{"id":8129,"date":"2025-08-18T20:59:52","date_gmt":"2025-08-18T18:59:52","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8129"},"modified":"2025-08-18T20:59:52","modified_gmt":"2025-08-18T18:59:52","slug":"steve-roach-vidna-obmana-the-live-story-a-new-wave-of-jazz-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/steve-roach-vidna-obmana-the-live-story-a-new-wave-of-jazz-2025\/","title":{"rendered":"Steve Roach &amp; Vidna Obmana \u2013 The Live Story \u2013 A New Wave Of Jazz 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Steve-Roach-Vidna-Obmana-The-Live-Story.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Steve-Roach-Vidna-Obmana-The-Live-Story.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8130\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (18.08.2025)<br><br>Wenn jemand mal eben kurz siebeneinhalb Stunden Zeit hat und nicht so richtig wei\u00df, was er damit anfangen soll, empfiehlt sich \u201eThe Live Story\u201c, eine Sammlung von vier gemeinsamen Gig-Mitschnitten der Soundt\u00fcftler Steve Roach aus Kalifornien und Dirk Serries aus Antwerpen, jener unter seinem Alias Vidna Obmana. Aufgenommen zwischen 1996 und 2000, pr\u00e4sentiert das Duo diese Performances uneditiert und zum eskapistischen Mitchillen: Das ist Ambient, versetzt mit Experimenten, eine zeitlose Reise durch unermessliche Sph\u00e4ren, gelegentlich auch mit ansprechenden Schr\u00e4glagen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Eigentlich h\u00e4tte man bei der Kombi der beiden Experimentatoren etwas Wuchtigeres erwartet als das, was man hier bekommt: Kein Industrial ist zu h\u00f6ren, keine Electro-Tracks, nicht einmal so richtig deftig ausgepr\u00e4gt der Tribal, f\u00fcr den die Roach und Serries auf ihren gemeinsamen Studioalben \u2013 das erste, \u201eWell Of Souls\u201c, erschien 1995 und erhielt j\u00fcngst eine Wiederver\u00f6ffentlichung \u2013 bekannt waren. Rhythmen sind hier, sofern \u00fcberhaupt, zumeist lediglich zart angedeutet, als Struktur zum Festhalten, w\u00e4hrend man in die Unendlichkeit blickt, generiert vermittels Soundscapes.<br><br>So zumindest in den ersten zwei Stunden, die einem Gig in Portland geh\u00f6ren, mitgeschnitten in der wohlig halligen Old Church am 9. November 2000 und bereits vor zwei Jahren als Download zug\u00e4nglich gemacht. An der Frame Drum unterst\u00fctzte damals Jeffrey Fayman, den Rest \u00fcbernahmen die Hauptakteure, und zwar waren das neben Synthies, Percussions \u2013 darunter der Regenmacher \u2013 und schamanischen Ges\u00e4ngen die slowakische Schnabelfl\u00f6te Fujara und das Didgeridoo, und wer jetzt glaubt, diese Instrumente fortw\u00e4hrend heraush\u00f6ren zu k\u00f6nnen, rechnet nicht mit der Verfremdungskunst des Duos; der Hauch von Blasinstrumenten weht hingegen durchaus erkennbar durch viele Passagen. Nicht alles ist hier auf Sch\u00f6nheit und Wohlgefallen ausgelegt, Serries und Roach lassen die Stimmung durchaus auch mal kippen, in ein leichtes Unwohlsein, und dezente Beklemmung, mit Halbt\u00f6nen und Akkordverschiebungen, nicht aber mit Tempo oder harschen Ger\u00e4uschen. Sobald es rhythmischer wird, mag man sich an die alten Trance-Tracks von Dead Can Dance erinnert f\u00fchlen, die die Kombi aus Versunkenheit und Tanz etablierten. Nach der H\u00e4lfte des Gigs dringt kurzzeitig eine gewisse Nervosit\u00e4t in die Rhythmen ein, die im Kontrast zu den sph\u00e4rischen Sounds leicht an fr\u00fche St\u00fccke von Aphex Twin erinnert; Richard D. James hatte da mal einen Track, der nach einem der hier eingesetzten Instrumente benannt war.<br><br>Die n\u00e4chsten drei Konzerte verarbeitete das Duo bereits anteilig im Jahr 2000 auf dem Album \u201eLive Archive\u201c, und zwar, indem es Ausschnitte daraus neu kombinierte und zu eigenen St\u00fccken zusammensetzte. Hier gibt\u2019s die f\u00fcnfeinhalb Stunden Rohmaterial nun am St\u00fcck, beginnend mit dem Auftritt am 26. Juli 1997 beim Verucchio Festival in der Arena Mura del Fossato in Verucchio, Italien. Die Versuchsanordnung \u00e4hnelt sich, alles ist Ambient mit Hall und shakenden Grooves, generiert hier zus\u00e4tzlich mit Fl\u00f6ten, dazu erklingt auch mal ein Wispern, und auch hier tragen viele Atmosph\u00e4renwechsel etwas D\u00fcsteres, Unkomfortables und lassen den Mitschnitt als Ganzes leicht beklemmend wirken, in etwa wie den Soundtrack zu einem d\u00fcsteren Film. Alsbald wandeln sich die Soundscapes tats\u00e4chlich in etwas Rhythmisches aus, werden dadurch aber kaum weniger dunkel.<br><br>Der Milwaukee-Mitschnitt vom 30. Juli 1997 aus der Shank Hall beginnt weit perkussiver als die bisherigen Auftritte. Zun\u00e4chst sogar ohne Soundscapes, die kommen sp\u00e4ter erst hinzu, und dennoch strahlt der Gig \u2013 auch mit dem Hall \u2013 mehr Leere aus als die vorherigen, bei gleichbleibender D\u00fcsternis. In Sachen Horror-Score legt dieser Beitrag sogar noch zu, die Stimmung ist noch um einiges bedr\u00fcckender als bei dem Set aus Italien. Als Instrumente sind hier zus\u00e4tzlich Pipes eingesetzt, die das Duo f\u00fcr die Soundscapes verwendet, und auch spooky Stimmen sind hier im Hallraum wahrzunehmen. Da die fragmentarischen perkussiven Parts in einer loopartigen Form zum Einsatz kommen, ist hier eine N\u00e4he zum Industrial am ehesten auszumachen. Erst nach einer Weile gewinnt der sph\u00e4rische Ambient wieder Oberhand, mit Regenmacher und Vogelstimmen w\u00e4hnt man sich gar im Urwald. Doch auch dort, das wei\u00df man und das erf\u00e4hrt man hier, drohen Gefahren und ist es unheimlich. An diesem ungastlichen Ort verweilt das Duo indes nicht, sondern kehrt zur\u00fcck in die Einsamkeit eines hallenden Raumes \u2013 und sogar ein einen Club, zu einem ansatzweise als solchen wahrnehmbaren Technobeat. Bevor der Gig ins Leere rollt.<br><br>Dort beginnt der Auftritt in den Niederlanden, der vierte und letzte dieser Sammlung: Am 1. November 1996 traten Serries und Roach in Huizen auf, im dortigen Theater 3-in-1. Dieser Gig beginnt mit den dunklen, schr\u00e4ggeneigten Soundscapes, die rhythmischen Elemente treten erst im Verlauf und nur sp\u00e4rlich hinzu; deren reduziert shuffelndes Auftreten hat etwas von manchen Scores spannender Thriller. Didgeridoo und Regenmacher hat das Duo neben den Percussions und Synthies abermals dabei, ebenso Fl\u00f6ten. Hier lassen die Soundscapes bisweilen wieder etwas Harmonisches zu, in dem man abtauchen m\u00f6chte, das die beiden Improvisateure dann aber alsbald dennoch mit Neigungen versehen. Irgendwann landet man dann doch wieder mit ihnen im Gespensterschloss. Aus dem trauen sich die beiden auch eher selten heraus; mal gibt es eine leicht musikalische Sequenz, die den Ansatz einer Melodie und einer Tanzbarkeit tr\u00e4gt, eine Unter-Wasser-Passage mit richtig sch\u00f6nen Synthiefl\u00e4chen oder so etwas wie orientalische Percussion, zumeist aber kratzen, schaben, rasseln, \u00e4chzen, schleifen auf nebligem Grund. Und doch endet alles entspannt, au\u00dferhalb d\u00fcsterer Mauern, eher wieder im Urwald.<br><br>Die siebeneinhalb Stunden sind verteilt auf 44 einzelne Tracks, die nach den Auftrittsgegenden benannt und druchnummeriert sind. \u00dcberg\u00e4nge setzt das Duo nicht willk\u00fcrlich, es sind in der Tat Ver\u00e4nderungen innerhalb der Gigs auszumachen, sobald ein neuer Index ansetzt. Das hier ist offenbar alles improvisiert, und so gut, wie es zusammengreift, kann man sich nur freuen, dass die beiden T\u00fcftler sich dereinst \u00fcber den Weg liefen und ihre gemeinsamen Leidenschaften auszuleben begannen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (18.08.2025) Wenn jemand mal eben kurz siebeneinhalb Stunden Zeit hat und nicht so richtig wei\u00df, was er damit anfangen soll, empfiehlt sich \u201eThe Live Story\u201c, eine Sammlung von vier gemeinsamen Gig-Mitschnitten der Soundt\u00fcftler Steve Roach aus Kalifornien &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/steve-roach-vidna-obmana-the-live-story-a-new-wave-of-jazz-2025\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19,23],"tags":[],"class_list":["post-8129","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-download-stream","category-klassiker-rereleases"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8129","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8129"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8129\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8131,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8129\/revisions\/8131"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8129"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8129"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8129"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}