{"id":8141,"date":"2025-08-21T21:27:17","date_gmt":"2025-08-21T19:27:17","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8141"},"modified":"2025-08-21T21:27:17","modified_gmt":"2025-08-21T19:27:17","slug":"faun-fables-counterclockwise-drag-city-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/faun-fables-counterclockwise-drag-city-2025\/","title":{"rendered":"Faun Fables \u2013 Counterclockwise \u2013 Drag City 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Faun-Fables-Counterclockwise.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Faun-Fables-Counterclockwise.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8142\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (21.08.2025)<br><br>Wenn ein Album gleich mit einem Ohrwurm beginnt, ist das schon mal ein gutes Zeichen, und wenn sich diese Ohrwurmhaftigkeit \u00fcber die Spielzeit h\u00e4uft, ein umso besseres \u2013 und das bei einem Album, das bei aller Lieblichkeit auch noch leicht sperrig ist, zumindest hintergr\u00fcndig. H\u00f6rt man sich die fragilen Folkweisen der Faun Fables an, mag man sich kaum ausmalen, dass diese Familie in anderen Zusammenstellungen den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glich brutalen L\u00e4rm zu machen in der Lage ist, als Sleepytime Gorilla Museum etwa. Das siebte Album \u201eCounterclockwise\u201c ist das erste von Faun Fables nach neun Jahren Unterbrechung.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>So geil: \u201eThe Wedding\u201c startet mit einem einnehmenden Chant, der sofort ins Ohr geht und es sich dort gem\u00fctlich macht. Dieser Chant ist so sch\u00f6n, dass einem kaum auff\u00e4llt, dass sich die Gitarrenakkorde dahinter gar nicht ver\u00e4ndern \u2013 alles bleibt bei einem Ton, fast wie in einer milden Variante der Swans. Ein hypnotischer Einstand, der schon mal andeutet, wohin die Reise der folgenden fast 70 Minuten so geht.<br><br>Mehrstimmiger Gesang, loopartige Melodiefragmente, liebliche Instrumentierungen, selten \u00fcberhaupt perkussive Elemente, eine retroselige Darbietung wie aus den Sechzigern zwischen Haight-Ashbury und British Folk, partiell neo-mittelalterlich, latent entr\u00fcckt, mit dunkel-melancholischer Fr\u00f6hlichkeit unterf\u00fcttert und deutlich kraftvoller, als es oberfl\u00e4chlich zu sein scheint. Neben den genannten Akustikgitarren, dem dezenten Schlagzeug und einem Bass geh\u00f6ren Fl\u00f6ten, Tamburin, Glockenspiel, Harmonium, Posaune und Tenorsaxophon zum Arsenal, und alles, was nach Kinderstimme klingt, ist auch Kinderstimme, denn von den drei T\u00f6chtern, die das Chef-Paar hier erstmals ausgiebig einspannt, ist eine noch minderj\u00e4hrig.<br><br>Da wundert es schon beinahe, wenn sich musikalisch auch textlich einige Dunkelheiten in das Album einschleichen. Zentral steht hier \u201eBlack Angels (Czarne anio\u0142y)\u201c, im Original 1967 von Ewa Demarczyk aus Krakau auf ihrem Album auf \u201e\u015apiewa Piosenki Zygmunta Koniecznego\u201c dargeboten, ein d\u00fcsteres, depressives St\u00fcck, das in den vordergr\u00fcndig beschwingten Reigen gar nicht passen mag, aber wir sind hier ja bei den Faun Fables, da geh\u00f6rt so etwas eben dazu.<br><br>Jener Song ist \u00fcberdies ein Beispiel f\u00fcr eine Reihe an \u00fcbernommenen Traditionals und M\u00e4rchen aus allen Weltengegenden, aus Irland, Schweden, Russland (die Werwolf-Geschichte in \u201eFearful Name\u201c) oder von indigenen Nordamerikanern, sowie Coverversionen. Darunter sind einige, die man so gar nicht erwartet: \u201eBlack Diamond\u201c ist von den Bee Gees, von deren 1969er Album \u201eOdessa\u201c. Nils Frykdahl singt hier mit einem Tremolo wie ein zerbrochener David Bowie, w\u00e4hrend seine Gattin Dawn McCarthy und die gemeinsamen T\u00f6chter Edda, Ura und Gudrin den Pop-Anteil des Songs hervorheben. Ebenso eindrucksvoll ist \u201eWonderous Stories\u201c geraten, im Original von Yes, 1977 auf \u201eGoing For The One\u201c ver\u00f6ffentlicht: Was f\u00fcr ein kraftvoller Refrain, der Song f\u00fcgt sich hier in den Folk-Reigen perfekt ein. Ebenfalls gecovert ist \u201eMaybe\u201c, und zwar bei Thom Pace von dessen gleichnamigem 1980er Album 1980, ein Country-Song, und Country ist ja auch Folk. Die Faun Fables machen daraus beinahe ein Kinderlied, mit einem Seitenblick auf \u201eCountry Roads\u201c von John Denver.<br><br>Weitere externe Beitr\u00e4ge finden sich: Ein A-Capella-St\u00fcck ist \u201eLullaby\u201c, komponiert von Millie Rieth, und \u201eHiawatha\u201c entstand nach einem Text von Henry Wadsworth Longfellow. Das St\u00fcck ist mittendrin der wildeste Song mit einer turbulenten Percussion und ist \u00fcberhaupt sehr abwechslungsreich, mitkomponiert \u00fcberdies vom norwegischen Gitarristen Arild Hammer\u00f8, der auch an anderen Songs seine Hand im Spiel hatte. Was Wunder: Dieses Lied sowie \u201eSugar Camp\u201c und das Quasi-Titellied \u201eWiddershins\u201c erschienen bereits vor drei Jahren auf dem Download-Album \u201eLive In Norway\u201c; ebenfalls bereits ver\u00f6ffentlicht ist \u201eElfrida\u201c, n\u00e4mlich 2021 als Flexi-Disc. Zur\u00fcck zu \u201eWiddershins\u201c: Das Titelthema bekommt kurz vor Schluss eine Reprise, n\u00e4mlich mit \u201eJoy Of Counterclockwise\u201c, einem energiereichen, lebendigen, kraftvollen Song, der die H\u00f6rerschaft aus der melancholischen Besinnlichkeit emporhebt, die sich zwischenzeitig einstellt.<br><br>Auf diesem siebten Studioalbum der Faun Fables pr\u00e4sentiert sich das Projekt als geschlossene Einheit, an der bis auf Hammer\u00f8 keine G\u00e4ste beteiligt sind, sondern vielmehr ausschlie\u00dflich Familienmitglieder. Das war bis dato noch nicht so, auch das Vorg\u00e4ngeralbum \u201eBorn Of The Sun\u201c entstand 2016 noch unter personell offeneren Bedingungen. Doch auch dem neuen Album h\u00f6rt man an, dass der Kopf der Band Dawn McCarthy ist; Gatte Nils Frykdahl nimmt eine untergeordnete Rolle ein, die Stimmen sind vornehmlich weiblich, die Kompositionen gehen vorwiegend auf McCarthys Kappe, und Frykdahl versucht gottlob auch erst gar nicht, sich in den Vordergrund zu mogeln, obschon er seit programmatisch betitelten \u201eFamily Album\u201c 2004 fester Bestandteil der Band ist. \u201eCounterclockwise\u201c ist so lang geraten, das es als Doppel-LP ver\u00f6ffentlicht werden musste. Aber nicht gegen den Uhrzeigersinn abspielen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (21.08.2025) Wenn ein Album gleich mit einem Ohrwurm beginnt, ist das schon mal ein gutes Zeichen, und wenn sich diese Ohrwurmhaftigkeit \u00fcber die Spielzeit h\u00e4uft, ein umso besseres \u2013 und das bei einem Album, das bei aller &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/faun-fables-counterclockwise-drag-city-2025\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,16],"tags":[],"class_list":["post-8141","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-vinyl"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8141","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8141"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8141\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8143,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8141\/revisions\/8143"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8141"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8141"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8141"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}