{"id":7985,"date":"2025-07-11T16:02:45","date_gmt":"2025-07-11T14:02:45","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7985"},"modified":"2025-07-30T22:43:26","modified_gmt":"2025-07-30T20:43:26","slug":"sophie-tassignon-a-slender-thread-nemu-records-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/sophie-tassignon-a-slender-thread-nemu-records-2025\/","title":{"rendered":"Sophie Tassignon \u2013 A Slender Thread \u2013 Nemu Records 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sophie-Tassignon-A-Slender-Thread.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"124\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Sophie-Tassignon-A-Slender-Thread.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7986\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (11.07.2025)<br><br>Dieses Album l\u00e4sst sich nur bedingt unter Jazz einsortieren \u2013 vielmehr lie\u00dfe sich von experimenteller Neo-Klassik sprechen, wie man sie ann\u00e4hernd auch aus den kulturell offeneren Randbereichen der j\u00fcngeren Gothic-Szene kennt. Auf ihrem zweiten Solo-Album \u201eA Slender Thread\u201c r\u00fcckt die in Berlin arbeitende Belgierin Sophie Tassignon ihre Stimme in den Mittelpunkt, mal als Vehikel f\u00fcr deutsche, englische, russische oder arabische Texte, mal als avantgardistische Chorbegleitung, mal als zus\u00e4tzliches Instrument. Au\u00dfer Ambient-Soundscapes sind kaum Instrumente zu h\u00f6ren \u2013 erst im letzten Track wird es pl\u00f6tzlich elektronisch. Dieser Bach rei\u00dft die H\u00f6rerschaft mit.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Denn mit einem Bach beginnt das Album, dem Johann Sebastian n\u00e4mlich: Dessen \u201eErbarme dich\u201c singt Tassignon zur Er\u00f6ffnung. Zun\u00e4chst allein, begleitet sie sich bald mehrstimmig, verschachtelt, als sakralen Satzgesang oder so etwas. Bereits hier kramt die Erinnerung einen Vergleich zu Voca Me hervor, dem Vokalensemble um Sigrid Hausen und Michael Popp. Das St\u00fcck geht \u00fcber in den Titeltrack, von wegen d\u00fcnner Faden: Helle Soundscapes wie aus einem Filmscore leiten die Passage ein, Tassignon singt nun zur\u00fcckhaltender, und pl\u00f6tzlich dreht sich die Stimmung in Richtung Horror, als unheimliche quiekende Stimmen in den Sound eindringen, nur kurz, aber verunsichernd. Denn schnell geht es wieder vertrauter weiter, man h\u00f6rt Sounds wie aus einer Kirchenorgel oder von Streichern, irgendetwas Verfremdetes, aber Wohlklingendes. Zun\u00e4chst ohne Gesang, bietet Tassignon bald \u201eMolitva\u201c dar, \u201e\u041c\u043e\u043b\u0438\u0442\u0432\u0430\u201c, \u201eGebet\u201c, von \u0411\u0443\u043b\u0430\u0442 \u0428\u0430\u043b\u0432\u043e\u0432\u0438\u0447 \u041e\u043a\u0443\u0434\u0436\u0430\u0432\u0430 (Bulat Schalwowitsch Okudschawa). Diese Sequenz klingt fast wie Folklore, bis die spooky Quiekger\u00e4usche zur\u00fcckkehren und Kate Bush dazu verschmitzt l\u00e4chelt. Diese drei St\u00fccke fasst Tassignon als achtzehnmin\u00fctige Einheit auf.<br><br>Mehr Folklore und mehr Russisch bekommt man mit \u201eChornij Voran\u201c, \u201e\u0427\u0451\u0440\u043d\u044b\u0439 \u0412\u043e\u0440\u043e\u043d\u201c, \u201eSchwarzer Rabe\u201c, einem Volkslied, das Tassignon zu einer diffus verfremdeten Gitarre darbietet. F\u00fcr diese Sounds sowie f\u00fcr den letzten Track holte sie sich Unterst\u00fctzung dazu, n\u00e4mlich Kevin Patton aus Washington D.C., der nicht zum ersten Mal mit ihr arbeitet, etwa in dem Projekt Louise et Vilmorin. Tassignon beendet das St\u00fcck, um es mit Morten Harket zu sagen, on a high note und bricht damit einmalig energetisch aus ihrer zumeist mittleren Stimmlage aus, sofern sie nicht als eigene Begleitung eher hintergr\u00fcndig auch mal h\u00f6her singt. Dabei f\u00e4llt auf, dass Tassignon ihre Stimme zwar abenteuerlich verwendet, sie aber sowohl in Stimmlage als auch in Darbietung nie nervig oder anstrengend wird. Fans von Diamanda Gal\u00e1s d\u00fcrften da eventuell entt\u00e4uscht sein.<br><br>Der dritte Track ist zweigeteilt und f\u00fchrt von Russland nach Arabien: \u201eMarhaba\u201c von der Dichterin Ousha bint Khalifa Al Suwaidi (\u0639\u0648\u0634\u0647 \u0628\u0646\u062a \u062e\u0644\u064a\u0641\u0629 \u0627\u0644\u0633\u0648\u064a\u062f\u064a) aus Abu Dhabi startet beinahe wie eine Pianoballade, stellt also im Verlauf dieses Albums eine Besonderheit dar, obschon Tassignon auch hier ihrem eigenen Gesangsstil treu bleibt. Der Song geht nach einer L\u00fccke \u00fcber in \u201eYellow Leaves\u201c, \u201e\u0648\u0631\u0627\u0642 \u0627\u0644\u0635\u0641\u0631\u201c, von Hicham Nasr (\u0647\u0634\u0627\u0645 \u0646\u0635\u0631\u200e), bei dem es sich m\u00f6glicherweise um einen Yoga-Lehrer handelt, das ist nicht so richtig klar; jedenfalls verarbeitete Tassignon bereits ein Lied von ihm auf ihrem Solo-Deb\u00fct \u201eKhyal\u201c. Diese Passage beginnt sie mit Ambient-Soundscapes, bevor sie den Text singt.<br><br>Der vierte und letzte Track \u201eThe Soldier In You\u201c stellt pl\u00f6tzlich eine Unvorhergesehenheit dar: Tassignons Gesang ist unterlegt mit dezentem Electro, nahe an IDM, zudem setzt sie ihre Stimme neben dem abermals recht sakralen Haupt-Gesang experimentell ein, wie ein zus\u00e4tzliches Instrument. Diese Kombination l\u00e4sst erneut an Sigrid Hausen und Michael Popp denken; deren Projekt Qntal geht in eine vergleichbare Richtung. Das Neuprojekt Helium Vola des Qntal-Mitgr\u00fcnders Ernst Horn sei hier ebenfalls als Referenz aufgef\u00fchrt.<br><br>Musik macht Tassignon seit ihrer Kindheit, Alben liegen seit gut 20 Jahren vor. Die nahm sie in Zweier- oder Ensemble-Konstellationen auf, weshalb \u201eA Slender Thread\u201c eben nach \u201eMysteries Unfold\u201c aus dem Jahr 2020 erst als ihr zweites Solo-Album gilt. Was etwas merkw\u00fcrdig ist, schlie\u00dflich existieren noch das Mini-Album \u201eLicht-Raum-Erkundungen\u201c aus dem Jahr 2017 sowie das bereits erw\u00e4hnte \u201eKhyal\u201c aus dem Jahr 2023.<\/p>\n\n\n\n<p>[Edit 30.07.2025] Sophie l\u00e4sst uns zum Thema Solo-Alben wissen: &#8222;[&#8230;] ja, du hast recht: <em>Licht-Raum-Erkundungen<\/em> war 2017 mein erstes Soloalbum \u2013 ganz frei improvisiert und ohne Label, aber nicht im Studio aufgenommen, wie\u00a0<em>Mysteries Unfold\u00a0\u00a0<\/em>und nun &#8222;<em>A Slender Thread.\u00a0<\/em>Deswegen erw\u00e4hne ich es kaum. Und mein Album\u00a0<em>Khyal<\/em> war ein Projekt, in dem f\u00fcnf gro\u00dfartige Musiker*innen mitgewirkt haben, also streng genommen kein Soloalbum :)&#8220; Danke, Sophie!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (11.07.2025) Dieses Album l\u00e4sst sich nur bedingt unter Jazz einsortieren \u2013 vielmehr lie\u00dfe sich von experimenteller Neo-Klassik sprechen, wie man sie ann\u00e4hernd auch aus den kulturell offeneren Randbereichen der j\u00fcngeren Gothic-Szene kennt. 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