{"id":8323,"date":"2025-10-19T22:21:07","date_gmt":"2025-10-19T20:21:07","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8323"},"modified":"2025-10-19T22:21:07","modified_gmt":"2025-10-19T20:21:07","slug":"jeff-tweedy-twilight-override-dbpm-records-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/jeff-tweedy-twilight-override-dbpm-records-2025\/","title":{"rendered":"Jeff Tweedy \u2013 Twilight Override \u2013 dBpm Records 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Jeff-Tweedy-Twilight-Override.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Jeff-Tweedy-Twilight-Override.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8324\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (19.10.2025)<\/p>\n\n\n\n<p>Depression ist nicht nur \u201eKomm, raff\u2019 Dich mal auf und mach\u2019 Dir positive Gedanken!\u201c, Depression ist eine schlimme Krankheit, an der Jeff Tweedy Zeit seines Lebens leidet. Zeitweise war er von Aufputsch- und Schmerzmitteln abh\u00e4ngig \u2013 und fand sein Heil in der Musik. Erst mit Uncle Tupelo, mit denen er vier gro\u00dfartige Alben ver\u00f6ffentlichte, seit 1994 mit Wilco (einer der besten Bands auf dem Planeten, die man nicht zuletzt f\u00fcr \u201eYankee Hotel Foxtrot\u201c und den \u201eMermaid Avenue\u201c-Zyklus, auf dem Wilco zusammen mit Billy Bragg unver\u00f6ffentlichte Songs von Woodie Guthrie zum Besten geben, einfach nur lieben kann) und seit 2017 auch solo. Obwohl er bereits 2002 den Soundtrack \u201eChelsea Walls\u201c ver\u00f6ffentlicht hat und auch in der Zwischenzeit haufenweise Songs, Videos und Gastauftritte absolvierte.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Heuer hat sich Tweedy \u2013 nur zwei Jahre nach dem letzten \u2013 gro\u00dfartigen \u2013 Wilco-Album \u201eCousin\u201c \u2013 richtig was vorgenommen: Ein Dreifach-Album mit knapp zwei Stunden Spielzeit, das ausschlie\u00dflich neue Songs enth\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Tweedy mit Uncle Tupelo noch im Alternative Contry beheimatet war, erweiterte er mit Wilco sein musikalisches Spektrum in Richtung Alternative Rock, Art Rock und experimentellen Rock mit alternativen Folk- und Country-Einfl\u00fcssen. Solo macht er eigentlich nichts anderes, nur h\u00f6rt es sich hier pers\u00f6nlicher, zur\u00fcckgenommener und reduzierter an. Unterst\u00fctzt wird er auf den meisten St\u00fccken von seinen S\u00f6hnen Spencer (Schlagzeug) und Sam (Synthesizer) sowie von Sima Cunningham und Macie Stewart von den Bands Ohmme und Finom, ebenfalls wie Tweedy aus Chicago, Illinois, stammend. Dazu noch Liam Kazar am Bass und James Elkington an der Gitarre und der Mandoline, irgendwie ist hier eine very large Band am Start, dennoch schafft es Tweedy, die Intimit\u00e4t und Einsamkeit eines Solo-Albums auf jedem St\u00fcck r\u00fcberzubringen. Bei einer Band sind es eben auch immer manchmal der Gitarrist (meistens sogar der Gitarrist) oder der Pianist oder wer auch immer, die noch meinen, eigene Ideen und Einfl\u00fcsse einbringen zu m\u00fcssen, hier klingt alles 100% nach Tweedy. Das hei\u00dft, viel akustische Gitarre, nachdenkliche Texte und melancholische Melodien. Das Ganze wird auch auf einer L\u00e4nge von knapp zwei Stunden nie langweilig, im Gegenteil, denn Tweedy hat sich viele neue, sch\u00f6ne Melodien ausgedacht und tr\u00e4gt sie mit charismatischer, wenn auch br\u00fcchiger Stimme vor. Dass au\u00dfer ihm noch haufenweise andere Musiker beteiligt sind, merkt man erst, wenn man genauer hinh\u00f6rt, das hei\u00dft, wenn man Tweedys Gesang mal Tweedys Gesang sein l\u00e4sst (wie man gleichzeitig sch\u00fcchtern und dominant klingen kann, geh\u00f6rt zu Tweedys Geheimnissen) und sich weiter umh\u00f6rt. Ja Hammer, im Wald ist es gar nicht still, m\u00f6chte man meinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei 30 Songs mache ich jetzt keine Song-f\u00fcr-Song-Betrachtung (Gl\u00fcck gehabt, liebe Lesenden, ansonsten h\u00e4tten Sie sich jetzt mit proteinhaltigen Snacks und weingeisthaltigen Getr\u00e4nken f\u00fcr minnichstens siemenhalb Stunden bevorraten m\u00fcssen \u2013 aber wir machen das jetzt ganz schnell und es wird weder wehtun noch erm\u00fcden), sondern konzentriere mich auf das, was mich besonders ber\u00fchrte. Und das nicht ohne vorher nochmal darauf hinzuweisen, dass \u201eTwilight Override\u201c keine L\u00e4ngen, \u00dcberfl\u00fcssigkeiten oder sonstige \u00c4rgernisse enth\u00e4lt, sondern von Anfang bis Ende einen Genuss reinsten Wassers darstellt, der wirklich richtig gut ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Mein pers\u00f6nlicher Top-Schlager auf den drei Langspielplatten ist \u201eFeel Free\u201c: Hier, am Ende der zweiten Disc, f\u00fchlt sich Tweedy vollkommen frei, zu schleppend langsamen Schlagzeug und sparsam eingesetzter Akustikgitarre sechsunddrei\u00dfigmal \u201eFeel free\u201c zu singen, ohne dass es nervt oder langweilt. Er fordert die H\u00f6renden auf, sich auf den Boden zu legen und zu tr\u00e4umen, Bilder aus einer Zeitschrift auszuschneiden, eine Fackel durch die Stra\u00dfen zu tragen, alleine im offenen Meer zu schwimmen und vieles andere mehr. Das Ganze ist jedoch kein beklopptes \u201eSorge Dich nicht, lebe!\u201c, sondern wird immer wieder von Gedanken wie \u201eSay you\u2019re full when we know you\u2019re empty\u201c, \u201eTakin&#8216; it slow and easy even though your heart is racing\u201c oder \u201eHail Satan, doesn&#8217;t matter to me. Oh, you can be the devil every Halloween.\u201c bzw. \u201eFeel free to never listen and always speak, to never learn and try to teach\u201c unterbrochen, und irgendwann vereint Tweedy sogar die Beatles und die Stones mit den Worten \u201eLet it be or let it bleed, John or Paul, Mick or Keith\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleich darauf, am Anfang von Disc 3, folgt \u201eLou Reed Was My Babysitter\u201c, ein Song, der allein schon vom Titel her seine Aufmerksamkeit auf mich lenkte. Meine Aufmerksamkeit auf ihn meinte ich nat\u00fcrlich. Das St\u00fcck liest sich, wenn man nur den Text liest ohne es sich gleichzeitig anzuh\u00f6ren, tats\u00e4chlich wie etwas von Lou Reed zu Velvet-Underground-Zeiten, man lernt, dass der Rock\u2019n\u2019Roll niemals verlieren wird und dass die Toten niemals sterben, und dann kommt kurz vor Ende ein Gitarrensolo, wie es sich Lou Reed 1967 oder 68 nicht besser h\u00e4tte ausdenken k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTwilight Override\u201c enth\u00e4lt au\u00dferdem einige St\u00fccke, die sich sehr nach \u201eMermaid Avenue\u201c anh\u00f6ren, wie zum Beispiel \u201eBetrayed\u201c oder \u201eNo One\u2019s Moving On\u201c. Das finde ich sehr sch\u00f6n: Die Anf\u00e4nge von \u201eMermaid Avenue\u201c liegen nun schon mehr als 27 Jahre zur\u00fcck, und noch immer schafft es Tweedy, das Gef\u00fchl von damals wiederaufleben zu lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dann gibt es kurze St\u00fccke wie \u201eWedding Cake\u201c, die kratzig, roh und demom\u00e4\u00dfig klingen, und wenn man sich mal auf den Text konzentriert, stellt man fest, dass sich hier gerade jemand unspektakul\u00e4r und quasi beil\u00e4ufig die Pulsadern aufschneidet.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eStray Cats In Spain\u201c geht es ebenso demom\u00e4\u00dfig, aber freundlicher weiter. Auch das kurz danach folgende Titelst\u00fcck ist sehr unspektakul\u00e4r, aber wundersch\u00f6n, mit Mandoline statt Gitarre, und handelt von einem rastlosen Geist auf der Suche nach Stabilit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eEnough\u201c h\u00e4lt das Album dann ganz am Ende nochmal einen Knaller parat: Mit dem einleitenden Gitarrenriff verbeugt sich Tweedy vor den von ihm \u00fcberaus verehrten Kinks (indem er \u201eWaterloo Sunset\u201c im Ma\u00dfstab 1:1 kopiert), um sich dann gesangsm\u00e4\u00dfig den George-Harrison-Kompositionen der Beatles anzun\u00e4hern und die Frage zu stellen, ob man denn nun eigentlich noch mit dem Herzen ganz bei der Sache ist oder l\u00e4ngst zu fertig.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist kein Waldspaziergang, \u201eTwilight Override\u201c komplett in einem Rutsch durchzuh\u00f6ren, es macht einen nicht fr\u00f6hlicher und verlangt einiges an Anstrengung ab, aber es lohnt sich und es ist tolle Musik.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (19.10.2025) Depression ist nicht nur \u201eKomm, raff\u2019 Dich mal auf und mach\u2019 Dir positive Gedanken!\u201c, Depression ist eine schlimme Krankheit, an der Jeff Tweedy Zeit seines Lebens leidet. 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