{"id":8292,"date":"2025-10-10T17:01:41","date_gmt":"2025-10-10T15:01:41","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8292"},"modified":"2025-10-10T17:01:41","modified_gmt":"2025-10-10T15:01:41","slug":"nine-inch-nails-tron-ares-interscope-walt-disney-the-null-corporation-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/nine-inch-nails-tron-ares-interscope-walt-disney-the-null-corporation-2025\/","title":{"rendered":"Nine Inch Nails \u2013 Tron: Ares \u2013 Interscope\/Walt Disney\/The Null Corporation 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Nin-Inch-Nails-Tron-Ares.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"101\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Nin-Inch-Nails-Tron-Ares.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8293\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (10.10.2025)<br><br>Da kann man unter seinem Klarnamen noch so viele Oscars und Golden Globes f\u00fcr seine Soundtrackarbeiten eingeheimst haben \u2013 sobald es daran geht, f\u00fcr den Disney-Konzern das Erbe von Daft Punk anzutreten, muss der alte Bandname reaktiviert werden. F\u00fcr \u201eTron: Ares\u201c, die Fortsetzung von \u201eTron: Legacy\u201c, der Fortsetzung von \u201eTron\u201c, firmieren Trent Reznor und sein erster fester Sidekick Atticus Ross nun also nach Jahren erstmals wieder als Nine Inch Nails. 24 Tracks in fast 70 Minuten Spielzeit, darunter einige, die auch als Songs durchgehen, der Rest besteht \u00fcberwiegend Electro-Spielereien, die den Film untermalen sollen. Daft Punk h\u00f6rt man immer wieder durch, typische NIN-Versatzst\u00fccke ebenfalls. Kann man sich einige Tracks f\u00fcr eine nette Playlist draus herauspicken.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Hand hoch, wer eine \u00dcbersicht dar\u00fcber hat, welche Soundtracks es von Reznor und Rozz schon gibt? Und wer die dann auch noch als Tontr\u00e4ger im Regal zu stehen hat? Ja? Und wer heraush\u00f6ren kann, warum so etwas wie das rein digital erh\u00e4ltliche \u201eGhosts V-VI\u201c \u00fcberhaupt als NIN-Album existiert, wo es sich doch vermutlich kaum von den Soundtrack-Tracks unterscheidet, die als Reznor\/Rozz vorliegen? Welche strategische Entscheidung liegt also dahinter, dass \u201eTron: Ares\u201c acht Jahre nach dem urspr\u00fcnglich als EP konzipierten halbst\u00fcndigen Album \u201eBad Witch\u201c, an das sich zudem eh kaum jemand erinnert, als Nine Inch Nails erscheint? Als Promo-Gag f\u00fcr die Europa-Tour? Oder einfach wirklich nur, um Daft Punk etwas Namhaftes entgegenzusetzen? Mit dem expliziten Hinweis \u00fcbrigens, hier anders als Daft Punk auf ein Orchester verzichtet zu haben.<br><br>Immerhin: Vier richtige Songs mischen sich in die 24 Score-Tracks. Von denen erreicht nat\u00fcrlich keiner mehr die Qualit\u00e4t, die die Nine Inch Nails bis Ende der Neunziger hatten; die regul\u00e4ren Alben seit den Nullern ja auch schon nicht. Die Nine Inch Nails sind l\u00e4ngst zu einer Methode ausgereift, die Reznor nur noch nach Belieben anwenden muss, und das h\u00f6rt man hier auch. Damit es f\u00fcr das Erstellen der Playlist einfach wird, hier die vier Titel der Songs: \u201eAs Alive As You Want Me To Be\u201c, \u201eI Know I Can Feel It\u201c, \u201eWho Wants To Live Forever\u201c und \u201eOut In The World\u201c. Wer mag, kann sich noch einige der verbleibenden 20 Score-Tracks hinzubauen, wie \u201eInfiltrator\u201c, \u201eTarget Identified\u201c, \u201eDaemonize\u201c, \u201eNew Directive\u201c und als Rauswerfer \u201eEchoes\u201c. Fertig ist eine okaye EP.<br><br>Einige Score-Tracks sind halt vermutlich im Film effektvoll, auf der Platte hingegen eher egal. Oder in Sachen repetitiver Melodief\u00fchrung so nah dran an dem, was man von Daft Punk ohne Orchester erwartet h\u00e4tte, dass es an Identit\u00e4t mangelt; \u201eDerezzed\u201c, der knappe Hit damals, klingt immer wieder mal an. Nicht zu verschweigen, dass auch Wendy Carlos gelegentlich wohlwollend um die Ecke gucken soll. Ansonsten gibt\u2019s viel in typischer NIN-Vorgehensweise, leicht schr\u00e4g, manchmal eierig, abrupte Unterbrechungen, sowas. Trotz einiger kurzer Bratz-Sekunden ist die Musik hier jedoch insgesamt sehr clean; viel Klimpern, Pluckern oder Fl\u00e4chiges, NIN aus dem Baukasten. Die dramaturgische Anordnung bleibt \u00fcberdies unklar \u2013 folgt sie der Narration des Films oder soll sie eine eigene, als Album konzipierte sein? Dazu m\u00fcsste man den Film gucken, die zweite Erkl\u00e4rung jedenfalls w\u00e4re nicht \u00fcberzeugend.<br><br>Mal kurz zu einigen Details: Das Intro \u201eInit\u201c legt die Spur in Richtung Trent Reznor schon mal offen, der Fan erkennt es wieder, der regul\u00e4re Disney-Konsument wird nicht abgeschreckt. An dritter Stelle kommt die Vorab-Single \u201eAs Alive As You Need Me To Be\u201c: ein typischer NIN-Song j\u00fcngerer Art mit dem bei Daft Punk ausgeborgten Vocoder als Gimmick. Die Ballade \u201eEchoes\u201c erzeugt eine Beklemmung wie zu Zeiten von \u201eThe Downward Spiral\u201c, wenn auch etwas freundlicher. Der Track hat nichts von Pink Floyd; es folgen noch weitere Tracks mit von woanders vertrauten Titeln. \u201eThis Changes Everything\u201c hat einen stumpfen Buffda-Buffda-Rhythmus und einige Frickeleien.<br><br>Als zweiten Song gibt\u2019s \u201eI Know I Can Feel It\u201c: ein leerer, beim Trip Hop abgeguckter gebrochener Downbeat. Reznor barmt, \u00fcber die Spielzeit steigert sich die Intensit\u00e4t und in den Hintergrund schummeln sich eine verfremdete Gitarre und noisy Effekte hinein. Die deutlichste N\u00e4he zu \u201eDerezzed\u201c hat \u201eInfiltrator\u201c, das wie eine Art Daft Punk im NIN-Gewand auftritt, also mit Elementen darin, die leichtes Unwohlsein erzeugen, und einem sich anders entwickelnden Groove. Bedauerlicherweise ist es weniger fett.<br><br>Der dritte Song \u201eWho Wants To Live Forever\u201c ist ein balladeskes, minimalistisches Spieluhrengeklimper-Duett mit einer jungen S\u00e4ngerin namens Judeline, bei dem Reznor die hohen T\u00f6ne nicht so gut erreicht, wie er es wohl gern h\u00e4tte. Nicht zu verwechseln mit dem Song von Queen aus \u201eA Kind Of Magic\u201c, dem Soundtrack-Album zu \u201eHighlander\u201c. Kurz vor Schluss h\u00f6rt man ein digitales Brummen. F\u00fcr \u201eTarget Identified\u201c klaut Reznor am deutlichsten bei sich selbst: Der Track ist eine Reprise von \u201eLove Is Not Enough\u201c von \u201eWith Teeth\u201c aus dem Jahr 2005, also von vor 20 Jahren.<br><br>\u201eDaemonize\u201c kombiniert \u201eTron\u201c-Pluckern mit d\u00fcsteren NIN-Effekten, der Track ist einer der spannendsten auf dem Album. \u201eWhat Have You Done?\u201c hingegen ist erst Schlager-Pop, dann EBM, dann kurz \u201eBurnin\u2018\u201c von Daft Punk. \u201eA Question Of Trust\u201c klingt weder nach \u201eA Question Of Lust\u201c noch nach \u201eA Question Of Time\u201c, ist mehr angenoister EBM-Industrial als bei Depeche Mode abgeschauter Synthiepop. Noch ein gediebstahlter Titel: \u201eGhost In The Machine\u201c beginnt als Dark Ambient, ist aber kein Offbeat-Punkpop wie von The Police. \u201eNew Directive\u201c ist endlich wieder ein Bisschen mehr Geballer, zudem sehr wie Daft Punk. An vorletzter Position hellt \u201eOut In The World\u201c die Stimmung auf, aber ist ja auch klar, es geht auf das Ende zu, das darf ja nicht negativ sein, wir sind ja hier bei Disney. Na los, NIN, einen Song noch! Bitte! Okay: \u201eShadow Over Me\u201c beschlie\u00dft das Album, als Mitmach-Downbeat-EBM mit starker Daft-Punk-N\u00e4he, inklusive Vocoder zwischendurch. Endet nat\u00fcrlich abrupt.<br><br>Mit tonnenweise Erfahrung im Biz machen sich Reznor und Ross also an die Musik f\u00fcr \u201eTron: Ares\u201c, da denkt man: Klar, die k\u00f6nnen ja Noten, die wissen, wie es geht. So ein Ding sch\u00fctteln sie doch mit links aus dem \u00c4rmel. Ja, Pustekuchen: F\u00fcr Produktion und Programmierung brauchte das Duo eine halbe Handvoll Spezialisten, darunter Alexander Ridha alias Boys Noize, der die Band bereits auf der Tour begleitete, Hip-Hop-Produzent Hudson Mohawke aus Glasgow sowie die im Mainstream erprobten BJ Burton, Ian Kirkpatrick und Serban Ghenea, plus haufenweise weiterer Leute in der Post- und \u00dcberhauptproduktion.<br><br>Und was hilft\u2019s? Der NIN-Fan, der keinen Bock hat, die ganzen unter Klarnamen erstellten Soundtracks zu sammeln, weil er weder zu den Filmen noch zu den Scores wirklich einen Bezug findet, h\u00e4tte sich auch \u201eTron: Ares\u201c nicht gekauft, w\u00e4ren da nicht die drei gro\u00dfen Buchstaben draufgedruckt gewesen. Jetzt hat er sich eben der Vollst\u00e4ndigkeit halber die CD (oder Doppel-LP) ins Regal gestellt, und da bleibt sie vermutlich auch. Sobald musikalische Dunkelheit zur vorhersehbaren Formel verkommt, bleiben nur ein Schulterzucken und der Griff ins Regal, hin zu den alten Alben von NIN. Da wusste Reznor noch, wie es geht, seine Emotionen glaubhaft in T\u00f6ne zu transferieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (10.10.2025) Da kann man unter seinem Klarnamen noch so viele Oscars und Golden Globes f\u00fcr seine Soundtrackarbeiten eingeheimst haben \u2013 sobald es daran geht, f\u00fcr den Disney-Konzern das Erbe von Daft Punk anzutreten, muss der alte Bandname &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/nine-inch-nails-tron-ares-interscope-walt-disney-the-null-corporation-2025\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-8292","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8292","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8292"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8292\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8294,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8292\/revisions\/8294"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8292"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8292"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8292"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}