{"id":8190,"date":"2025-09-14T20:30:51","date_gmt":"2025-09-14T18:30:51","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8190"},"modified":"2025-09-14T20:30:51","modified_gmt":"2025-09-14T18:30:51","slug":"between-the-buried-and-me-the-blue-nowhere-inside-out-music-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/between-the-buried-and-me-the-blue-nowhere-inside-out-music-2025\/","title":{"rendered":"Between The Buried And Me \u2013 The Blue Nowhere \u2013 Inside Out Music 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Between-The-Buried-And-Me-The-Blue-Nowhere.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Between-The-Buried-And-Me-The-Blue-Nowhere.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8191\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (14.09.2025)<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die progressiven Metallurgen und mathematischen Metallkernmusikanten von BTBAM aus North Carolina ihre Alben gerne mal ruhig und Mathcore-\/Metalcore-untypisch (daf\u00fcr umso mehr progmetallisch) ruhig einleiten \u2013 siehe \u201eColors II\u201c, \u201eComa Ecliptic\u201c oder \u201eAutomata I\u201c \u2013 und dass Tieft\u00f6nerbediener Dan Briggs in der Lage ist, funkige Basslinien zu erzeugen, ist ja nichts Neues, aber sowas wie den ersten Song (\u201eThings We Tell Ourselves In The Dark\u201c) des neuen Albums (\u201eThe Blue Nowhere\u201c) h\u00e4tte ich niemals erwartet, zumindest nicht gleich am Anfang eines Albums (wir erinnern uns an \u201eRevolution In Limbo\u201c von \u201eColors II\u201c, das ja auch nicht gerade Extreme Metal war): \u201eThings We Tell Ourselves In The Dark\u201c beginnt derma\u00dfen funky, dass uns die Riesenkr\u00e4gen und beeindruckenden Backenb\u00e4rte der Protagonisten des 70er-Jahre-Disco geradezu anspringen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Hier profitieren BTBAM auch wieder einmal mehr von der Stimme und den Gesangsfertigkeiten ihres S\u00e4ngers Tommy Rogers, der sich beim Aus\u00fcben des Klargesangs nicht so anh\u00f6rt wie ein gelernter Metalcore-S\u00e4nger, der sich im Intonieren generisch anmutender M\u00f6chtegernstadionhymnen mit bem\u00fchtem Alternativrockeinschlag \u00fcbt und dabei mit Schmackes auf die Fresse f\u00e4llt \u2013 nein nein nein, was Rogers anpackt, das beherrscht er und das gelingt ihm. So changiert er seine Tonlage im Er\u00f6ffnungsst\u00fcck zwischen Crooning, Growling und einfach nur Singing hin und her, w\u00e4hrend die Band einfach discom\u00e4\u00dfig groovt, nicht nur die Bassgitarre, sondern auch die einfache Gitarre ohne Bass schollert sch\u00f6n vor sich hin wie weiland in den 70ern, und das gleich mal acht Minuten lang. Damit wir uns nicht falsch verstehen \u2013 zwischendurch machen BTBAM immer mal wieder deutlich, dass wir es hier mit einer progresssiven Metalband zu tun haben, aber so richtig spielen sie diese Karte erst im zweiten St\u00fcck aus: \u201eGod Terror\u201c ist schneller, weniger groovig und metallischer als \u201eThings We Tell&#8230;\u201c, und in der zweiten Stophe singt Rogers auf einmal so, als w\u00e4re er der Bruder von Dave Mustaine, nur dass die Musik abwechslungsreicher ist. Das mag ich so an BTBAM: Sie sind ordentlich hart, verzichten aber auf alles, was ich am Metalcore unsch\u00f6n finde (andauernde Breaks, exzessiver Einsatz von Blastbeats und diese uns\u00e4glichen mit vermeintlich sch\u00f6ner Stimme vorgetragenen Stadionhymneneinlagen), daf\u00fcr f\u00fchren sie ein wirklich tolles Keyboard ins Feld, das die \u00fcbrigen Instrumente hektisch und teilweise sogar echt dominant unterst\u00fctzt. Kann man dominant unterst\u00fctzen? Egal \u2013 weiter: Ruhige Instrumentalzwischenspiele k\u00f6nnen BTBAM, ohne dass es nervt oder theatralisch wird, auch das zeigt \u201eGod Terror\u201c, am Ende des Interludiums um Minute 5 herum singt sich Rogers wieder leise in den Vordergrund, um dann mit abgekacktem Growling alles in Grund und Boden zu br\u00fcllen, wobei Gitarre, Bass und Drums ihm ganz hervorragend Paroli bieten, dann klingt das St\u00fcck ruhig aus, um vom krachenden \u201eAbsent Thereafter\u201c mit brachialer Geschwindigkeit abgel\u00f6st zu werden. Hier spielt die Band wieder eine ihrer typischen St\u00e4rken aus: Der Gesang ist hart und laut, die Gitarren sind es auch, das Schlagzeug ohnehin, aber dennoch wohnt dem ganzen Gebolze eine Melodie inne, es groovt und zwischendurch ist immer mal wieder Platz f\u00fcr ein filigranes Akustik-Solo, bevor weiter auf die 12 gehauen wird. Dann hymnischer Klargesang, der aber \u2013 ich wiederhole mich \u2013 niemals nervt, nicht mal, wenn er von einem heute mal wieder besonders perlenden Klavierlauf begleitet wird, als h\u00e4tte die Band den ollen Bruce Hornsby irgendwo in den Katakomben des Studios angekettet. Danach kommt ein Gitarrensolo, das an Kitschigkeit kaum zu \u00fcberbieten w\u00e4re \u2013 jahaa, w\u00e4re, w\u00e4re, Fahradkette \u2013, wenn wir es hier nicht mit BTBAM aus North Carolina zu tun h\u00e4tten \u2013 Kitsch liefert diese Band einfach nicht, auch wenn sie noch so viele kitschige Elemente in ihre Musik hineinpackt. In der Mitte von \u201eAbsent Thereafter\u201c wird dann auf einmal jazzig und bluesig, aber dennoch progmetallisch gegroovt und die Instrumente kleben dabei so tight zusammen, dass es die wahre Freude ist. Irgendwann merkt man \u201eups, da l\u00e4uft gerade ein gro\u00dfartiges Gitarrensolo\u201c, w\u00e4hrend man noch mit blutenden Trommelfellen an den Erzeugnissen der Rhythmusfraktion klebte, und dann gr\u00f6hlt Rogers enthusiastisch und kunstvoll mitten rein, nur damit danach alles wieder vom schnellen, vertrackten Schlagzeug dominiert ruhiger wird, von sanftem Gesang begleitet, und dann gr\u00f6hlt Rogers schon wieder mitten rein und alles ist gewaltig. Dieser Song ist damit mein Anspieltipp \u2013 wenn Sie das, liebe Lesenden, gerne m\u00f6gen, wird Ihnen das gesamte Album taugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich gebe auch gerne zu, dass ich \u2013 als ein erkl\u00e4rter Bef\u00fcrworter von Gitarre, Bass, Schlagzeug und Scream-\/Growlgesang in der Musik \u2013 beim Metal gerne die Texte au\u00dfen vor lasse, und davon werde ich auch hier nicht abweichen, aber, liebe Lesende, besch\u00e4ftigen Sie sich bitte gerne mal mit den Texten von BTBAM \u2013 sie sind lang, sie klingen gut und haben Tiefgang. Ich bin aber der Meinung, dass ich sie hier weder zu analis\u00fcren in der Lage bin noch dass das irgendwie notwendig w\u00e4re \u2013 die Texte sind gut, aber die Musik spricht f\u00fcr sich selbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit \u201ePause\u201c g\u00f6nnen uns BTBAM eine knapp dreimin\u00fctige \u2013 ja \u2013 Pause, die sich bis kurz vor Ende in d\u00fcsteren Synthesizerkl\u00e4ngen manifestiert, dann singt Rogers sehr aufger\u00e4umt und sch\u00f6nklingend und der Song schickt sich gegen Ende an, eine Ouvert\u00fcre zum orchestral anmutenden \u201eDoor #3\u201c darzustellen. Es geht orchestral weiter und Rogers presst sich die Vocals geradezu heraus, singt zwischendurch immer wieder klar und wundervoll melodisch, dann grunzt er, die Musik wird abgehackt und zu gleichen St\u00fccken von den Gitarren (wie immer hervorragend Paul Waggoner und Dustie Waring) und Briggs\u2019 Bass getragen \u2013 Blake Richardson am Schlagzeug unterst\u00fctzt dabei nicht nur, sondern macht vor, wie sich ein progressives Metallschlagzeug anzuh\u00f6ren hat \u2013 n\u00e4mlich GENAU SO, denn so ist es GENAU RICHTIG.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMirador Uncoil\u201c ist dann ein reines Instrumentalzwischenspiel, dass mexikanisch oder \u201eSketches Of Spain\u201c-m\u00e4\u00dfig anmutet, am Ende in Gekn\u00fcppel und Gegrunze ausartet, um dann \u201ePsychomanteum\u201c auf die H\u00f6renden loszulassen \u2013 mit knapp \u00fcber elf Minuten bisher das l\u00e4ngste St\u00fcck auf einem an langen St\u00fccken nicht eben armen Album \u2013 und was f\u00fcr 1 Fest ist das: Es kn\u00fcppelt, es bratzt, Rogers growlt, was das Zeug h\u00e4lt, und der Bass slappt und groovt wie die sprichw\u00f6rtliche Sau. Dazwischen immer wieder kammermusikartige, kurze Einlagen, aufkreischende und quietschende Gitarren \u2013 wenn progressiver Metal-\/Mathcore immer so ist, dann nehme ich ihn mit auf die einsame Insel. Dieser Song ist unendlich lang und wird nie langweilig. Wird das dem folgenden Song, der noch 16 Sekunden l\u00e4nger ist, ebenfalls gelingen?<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eSlow Paranoia\u201c beginnt alles andere als slow, die Gitarren und der Synth liefern sich ein memorables Intermezzo, Rogers unterzieht seine Stimmlippen einem Stresstest und Richardson liefert ein Stakkato an schnellen, harten Drums unter v\u00f6lliger Auslassung jeglicher Blastbeats (anscheinend sind die nicht n\u00f6tig, wenn man es so drauf hat wie Between The Buried And Me). Nach gut zweieinhalb Minuten \u00fcbernimmt das Klavier und Rogers unterh\u00e4lt mit gro\u00dfartigem Klargesang\/Bargesang\/Operettengesang\/wasauchimmer \u2013 es ist gro\u00dfartig! M\u00fchelos findet die Band zur\u00fcck in die abgehackten, aber niemals abgeschmackten Gefilde des Metalcore, die Keyboards halten aber erstmal durch und \u00e4ndern nichts \u2013 das ist das Tolle an BTBAM: Wenn sie innerhalb des Songs des Stil wechseln, denkt man niemals \u201eH\u00f6rt das mal auf? Macht doch lieber mal so weiter wie am Anfang!!!\u201c, sondern jeder Wechsel sitzt, passt und ist n\u00f6tig und songdienlich. Auch die lange Spielzeit von \u201eSlow Paranoia\u201c vergeht wie im Fluge und die H\u00f6renden fragen sich \u201eWas kann denn nun noch kommen?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Naja, das Titelst\u00fcck zum Beispiel. Mit sechs Minuten Spielzeit auch nicht gerade das neue \u201eWe Will Rock You\u201c. Es startet mit hoher Orchestralit\u00e4tsanmutung dank einer kitschigen, aber zugegebenerma\u00dfen gro\u00dfartig solierenden Gitarre. Dann Klargesang \u2013 auch nicht kitschfrei, aber eine\/einen ohne Zweifel in den den Bann ziehend. Wir bewegen hier uns schon fast im Bereich der Popmusik, bis kurz hinter der Dreiminutengrenze alles verstummt \u2013 und dann genauso weitermacht wie zuvor. Ja Hammer \u2013 wer gedacht h\u00e4tte, dass ein St\u00fcck, das v\u00f6llig auf jede Art der \u00dcberraschung und Weiterentwicklung derma\u00dfen verzichtend so \u00fcberraschen k\u00f6nnte, der hat die Rechnung ohne BTBAM gemacht: Sechs Minuten Repetitivit\u00e4t und \u00dcberraschungslosigkeit \u2013 aber soo geiel! Auf \u201eBeautifully Human\u201c wird diese Strategie zun\u00e4chst weiterverfolgt \u2013 auf einem Synthesizer \u2013, aber dann setzen ab Minute 1:36 die Gitarren ein und verfolgen die seit Anfang eingesetzte Melodie kongenial weiter. Rogers\u2019 Gesang schmeichelt den H\u00f6renden, zieht sie in den Bann und entwickelt hypnotisierendes Potential, irgendwann wird der Gesang schneller und rhythmischer, aber nicht weniger klar. Er steigert sich allerdings in Euphorische, das Schlagzeug wird schneller und schneller, Rogers haut nochmal eine Schmalzpassage raus und dann \u2013 nein, hauen BTBAM nicht auf die Zw\u00f6lf, sondern starten ein wunderbares Gitarrensolo, dass sich bis zum Ende des auch mal wieder knapp achtmin\u00fctigen Songs hinzieht und den immer wieder aufkommenden Klargesang sch\u00f6\u00f6n erg\u00e4nzt. Dann klingt der Song elektronisch aus und das Album ist vorbei. Nach \u00fcber 70 Minuten \u2013 auf nur zehn St\u00fccke verteilter \u2013 Kurzweil, H\u00e4rte, Melodik, Funkyness und Maximalrelevanz f\u00fcr den modernen, progressiven und technisch anspruchsvollen Heavy Metal.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (14.09.2025) Dass die progressiven Metallurgen und mathematischen Metallkernmusikanten von BTBAM aus North Carolina ihre Alben gerne mal ruhig und Mathcore-\/Metalcore-untypisch (daf\u00fcr umso mehr progmetallisch) ruhig einleiten \u2013 siehe \u201eColors II\u201c, \u201eComa Ecliptic\u201c oder \u201eAutomata I\u201c \u2013 und &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/between-the-buried-and-me-the-blue-nowhere-inside-out-music-2025\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-8190","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8190","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8190"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8190\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8192,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8190\/revisions\/8192"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8190"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8190"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8190"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}