{"id":8253,"date":"2025-10-01T21:21:08","date_gmt":"2025-10-01T19:21:08","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8253"},"modified":"2025-10-01T21:21:08","modified_gmt":"2025-10-01T19:21:08","slug":"sprints-all-that-is-over-city-slang-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/sprints-all-that-is-over-city-slang-2025\/","title":{"rendered":"Sprints \u2013 All That Is Over \u2013 City Slang 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Sprints-All-That-Is-Over.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/Sprints-All-That-Is-Over.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8254\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (01.10.2025)<\/p>\n\n\n\n<p>Irische Musik ist schei\u00dfe. U2, Chris de Burgh, Dexys Midnight Runners, The Kelly Family, C\u00e9line Dion \u2013 alles Schei\u00dfe. Alles? Nein \u2013 es gibt in den letzten Jahren immer noch Hoffnung, zum Beispiel in Gestalt von Fontaines D.C. oder von Sprints. Von den Sprints? Wurscht, eine Band, die so eine Energie transportiert, braucht keinen Artikel. Au\u00dfer vielleicht diesen hier. Einen von vielen vielen positiven journalistischen \u00c4u\u00dferungen \u00fcber diese tolle Band, derer es nicht genug geben darf. Die Rede ist von Artikeln, nicht von Bands. Davon gibt es schon viel zu viele, und unsere Rede ist hier von den Sprints und von niemandem anders. Also nun mal Pommes bei die Fische:<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Neben den Fountains, wie ich sie scherzeshalber zu nennen beliebe, weil ich aufgrund von Ignoranz und ADHS mir ihre tats\u00e4chliche Schreibweise nicht zu merken imstande bin, sind Sprints (ab jetzt ohne Artikel, der Einfachheit halber) diejenige Band aus der irl\u00e4ndischen Hauptstadt \u00c1th Cliath (wie es gerne mal auf dortigen Omnibussen geschrieben steht), die mir momentan am meisten zusagt. 2020 haben die erst kurz zuvor, n\u00e4mlich 2019, gegr\u00fcndeten Sprints mit der Single \u201eKissing Practice\u201c zum ersten Mal von sich Reden gemacht, und das war schon mal ein starkes Statement. Schrabbeliger Punk im Stil der 1970er Jahre, kompetent vorgetragen von S\u00e4ngerin und Gitarristin Karla Chubb mit Textzeilen wie \u201eAnd all the boys standing at the bar drinking beer no better than Dutch\u201c (ich selber mag auch lieber Guinness anstatt Heineken) machten m\u00e4chtig Eindruck, ebenso wie alle folgenden Singles und EPs der Band. Mit \u201eLetter To Self\u201c ver\u00f6ffentlichten Sprints dann im vergangenen Jahr ihr erstes Album, und es war gewaltig \u2013 Chubb singt alles in Grund und Boden und die Musik klingt wie nichts, was ich vorher geh\u00f6rt habe, nimmt aber Anleihen an allem, was mir an Punk der 1990er-Generation gut gef\u00e4llt. Also wer Bikini Kill, L7 oder Sleater-Kinney mag, wird auch Sprints m\u00f6gen, auch wenn sie sich eigentlich anders anh\u00f6ren. Der Spirit ist aber the same, und somit haben auch Sprints denselben Fame verdient wie die vorgenannten.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun aber \u2013 zweiter Anlauf \u2013 soll es endlich um das aktuelle Album \u201eAll That Is Over\u201c gehen:<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eAbandon\u201c beginnt das Album eher weniger punkig, sondern postrockig monoton repetitiv und Karla Chubbs Stimme ist das erste, was bei den H\u00f6renden h\u00e4ngen bleibt. Sie singt den Text monoton und traurig runter, alle Hoffnung m\u00f6ge aufgegeben werden, und mit einem zigmal wiederholten \u201eI used to live here\u201c faded das St\u00fcck dann aus. \u201eTo The Bone\u201c beginnt ebenso monoton und nicht weniger traurig und der Refrain \u201eNo, it&#8217;s cold, no, it&#8217;s cold, To the bone, to the bone, No, it&#8217;s cold, no, it&#8217;s cold, To the bone, to the bone\u201c, auf den richtig sch\u00f6n krachige Gitarrenriffs folgen, gefolgt von Chubbs gekreischtem \u201eThe evening hides me, but it doesn&#8217;t hold me\u201c und dann wieder \u201eNo, it\u2019s cold\u2026\u201c nimmt einen dann sehr gefangen, bevor dann erstmals der von den Sprints bekannte Punk losbricht: \u201eDescartes\u201c baut auf schnellen und melodischen Punkriffs und heiserem Gesang auf, im Refrain wird dann der Name des franz\u00f6sischen Philosophen und Universalgelehrten Ren\u00e9 Descartes dann mit \u201ediscord\u201c und \u201ediscard\u201c vermischt und am Ende wird die Frage gestellt \u201eDisillusion, hate, anxiety, pleasure, pain, ecstasy. tell me, lord, how can I be better than I was born to be?\u201c Genau.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201eNeed\u201c machen Sprints dann weiter wie auf \u201eDescartes\u201c, legen aber in puncto Geschwindigkeit und Schr\u00e4gheit noch eine Schippe drauf. Sch\u00f6\u00f6n schnell und spacig quietschend wird eine Liebe beschrieben, deren \u201eI need you\u201c am Ende durch \u201eI need you to leave me the fuck alone, actually, please \u2013 Thank you, see you later\u201c pr\u00e4zisiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen hat sich das Album so richtig eingeschrammelt \u2013 ruhige Songs wie die ersten beiden gibt es jetzt nicht mehr, alles schreddelt und kracht im mittleren Tempo vor sich hin und das ist gro\u00dfartig. \u201eAll That Is Over\u201c erinnert mich an nichts, was ich kenne, klingt aber auch nicht nach der Neuerfindung der Gitarrenmusik, also irgendwie machen Karla Chubbs und ihre Mitstreitenden alles komplett richtig, indem sie einen bei den Helden aus den 90ern abholen und dann doch irgendwie ihr eigenes Ding machen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eRage\u201c ist so ein Beispiel daf\u00fcr: Zun\u00e4chst donnert ein nicht eben schnelles Schlagzeug, Chubbs singt und die Gitarre liefert mehr ein solides Fundament, als dass sie die Punkmusik neu erfindet, und Chubbs singt von der Wut. Von der Wut, die alles ist, was ER kennt und was ER verbreitet, und dann w\u00fcnscht sie sich die Kraft, die Dinge zu \u00e4ndern, die SIE \u00e4ndern will und den Mut, die Dinge zu \u00e4ndern, die SIE nicht \u00e4ndern kann, und Musik, Gesang und alles gehen eine Symbiose ein, die einen mitrei\u00dft, obwohl wahrscheinlich am Ende alles nicht besser wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Das folgende \u201eSomething\u2019s Gonna Happen\u201c ist vermutlich der H\u00f6hepunkt des Albums: Mit einer mitrei\u00dfenden Melodie und einem aggressiven Gesangsvortrag wird etwas angek\u00fcndigt, das passieren wird, und das sicher nicht gut ist. Die Musik ist weiter Punk, m\u00e4andert aber am Ende irgendwie in Richtung Psychedelik und Karla Chubb schreit \u201ePush, push, me, me hard \u2013 Watch me, I&#8217;ll go far\u201c. Das St\u00fcck startet musikalisch ganz ruhig, aber dennoch unheilverk\u00fcndend, und wird im Verlauf immer krachiger und brutaler. Das k\u00f6nnen Sprints echt gut: Langsam und melodi\u00f6s anfangen und im Pand\u00e4monium enden. \u201ePieces\u201c beginnt dann gleich imselben: Schnell, verzerrt und aggressiv beginnt das St\u00fcck und der Refrain \u201eHelp me, help me, I&#8217;m a mess\u201c sorgt kurz f\u00fcr vermindertes Tempo, bevor es mit der vorherigen Vehemenz weitergeht. Die Gitarren klingen dabei so schmutzig-verzerrt, dass es eine wahre Freude ist. In den letzten knapp 30 Sekunden mischt sich dann noch ein Gitarrensolo in den Krach und Chubb versucht, es niederzusingen, was ihr gelingt.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBetter\u201c beginnt dann ruhig und genau das k\u00f6nnen wir jetzt auch gebrauchen. Im Verlauf des Songs kristallisiert sich eine krachige Gitarre wie in Bowies \u201eHeroes\u201c, nur b\u00f6ser und schmerzhafter, heraus, der Song bleibt ruhig, aber alles andere als sch\u00f6n und versinkt am Ende im totalen Krach. Wunderbar.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eComing Alive\u201c besticht dadurch, dass Gitarre, Bass und Schlagzeug sich irgendwie gegen die S\u00e4ngerin verschworen zu haben scheinen, Chubb schreit und kreischt, w\u00e4hrend die Instrumentalisten sich anschicken, einen ruhigen Indie-Song zu installieren. Am Ende geht es unentschieden aus, denke ich.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDesire\u201c beginnt dann wieder ruhig, aber nicht sch\u00f6n. Man ahnt, dass es irgendwie noch dicke kommt, und das tut es dann auch: Bei ca. 1:20 Minuten wird es erstmal irgendwie sehr pixiesk: Erst der Bass, dann die Gitarre, outside there\u2019s a boxcar waiting, Chubb singt erst bedrohlich und dann sehr lieblich (zum ersten Mal auf dem Album), der Rhythmus wird bedrohlicher, die Gitarren beginnen zu schreien, das Tempo wird nicht wirklich schneller, aber Chubb schreit und schreit und schreit \u201eI wanna eat you alive, I wanna eat you alive, I wanna eat you alive, The good, the bad, the best you ever had\u201c und es ist egal, dass am Ende noch ein ganz ruhig gesungener Vers folgt \u2013 die H\u00f6renden werden ver\u00e4ngstigt zur\u00fcckgelassen. Ohne Schei\u00df eins der packendsten und besten Alben, die ich in diesem Jahr geh\u00f6rt habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn man das Ganze bei Bandcamp ordert, gibt es noch drei Liveaufnahmen und zwei Demo-St\u00fccke als Bonus on Top obendrauf.<br><br>[Edit von Matze: In die Liste der Iren schlichen sich eine Band aus Birmingham und eine S\u00e4ngerin aus Qu\u00e9bec \u2013 wer sie findet, darf sie gr\u00fcn anmalen!]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (01.10.2025) Irische Musik ist schei\u00dfe. U2, Chris de Burgh, Dexys Midnight Runners, The Kelly Family, C\u00e9line Dion \u2013 alles Schei\u00dfe. Alles? 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