{"id":8136,"date":"2025-08-20T21:06:18","date_gmt":"2025-08-20T19:06:18","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8136"},"modified":"2025-08-20T21:06:18","modified_gmt":"2025-08-20T19:06:18","slug":"blixa-bargeld-nikko-weidemann-blixa-bargeld-sings-david-bowie-bargeld-weidemann-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/blixa-bargeld-nikko-weidemann-blixa-bargeld-sings-david-bowie-bargeld-weidemann-2025\/","title":{"rendered":"Blixa Bargeld &amp; Nikko Weidemann \u2013 Blixa Bargeld Sings David Bowie \u2013 Bargeld\/Weidemann 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Blixa-Bargeld-Sings-David-Bowie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Blixa-Bargeld-Sings-David-Bowie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8137\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (20.08.2025)<br><br>Wenn Blixa Bargeld schon David Bowie singt, dann nat\u00fcrlich vornehmlich dessen Songs mit Berlin-Bezug. Zur Seite sitzt ihm Pianist Nicolai \u201eNikko\u201c Weidemann, subkultureller Weggef\u00e4hrte seit 45 Jahren, der die vier ausgew\u00e4hlten Lieder dieser EP warm begleitet, auch stimmlich im Hintergrund. Nat\u00fcrlich hat ein Bargeld nicht die Inbrunst eines Bowie, seine Art, die Stimme einzusetzen, unterscheidet sich massiv, er ist mehr der Erz\u00e4hler als der S\u00e4nger, so kennt man ihn, so liebt man ihn. Dringlicher ist jetzt eigentlich noch der Wunsch nach \u201eBlixa Bargeld singt Rio Reiser\u201c.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Auf dieser EP dringt das Theatralische in Bargelds Vortrag noch deutlicher zutage und l\u00e4sst auch die eigentlich sehr vertrauten Einst\u00fcrzenden Neubauten nochmal neu betrachten: Kabarett, Kleinkunst, Karneval, bei aller Ernsthaftigkeit der Berliner Industrial-Miterfinder war ohnehin nie von der Hand zu weisen, dass man es mit einer Showtruppe zu tun hat, die das Prozedere umgekrempelt auf den Kopf stellt und dabei trotzdem extrem gute Musik generiert. Na klar! Sobald Bargeld seine Stimme erhebt, sind die Bretter mitzuh\u00f6ren, von denen man sagt, sie bedeuten die Welt, und diese Bretter sind jedes Mal, sobald er etwas darbietet, eigenst\u00e4ndig ausgestaltet.<br><br>Hier also eher die kleinere B\u00fchne, m\u00f6glicherweise ein schummeriges Cabaret irgendwo in Berlin, irgendwann mitten in der Nacht, Bargeld ist eigentlich nur Gast, aber der Pianist hat Bock auf Bowie und zerrt den K\u00fcnstler aus dem Publikum heraus zu sich herauf. \u201eDann sind wir Helden\u201c, wei\u00df Bowie, und Bargeld stimmt ihm zu. Jenen beinahe archetypischen Berlin-Song singt Bargeld als erstes, indes ausschlie\u00dflich die deutschen Textanteile, wie man sie aus dem Film \u201eChristiane F.\u201c kennt. Die Klaviermelodie hat beinahe etwas Fr\u00f6hliches, man k\u00f6nnte glatt erwarten, dass Weidemann zu einem Boogie ansetzt, macht er nat\u00fcrlich nicht. Schon mit den ersten T\u00f6nen wird deutlich, wie warm Weidemann sein Instrument einsetzt, von der l\u00e4ngst sprichw\u00f6rtlichen K\u00e4lte der Bowie-Berlin-Trilogie ist hier nichts mehr \u00fcbrig. Das \u00dcberw\u00e4ltigende des Originals bekommt das Duo hier ebenso hin, auch mit reduzierteren Mitteln, da nimmt sich so ein Piano ja nix.<br><br>Deutlich wird aber bereits bei \u201eHelden\u201c, dass der Gesangsstil von Bargeld und Bowie so gar nicht vergleichbar ist. Wo Bowie wahlweise mit Tremolo und Inbrunst oder zerbrechlich vibrierend, doch klar und melodi\u00f6s seine Stimme einsetzt, bewegt sich Bargeld vornehmlich n\u00e4her am Sprechen als am Singen. Das Attribut h\u00f6lzern ist da gar nicht negativ gemeint, seine Vortragsweise kultivierte der Berliner ja l\u00e4ngst hinl\u00e4nglich und machte sie zu einem gesch\u00e4tzten Markenzeichen; insofern muss man sich hier schlichtweg umgew\u00f6hnen und im Herzen die vertrauten Texte des einen mit der vertrauten Gesangsart des anderen kombiniert bekommen. Das geht! Ergibt aber etwas Anderes, etwas Eigenes. Sonst w\u00e4ren Coverversionen ja auch \u00fcberfl\u00fcssig.<br><br>So transferiert das Duo das zerbrechliche \u201eWhere Are We Now?\u201c von Bowies 2013er Comeback-Album \u201eThe Next Day\u201c in etwas Festeres, Solideres, auch ohne komplette Bandbegleitung. Hier kontrastiert die explizit deutsche Aussprache der bereits von Bowie aufgef\u00fchrten Berliner Stra\u00dfennamen umso deutlicher mit Bargelds teutonischem Englisch. Die n\u00e4chtliche, einsame, dunkle Atmosph\u00e4re des \u201eLow\u201c-Rauswerfers \u201eSubterraneans\u201c tauchen Bargeld und vornehmlich Weidemann in wohlige W\u00e4rme; eine erstaunliche Wahl, handelt es sich beim Original doch um ein sph\u00e4risches Synthie-St\u00fcck mit dezenter Gitarre und Saxophonsolo, das erst gegen Ende kurz einen vierzeiligen Text bekommt, von Bowie gesungen, als w\u00e4re er einem uralten Musicalfilm entsprungen. Eine erstaunliche Umsetzung. Zuletzt widmen sich die beiden \u201eLazarus\u201c, der letzten Single, die Bowie zu Lebzeiten herausbrachte. Das voll instrumentierte Jazzger\u00fcst des Originals f\u00e4llt bei dieser Pianovariante nat\u00fcrlich ab, und abermals verleihen Weidemann und Bargeld dem Song eine angenehme W\u00e4rme.<br><br>Die Vita von Bargeld sollte vertraut sein, der extrovertierte Chef der Einst\u00fcrzenden Neubauten erfand in den Achtzigern in Berlin das \u201eH\u00f6ren mit Schmerzen\u201c und ist aller atonaler kakophonischer Pand\u00e4monien zum Trotz l\u00e4ngst in der Hochkultur angekommen. Weidemann trat nahezu gleichzeitig auf, als Teil der Band 1. Futurologischer Congress. Weitere Stationen folgten; das einzige Album des Projektes Flucht nach vorn zum Beispiel produzierte Neubauten-Musiker Alexander Hacke, mit dem Weidemann gleichzeitig zur Backing-Band von Mona Mur geh\u00f6rte, einer weiteren fr\u00fchen Weggef\u00e4hrtin der Neubauten.<br><br>Und nun sitzen die Berliner Bargeld und Weidemann eben zusammen in einem schummrigen Theater und performen den Berlin liebenden Bowie, dass einem die Tr\u00e4nen in die verrauchte Barluft rollen. Eine gelungene Umsetzung, die doch den Wunsch lauter werden l\u00e4sst, Bargeld w\u00fcrde sich endlich mal ausf\u00fchrlicher seinem ebenfalls aus Berlin stammenden Soundalike Rio Reiser widmen. Dessen Tod j\u00e4hrt sich in einem Jahr zum 30. Mal, das w\u00e4re doch ein Anlass, oder?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (20.08.2025) Wenn Blixa Bargeld schon David Bowie singt, dann nat\u00fcrlich vornehmlich dessen Songs mit Berlin-Bezug. 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