{"id":8224,"date":"2025-09-24T20:57:07","date_gmt":"2025-09-24T18:57:07","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8224"},"modified":"2025-09-24T20:57:07","modified_gmt":"2025-09-24T18:57:07","slug":"johnny-marr-look-out-live-bmg-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/johnny-marr-look-out-live-bmg-2025\/","title":{"rendered":"Johnny Marr \u2013 Look Out Live! \u2013 BMG 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Johnny-Marr-Look-Out-Live.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Johnny-Marr-Look-Out-Live.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8225\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (23.09.2025)<\/p>\n\n\n\n<p>Was erlauben Johnny Marr eigentlich neuerdings? Seit dem Beginn seiner Solokarriere im Jahr 2013 hat der Manchesteraner (jahaa \u2013 ich wei\u00df \u2013 Mancunian) drei tolle Alben und eine (ebenfalls wundervolle) EP-Gemengelage mit dem Namen \u201eFever Dreams Pt. 1 \u2013 4\u201c ver\u00f6ffentlicht, und mit \u201eLook Out Live!\u201c erscheint nun schon das zweite Live-Album nach dem 2015er \u201eAdrenalin Baby\u201c. F\u00e4llt dem Herrn keine neue Musik mehr ein?<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Als ein erkl\u00e4rter Bef\u00fcrworter des Johnny Marr bin ich beruhigt, Stolz in die Worte legen zu k\u00f6nnen, dass dieses zweite Live-Album innert zehn Jahren nicht nur seine Berechtigung in der Musikgeschichte, wenn nicht sogar in der Geschichte Johnny Marrs, hat, sondern auch gro\u00dfartig klingt und die Trackliste des Vorg\u00e4ngers nicht etwa kopiert, sondern erg\u00e4nzt: Wie schon auf \u201eAdrenalin Baby\u201c entbl\u00f6det Marr sich nicht, Songs der tragisch geendeten besten Band der 80er Jahre, wenn nicht sogar aller Zeiten, also der Smiths, zu spielen, nur sind es dieses Mal nicht nur vier, sondern deren ganze acht, n\u00e4mlich \u201ePanic\u201c, \u201eThis Charming Man\u201c, \u201ePlease, Please, Please Let Me Get What I Want\u201c, \u201eHow Soon Is Now\u201c, \u201eYou Just Haven\u2019t Earned It Yet, Baby\u201c, \u201eThere\u2019s A Light That Never Goes Out\u201c, \u201eStop Me If You Think You\u2019ve Heard This One Before\u201c und \u201eBigmouth Strikes Again\u201c. Ich wollte schon immer mal mehrere Zeilen nur mit der Nennung von Smiths-Songs f\u00fcllen! \u201eBigmouth\u201c, \u201eThere\u2019s A Light\u201c und \u201eHow Soon\u201c waren schon auf \u201eAdrenalin Baby\u201c vertreten, k\u00f6nnte man jetzt anmeckern \u2013 aber what shall\u2019s, wie man in Marrs Heimatland zu sagen pflegt? Es sind dies drei der besten Smiths-Songs \u00fcberhaupt (\u201eHow Soon\u201c ist sogar soo speziell, dass man sich anhand der seinerzeit 1984 aufgefahrenen Gitarrensoundw\u00e4nde fragen muss, ob das wirklich nur ein einziger Gitarrist ist, der da aufspielt, wodurch Johnny Marr gewisserma\u00dfen den Edward van Halen des Indie-Pop markiert, sp\u00e4ter wurde das St\u00fcck dann in der Version von Love Spit Love, der damaligen Band des Psychedelic-Furs-Chefs Richard Butler, nochmal ein Hit, indem es prominent in der Fernsehserie \u201eCharmed\u201c platziert wurde. Eine gute Serie mit sehr guter Musik. Zum Beispiel mit \u201eHow Soon Is Now?\u201c von den Smiths in der Version von Love Spit Love. der Band von Richard Butler, der mit den Psychedelic Furs unter anderem \u201ePretty In Pink\u201c zu verantworten hatte, das sehr gro\u00dfartig, aber bei weitem nicht das gro\u00dfartigste St\u00fcck der Psychedelic Furs war. Aber ich schicke mich an, von urspr\u00fcnglich gew\u00e4hlten Thema abzuweichen, also zur\u00fcck zu den Smiths, zur\u00fcck zu Morrissey und zur\u00fcck zu Johnny Marr. Sagte ich Morrissey? Den hatte ich bisher, glaube ich, noch gar nicht erw\u00e4hnt, also tue ich es jetzt: Damals bei den Smiths hat Morrissey s\u00e4mtliche Texte und Marr s\u00e4mtliche Musik geschrieben. Trotzdem halte ich insgeheim die Smiths-Songs f\u00fcr Morrissey-Songs, und ich wei\u00df nicht so recht, wieso. Eventuell, weil jammerig-lebensverneinende oder manchmal auch einfach nur grotesk-originelle Zeilen wie \u201eI smoke \u2018cause I\u2019m hoping for an early death\u201c, \u201eHeaven knows I\u2019m miserable now\u201c (was in dem Film \u201eThe Commitments\u201c gro\u00dfartig mit \u201eHe knows you are.\u201c kommentiert wurde), \u201eAnd if a ten ton truck kills the both of us\u201c, \u201eSome girls\u2019 mothers are bigger than other girls\u2019 mothers\u201c oder \u201eHang the blessed DJ, because the music they constantly play says nothing to me about my life\u201c w\u00e4hrend meiner Kindheit und Jugend so sehr pr\u00e4sent gewesen sind und weil das nat\u00fcrlich Morrisseys Zeilen sind. Und w\u00e4ren sie nicht gut, h\u00e4tten sie es nicht vermocht, bis heute in meinem Kopf herumzuspuken. Aber Morrisseys Texte w\u00e4ren ohne Johnny Marrs Musik nicht ann\u00e4hernd so gut gewesen, wie Morrisseys Solo-Werk beweist: Seine Soloalben sind gut, manchmal sogar genial, aber an die Smiths reichen sie nicht heran, weil Marrs Musik fehlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Somit ist es also keineswegs Blasphemie, wenn Marr jetzt beigeht und Weltwerke wie \u201eBigmouth\u201c einfach mal selber singt. Er hat weder die Stimme noch die jammervoll-vulnerable Ausstrahlung eines Morrissey, aber er macht es gesanglich wirklich richtig gut, unaufgeregt und den Songs angemessen, und vor allem: Er spielt die Gitarre dazu, und ohne diese w\u00e4ren die Songs auch alles Nichts. Hier also acht an der Zahl anstelle von vier, und das wirkt nicht so, als ob Marr nichts Eigenes einfiele, sondern eher, als ob er sich jetzt nichts schei\u00dfen w\u00fcrde, die Fans auch mal reichlich mit dem zu bedienen, was sie nat\u00fcrlich neben Marrs Eigenkompositionen live h\u00f6ren wollen und was ihm ja auch einfach mal zusteht. Und die hier enthaltene Version von \u201eHow Soon Is Now\u201c ist nicht nur musik-, sondern auch gesangsm\u00e4\u00dfig absolut topp. Mein Lieblingssmithssong auf \u201eLook Out Live!\u201c ist aber \u201ePlease, Please, Please\u2026\u201c. Ein so abgeschmacktes Gejammer von einem Text hat es wohl vorher und nachher niemals wieder gegeben, mit diesem Teil hat es Morrissey geschafft, selbst Hank Williams als frohgemuten Verfechter des positiven Denkens dastehen zu lassen. Einmal, einmal nur, wirklich nur einmal, lass mich doch bitte kriegen, was ich will! Das Leben, das ich f\u00fchrte, w\u00fcrde aus einem guten Mann einen B\u00f6sen machen, so bitte, bitte, biiiiitteeee Papa!, lass mich doch nun einmal kriegen, was ich will. Der Herr wei\u00df, es w\u00e4re das erste Mal.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4\u00e4h?? Diese Worte eines Nicht-Mal-Drei\u00dfigj\u00e4hrigen muss man sich nicht mal auf der Zunge zergehen lassen, um sie auch nur ann\u00e4hernd nicht f\u00fcr voll nehmen zu k\u00f6nnen (selbst als 14J\u00e4hriger dachte ich, \u201edas ist jetzt aber dolle dick aufgetragen\u201c, obwohl man als 14- bis 17-J\u00e4hrige:r ja eigentlich f\u00fcr jedwede Darreichungsform des Selbstmitleids mehr als empf\u00e4nglich ist, zumindest ging es mir damals so), und umso gro\u00dfartiger ist es jetzt, diese lauwarmen, nicht von ihm selbst geschriebenen Worte von einem knapp \u00fcber 60J\u00e4hrigen zu h\u00f6ren, der wei\u00df, wo der Werther den Most holt. Und er macht das so gut, dass ich bei \u201eThis Charming Man\u201c Morrissey nicht einmal vermisst habe. Bei einer Gesamtsonganzahl von 22 St\u00fccken auf acht Smiths-Songs zur\u00fcckzugreifen, halte ich auch nicht f\u00fcr \u00fcbertrieben, sondern f\u00fcr: Genauuu richtig (um einmal Goldl\u00f6ckchen und die drei B\u00e4ren zu zitieren, okay, die drei B\u00e4ren eigentlich nicht, aber zumindest Goldl\u00f6ckchen).<\/p>\n\n\n\n<p>Und das ist ja auch nicht alles, was Marr hier pr\u00e4sentiert: Vor seiner 2013 gestarteten Solokarriere war er unter anderem Mitglied von Electronic, einer Band, die er Ende der 80er zusammen mit Bernard Sumner von New Order gegr\u00fcndet hat und die in den 90er Jahren drei sch\u00f6ne Alben herausgebracht hat. Aus denen Marr hier \u201eGetting Away With It\u201c zum Besten gibt \u2013 unterst\u00fctzt von Neil Tennant von den Pet Shop Boys (der \u201eGetting Away With It\u201c auch zusammen mit Sumner mitgeschrieben hat)! Dieser singt auch auf Marrs David-Bowie-Coverversion \u201eRebel Rebel\u201c mit und revanchiert sich damit f\u00fcr langj\u00e4hrige Gitarrenarbeit Marrs auf diversen Pet-Shop-Boys-Alben (Ein Wort des Dankes an den Herausgeber f\u00fcr diese Info!).<\/p>\n\n\n\n<p>Neben \u201eRebel Rebel\u201c enth\u00e4lt das Album eine weitere Coverversion, n\u00e4mlich \u201eThe Passenger\u201c von Iggy Pop. Ein abgenudeltes St\u00fcck der 70er-Jahre, dem eigentlich durch die Coverversion von Siouxsie And The Banshees in ausreichendem Ma\u00dfe Gen\u00fcge getan worden sein sollte \u2013 aber Wurscht, Marr und seine Band (Lob und Anerkennung geb\u00fchrt dem Bassisten Iwan Gronow, der f\u00fcr authentische Iggy-Pop-von-damals-Vibes sorgt) feiern den Song und machen eine Fesitivt\u00e4t draus.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Rest des Albums besteht aus Marr-Solo-Eigenkompositionen, und diese sind richtig klasse. Bereits 2013 auf \u201eThe Messenger\u201c (not to be confused mit dem eben abgek\u00fcndigten \u201eThe Passenger\u201c) wusste Marr mit unaufgeregt-melancholischen Songs wie \u201eNew Town Velocity\u201c zu begeistern, bei denen Marrs im Gegensatz zu Morrissey unscheinbarer und unpathetischer Gesang und sein unglaubliches Talent an der Gitarre eine Symbiose eingehen, die unheimlich gut funktioniert. \u201eSensory Street\u201c von Marrs 2021\/22er Werk \u201eFever Dreams\u201c wartet mit einem elektronischem Intro auf, das hier als Intro zum Album nochmal um einiges aufgeblasen wird und das sich bei einem ausgewiesenen Handgemachte-Gitarre-Zeug-Artisten wie Marr als gut funktionierendes Gimmick erweist \u2013 zumal Marr im Verlauf des St\u00fccks richtig rockende Gitarrensoli aufbietet \u2013 dann geht es mit dem hektischen \u201eGenerate! Generate!\u201c wieder zur\u00fcck zu \u201eThe Messenger\u201c und Marr generiert ein authentisches Gef\u00fchl von Johnny-Marr-Solo-Musik, das mit \u201eSpirit Power And Soul\u201c, wieder einmal mehr von \u201eFever Dreams\u201c, wieder einmal mehr mit einem seehr elektronischen Intro aufwartet und den H\u00f6renden vor Augen h\u00e4lt, dass Marr solo einen eigenen Sound geschaffen hat, der einen abholt, nach Hause bringt und zeigt, dass wir es hier mit einem absoluten Ausnahmek\u00fcnstler zu tun haben, der bei den Smiths den Grundstein zu seinem Kultstatus gelegt hat und der es versteht, diesen immer weiter auszubauen und in die Jetztzeit hineinzutragen. Ob nun \u201eWalk Into The Sea\u201c (vom 2018er Album \u201eCall The Comet\u201c) oder \u201eEasy Money\u201c (\u201ePlayland\u201c, 2014), Johnny Marr hat auf jedem seiner Soloalben grandiose Songs ver\u00f6ffentlicht, die hier nun in ebenso grandiosen Live-Versionen enthalten sind, dar\u00fcber hinaus finden sich hier die exklusiv als Single und auf der 2023er Best-Of \u201eSpirit Power\u201c erschienenen St\u00fccke \u201eArmatopia\u201c, \u201eThe Answer\u201c und \u201eSomewhere\u201c in klasse Live-Versionen. Und hammerm\u00e4\u00dfige Songs sind das auch.<\/p>\n\n\n\n<p>Alors, j\u2019en ai marre? No, nay never! No nay never jamais! Soll er ruhig weitermachen, Johnny Marr hat bislang nichts Schlechtes ver\u00f6ffentlicht und anscheinend wird er besser und besser (siehe \u201eArmatopia\u201c, \u201eThe Answer\u201c und \u201eSomewhere\u201c).<\/p>\n\n\n\n<p>Nachsatz: Als ich oben \u00fcber \u201ePlease, Please, Please\u201c im Zusammenhang mit Morrisseys damals Nicht-mal-Drei\u00dfigj\u00e4hrigkeit l\u00e4sterte, wollte ich nicht sagen, dass ich es Unter-Drei\u00dfigj\u00e4hrigen abspreche, traurige Gef\u00fchle und d\u00fcstere Stimmungen zu empfinden. Das ist keine Frage des Alters und schlimme Erlebnisse in Worte fassen zu k\u00f6nnen ist eine gro\u00dfartige Gabe, in jedem Alter, und auch eine hilfreiche Art und Weise, mit Schmerz und Traurigkeit umzugehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (23.09.2025) Was erlauben Johnny Marr eigentlich neuerdings? 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