{"id":7974,"date":"2025-07-08T22:01:58","date_gmt":"2025-07-08T20:01:58","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7974"},"modified":"2025-07-08T22:01:58","modified_gmt":"2025-07-08T20:01:58","slug":"drazek-fuscaldo-feat-joerg-a-schneider-thymme-jones-certain-kinds-schneider-collaborations-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/drazek-fuscaldo-feat-joerg-a-schneider-thymme-jones-certain-kinds-schneider-collaborations-2025\/","title":{"rendered":"Drazek Fuscaldo feat. J\u00f6rg A. Schneider &amp; Thymme Jones \u2013 Certain Kinds \u2013 Schneider Collaborations 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Drazek-Fuscaldo-Certain-Kinds.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/Drazek-Fuscaldo-Certain-Kinds.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7975\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (08.07.2025)<br><br>Das Album beginnt mit einem Lachen. Dabei wirkt die Musik so ernsthaft und melancholisch: \u201eCertain Kinds\u201c vom Duo Drazek Fuscaldo, bestehend aus Przemys\u0142aw Krzysztof Drazek und Brent J. Fuscaldo von Mako Sica, hier unter Zuhilfenahme von Schlagzeuger J\u00f6rg A. Schneider und Pianist Thymme Jones, l\u00e4sst sich zwischen Neoklassik, Freejazz und Sakralmusik ansiedeln, h\u00e4lt sein Gest\u00fcm im Zaum und l\u00e4sst sich trotz der unkonventionellen Herangehensweise als entspannend auffassen. Und dann dieses Lachen zu Beginn: Als w\u00fcsste man nicht intuitiv sowieso, dass es wohl eine Menge Spa\u00df macht, miteinander solche Musik abseits ausgetretener Pfade zu erstellen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Das Piano macht hier einen elementaren Unterschied. Jones spielt die warmen T\u00f6ne, indes nicht unbedingt Melodien, er improvisiert wie die anderen drei Musiker, doch beh\u00e4lt er sich vor, seinem Spiel eine Sch\u00f6nheit einzuhauchen, Vertr\u00e4umtheit, Entr\u00fccktheit, mal verhuscht getupft, mal glasklar. Dazu spielt Schneider sein Schlagzeug gewohnt zufallsgesteuert, er klickert darauf herum, und darauf hei\u00dft hier auf so ziemlich allem, was sein Kit so mitbringt, und es bringt eine Menge mit, an Hihats, Toms, Snares und was er sonst so im Keller finden konnte. Nur die Bassdrum bleibt eher unangetastet, er passt sein Spiel der zur\u00fcckgenommenen Atmosph\u00e4re harmonisch an.<br><br>Ungew\u00f6hnlich ist der dunkle Gesang, bei dem nicht so richtig eindeutig herauszuh\u00f6ren ist, ob er W\u00f6rter transportiert oder Lautmalereien. Diesen Gesang bringt Fuscaldo gelegentlich in diese Musik ein, und sobald er seine Liturgie losl\u00e4sst, wird das Bild sakral, wird aus dem Gef\u00fchl von Freejazz-Klassik etwas Beschw\u00f6rendes. Irgendwann dringt dann Drazeks Trompete in den Hallraum. als Lure im Wald, als Wal im Meer, der Anteil an Jazz vergr\u00f6\u00dfert sich, w\u00e4hrend das Piano doch so etwas wie Loops, also kurz vor Melodien, in den Raum stellt und Schneiders Schlagzeug klingt wie Sommerregen.<br><br>Und das war lediglich der 25min\u00fctigene Opener \u201eCore\u201c. Die n\u00e4chsten 28 Minuten geh\u00f6ren \u201eThe Gate\u201c, das mit einer orientalischen Gitarrenmelodie startet und das der Gesang in Kombination mit einem tats\u00e4chlich rhythmischen leisen Schlagzeug und dem Piano zu einem schamanischen Jazzst\u00fcck umdeutet. Sp\u00e4testens mit der R\u00fcckkehr der Trompete beginnt das St\u00fcck zu grooven wie Sau. Das \u00e4ndert sich indes nach kurzer Zeit: Ein Break kippt den Track komplett um, zur\u00fcck zum Freien, Unformatierten. Bis auf das Schlagzeug bekommen die Instrumente einen h\u00e4rteren Anschlag und auch mal die Neigung zur Atonalit\u00e4t, ohne indes l\u00e4rmig zu werden. Im Gegenteil, auch diese latent aufgeregte Stimmung mildert das Quartett bald wieder ab und l\u00e4sst sie abermals anschwellen, immerzu im behutsam vollzogenen Wechsel.<br><br>Auch das Viertelst\u00fcndige \u201eBrain In Tangles\u201c beginnt wie ein oldschooliges Jazzst\u00fcck mit hart angeschlagenem Piano und gegens\u00e4tzlich weichem Schlagzeug, hier h\u00f6rt man den Gesang \u00fcberdies tats\u00e4chlich den Titel formulieren. Bald dringt beinahe unbemerkt, wie in allen vier St\u00fccken dieses Albums, etwas in den Hintergrund, das man kaum wahrnimmt, eine Fl\u00e4che, wie ein Drone, wie Soundscapes, nur selten so intensiv angelegt, dass sie deutlich ins Bewusstsein einflie\u00dft, aber fortw\u00e4hrend die Gesamtstimmung mitgestaltet. Und irgendwo kurvt Frank Bullitt mit seinem Ford Mustang GT Fastback durch San Francisco, dieses Mal allerdings nachts. Bis das Quartett nach der H\u00e4lfte abermals die festen Strukturen aufgibt und die H\u00f6renden ins ungreifbare Nichts entl\u00e4sst, zumindest vor\u00fcbergehend, versteht sich: Zun\u00e4chst beginnt Schneider, in der Stille mit seinen Sticks zu klickern, dann gesellt sich das Piano klimpernd hinzu, auch der Gesang, und als gerade ein Drone so richtig fett werden will, bricht das St\u00fcck ab.<br><br>Die letzten T\u00f6ne wiederholen sich im Beginn des neunmin\u00fctigen \u201eDeviation\u201c, nur ohne den Abbruch, hier setzt das Quartett die Reise fort, angereichert mit einer h\u00f6rbaren Gitarre, mit der der Sound beinahe an Sq\u00fcrl denken l\u00e4sst, nur mit Gesang und Trompete. Das Quartett bleibt von vornherein beim Nichtfig\u00fcrlichen und generiert eine dunkle, vertr\u00e4umte Stimmung, so einnehmend, dass man die Zeit gar nicht vergehen sp\u00fcrt. Man m\u00f6chte gar nicht, dass es endet.<br><br>\u201eCertain Kinds\u201c \u00fcberrascht damit, dass es f\u00fcr eine improvisierte Aufnahme vierer Krachmenschen so wundersch\u00f6n geraten ist. Viele der Beteiligten halten sich sogar so sehr zur\u00fcck, dass man die Instrumente, die sie verwenden, kaum heraush\u00f6rt. Gut, bei Schneider und Jones ist es einfach, aber nicht bei den Hauptakteuren: Drazek spielt neben der Trompete noch Fl\u00fcgelhorn, E-Gitarre, Mandoline und Percussion, von Fuscaldo h\u00f6rt man au\u00dfer dem Gesang noch E-Gitarre, Geige, Bass und Percussion. Oder auch nicht, weil so zur\u00fcckhaltend gespielt.<br><br>In dieser Zusammensetzung kamen die vier Musiker nach leichter Recherche erstmals zusammen, hei\u00dft also: F\u00fcr Schneider und Jones d\u00fcrfte es eine Premiere sein. Schneider spielte mit Drazek Fuscaldo aus Chicago bereits h\u00e4ufiger zusammen, erstmals vermutlich als Havre de Grace, und auch Jones war mehrfach Gast bei Mako Sica. D\u00fcrfen die vier gern fortsetzen! Nicht herauszufinden ist indes, wof\u00fcr das J. in Brent J. Fuscaldo steht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (08.07.2025) Das Album beginnt mit einem Lachen. Dabei wirkt die Musik so ernsthaft und melancholisch: \u201eCertain Kinds\u201c vom Duo Drazek Fuscaldo, bestehend aus Przemys\u0142aw Krzysztof Drazek und Brent J. 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