e4nner aus; parallel zu ihren entsprechenden Berichten \u00e4ndert sich auch das Rollenverh\u00e4ltnis zwischen Joe und Seligman. Die Teenagerin wiederum \u00fcbernimmt bald den Auftrag, bei Jer\u00f4me Schulden einzutreiben, und betr\u00fcgt Joe mit ihm. Es kommt zu der Situation, die Joe in Seligmans f\u00fcrsorgliche H\u00e4nde bringt: Joe scheitert bei dem Versuch, Jer\u00f4me zu erschie\u00dfen, und der verpr\u00fcgelt sie daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Es stellt sich f\u00fcr Joe heraus, dass Seligman der erste Mann ist, der sich von ihren Geschichten nicht sexuell erregen l\u00e4sst. Sie fasst Vertrauen zu ihm und lernt damit eine offenbar seltene Sorte M\u00e4nner kennen. Die gibt es, sagt die Realit\u00e4t: Doch Lars von Trier misstraut allen M\u00e4nnern, und so l\u00e4sst er auch Seligman ein Arschloch sein. Da sitzt nun der diskutable Twist im Plot: Die letzten 30 Sekunden negieren die vier Stunden davor. Eine sensible Anfrage von Seiten Seligmans war einigerma\u00dfen erwartbar, seine unabgesprochene Eigeninitiative aber nicht. Die Kosequenz, die Seligman f\u00fcr diese Aktion zieht, musste aber sein, denn sonst h\u00e4tte von Trier nicht die Pointe mit der Abspannmusik bringen k\u00f6nnen: Hauptdarstellerin Charlotte Gainsbourg covert mit Becks Hilfe \u201eHey Joe\u201c von Jimi Hendrix. Dieser Witz erkl\u00e4rt auch, warum sie im Film einen m\u00e4nnlichen Vornamen tr\u00e4gt, abgesehen davon, dass ihrer Figur diverse m\u00e4nnliche Z\u00fcge angedichtet sind. Und die Moral von der Geschicht? Tja, die ist Gegenstand sich an den Film anschlie\u00dfender Gespr\u00e4chsrunden.<\/p>\n<p>Ach ja, da gab&#8217;s ja noch den Porno-Anteil. Wie schon im ersten Teil f\u00e4llt der nicht so unangenehm auf, wie man erwartet h\u00e4tte. Er geh\u00f6rt dazu und f\u00fcgt sich ein. Es ist fast egal, ob man Geschlechtsteile explizit sieht oder die Bildausschnitte etwas diskreter gew\u00e4hlt sind. Denn wichtig sind die Geschichten, Ideen, Philosophien, Ansichten, die der Film transportiert. Das tut er mit einem schl\u00fcssigen Drehbuch (mit streitbarem Ende), das sich vortrefflicher erz\u00e4hlerischer Kniffe bedient. Immer etwa, wenn Joe mit ihrem Bericht undeutlich ist oder thematisch springt, greift Seligman stellvertretend f\u00fcr den Zuschauer ein und stellt kl\u00e4rende Fragen.<\/p>\n<p>Im Oeuvre von Lars von Trier ist \u201eNymphomaniac\u201c ein ungew\u00f6hnlicher Film. Zwar sieht man filmisch seine Dogme95-Handschrift, aber sickert seine Depression nicht mehr so heftig durch und ist die Frau am Ende weder Opfer noch T\u00e4ter, sondern stark. Sollte dies seinen Seelenzustand widerspiegeln, besteht Hoffnung, dass sein n\u00e4chster Film vielleicht etwas leichtf\u00fc\u00dfiger wird. Zumindest ist \u201eNymphomaniac\u201c endlich mal wieder ein von-Trier-Film, den man sich \u00f6fter ansehen mag. Zum Beispiel in der F\u00fcnfeinhalb-Stunden-Version, die noch folgen soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (08.04.2014) Wie zu erwarten zeigt die zweite H\u00e4lfte des gesplitteten Mammutpornos mit Handlung alles das, was in der ersten H\u00e4lfte fehlte: Homoerotik, Sado-Masochismus, Gewalt, Vergewaltigung. Die Stimmung ist dabei zunehmend weniger humorvoll. 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