{"id":8353,"date":"2025-10-28T21:23:17","date_gmt":"2025-10-28T20:23:17","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8353"},"modified":"2025-10-28T21:23:18","modified_gmt":"2025-10-28T20:23:18","slug":"benny-b-savage-inglorious-bitches-1-sterben-wie-gott-in-frankreich-benjamin-spang-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/benny-b-savage-inglorious-bitches-1-sterben-wie-gott-in-frankreich-benjamin-spang-2021\/","title":{"rendered":"Benny B. Savage \u2013 Inglorious Bitches 1: Sterben wie Gott in Frankreich \u2013 Benjamin Spang 2021"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Benny-B.-Savage-Inglorious-Bitches-1-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"156\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Benny-B.-Savage-Inglorious-Bitches-1-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8355\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (28.10.2025)<br><br>Das tut der antifaschistischen Seele mal gut, wenn jemand der rechten \u00dcbermacht ganz unkorrekt mit nichtdemokratischen Mitteln begegnet, zumal dies ja lediglich literarisch geschieht: Mit der Buchreihe \u201eInglorious Bitches\u201c g\u00f6nnt sich Benny B. Savage alias Benjamin Spang das bei Quentin Tarantino abgeguckte Vergn\u00fcgen, geschichtsverf\u00e4lschend im Dritten Reich Nazis verlieren zu lassen, und dies auf brutalste Art. Drei Frauen mit ungew\u00f6hnlichen F\u00e4higkeiten stellen sich im ersten Band den ihrerseits mit \u00dcbersinnlichem experimentierenden Nazis in den Weg, bis nicht nur Blut und Sperma fliegen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Mary, Mouth und Lynx hei\u00dfen die Heldinnen. Die eine hat einen ausgepr\u00e4gten Geh\u00f6rsinn, die zweite den ausgepr\u00e4gten Geruchssinn und die dritte ist unverletzbar. Eine ist US-Amerikanerin, eine Brasilianerin, eine J\u00fcdin. Gemeinsam werden sie parallel zum D-Day irgendwo im Feindesland, hei\u00dft: im von Deutschen besetzten Frankreich, abgeworfen, um den Geheiminformationen von einer Superwaffe nachzugehen und diese m\u00f6glichst unsch\u00e4dlich zu machen. Klingt erstmal nach Action, ist es auch: Die drei Frauen fackeln nicht lang, und wenn, dann lediglich, wenn sie taktisch dabei vorgehen, Nazis zu t\u00f6ten, um sich selbst nicht zu gef\u00e4hrden. Das allein gef\u00e4llt dem lesenden Antifaschisten zwar schon, aber es w\u00fcrde auf Dauer sicherlich erm\u00fcden, deshalb geraten die drei auch mal in Hinterhalte oder gleich in die F\u00e4nge der Deutschen. Und weil auch das dramaturgisch erstmal nichts Ungew\u00f6hnliches ist und man ja wei\u00df, dass alle drei noch weitere B\u00fccher durchballern m\u00fcssen, resultiert die Spannung hier aus anderen Faktoren.<br><br>Nun sind Geschichten aus dem Dritten Reich zumeist davon gepr\u00e4gt, dass Nazis unberechenbar sind, man also nie wei\u00df, wann sie ihre vermeintlichen Verb\u00fcndeten dann doch noch t\u00f6ten oder die versteckten Verfolgten entdecken. Solche menschenverachtenden Situationen hat es ja wahrhaftig gegeben, deshalb schwingt in solchen Erz\u00e4hlungen auch immer das Beklemmende mit, dass man es mit mehr als lediglich einem miesen literarischen Kniff zu tun hat. Dennoch, die Spannung, die solche Szenen generieren, ist von Willk\u00fcr gepr\u00e4gt, folgt also keiner konsequenten Linie. Spang alias Savage dreht hier aber den Spie\u00df um und nimmt ihm die bekannten dramatischen Seitenarme: Die titelgebenden Heldinnen haben gar nichts anderes vor, als Nazis zu t\u00f6ten, hier resultiert die Spannung also nicht aus dem Ob, sondern aus dem Wie und Wann.<br><br>Seitenarme anderer Art f\u00fcgt Spang dem Gemetzel indes zu: Die von den Deutschen so geheimgehaltene Waffe entpuppt sich als etwas \u00dcbersinnliches, das definitiv Tod und Verderben bringt. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen die unr\u00fchmlichen Schlampen, wie sie sich nennen, damit umgehen. Die Szenerie indes ist so abenteuerlich, dass es die Freude daran, dass die widerlichen Nazi-Verbrecher hier einfach ausgeschaltet werden, noch erh\u00f6ht. Zudem garniert Spang die Sachlage mit flotten Dialogen und \u2013 nun \u2013 R\u00fclps- und Furzwitzen, was kurioserweise nicht mal unangenehm aufst\u00f6\u00dft, um im Bild zu bleiben. Was er indes gottseidank meidet, ist eine Falle, die er sich beim Erdenken des Konzeptes quasi selbst aufstellte: Er sexualisiert seine Heldinnen nicht.<br><br>Au\u00dferdem erg\u00e4nzt Spang seine Geschichte um analytische Betrachtungen, die er anschaulich herunterbricht: Eine Figur sagt etwa, sie w\u00fcrde die Nazis selbst dann aufhalten, wenn sie einen Zug voller Waisenkinder retten wollten, weil man bei Nazis immer davon ausgehen k\u00f6nne, dass sie damit eigentlich etwas Abscheuliches bezwecken w\u00fcrden. \u00dcbertragen auf die Gegenwart entspr\u00e4che dies etwa den sozial- oder gr\u00fcnpolitischen Inhalten rechter Parteien. Dazu passt, dass sich Spang im hinteren Buchdeckel aufkl\u00e4rerisch gegen rechte und rechtspopulistische Bewegungen positioniert; ein FCK AFD ist da lediglich der dem Buchinhalt gem\u00e4\u00dfe anschauliche Slogan.<br><br>Nun schreibt sich Spang in einen Rausch, und weil er dies tut, rauschen ihm auch so ein, zwei Unebenheiten durch. Nicht jede \u00c4u\u00dferung kann man schmerzlos abnicken, nicht jede Entwicklung ist nachvollziehbar vermittelt; zehn Sekunden etwa k\u00f6nnen kurios lang sein. Dennoch vertritt er Werte, teilweise auch damit, dass er die herablassende Haltung derer, die er kritisiert, hier zwar darstellt, aber \u00fcberh\u00f6ht, und da man es hier ja nun mit einem Autoren mit Sendungsbewusstsein zu tun hat, darf man davon ausgehen, dass er diese Positionen selbst nicht vertritt, auch wenn er ihren Wortlaut \u00fcbernimmt. Manchmal jedoch h\u00e4tte er seinen Sprachschatz gern etwas gl\u00e4tten d\u00fcrfen.<br><br>Inspirieren zu dieser nicht der Historie folgenden Erz\u00e4hlweise lie\u00df sich Spang von dem Film \u201eInglorious Basterds\u201c von Quentin Tarantino, dem der Saarl\u00e4nder auch gleich den Reihentitel entnahm. Nichts zu tun hingegen hat diese Reihe mit dem 2011 ver\u00f6ffentlichten Porno \u201eInglorious Bitches\u201c, obschon es etwas fragw\u00fcrdig ist, sich damit zwangsl\u00e4ufig in Verbindung setzen zu lassen. Die ersten drei B\u00fccher erschienen 2021, die zweiten drei \u2013 Spang ver\u00f6ffentlicht sie in Staffeln \u2013 2023 sowie ein Weihnachts-Special 2024. 2016 ver\u00f6ffentlichte Spang seinen Deb\u00fctroman \u201eBlut gegen Blut\u201c, mit dem er die Fantasy-Anteile bereits ausspielte, die er auch in \u201eInglorious Bitches\u201c unterbringt. Ausgelegt ist die Reihe auf 18 B\u00e4nde \u2013 ein Schelm, der denkt. Als Print-Ausgabe gibt es die Reihe via Amazon, ansonsten digital.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (28.10.2025) Das tut der antifaschistischen Seele mal gut, wenn jemand der rechten \u00dcbermacht ganz unkorrekt mit nichtdemokratischen Mitteln begegnet, zumal dies ja lediglich literarisch geschieht: Mit der Buchreihe \u201eInglorious Bitches\u201c g\u00f6nnt sich Benny B. 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