{"id":8108,"date":"2025-08-13T21:29:58","date_gmt":"2025-08-13T19:29:58","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8108"},"modified":"2025-08-13T21:29:58","modified_gmt":"2025-08-13T19:29:58","slug":"spezial-addicted-noname-label-aus-moskau-teil-18","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-addicted-noname-label-aus-moskau-teil-18\/","title":{"rendered":"Spezial: addicted\/noname Label aus Moskau, Teil 18"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/addicted-label.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"110\" height=\"110\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/addicted-label.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3052\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (13.08.2025)<br><br>Neues Futter von den Freunden aus Moskau: L\u00e4rm-Core von \u0428\u0430\u0439\u0439\u043c, Jazz-Core von Brom und Brom mit Toshinori Kond\u014d, Doom von Zatvor, Instrumental-Rock von \u0420\u0435\u0437\u0438\u043d\u0430, instrumentalen Space-Rock von Disen Gage sowie Rock und Drones von Nick Samarin.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/\u0428\u0430\u0439\u0439\u043c-\u041d\u0435\u0442-\u043d\u0438\u043a\u043e\u0433\u043e.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/\u0428\u0430\u0439\u0439\u043c-\u041d\u0435\u0442-\u043d\u0438\u043a\u043e\u0433\u043e.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8109\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>\u0428\u0430\u0439\u0439\u043c \u2013 \u041d\u0435\u0442 \u043d\u0438\u043a\u043e\u0433\u043e (2025)<\/strong><br><br>Was ist mit \u0428\u0430\u0439\u0439\u043c (Shajjm) passiert? Die Band aus Moskau ver\u00e4nderte f\u00fcr ihr drittes Album \u201e\u041d\u0435\u0442 \u043d\u0438\u043a\u043e\u0433\u043e\u201c (\u201eEs gibt niemanden\u201c) die Grundvoraussetzungen: Die Fl\u00f6te wich einem Saxophon, der Kontrabass r\u00e4umte f\u00fcr einen E-Bass das Feld. Ja, damit generiert die Band mehr H\u00e4rte als zuvor, doch darf man sich hier jetzt keinen Metal vorstellen: Aggressivit\u00e4t dringt aus den Songs, Rauheit, weniger Verzweiflung als Tatendrang, der dringliche Wunsch, etwas zu bewegen, etwas zu ver\u00e4ndern, etwas zu \u00fcberwinden, und sei es wenigstens damit, Missst\u00e4nde \u00fcberhaupt zu benennen, besser: zu beschreien, besingen, bel\u00e4rmen.<br><br>L\u00e4rm ist hier durchaus ein Mittel der Wahl, koordinierter L\u00e4rm, der sich aus der intensiven Verwendung der Rockinstrumente speist und diese mit dem von sich aus schon variabel einsetzbaren Saxophon verst\u00e4rkt. Angewandt in st\u00fcrmischer Auspr\u00e4gung, st\u00fclpen \u0428\u0430\u0439\u0439\u043c den H\u00f6renden ihren Unmut \u00fcber und nehmen sie f\u00fcr sich ein, und man folgt ihnen bereitwillig. Denn L\u00e4rm allein macht nicht gl\u00fccklich, und so besinnen sich \u0428\u0430\u0439\u0439\u043c auf das, womit sie starteten, und bringen herrliche Melodien, kontemplative Sequenzen, Klarheit, Sch\u00f6nheit unter. Und Rap, manche Textpassagen \u00e4u\u00dfert die Band in einer unerwarteten Darreichungsform. Dieser L\u00e4rm nun hat in den Extremsituationen etwas von sehr hartem Indierock, man k\u00f6nnte bald den guten, alten Hardcore heranziehen, versetzt mit Jazz, frickelig und druckvoll gleicherma\u00dfen, und er funktioniert besonders deshalb so gut, weil er nicht allein dasteht, sondern sich den Raum mit den klaren Anteilen teilen muss. Eins nach dem anderen, wie ein Wellenverlauf in einem Fluss.<br><br>\u0428\u0430\u0439\u0439\u043c sind: Gitarrist und S\u00e4nger \u041d\u0438\u043a\u0438\u0442\u0430 \u0427\u0435\u0440\u043d\u0430\u0442 (Nikita Chernat), Saxophonist \u0418\u0432\u0430\u043d \u0417\u0430\u043d\u0435\u0433\u0438\u043d (Ivan Zanegin), Bassist \u0420\u043e\u043c\u0430\u043d \u041a\u043e\u043c\u043b\u0435\u0432 (Roman Komlev) und Schlagzeuger \u0410\u043d\u0434\u0440\u0435\u0439 \u041f\u0438\u0449\u0438\u0442\u0430 (Andrej Pishchita).<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Brom-\u0427\u0451\u0440\u043d\u0430\u044f-\u0433\u043e\u043b\u043e\u0432\u0430.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Brom-\u0427\u0451\u0440\u043d\u0430\u044f-\u0433\u043e\u043b\u043e\u0432\u0430.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8110\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Brom \u2013 \u0427\u0451\u0440\u043d\u0430\u044f \u0433\u043e\u043b\u043e\u0432\u0430 (2025)<\/strong><br><br>Noch mehr Saxophon und alternative Musikrichtungen mit \u2013core am Ende gibt\u2019s von Brom (\u0411\u0440\u043e\u043c) aus Moskau, indes komplett anders ausgerichtet: Auf dem neuen Album \u201e\u0427\u0451\u0440\u043d\u0430\u044f \u0433\u043e\u043b\u043e\u0432\u0430\u201c (\u201eSchwarzer Kopf\u201c) \u00fcberwiegt der Jazz, also das Saxophon und die Frickelarbeit. Das, was dereinst der Punk als Quelle darstellte, biegt das Quartett hier zu einer \u00fcberwiegend vergleichsweise klaren Musik um, die die H\u00e4rte und Rauheit abstreift und vielmehr die komplexen Kompositionen darstellend begleitet. Aber wie: Die Komplexit\u00e4t beherrschen die Musiker nach wie vor, und dadurch, dass sie auf radikale Verzerrung verzichten, erscheint sie umso offenkundiger und staunenswerter.<br><br>Dennoch ist das Saxophon hier das dominante Utensil, es \u00fcbernimmt, was anderswo m\u00f6glicherweise der Leadgesang gewesen w\u00e4re, und erweitert diese Position um frickelige Melodief\u00fchrung \u2013 und um das, was man aus dem freien Jazz kennt, die experimentelle Nutzung des Instruments, die bis in das atonale Tr\u00f6ten hineinreicht. Wie geil hier dann Bass und Schlagzeug mit dem Saxophon zusammenspielen, gelegentlich erg\u00e4nzt um fies zirpende Synthies! Und doch: In \u201e\u0414\u0436\u0430\u0437\u043e\u0432\u0430\u044f \u043c\u0438\u043a\u0440\u043e\u0434\u043e\u0437\u0438\u0440\u043e\u0432\u043a\u0430\u201c (\u201eJazz-Mikrodosierung\u201c, haha!) bekommt der Bass nochmal den Hardcore-Fuzz, auch an weiterer Stelle d\u00fcrfen die anderen Musiker ihrem urspr\u00fcnglichen Gewerk nachgehen, inklusive diverser atonaler Noise-Attacken. Und, echt: Ist das da eine Fl\u00f6te in \u201e\u0411\u0443\u0447\u0430\u0440\u0434\u0430\u201c (\u201eBouchard\u201c)?<br><br>Die Brom von heute sind nicht mehr dieselben wir zuletzt, es gab einige Wechsel in der Besetzung. Geblieben sind Bassist und Effektbeauftragter Dmitry Lapshin sowie der f\u00fcr Electronics zust\u00e4ndige Feliks Mirenskiy. Neu sind Schlagzeuger Bogdan Ivlev, der f\u00fcr Yaroslav Kurilo einsprang, und Tenor-Saxophonist Ivan Bursov, der Anton Ponomarev abl\u00f6ste. Seit 2020 ist offenbar einiges passiert, die vorletzte Ver\u00f6ffentlichung \u201eThe Sea Is Rough\u201c hat tats\u00e4chlich bereits f\u00fcnf Jahre auf dem Buckel.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Brom-Toshinori-Kondo-The-Sea-Is-Rough.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Brom-Toshinori-Kondo-The-Sea-Is-Rough.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8111\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Brom &amp; Toshinori Kond\u014d \u2013 The Sea Is Rough (2020)<\/strong><br><br>Damals bestanden Brom indes nur aus drei Leuten, die sich als Bonus den Freejazz-Trompeter Toshinori Kond\u014d dazuholten. Ihm zur Seite standen da Saxophonist Anton Ponomarev, Bassist Dmitry Lapshin und Schlagzeuger Yaroslav Kurilo, als sie gemeinsam das zweigeteilte St\u00fcck \u201eThe Sea Is Rough\u201c einspielten. Und wahrlich, die See ist rauh: Kaum 13 Minuten lang bildet das Quartett das Auf und Ab des wilden Meeres ab und fusioniert daf\u00fcr Noiserock mit Freejazz. Das kommt schon sehr geil, wie sich hier die beiden Blasinstrumente gegenseitig aufschaukeln und den L\u00e4rm generieren, den hier keine Gitarre unterstreichen muss, weil die einfach ausreichend Kraft haben, um mit Bass und Schlagzeug als zweckentfremdete Rock\u2019n\u2019Roll-Basis mitzuhalten. Einziger Nachteil dieser EP: Sie ist eigentlich viel zu kurz.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Zatvor-\u041a\u043b\u044e\u0447-\u0437\u0435\u043c\u043b\u0438.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Zatvor-\u041a\u043b\u044e\u0447-\u0437\u0435\u043c\u043b\u0438.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8112\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Zatvor \u2013 \u041a\u043b\u044e\u0447 \u0437\u0435\u043c\u043b\u0438 (2018)<\/strong><br><br>Was ein Mammutbrocken: \u201e\u041a\u043b\u044e\u0447 \u0437\u0435\u043c\u043b\u0438\u201c (\u201eDer Schl\u00fcssel zur Erde\u201c) war 2018 das Deb\u00fct von Zatvor aus Kursk, und die Band reichte diesen Schl\u00fcssel als einen einzelnen Track dar, der satte 49 Minuten dauert. Der Band gelingt es, auch ohne progressive Verschachtelungen oder hasenartige Spr\u00fcnge \u00fcber die gesamte Spielzeit hinweg die Spannung aufrecht zu halten, indem sie den Ger\u00f6llfluss behutsam variiert und dessen Sprengkraft zusehends mindert, bis hinein ins Nichts.<br><br>Denn das St\u00fcck startet als Doom-Metal, als harsche malmende Lawine, die mit dem Sludge nahen Drones und schleppendem Tempo die Dunkelheit \u00fcber die H\u00f6rerschaft hereinbrechen l\u00e4sst. Auch an diesem L\u00e4rm ist ein Saxophon beteiligt, doch dr\u00e4ngt dies den Sound deutlich weniger in die Jazz-Richtung. Sobald dieser Ger\u00f6llfluss indes seine Energie ausrollt, ver\u00e4ndert sich auch der Sound: Das St\u00fcck entwickelt sich in etwas, das man beinahe als Folklore bezeichnen kann. Das Saxophon weicht einer Fl\u00f6te, und weich wird auch die Musik. Bis alles wahrhaftig an Ambient ausl\u00e4uft, in Soundscapes, in Leere, ins Nichts. Was f\u00fcr ein Auftakt!<br><br>Wenn man dann noch ber\u00fccksichtig, dass an diesem Naturereignis lediglich drei Leute beteiligt sind: Denis Kolesnikov mit Gitarren und Noises, Anton Eremin mit Schlagzeug, Percussion und weiteren Noises sowie Sergei Letov mit Saxophon und Fl\u00f6te. Kein Bass also, und das, obwohl das St\u00fcck sehr nach tiefster Erde klingt. Zumindest den Schl\u00fcssel daf\u00fcr haben die drei Musiker.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Zatvor-\u041e\u0445\u043e\u0442\u043d\u0438\u043a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Zatvor-\u041e\u0445\u043e\u0442\u043d\u0438\u043a.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8113\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Zatvor \u2013 \u041e\u0445\u043e\u0442\u043d\u0438\u043a (2024)<\/strong><br><br>Die n\u00e4chste Ver\u00f6ffentlichung von Zatvor war dann tats\u00e4chlich erst 2024 die EP \u201e\u041e\u0445\u043e\u0442\u043d\u0438\u043a\u201c (\u201eDie J\u00e4gerin\u201c), ebenfalls nur aus einem Track bestehend, der allerdings lediglich eine Viertelstunde lang ist. Nicht der einzige Unterschied: Die Band ist inzwischen zu viert, verwendet einen Bass und l\u00e4sst Gesang erklingen. Katya Sumina erz\u00e4hlt von der Titelheldin in einer Art, die man mit der von Siouxsie Sioux vergleichen k\u00f6nnte; au\u00dferdem spielt sie Keyboards. Jenen Bass \u00fcbernimmt der vorherige Schlagzeuger Anton Eremin, dessen Posten nun Kirill Kiryukhin einnimmt. Denis Kolesnikov bleibt an Gitarre und Noises.<br><br>Ebenfalls bleibt die Grundierung im Doom, nur dass eben Gesang an die Stelle der Blasinstrumente tritt. Mit einer langsamen Schwere rollt und rumpelt das St\u00fcck, wie man es vom Doom kennt, nur dass der Gothic-nahe Gesang hier etwas Schamanisches hinzuf\u00fcgt, eine Art Mantra, und zudem den rauhen Sound der Instrumente mit Klarheit konterkariert. Dieser fuzzy Doom ist wundersch\u00f6n, auch wenn er instrumental ausl\u00e4uft \u2013 mit Geisterstimme zum Schluss.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/\u0420\u0435\u0437\u0438\u043d\u0430-\u041c\u0438\u043d\u0443\u0441-\u0434\u0432\u0430.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/\u0420\u0435\u0437\u0438\u043d\u0430-\u041c\u0438\u043d\u0443\u0441-\u0434\u0432\u0430.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8114\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>\u0420\u0435\u0437\u0438\u043d\u0430 \u2013 \u041c\u0438\u043d\u0443\u0441 \u0434\u0432\u0430 (2024)<\/strong><br><br>\u201e\u041c\u0438\u043d\u0443\u0441 \u0434\u0432\u0430\u201c (\u201eMinus zwei\u201c) ist \u2013 der Titel verr\u00e4t\u2019s \u2013 nach dem grandiosen Album \u201e1619\u201c die zweite EP von Rezina, die ohne Gesang auskommen muss. Die Moskauer Indie-Rocker liefern hier zwei sehr gegens\u00e4tzliche Tracks: \u201e\u041c\u0430\u0440\u0435\u0432\u043e\u201c (\u201eDunst\u201c) ist ein schleppender Kriecher, der mit teils klar gespielten Postrock-Anleihen und Slidegitarre einem trotzdem angerauhten Doom naher\u00fcckt. Die Band mostet sich hier in Trance, man m\u00f6chte unbedingt mit in diesen Zustand abtauchen.<br><br>Doch dann kommt \u201e\u0417\u0430\u0440\u0435\u0432\u043e\u201c (\u201eGl\u00fchen\u201c) und der Dunst verweht aus dem Stand: Das Tempo zieht an, der Track ist ein frickeliger, nerv\u00f6ser Indierock mit ungeradem Rhythmus und fortgesetzter Slidegitarre. Auch hier steigern Rezina die Intensit\u00e4t, beinahe nebenbei spielen sie sich glatt in den n\u00e4chsten Rausch hinein, nur das diesem weit mehr Energie innewohnt. Hier passt auch gar keine Stimme, die Band belegt, dass sie urspr\u00fcnglich gar nicht als Gesangsbegleitung ausgelegt war. Beide Inkarnationen haben indes ihre Berechtigung \u2013 \u201e1619\u201c belegt dies nachhaltig.<br><br>Rezina sind hier die beiden Gitarristen Ilya Zinin und Andrey Klimov, Bassist Oleg Lisitsin und Schlagzeuger Dmitry Drozdov. \u201eMinus eins\u201c erschien 2023.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Disen-Gage-Bar-In-The-Outskirts-Of-The-Universe.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Disen-Gage-Bar-In-The-Outskirts-Of-The-Universe.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8115\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Disen Gage \u2013 Bar In The Outskirts Of The Universe (2024)<\/strong><br><br>Wie gelangen wir in den Kosmos? Mit dem n\u00f6tigen Treibstoff! \u201eBar In The Outskirts Of The Universe\u201c, der Livemitschnitt von Disen Gage aus Moskau, hat jenen: Gleich der Opener \u201eSolaris\u201c klingt bekifft, ein psychedelisch spaciger Instrumental-Rock mit Offbeat. Hier kommt alles zusammen, was gutes Weed so hervorbringt. Au\u00dferdem belegt die Band, dass sie auf ihren Studioalben nicht ausschlie\u00dflich improvisiert, denn einige vertraute Tracks bringt sie auch auf diesem Auftritt zu Geh\u00f6r. Die R\u00fcckgriffe auf die Studioarbeiten reichen vom vorletzten Album \u201eThe Big Adventure\u201c aus dem Jahr 2019, also zwei Jahre nach diesem Mitschnitt, bis zum Deb\u00fct \u201eThe Screw-Loose Entertainment\u201c aus dem Jahr 2004, versetzt mit St\u00fccken, die hier offenbar exklusiv sind.<br><br>Insgesamt geht das Quartett hier behutsam vor, die Musik bleibt auf weiten Strecken zur\u00fcckhaltend, chillig, spacig, aber eben nicht ausschlie\u00dflich. Regelm\u00e4\u00dfig schleicht sich ein tanzbarer, mindestens kopfnickbarer Groove ein, und wenn es die Band komplett \u00fcberkommt, verf\u00e4llt das verschachtelt-progressive Gniedeln auch in einen rauhen Rock. Aber das geschieht selten, die Grundlage ist entspannt. Ein unerwarteter H\u00f6hepunkt ist der \u201eSelfish Tango\u201c, dem tats\u00e4chlich dieser Tanzrhythmus zugrundeliegt und der zwischendurch sogar zu einem Discobeat wird.<br><br>An diesem Auftritt im April 2017 in Moskau beteiligt waren die beiden Gitarristen Konstantin Mochalov und Sergei Bagin, Bassist Nikolai Syrtsev und Schlagzeuger Eugeny Kudryashov. Von wem die Synthie-Sounds stammen, ist nicht \u00fcberliefert. Das wird irgendein Kosmonaut gewesen sein, der Disen Gage bei der Reise ins All \u00fcber den Weg schwebte. Bis zur Landung auf dem harten Boden der Realit\u00e4t, denn der Abschluss klingt so, wie man sich im Westen wohl russische Folklore vorstellt \u2013 ein Punk-Kasatschok mit Operngesang.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Nick-Samarin-Ozarenie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Nick-Samarin-Ozarenie.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8116\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Nick Samarin \u2013 Ozarenie (2015)<\/strong><br><br>Eine merkw\u00fcrdige Art der Erleuchtung, die Nick Samarin, Mitglied der Band IWKC, also I Will Kill Chita, also Evil Bear Boris, hier auf seinem Solo-Album in Musik umsetzt. \u201eOzarenie\u201c, also \u201e\u041e\u0437\u0430\u0440\u0435\u043d\u0438\u0435\u201c, bedeutet n\u00e4mliches, und wer nun erwartet, dass sich der Multiinstrumentalist aus Moskau mit dem strahlenden Erkenntnisgewinn auf eine Ambient-Art auseinandersetzt, wird geschockt. Die Mucke hier ist sperrig, komplex, schr\u00e4g, polyrhythmisch, kakophonisch, atonal \u2013 und l\u00e4sst das Thema Erleuchtung in einem ganz anderen Licht erscheinen. Als Instrumentarium steht ihm offenbar ein komplettes Arsenal zur Verf\u00fcgung; repetitives Klavier, E-Gitarre, gern schr\u00e4g gespielt, Schlagzeug, Bass, Synthies, wei\u00df der Geier, was noch.<br><br>Entsprechend divers sind auch die sieben Tracks. Die ersten drei bilden eine zusammengeh\u00f6rige Einheit, aus \u201e\u0427\u0435\u0440\u0432\u0438\u201c (\u201eW\u00fcrmer\u201c), \u201e\u0413\u043b\u0430\u0437\u0430\u201c (\u201eAugen\u201c) und \u201e\u041c\u043e\u0437\u0433\u0438\u201c (\u201eGehirne\u201c), alle drei irgendwo zwischen Jazz-Fusion-Rock und Pand\u00e4monium. Ab dem vierten St\u00fcck folgt der n\u00e4chste Dreiklang: \u201e\u041e\u0436\u0438\u0434\u0430\u043d\u0438\u0435\u201c (\u201eErwartung\u201c), \u201e\u041e\u0442\u0440\u0438\u0446\u0430\u043d\u0438\u0435\u201c (\u201eVerneinung\u201c) und \u201e\u041e\u0441\u043e\u0437\u043d\u0430\u043d\u0438\u0435\u201c (\u201eWahrnehmung\u201c), der Tonfall ver\u00e4ndert sich, es wird zun\u00e4chst wavig, dann hypnotisch dronig aus Piano, Schlagzeug und etwas Undefinierbarem sowie einfach nur \u201eMetal Machine Music\u201c. Genau so schlie\u00dft als siebtes auch der Titeltrack \u2013 als L\u00e4rmorgie. Nicht einmal als Wei\u00dfes Rauschen, dieses Rauschen ist Grau. Die Erleuchtung also verschwindet in kompletter Aufl\u00f6sung, in Gleichmachung, in Nivellierung, in einem dr\u00f6hnenden Nichts.<br><br>Hier kann man allerlei Interpretation ansetzen, was es mit der Erleuchtung auf sich hat, was Samarin dazu gef\u00fchrt haben mag, sich auf den offenkundig beschwerlichen Weg zur Erleuchtung zu machen, warum er welche entscheidende Wegmarken f\u00fcr sich ausmachte, wie die ihm die Richtung deuteten, sich \u2013 ja: zu verlieren oder als unbedeutendes Element in ein alles umfassendes Dr\u00f6hnen einzuordnen. Vor dem H\u00f6ren klingt es verhei\u00dfungsvoll, dass jemand musikalisch erleuchtet ist und die H\u00f6rerschaft daran teilhaben l\u00e4sst, hinterher f\u00fchlt man sich fehlgeleitet, in die Irre gef\u00fchrt, denn nach warmer, umfassender, wohliger Erkenntnis klingt das hier nicht, sondern nach dem Gegenteil, und w\u00e4hrend man sich noch betrogen f\u00fchlt, reift die Erkenntnis, dass Samarin vermutlich komplett richtig liegt. Ein konsequentes Album also.<br><br>Alles zu haben auf <a href=\"https:\/\/noname666.bandcamp.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bandcamp<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (13.08.2025) Neues Futter von den Freunden aus Moskau: L\u00e4rm-Core von \u0428\u0430\u0439\u0439\u043c, Jazz-Core von Brom und Brom mit Toshinori Kond\u014d, Doom von Zatvor, Instrumental-Rock von \u0420\u0435\u0437\u0438\u043d\u0430, instrumentalen Space-Rock von Disen Gage sowie Rock und Drones von Nick Samarin.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,15,23],"tags":[],"class_list":["post-8108","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-besonderes","category-klassiker-rereleases"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8108","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8108"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8108\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8117,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8108\/revisions\/8117"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8108"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8108"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8108"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}