{"id":8270,"date":"2025-10-07T22:27:35","date_gmt":"2025-10-07T20:27:35","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8270"},"modified":"2025-10-07T22:27:35","modified_gmt":"2025-10-07T20:27:35","slug":"spezial-joerg-a-schneider-vier-veroeffentlichungen-schneider-collaborations-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-joerg-a-schneider-vier-veroeffentlichungen-schneider-collaborations-2025\/","title":{"rendered":"Spezial: J\u00f6rg A. Schneider \u2013 Vier Ver\u00f6ffentlichungen \u2013 Schneider Collaborations 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Schneider-Collaborations.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/Schneider-Collaborations.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4700\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (07.10.2025)<br><br>Vier neue Kollaborationen gibt es aktuell vom wandlungsf\u00e4higen Schlagzeuger J\u00f6rg A. Schneider: Free Jazz mit Tatsu Aoki, epische Drones mit Hansi Dre\u00dfler, freien Noiserock mit Dirk Serries sowie Trompeten-Ambient mit Drazek Fuscaldo. Wie immer gilt: Gerade Rhythmen darf man hier nicht erwarten, die Musik entwickelt ihre Sch\u00f6nheit in der Unangepasstheit.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Tatsu-Aoki-and-Joerg-A.-Schneider-Youku-Kiitene.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Tatsu-Aoki-and-Joerg-A.-Schneider-Youku-Kiitene.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8271\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Tatsu Aoki and J\u00f6rg A. Schneider \u2013 Youku Kiitene (CD, 2025)<\/strong><br><br>So ein Kontrabass hat ja sowieso schon immer einen volumin\u00f6sen, satten, groovenden Klang, und wenn der als einziges Instrument einem wild gewordenen Schlagzeug zur Seite steht, bekommen beide ihren geb\u00fchrenden Aufmerksamkeitsanteil. Schneider passt sein Schlagzeugspiel an die jazzige Grundierung an, seine Sounds sind trocken, klackernd, der Snare-Rahmen kommt h\u00e4ufiger zum Einsatz als die Felle, das Hihat rasselt dazu, und wie zumeist h\u00e4lt sich Schneider nicht an Rhythmen, diese Musik ist so frei, wie es improvisierter Jazz nur sein kann. Und schnell ist Schneider, dabei aber nicht fl\u00e4chendeckend; \u201eGo\u201c etwa hat ein Irrsinnstempo und erweckt den Eindruck eines Live-Drumsolos, wie man es gegen Ende einer umjubelten Jazz-Session im verrauchten Club zu h\u00f6ren erwartete. An mancher Stelle, in \u201eRoku\u201c etwa, k\u00f6nnte Schneider zwischenzeitig sogar jazztypische Besen verwendet haben, m\u00fcsste man ihn mal fragen.<br><br>Auch Tatsu Aoki (\u30bf\u30c4\u30fb\u9752\u6728) h\u00e4lt sich nicht an feste Formen. Zwar erinnern viele Passagen seines Bassspiels an Jazz-Sounds, wie sie einem auch als Laie bekannt vorkommen, doch groovt auch er auf eine ungebundene Weise auf den dicken Saiten herum. Damit erzeugt er W\u00e4rme, das liegt seinem Instrument einfach inne, wenn dieser satte, tiefe Ton leicht federnd im Raum steht. Auch entsinnt sich Tatsu Aoki gelegentlich der Tatsache, dass es sich bei seiner Apparatur um ein Streichinstrument handelt, und bearbeitet es klassisch mit einem Bogen, so in \u201eShi Yon\u201c oder \u201eHachi\u201c. Auch ein Pizzicato gibt es mal zu h\u00f6ren, etwa in \u201eJuu Ichi\u201c. Und trotz aller individueller Freiheit h\u00f6rt man dem Duo an, dass es miteinander spielt, nicht gegeneinander oder jeder f\u00fcr sich.<br><br>Schickt man den Titel \u201eYouku Kiitene\u201c durch einen handels\u00fcblichen Online-\u00dcbersetzer, kommt dabei \u201e\u5e7c\u99d2 \u805e\u3044\u3066\u306d\u201c heraus, was bedeutet: \u201eJunges Pferd, h\u00f6r mir zu\u201c. Da f\u00fchlt man sich direkt angesprochen, als dem Jazz zugewandter, aber von ihm noch nicht tiefgehend beleckter Konsument: Bleib aufmerksam, lerne dazu, folge den Alten und lass dich von ihnen zu wilden Luftspr\u00fcngen animieren. Und das funktioniert mit diesem Album hervorragend. Die Aufnahmen dazu fanden in Chicago statt, wo der in Tokyo geborene Tatsu Aoki seit 50 Jahren lebt. Dort arbeitet er als Filmemacher, aber eben auch als Jazzmusiker, so unter anderem \u2013 neben diversen anderen Musikern aus der Szene \u2013 mit Jim O\u2019Rourke von Sonic Youth. Der Schriftzug auf dem Cover dieses Albums empfiehlt \u00fcbrigens: \u201eH\u00f6ren Sie York!\u201c Gern: Tun wir das doch einfach!<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Schneider-Dressler.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Schneider-Dressler.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8272\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Schneider | Dressler (CD, 2025)<\/strong><br><br>Der n\u00e4chste Kollaborationspartner ist Hansi Dre\u00dfler aus Bremen von der Band Feeble Bee. Au\u00dferhalb des Bandkontextes verlegt sich Dre\u00dfler auf Noise, Ambient und Drones, die er mit seiner E-Gitarre sowie diversen Effektger\u00e4ten erzeugt. Der perfekte Sparringspartner f\u00fcr Schneider also: Auf f\u00fcnf St\u00fccken zwischen gut zehn und knapp 20 Minuten entl\u00e4dt Dre\u00dfler seine Gitarre, l\u00e4sst sie freundlich wimmern, meistens eher aufb\u00e4umend jaulen, gl\u00fchen, dr\u00f6hnen, langgedehnt r\u00f6hren, eben fl\u00e4chige Drones absondern. Wie ein dicker, breiter, mit dem Quast aufgetragener und in der H\u00f6he schwankender Strich auf einem Landschaftsbild ziehen sich Dre\u00dflers Drones durch diese St\u00fccke.<br><br>Damit bilden sie beinahe eine Art verbogene Reling, an die sich Schneider klammert, um im br\u00fcllenden Getose und den Feedbacks Halt zu finden. W\u00e4hrend Dre\u00dfler mit stoischer Langsamkeit arbeitet, stellt Schneider sein ultraschnelles Schlagzeugspiel dagegen. Hier bekommt die Snare zun\u00e4chst einen gro\u00dfen Anteil, die Bassdrum imitiert Rockmusik, doch kann von dieser im herk\u00f6mmlichen Sinne keine Rede sein, nat\u00fcrlich nicht, Schneider h\u00e4lt sich bekanntlich nicht an Taktvorgaben. Auch passt er seine Schlagintensit\u00e4t nicht der der Gitarren an, indem er fettestm\u00f6glich drischt, sondern setzt vielmehr unz\u00e4hlbare Punkte neben und in den dr\u00f6hnenden Balken.<br><br>Erfreulicherweise erzeugt das Duo mit bleibender Grundausstattung unterschiedliche Stimmungen. So ist der Opener \u201eDeath Banjo\u201c aufbrausend, aufw\u00fchlend, das folgende \u201eWe Know Better Than The Box\u201c mit tiefer gespielter Gitarre vergleichsweise beruhigend, \u201eCutely Boring\u201c ganz gegenteilig trotz reduzierterer Passagen eher aufreibend, erst zum Schluss wird es kontemplativ. Ebenso erfolgt der \u00dcbergang zu \u201eFeel Left Out In 1999\u201c, das mit enorm zur\u00fcckgenommener Energie und intensivierter Dunkelheit startet, aber keine Angst, da kommt zwischendurch noch was. Mit \u201eOne More Bad Habit\u201c lassen sie die Kombi aus Drones und Drums beinahe chillig ausrollen, ohne aus dem Album-Rahmen zu fallen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Schneider-Serries-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Schneider-Serries-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8273\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Schneider | Serries 2 (Vinyl, 2025)<\/strong><br><br>In eine \u00e4hnliche Kerbe hauen Schneider und der Antwerpener Tausendsassa Dirk Serries, der sich ebenfalls auf E-Gitarren-Drones verlegt. Doch schwingt Serries sein Instrument viel weiter durch die Landschaft, er scheint es gar zu maltr\u00e4tieren, er erzeugt einen gr\u00f6\u00dferen Eindruck von Geschwindigkeit, und das, ohne Riffs oder Licks zu spielen. W\u00e4hrend Schneider sein Kit verpr\u00fcgelt, bratzt Serries nach alter Tradition von Neil Youngs \u201eDead Man\u201c auf der Gitarre herum und \u00fcberdreht die Kn\u00f6pfe an seinen Effektger\u00e4ten.<br><br>In dieser Kombination dieser Kollaboration ergeben sich sechs Tracks, die den Anschein erwecken, Songs zu sein, mit der irrlichternden Gitarre und dem irrsinnsschnellen Schlagzeug. Die St\u00fccke ergeben Formen, und sobald man versucht, sie zu fassen zu bekommen, entziehen sie sich wieder, drehen lange Nasen und scheren sich nix um feste Formen und erwartbare Abl\u00e4ufe. Was f\u00fcr eine Energie die beiden entfesseln! Hielten sie sich an gerade Takte, k\u00f6nnte man beinahe von klassischem Noiserock sprechen.<br><br>Das erste gemeinsame Album der beiden erschien vor einem Jahr, ein drittes nahmen Schneider und Serries bereits auf. Als w\u00e4ren sie beide nicht ausgelastet, dabei kommt man bei keinem von ihnen mit dem Sammeln so richtig nach.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Drazek-Fuscaldo-with-Joerg-A.-Schneider-Attachments.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"113\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Drazek-Fuscaldo-with-Joerg-A.-Schneider-Attachments.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8274\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Drazek Fuscaldo with J\u00f6rg A. Schneider \u2013 Attachments (Vinyl, Bliss Trade Music 2025)<\/strong><br><br>Zur\u00fcck nach Chicago, dort traf sich Schneider einmal mehr mit Przemys\u0142aw Krys Dr\u0105\u017cek und Brent Fuscaldo, dieses Mal als Gast des Duos. Auf zwei \u00fcber 20 Minuten langen Tracks improvisieren die drei mit Trompete, Fl\u00fcgelhorn, E-Gitarre, Mandoline, Maracas, Synthies, Samples, E-Bass, Percussion und Schlagzeug. Was sich wie ein gro\u00dfes Orchester liest, hat weit mehr Luft, als man ahnen mag: Das Trio stopft die Tracks nicht voll, auch wenn es anf\u00e4nglich Passagen erh\u00f6hter Energie gibt.<br><br>Die Musik wogt auf und ab. Auch im engeren Zusammenspiel \u00fcberfrachten die drei die Tracks nicht, zus\u00e4tzlich lassen sie die Instrumente auch mal absinken und den T\u00f6nen mehr Raum f\u00fcr freie Entfaltung, f\u00fcr \u00e4therische Bewegungen im Raum. Insbesondere die von Dr\u0105\u017cek gespielten Blasinstrumente verst\u00e4rken den Eindruck von Schwerelosigkeit. Assoziationen zu den \u201eSketches Of Spain\u201c von Miles Davis m\u00f6gen irgendwo im Hinterkopf aufkommen, treffen den Sound hier aber nicht. Die A-Seite \u201eDeath Mask\u201c rollt als kontemplativ-repetitive Meditations\u00fcbung aus, als Quasi-\u00dcberleitung zur B-Seite \u201eBorn In A Storm\u201c, die als extrem zur\u00fcckgenommener Ambient sogar ganz ohne Schlagzeug beginnt und erst nach neun Minuten gem\u00e4chlich an Intensit\u00e4t zunimmt. Ganz gem\u00e4chlich: Obschon hier wieder ganz behutsam mehr Instrumente hinzukommen, erf\u00fcllt die Musik weiterhin eher die Charakteristika von freiem Ambient. Von wegen Sturm, der Track ist ungemein beruhigend, da erscheint die Trompete am Schluss beinahe wie ein Weckruf.<br><br>Als Besonderheit in diesen Improvisationen gibt es, anders als sonst bei Schneiders Beteiligungen \u00fcblich, sogar Gesang zu h\u00f6ren. Fuscaldo erhebt hier seine Stimme, aber ohne konkrete Worte, er f\u00fcgt sie beinahe schamanisch als weitere Tonquelle in die Soundscapes ein. Was es hier hingegen nicht gibt, sind Passagen mit straightem Rhythmus, was Schneider im Verbund mit Drazek und Fuscaldo ansonsten schon mal versehentlich herausrutscht (und was dann auch erst den Kontrast zu den freien Passagen verdeutlichte). In die chilligen \u201eAttachments\u201c w\u00fcrden Rock-artige Momente ohnehin nicht passen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (07.10.2025) Vier neue Kollaborationen gibt es aktuell vom wandlungsf\u00e4higen Schlagzeuger J\u00f6rg A. Schneider: Free Jazz mit Tatsu Aoki, epische Drones mit Hansi Dre\u00dfler, freien Noiserock mit Dirk Serries sowie Trompeten-Ambient mit Drazek Fuscaldo. 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