{"id":8018,"date":"2025-07-23T20:24:22","date_gmt":"2025-07-23T18:24:22","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=8018"},"modified":"2025-07-25T16:30:11","modified_gmt":"2025-07-25T14:30:11","slug":"red-lorry-yellow-lorry-strange-kind-of-paradise-cop-international-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/red-lorry-yellow-lorry-strange-kind-of-paradise-cop-international-2025\/","title":{"rendered":"Red Lorry Yellow Lorry \u2013 Strange Kind Of Paradise \u2013 COP International 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Red-Lorry-Yellow-Lorry-Strange-Kind-Of-Paradise.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Red-Lorry-Yellow-Lorry-Strange-Kind-Of-Paradise.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-8019\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (23.07.2025)<br><br>\u201eStrange Kind Of Paradise\u201c ist Chris Reeds Verm\u00e4chtnis zu Lebzeiten: Der S\u00e4nger, Gitarrist und Bandkopf von Red Lorry Yellow Lorry aus Leeds ist schwer krank, hei\u00dft es, hatte aber noch dieses finale Album in der Pipeline, \u00fcber 30 Jahre nach dem Vorg\u00e4nger \u201eBlasting Off\u201c. Den charakteristischen Darkwave-Drumcomputer tauschten die Engl\u00e4nder gegen einen echten Drummer aus, um den Schwerpunkt zu verlagern: Zum Gothic Rock f\u00fchlten sie sich nicht zugeordnet, sagen sie, sondern mehr dem Rock\u2019n\u2019Roll. Stattgegeben, das Album rockt auch mit Electro-Elementen, ist aber trotzdem nicht frei von Dunkelheit, Melancholie und Wehmut. Was Wunder. Auf diese Weise r\u00fccken die Lorries musikalisch sogar n\u00e4her an Chris Reeds Solo-Aktivit\u00e4ten Unit und Woof!.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Die durchdringende Brummelstimme von Chris Reed passt nat\u00fcrlich schon ganz gut zum Gothic Rock, da bei\u00dft die Maus keinen Faden ab. Auch wenn die Band im Interview sagt, dass dies bereits der Name widerlegt, andernfalls lautete der n\u00e4mlich Sex Lorry Death Lorry. Gelegentliche fr\u00f6hliche, motivierende und euphorisierende Melodien finden sich im klassischen Gothic Rock ebenfalls, The Mission w\u00e4ren da ein anschauliches Beispiel f\u00fcr; solche Stimmungen treten hier zwar auf, dominieren aber nicht. So richtig d\u00fcster ist \u201eStrange Kind Of Paradise\u201c indes ebenso wenig gehalten, unterhalb einer wehm\u00fctigen Melancholie bewegen sich die Emotionen nicht. Dabei h\u00e4tten sie allen Grund dazu, nicht nur angesichts der Weltlage, sondern auch Reeds Zustand, \u00fcber den aber niemand ein konkretes Wort verliert.<br><br>Viele Jahre lang arbeiteten die Lorries an diesem Album, die Urspr\u00fcnge liegen im Jahr 2004, und die andernorts als Unterbrechung aufgefasste Corona-Zeit unterst\u00fctze die Prozesse sogar noch, l\u00e4sst die Band wissen. Kern sind neben Reed Gitarrist David \u201eWolfie\u201c Wolfenden sowie Bassist und Keyboarder Simon \u201eDing\u201c Archer, die Reeds Songs w\u00e4hrend der Coronazeit einspielten und ausarbeiteten und mit seinem Einverst\u00e4ndnis Martin Henderson, bekannt von Skeletal Family, The Mekons und The Quireboys, anstelle des Drumcomputers hinter ein echtes Schlagzeug setzten. Was h\u00f6rbar die Dynamik der Songs erh\u00f6ht, \u201eStrange Kind Of Paradise\u201c als zus\u00e4tzliches Argument vom Vorwurf der Selbstkopie befreit und die Lorries weiter von The Sisters Of Mercy wegr\u00fcckt.<br><br>Mit einem ausgekotzten \u201eWhoa!\u201c und einer S\u00e4gegitarre beginnen Album und Titeltrack, eine Uptempo-Boogie-Rocknummer mit lebendig melodisierender E-Gitarre, stampfenden Beats und dezenten Electro-Momenten. \u201eChicken Feed\u201c tr\u00e4gt im Refrain Gene von \u201eBorn To Be Wild\u201c von Steppenwolf in sich und befeuert den marschierenden Rhythmus mit einem Shaker. Daf\u00fcr beginnt \u201eAs Long As We Were Breathing\u201c mit der Stimmung von \u201eHotel California\u201c von den Eagles, aber nur kurz. Die E-Gitarre bekommt in dieser Ballade einen knorrigen Fuzz und Reed singt bisweilen h\u00f6her und klarer als sonst. Das meistens nicht nur unterschwellig Hymnische seiner Lieder dringt hier noch st\u00e4rker zutage.<br><br>\u201eWalking On Air\u201c ist wieder so ein Boogie-Rocker, im Dreivierteltakt und mit eing\u00e4ngigem Refrain, nach dessen verklingendem Gesang die Band stampfend rockt, als hie\u00dfe der S\u00e4nger Neil Young. \u201eKilling Time\u201c hat nichts mit Anne Clark zu tun, sondern rockt im Midtempo, inklusive irisch anmutenden Drums, die den Refrain anreichern und an New Model Army denken lassen. Hier l\u00e4sst sich die Akustikgitarre deutlich vernehmen. Auf die Eins kloppt im Intro das von der Vorab-EP bekannte \u201eDriving Black\u201c und geht dann als gut gef\u00fctterter Rocker weiter. Die Einser-Schl\u00e4ge kehren f\u00fcr nach den Refrains zur\u00fcck, dieser Song transportiert bisher die st\u00e4rkste Energie. So verf\u00e4hrt auch Kumpel Kirk Brandon auf den neueren Alben seiner Bands Theatre Of Hate und Spear Of Destiny h\u00e4ufig.<br><br>Auch die Pop-Hymne \u201eShooting Stars Only\u201c beh\u00e4lt die Einser bei, dr\u00e4ngt den Waverock dieses ermunternden Songs aber in eine andere Richtung, leicht in die, die The Cure mit \u201eFriday I\u2019m In Love\u201c deutlich \u00fcbertrieben. F\u00fcr \u201eMany Trapped Tears\u201c sind die Gitarren wieder tiefergelegt, obgleich der Song etwas Folkiges hat. Eine kurze Passage mit Industrial und Fuzz deutet zaghaft in die eigene musikalische Geschichte zur\u00fcck. Das Intro zu \u201eThe Only Language\u201c zieht das Tempo wieder an, es geht punkig auf die Eins, wird dann aber zu einem riffigen Kopfnicker. Auch hier baut die Band das Schnelle hin und wieder erneut in den Song ein, ebenso einen leicht psychedelischen Kurztrip mit der Silbermaschine. Auch der Rauswerfer \u201eWorlds Collide\u201c hat etwas Psychedelisches, sogar durchgehend, mit dem vibrierenden Gitarreneffekt auf dem gebremsten und folkig ausrollenden Rocksong.<br><br>Ja, und das war\u2019s dann. \u201eStrange Kind Of Paradise\u201c ist keine Offenbarung, auch wenn es das letzte Kapitel der Lorries darstellt. Gro\u00dfe Experimente findet man hier nicht, Unerwartetes ebenso kaum, das Album ist vielmehr solide, birgt viele sch\u00f6ne Details und \u00fcberzeugt mit seinen eing\u00e4ngigen Songs, die man bereitwillig ins Herz schlie\u00dft. Es tut gut, Chris Reed nach all der Zeit und trotz allem singen zu h\u00f6ren.<br><br>Drei der vier \u201eBlack Tracks\u201c, die Reed 2004 quasi im Alleingang einspielte, sind auf dem Album als Bandsongs zu h\u00f6ren, lediglich \u201eI Need Time\u201c fehlt. 21 Jahre also, die in diesem pr\u00e4mortalen Requiem stecken. Mit seinem Solo-Projekt Chris Reed Unit brachte er noch 2005 sein einziges Album \u201eMinimal Animal\u201c heraus, auf dem er \u201eWorlds Collide\u201c bereits verarbeitete. Selbst daf\u00fcr hatte Reed mehr als zehn Jahre gebraucht, denn bis dahin galt sein 1994 gestartetes und beendetes Projekt Chris Reed\u2019s Woof! mit dem Album \u201eBirthday Skin\u201c und der EP \u201eWoof!\u201c als seine letzte Ver\u00f6ffentlichung, zwei Jahre nach dem letzten Album der Lorries. Die \u201eRed Lorry Yellow Lorry EP\u201c spielte die Band 2015 bereits mit Henderson am Schlagzeug ein; deren Exklusivst\u00fccke finden sich auf der EP \u201eDriving Black\u201c aus dem vergangenen Jahr wieder.<br><br>\u201eStrange Kind Of Paradise\u201c beschmutzt den exquisiten Ruf der Lorries nicht. Es ist eine solide Platte, die Bock macht zu h\u00f6ren und die der mehr als vierzigj\u00e4hrigen Geschichte der Band einen w\u00fcrdevollen Schlusspunkt setzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (23.07.2025) \u201eStrange Kind Of Paradise\u201c ist Chris Reeds Verm\u00e4chtnis zu Lebzeiten: Der S\u00e4nger, Gitarrist und Bandkopf von Red Lorry Yellow Lorry aus Leeds ist schwer krank, hei\u00dft es, hatte aber noch dieses finale Album in der Pipeline, &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/red-lorry-yellow-lorry-strange-kind-of-paradise-cop-international-2025\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-8018","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8018","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8018"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8018\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8020,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8018\/revisions\/8020"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8018"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8018"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8018"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}