{"id":8187,"date":"2025-09-13T15:25:57","date_gmt":"2025-09-13T13:25:57","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8187"},"modified":"2025-09-13T15:25:57","modified_gmt":"2025-09-13T13:25:57","slug":"tropical-fuck-storm-fairyland-codex-fire-records-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/tropical-fuck-storm-fairyland-codex-fire-records-2025\/","title":{"rendered":"Tropical Fuck Storm \u2013 Fairyland Codex \u2013 Fire Records 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Tropical-Fuck-Storm-Fairyland-Codex.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Tropical-Fuck-Storm-Fairyland-Codex.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8188\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (13.09.2025) <\/p>\n\n\n\n<p>Auf Tropical Fuck Storm bin ich erst vor kurzem gesto\u00dfen, n\u00e4mlich aus Anlass der 2022er Kooperation mit Kind Gizzard And The Lizard Wizard, \u201eSatanic Slumber Party\u201c. Die nicht einfach eine x-beliebige Split-CD darstellte, sondern tats\u00e4chlich eine Kooperation mit gemeinsam geschriebenen und aufgef\u00fchrten Songs, drei an der Zahl, deren erster allerdings mit nicht einmal einer Minute Laufzeit nicht mehr als ein Intro darstellte. Das alles taugte mir und so bin ich beigegangen und habe erstmal gegoogelt, wer sich denn hinter dem tropischen Sturmereignis verbirgt: Es handelt sich um eine australische Supergroup, bestehend aus Fiona Kitschin und Garreth Liddiard von der Band The Drones (die ich allen hier Lesenden aufs W\u00e4rmste ans Herz legen m\u00f6chte), Lauren Hammel von High Tension und Erica Dunn von Mod Con, was sich je nachdem entweder von \u201eModern Condition\u201c oder \u201eModern Convenience\u201c ableitet. \u201eModerate Conflicts\u201c w\u00fcrde auch noch gehen, bin ich geneigt zu sagen, aber wie meistens hat mich niemand gefragt.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Ja eh \u2013 wir sind hier, um das aktuelle Werk von Tropical Fuck Storm zu beleuchten und nicht, um uns in historischen Elaboraten zum Thema \u201eWelcher Musikant kommt von welcher Band und was hat er da gemacht und warum ist das hier bedeutend\u201c zu verlieren \u2013 The Drones zumindest machten zwischen 2002 und 2016 feinste und nicht unbedingt eing\u00e4ngige Musik zwischen Postpunk und alternativem Garagen-Noiserock, h\u00f6rt da gerne mal rein, Ihr werdet es lieben. \u201eFairyland Codex\u201c ist nun seit 2018 bereits das vierte Studioalbum von TFS und dazwischen gab es haufenweise EPs und Singles.<\/p>\n\n\n\n<p>Prinzipiell machen TFS sch\u00f6\u00f6n altmodischen Indierock mit leichten Noise-Ankl\u00e4ngen und Gareth Lidiard beflei\u00dfigt sich oft einer speziellen Art des Sprechgesangs (das tat er auch schon bei den Drones), der ein wenig an Beck oder \u00c4hnliches erinnert. So zum Beispiel auf dem ersten St\u00fcck des aktuellen TFS-Albums, \u201eIrukandji Syndrome\u201c, dessen Text recht kryptisch ist \u2013 ein Irukandji ist eine sehr giftige australische Quallenart und das Irukandji-Syndrom besteht aus \u00fcberaus unangenehmen, aber zumeist nicht t\u00f6dlichen Vergiftungserscheinungen wie Kopfschmerz, Schmerzen im Oberk\u00f6rper und Erbrechen. Liddiard singt von einem Hafen, der nach einem Gouverneur benannt wurde, der diesen Hafen wohl niemals besuchen w\u00fcrde (Port Phillip? Port Jackson? Port Arthur?), der Erz\u00e4hler macht sich dar\u00fcber Gedanken, dass er nie gedacht h\u00e4tte, in \u00f6ffentlichen Bed\u00fcrfnisanstalten w\u00fcrden Morde geschehen, Leute w\u00fcrden vor Gericht kurze Hosen tragen, bis er als absoluter Anf\u00e4nger auf einem Fischerboot im Norden anheuerte, und am Ende wurde eben dieses Boot dann von einer dieser giftigen Quallen angegriffen, nur eben gr\u00f6\u00dfer und mit sieben Augen und mit sieben Schw\u00e4nzen, und das Tier prahlt damit herum, dass es schon diverse andere Schiffe, von einem koreanischen Trawler \u00fcber eine franz\u00f6sische Corvette bis hin zu einem Flugzeugtr\u00e4ger, vernichtet h\u00e4tte und dass es mit dem in Rede stehenden Fischerboot ein noch schlimmeres Ende nehmen w\u00fcrde. Fehlt nur noch der Albatros! Wasser, Wasser \u00fcberall\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Song, \u201eGoon Show\u201c, erinnert mich sowohl musikalisch als auch rhythmisch und von der ganzen Stimmung her an Tom Waits aus den 80ern. Liddiard erz\u00e4hlt hier irgendeine d\u00fcstere Geschichte aus einer Kleinstadt und haut eine zitierf\u00e4hige Zeile nach der anderen heraus. Beispiele gef\u00e4llig? Nun, hier: \u201eI see a company of crisis actors run lines on the lawn, Making misery porn to warm the halls of ivy\u201c \/ \u201eAnd it&#8217;s raining cats and dogma\u201c (wo ich mir nicht sicher bin, ob Zweiteres eine Anspielung auf \u201eIt\u2019s raining cats and dogs\u201c sein soll oder darauf, dass die Immigranten in Springfield, Ohio, nach Meinung des nicht nur komplett irren, sondern auch fiesen und unmenschlichen Donald J. Trump Hunde und Katzen essen w\u00fcrden) \/ \u201eIt&#8217;s like being at a party where the party&#8217;s always right\u201c (das klingt wieder nach Trump und nach dem, was er aus der Grand Old Party gemacht hat (bzw. was diese mit sich hat machen lassen). Die Schr\u00e4gheit der Musik und der Rhythmus des Gesangs lassen vermuten, dass demn\u00e4chst jemand aus dem Fenster f\u00e4llt \u2013 mit Konfetti in seinem Haar. Das alles wird dadurch aufgelockert, dass Kitschin und Dunn in Teilen des Refrains den Leadgesang \u00fcbernehmen und Liddiards monotonem Gebrabbel sch\u00f6ne Akzente entgegensetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eStepping On A Rake\u201c ist ein ganz ruhiges St\u00fcck, das auf dissonanten, langsam angeschlagenen Gitarrenakkorden und dem knarzenden Gesang Liddiards \u2013 wundersch\u00f6n erg\u00e4nzt durch den Backgroundgesang Kitschins und Dunns \u2013 aufgebaut ist. Der Text handelt von Trennung, dem Erz\u00e4hler ist es egal, aber er scheint dennoch daran zu zerbrechen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTeeth March\u00e9\u201c wird dann von Erica Dunn gesungen, ein sch\u00f6ner Kontrast. Der Gesang beginnt ruhig und gefasst, aber im Laufe des Songs wird Dunns Vortrag schriller, ann\u00e4hernd hysterisch, sie beschreibt eine Beziehung mit \u201eTeeth marks in my heart\u201c. Autsch! Da passt das immer wieder wiederholte \u201eCan you recover?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>An schlie\u00dft sich das Titelst\u00fcck und damit auch das Herzst\u00fcck des Albums: \u201eFairyland Codex\u201c befasst sich innert fast neun Minuten mit den Sch\u00f6nheiten des Lebens auf dem Lande: \u201eA village in hell is waiting for you \/ A village in hell, a village in hell \/ A\u2005village\u2005in hell, it&#8217;s\u2005waiting for you \/ A village in hell,\u2005a village in hell\u201c. Wissen wir Bescheid. Musikalisch ist der Song hochinteressant und sehr gut: Die ersten Minuten werden allein von Liddiards Gesang, einer kratzigen Akustikgitarre und diversen unheilvollen Ger\u00e4uschen bestritten, bei Minute 3:17 setzt dann ein noisiges Intermezzo ein, dass an- und abschwillt, wieder Platz f\u00fcr Liddiards dann sogar leicht qu\u00e4kenden Gesang macht, um sich dann zu steigern und zusammen mit Liddiards immer anklagender klingendem Klagegesang in ein Crescendo hineinzum\u00e4andern \u2013 untermalt von Kitschin und Dunn, die den Text von Pink Floyds \u201eThe Great Gig In The Sky\u201c anzustimmen scheinen, nur irgendwie schr\u00e4ger \u2013 das dann am Ende doch wieder im Dorf in der H\u00f6lle, das auf Dich wartet, endet.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend wird es musikalisch deutlich bunter als bisher: \u201eDunning Kruger\u2019s Loser Cruiser\u201c (ein wahrhafter Monolith des sprachlos machenden Wortwitzes, wie ich finde) wechselt andauernd den Rhythmus, Liddiard, Dunn und Kitschin wechseln sich beim Gesang ab, dass es eine wahre Freude ist, ich mag manchmal denken, dass hier die B52\u2018s, die Cramps und Sonic Youth gleichzeitig am Werke w\u00e4ren. Wie sich der Text auf den bekannten Dunning-Kruger-Effekt, nach dem inkompetente Menschen sich st\u00e4ndig derart \u00fcbersch\u00e4tzen, dass sie nicht imstande sind, ihre eigene Inkompetenz zu erkennen und auch nicht mitbekommen, dass haufenweise anderer Leute ihnen haushoch \u00fcberlegen sind, beziehen l\u00e4sst, habe ich noch nicht ganz herausgefunden, aber \u201eI feel good for no bad reason, I feel bad for no good reason\u201c ist schon mal ein Statement, \u00fcber das nachzudenken sich lohnen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf \u201eBloodsport\u201c wird es dann f\u00fcr TFS-Verh\u00e4ltnisse sehr funky, den Gesang \u00fcbernimmt hier wieder einmal mehr Erica Dunn. Das Schlagzeug klappert hektisch und der Bass liefert eine urst memorable Bassline.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf dem folgenden \u201eJoe Meek Will Inherit The Earth\u201c bringen Liddiard, Dunn und Kitschin dann alles bisher geh\u00f6rte sch\u00f6n zusammen \u2013 sein knarziger Sprechgesang wird von den Backing Vocals der Damen sch\u00f6n erg\u00e4nzt und das hinrei\u00dfend hingeknurrte \u201eCharity, charity, charity, charity begins at home\u201c schreiben wir uns hernach gerne hinter die Ohren.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wenn man dann denkt, dass TFS nun ihr Pulver wohl endlich mal verschossen haben m\u00fcssten, hauen Sie mit \u201eBye Bye Snake Eyes\u201c nochmal einen wahren Hammer heraus: Melancholischer Country, Fiona Kitschin am Lead-Gesang, die Zuh\u00f6renden f\u00fchlen sich irgendwo an eine Biegung eines Flusses versetzt, kurz bevor irgendwelche Leute aufeinander schie\u00dfen. Hier klingt dann nichts mehr noisig, knarzig, atonal oder dissonant, sondern richtig sch\u00f6n \u2013 sogar an ein stimmungsvolles, warmes Keyboard wurde gedacht. Nur der Text klingt irgendwie unheilverk\u00fcndend-geheimnisvoll.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Country-Feeling bleibt auf dem letzten Song, \u201eMoscovium\u201c (ein k\u00fcnstlich hergestelltes, anscheinend weitgehend sinnfreies, weil schnell zerfallendes radioaktives Element \u2013 ich habe Chemie nach der 11. Klasse abgew\u00e4hlt und habe den Duschvorhang mit der Periodentafel der Elemente nur im Badezimmer zu h\u00e4ngen, weil ich die Farben sch\u00f6n finde, und muss daher v\u00f6llig passen, zu was au\u00dfer geheimen Menschenversuchen der Regierung Moscovium dienen k\u00f6nnte), bestehen, nur hier wird es wieder echt d\u00fcster-dr\u00e4uend. Der Refrain besteht aus dem von Liddiard wiederholt gekreischtem Wort \u201eMurderers\u201c, \u201eGroom Lake\u201c wird wiederholt genannt, Groom Lake in der W\u00fcste von Nevada ist der b\u00fcrgerliche Name f\u00fcr Area 51, um das sich zahlreiche Verschw\u00f6rungstheorien ranken; die Gitarre kreischt, das Schlagzeug rattert, ein Synthesizer ger\u00e4t offenkundig au\u00dfer Kontrolle \u2013 welch ein Finale f\u00fcr ein gro\u00dfartiges, nicht leicht zug\u00e4ngliches Album, das man aber lieben kann, wenn es einen erstmal gepackt hat. Das Albumcover von \u201eFairyland Codex\u201c ist ebenfalls bemerkenswert \u2013 es zeigt ein blaues Zottelmonster (Oder ist es ein unsichtbarer Freund? Oder ist es Garl?) mit orangener Nase und Unterlippe inmitten weiterer leicht grusliger Gestalten, die sich \u00fcblicherweise unter Kinderzimmerbetten anfinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (13.09.2025) Auf Tropical Fuck Storm bin ich erst vor kurzem gesto\u00dfen, n\u00e4mlich aus Anlass der 2022er Kooperation mit Kind Gizzard And The Lizard Wizard, \u201eSatanic Slumber Party\u201c. 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