{"id":8282,"date":"2025-10-09T21:46:38","date_gmt":"2025-10-09T19:46:38","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8282"},"modified":"2025-10-09T21:47:34","modified_gmt":"2025-10-09T19:47:34","slug":"spezial-addicted-noname-label-aus-moskau-teil-19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-addicted-noname-label-aus-moskau-teil-19\/","title":{"rendered":"Spezial: addicted\/noname Label aus Moskau, Teil 19"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/addicted-label.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"110\" height=\"110\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/addicted-label.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3052\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (09.10.2025)<br><br>Ein neuer Reigen Musik vom fantastischen Label addited\/noname aus Moskau, dieses Mal mit dem Schwerpunkt IWKC alias I Will Kill Chita alias Evil Bear Boris, ganz abgesehen von solchen Band-Kombinationen wie REEBBB, DEEBBB oder Pizzdolf EB. Die Musik dieser Instrumental-Band ist so unberechenbar wie ein \u00dcberraschungsei: Man wei\u00df nie, was man bekommt, aber es ist immer gut. Los geht es mit der 2010er Deb\u00fct-EP \u201eBest Days\u201c, das j\u00fcngste Album \u201eMisha\u201c erhielt, wie einige weitere Ver\u00f6ffentlichungen, auf dieser Seite bereits an anderer Stelle seine Ber\u00fccksichtigung.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IWKC-Best-Days.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"118\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IWKC-Best-Days.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8289\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>IWKC \u2013 Best Days (2010)<\/strong><br><br>Mit \u201eBest Days\u201c setzten IWKC vor 15 Jahren ihre Deb\u00fct-EP in die Welt. Die ganz gro\u00dfe Leinwand hatten sie vor Augen, als sie \u201eAll You Know About Me\u201c angingen. Episch-opulent im Midtempo rockend, baut das Quartett bald ein Keyboard ein, dessen Melodie die Welt und alle verf\u00fcgbaren Emotionen umarmt. Dieses Keyboard bliebt auch f\u00fcr \u201eParis Holidays\u201c und \u201eBest Days\u201c erhalten, alles Instrumental-St\u00fccke, deren Grundierung im Rock verortet ist, in dem so ein synthetische T\u00f6ne generierendes Tasteninstrument wie ein Fremdk\u00f6rper erscheinen mag \u2013 aber nicht, wenn man es zu integrieren wei\u00df, und das wissen IWKC. Der Rock ist hier nie hart, aber dennoch vernehmlich, und der letzte Track blickt in Richtung Post Rock, was zu der Zeit vor 15 Jahren vision\u00e4r gewesen sein d\u00fcrfte. In den ersten beiden Tracks baut die Band das Keyboard noch melodie- und emotionsf\u00fchrend ein, im dritten dominiert eine Solo-Gitarre und der Synthie generiert Fl\u00e4chen. Die Band selbst l\u00e4sst das Schlagwort Progrock fallen, kann man abnicken. Als vertraute Kombi von Rockmusik mit Keyboard f\u00e4llt einem ansonsten ein, wie Faith No More damit bis zur \u201eThe Real Thing\u201c umgingen, als selbstverst\u00e4ndliches Element, das man gar nicht erst in Frage stellt und vielmehr als integralen Bestandteil akzeptiert.<br><br>Die Band bestand damals aus: Gitarrist und Keyboarder Nick Samarin, Schlagzeuger und Elektroniker Nik Samarin (das kann verwirren, er hei\u00dft eigentlich Nikita), Keyboarder und Elektroniker Andrei Silin sowie Bassist Alexander Ivanov.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IWKC-Not-A-Dream.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IWKC-Not-A-Dream.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8283\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>IWKC \u2013 Not A Dream (2011)<\/strong><br><br>Als zweites folgte abermals eine EP, besser: eine Single. Auf \u201eNot A Dream\u201c baut die Band die Kombi aus Rockmusik und Keyboard zu etwas Hymnisch-Melancholisch-Wavigem aus und versieht es mit verhuschtem weiblichem Gesang. Manche Gitarren erinnern an den britischen Postpunk-Waverock der Achtziger, The Alarm oder zeitgen\u00f6ssische U2. Die Band steigert sich richtig in das St\u00fcck hinein und empfiehlt es als emotionalen Dancefloor-Kracher im Gruft-Club. Das Titellied L\u00fcgen straft die B-Seite \u201eSpring Will Come\u201c, so vertr\u00e4umt und traumhaft, wie es als Ambient-Poprock beginnt und die Berliner Schule der Siebziger mit dem Wave der Achtziger kombiniert \u2013 durchaus melodi\u00f6s, aber ohne Beats.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IWKC-Urban-Fears.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"123\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IWKC-Urban-Fears.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8288\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>IWKC \u2013 Urban Fears (2012)<\/strong><br><br>Mit \u201eUrban Fears\u201c legte das Quartett das erste Album vor, mit nur sechs St\u00fccken, die daf\u00fcr umso l\u00e4nger sind, sowie zwei Gastmusizierenden: Artem Litvakovsky spielt das Cello, Anastasiya Narochnaya die Geige. Diese beiden treten hier, wie bereits zuvor sowie auch hier das Keyboard, nicht lediglich als schlichte Kleistermasse auf, sondern auch als Quasi-Ersatz f\u00fcr eine Singstimme, als Solo-Instrument oder im harmonischen Zusammenspiel mit den Synthies. Bewegt sich die musikalische Grundausrichtung hier deutlicher im Prog- und Post-Rock, bringen die Streichinstrumente zus\u00e4tzlich etwas Folkiges in die Musik ein. Oberfl\u00e4chliche Fr\u00f6hlichkeit findet damit indes gottlob keinen Einzug, das Melancholische liegt der Band einfach inne.<br><br>Spa\u00df w\u00fcrde auch gar nicht zum Konzept passen: Auch Instrumental behandelt das Album ein Thema, \u201eUrban Fears\u201c hei\u00dft es nicht ohne Hintersinn. Die Band nahm es damals in aufgelassenen Industrieruinen am Rande von Moskau auf und verarbeitete die Eindr\u00fccke von Gro\u00dfst\u00e4dtischkeit, Verlorenheit und Orientierungslosigkeit am gewerblichen Rande einer solchen Metropole. Titel wie \u201eLost\u201c, \u201eFear Of Suburbs\u201c oder \u201eEndless Odyssey\u201c verdeutlichen dies \u2013 doch kurioserweise entstand hier keine erwartbare Industrial-Musik. Die Band bleibt der Ausrichtung der beiden Vorab-EPs treu, f\u00e4hrt indes sogar noch das raumgreifend Hymnische zur\u00fcck. So dunkel, dass man tats\u00e4chlich Angst bek\u00e4me, ist die Musik andererseits auch wieder nicht, es schimmert trotz aller Wehmut immer etwas Hoffnung mit. \u201eThose Who See The Light\u201c treten der \u201eUrban Fear\u201c m\u00f6glicherweise besser gewappnet entgegen. Der Schluss gestaltet sich beinahe cineastisch \u2013 trotz des bedr\u00fcckenden Themas verl\u00e4sst man das Album nicht bedr\u00fcckt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/I-Will-Kill-Chita-Before-We-Disappear.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/I-Will-Kill-Chita-Before-We-Disappear.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8286\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>I Will Kill Chita \u2013 Before We Disappear (2013)<\/strong><br><br>Hatte das Deb\u00fct noch gerade mal zwei G\u00e4ste, trumpft der Nachfolger mit einem Ensemble in Orchestergr\u00f6\u00dfe auf. Das kommt auf \u201eBefore We Disappear\u201c zwar auch h\u00f6rbar zum Einsatz, aber nicht als Kitsch: Hier spielt durchaus eine Rockband, die sich indes mit klassisch instrumentierten Musizierenden zusammentut und mit ihnen gemeinsam musiziert, sie also nicht als Tapete missbraucht. Gitarren und Streicher spielen unterschiedliche, sich aber erg\u00e4nzende Passagen, zum Beispiel. IWKC \u2013 hier ausnahmsweise mal als I Will Kill Chita \u2013 stopfen ihre Musik nicht voll, sie wissen ihr Potential dosiert und damit wesentlich effektvoller einzusetzen.<br><br>Mit \u201eUSSR\u201c er\u00f6ffnet die Band das Album auf eine Weise, dass man sich beim H\u00f6ren in die UdSSR versetzt f\u00fchlt. Etwas Schwermut, ein leichter Hauch von \u00dcbertreibung, aber so sch\u00f6n, dass man sich dem gern hingibt. \u201eHard Times\u201c mit elf Minuten ist dann derart komplex, dass man es f\u00fcr mehrere St\u00fccke halten k\u00f6nnte, mit Western-Twang, Post-Rock-Atmosph\u00e4ren und losbrechendem Rock mit Streichern inmitten dieses epischen Werkes. Ein Gothic-Bass kommt in \u201eStreets Going Under Water (Part I)\u201c dazu. Der Zwanzigmin\u00fcter \u201eYoung Heroes\u201c erinnert anf\u00e4nglich rhythmisch an die Rock-Stampfer von Neil Young, im Zusammenspiel von Synthies und Rockinstrumenten hingegen umso weniger. Auch dieses St\u00fcck k\u00f6nnte in mehrere kleinere Tracks unterteilt werden, so viel Gegens\u00e4tzliches passiert hier. Ein Bisschen \u201eVagabonds\u201c von New Nodel Army l\u00e4sst sich in dieser alternativen Rockmusik mit Streichern durchaus mal entdecken, etwas Disco in \u201eWe Had Only One Day\u201c, leicht orientalische sowie stark klassische Anfl\u00fcge in \u201eMemories\u201c. Der Abschluss \u201eStreets Going Under Water (Part II)\u201c kehrt zur D\u00fcsternis zur\u00fcck und erfolgt rein mit einer halligen Gitarre und leichten Drones im leeren Raum.<br><br>In vielen Momenten f\u00e4llt auf, dass die Band ihre ansonsten \u00fcbliche Melancholie mit kraftvolleren Rockismen zur Seite dr\u00e4ngen und dann sogar Euphorie wecken kann. Und \u00fcberhaupt mit wahnsinnigen Einf\u00e4llen, das Album steckt voller Ideen \u2013 die Band macht was Gutes draus, dass sie hier einen Stapel Freunde ins Studio holt. Neben den beiden G\u00e4sten vom Deb\u00fct sind dies: Ksenia Pluzhnikova und Karthick Iyer mit Violinen und Violas, Denis Smirnov am Horn, Konstantin Podgorbunsky an Tuba und Posaune, Egor Gerasimchuk an der Trompete sowie Boris Medved an Keyboards.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IWKC-Oceans.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IWKC-Oceans.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8287\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>IWKC \u2013 Oceans (2014)<\/strong><br><br>Mit \u201eOceans\u201c beschr\u00e4nken sich IWKC einmal mehr auf eine Zwei-Track-Single. Das Titelst\u00fcck bedient sich im gniedelfreudigen Artrock irgendwo bei Mark Knopfler oder Mike Oldfield, die Musik dazu ist angefrickelter Uptempo-Poprock \u2013 mit Streichinstrument. Denn obschon IWKC hier als Quartett auftreten, r\u00e4umte Alexander Ivanov seinen Platz f\u00fcr den bereits bekannten Cellisten Artem Litvakovskiy. Den Blick in die Rockpop-Achtziger beh\u00e4lt die B-Seite \u201eWaves\u201c bei und unterstreicht diesen Anschein mit spacigen Synthies, bevor die Band das St\u00fcck mit Anfl\u00fcgen von Waverock auflockert. Einmal mehr begeistert hier die Kombination von Melancholie und Aufmunterung, dargeboten mit einer gro\u00dfartigen musikalischen Finesse.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Wille-Zur-Macht-I-Will-Kill-Chita-Two-Bridges.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"121\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Wille-Zur-Macht-I-Will-Kill-Chita-Two-Bridges.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8284\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Wille Zur Macht &amp; I Will Kill Chita \u2013 Two Bridges (2017)<\/strong><br><br>Eine weitere IWKC-Zusammenarbeit, die es auf immerhin drei Ver\u00f6ffentlichungen sowie einen Gast-Auftritt brachte, ist die mit Wille Zur Macht, auch Willezurmacht oder WZM. Mit den aus Zweibr\u00fccken kommenden Nietzsche-J\u00fcngern verlegen IWKC den Schwerpunkt auf den verlangsamten Post Rock, erweitern das Spektrum aber um Drones und Soundscapes. Daf\u00fcr sorgen eben Nicolas Perrault und Dominik Klein. Ersterer tr\u00e4gt mit seiner Black-Metal-Erfahrung sicherlich einen gro\u00dfen Anteil daran, dass die Musik hier sogar noch schwerm\u00fctiger ist, als man es von IWKC ohnehin kennt.<br><br>Sind \u201eSiebente Einsamkeit\u201c und \u201eMorgenr\u00f6te\u201c noch dronedominiert, f\u00e4hrt das Ensemble danach die Radikalit\u00e4t herunter und verortet \u201eAls ich einst Abschied nahm\u201c eher im minimalistischen Black Gaze, mit unverzerrten Gitarren, die dunkel nach Einsamkeit klingen. \u201eEin Abgrund ohne Schranken\u201c ger\u00e4t etwas freundlicher, und angesichts des in h\u00f6heren Tonlagen gespielten sph\u00e4rischen Keyboards und der leichten Beschleunigung in \u201eWarm atmet der Fels\u201c wundert man sich, wie vielf\u00e4ltig eine solche Zusammenarbeit ausfallen kann. Der Track groovt aber auch! Ganz anders \u201eDie W\u00fcste w\u00e4chst\u201c: 18 Minuten lang lassen die sechs Musiker einen gem\u00e4chlich m\u00e4andernden, d\u00fcsteren Drone in der Gegend herumstehen.<br><br>Als Beitragende listet die Info hier lediglich Pseudonyme auf: Chita, Dron, Tyoma, Koljunia, Dominik und Niki. Einige lassen sich entschl\u00fcsseln, immerhin stimmt die Zahl der Namen mit der der jeweiligen Bandbesetzung \u00fcberein. Zu den anderen gemeinsamen Ver\u00f6ffentlichungen wiederum sind WZM und IWKC etwas eindeutiger \u2013 und musikalisch auch wieder anders: Die \u201eEvil Cosmonaut\u201c-EP beispielsweise ist heavy, dieses Album ist es nicht, ohne jedoch an Gewicht einzub\u00fc\u00dfen. Zudem ist die Musik trotz dieser Schwere unerwartet warm, man f\u00fchlt sich in ihr durchaus geborgen. Was hier als einziges wundert, ist, dass das Album nicht wie die Tracks einen deutschsprachigen Titel tr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IWKC-WZM-Logbook-Of-The-Ark.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/IWKC-WZM-Logbook-Of-The-Ark.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8285\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>IWKC &amp; WZM \u2013 Logbook Of The Ark (2019)<\/strong><br><br>Zwischen der EP und dem Album gab es aber noch den Live-Mitschnitt \u201eLogbook Of The Ark\u201c, aufgenommen 2015 in Zweibr\u00fccken. H\u00f6rt man sich den auf die zwei St\u00fccke \u201eFlood\u201c (26 Minuten) und \u201eThe Only Passenger\u201c (34 Minuten) verteilten Auftritt an, w\u00fcnscht man sich sofort, dabei gewesen zu sein: Obschon da sechs Leute auf der B\u00fchne standen, besteht der Auftakt lediglich aus ganz leisen unendlichen Ambient-T\u00f6nen, man will von Drones da noch gar nicht sprechen, erst nach ewigen Minuten versetzt mit anderen Tonfolgen, alles k\u00f6rperlos schwebend, leise, kurz davor, \u00fcberhaupt gar nicht zu existieren. Nach \u00fcber zw\u00f6lf Minuten erst meint man einen Bass zu h\u00f6ren, den man von Angelo Badalamenti kennen k\u00f6nnte und der dezidiert dunkle Punkte in die dunkle Leere setzt. Nach einer Viertelstunde intensiviert sich das Grunddr\u00f6hnen etwas, ein weiteres gesellt sich hinzu, ebenso vereinzelte hallige T\u00f6ne. Erst nach 22 Minuten kann man kurzzeitig ein vereinzeltes Anklicken der Hihats erahnen.<br><br>Wenn das die Flut ist, die den Einsatz einer Arche erfordert, dann steigt sie nur gem\u00e4chlich, unscheinbar, ohne die Bedrohung, die sie ja eigentlich darstellt, schlie\u00dflich geht in ihr die gesamte Menschheit zugrunde. Damit ist \u201eFlood\u201c ein perfider Einstieg in diese Massenvernichtung, weil er die H\u00f6rerschaft in Sicherheit wiegt. Wogt, ist man zu sagen geneigt.<br><br>Die Katastrophe deutet sich indes im Titel des zweiten Tracks an, schlie\u00dflich bleibt demzufolge ja nur ein Passagier \u00fcbrig. So richtig schl\u00e4gt sich das in der Musik jedoch nicht nieder, die setzt schlichtweg am ersten Track an und f\u00fchrt die anhaltenden Soundscapes fort. Es dringen indes \u00fcber die Spielzeit mehr und mehr Elemente in den Reigen ein, nach sieben Minuten meint man Streich- oder Blasinstrumente zu h\u00f6ren, und ja, es best\u00e4tigt sich, das muss eine Trompete sein, die da die mittlerweile bedrohlich anschwellenden Drones durchst\u00f6\u00dft. Auf der E-Gitarre liegt ein Feedback; zuvor war dieses Instrument als Sounderzeuger gar nicht zu identifizieren, lediglich die eigene Erfahrung mit Krautrock-Bands wie Neu! oder La D\u00fcsseldorf sowie den Berlin-Alben von David Bowie lie\u00df dies vermuten. Dann, nach zw\u00f6lf Minuten: eine Oboe? Mit einer beinahe hoffnungsvollen Melodie inmitten des sich andeutenden Gebr\u00fclls, Ge\u00e4chzes, Gest\u00f6hnes, das dann doch nicht ausbricht, sondern best\u00e4ndig als Bedrohung aufrecht bleibt. Ein Rauschen tritt ein, alles wird leicht kakophonischer, dr\u00e4uend, bedrohlich, dr\u00f6hnend, und doch unterschwellig sakral, wie der Chorgesang von Leviathanen in einer Kathedrale. Berauschend!<br><br>Die Musik generiert zwar ein Kopfkino, das sich auch unabh\u00e4ngig vom biblischen Katastrophenthema von allein in Bewegung setzt, und doch h\u00e4tte man die Musiker gern dabei beobachtet, wie sie miteinander live eine solche Musik erzeugen. Bei der es sich nach klassischer Definition f\u00fcr viele gar nicht um Musik handeln mag, vielmehr um tongewordene Verweigerung. Und dann auch noch so sch\u00f6ne!<br><br>Von IWKC gibt es noch viel, viel mehr Musik, \u00fcber einiges ist hier auf KrautNick bereits zu lesen. Erh\u00e4ltlich ist alles auf <a href=\"https:\/\/iwkc.bandcamp.com\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bandcamp<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (09.10.2025) Ein neuer Reigen Musik vom fantastischen Label addited\/noname aus Moskau, dieses Mal mit dem Schwerpunkt IWKC alias I Will Kill Chita alias Evil Bear Boris, ganz abgesehen von solchen Band-Kombinationen wie REEBBB, DEEBBB oder Pizzdolf EB. &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-addicted-noname-label-aus-moskau-teil-19\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,15,23],"tags":[],"class_list":["post-8282","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-besonderes","category-klassiker-rereleases"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8282","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8282"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8282\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8291,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8282\/revisions\/8291"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8282"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8282"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8282"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}