{"id":7911,"date":"2025-06-20T15:33:28","date_gmt":"2025-06-20T13:33:28","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7911"},"modified":"2025-06-22T20:59:13","modified_gmt":"2025-06-22T18:59:13","slug":"28-years-later-danny-boyle-gb-usa-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/28-years-later-danny-boyle-gb-usa-2025\/","title":{"rendered":"28 Years Later \u2013 Danny Boyle \u2013 GB\/USA 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Kino-Film1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"178\" height=\"100\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Kino-Film1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-667\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (20.06.2025)<br><br>Der einzige Grund, sich \u201e28 Years Later\u201c anzusehen, den \u2013 ja: \u2013 ersten Teil des dritten Teils der Zombie-Serie von Danny Boyle, ist die \u00c4sthetik: Gedreht mit dem iPhone 15 pro, sieht der Film gleichzeitig unmittelbar, ultrahoch definiert und verwaschen aus. Kombiniert mit der Neunziger-Retro-Ballermucke der Young Fathers ergibt das einen netten Videoclip. Man sollte aber darauf verzichten, sich auf die Handlung einzulassen \u2013 die ist erb\u00e4rmlich furchtbar. Ach ja, und die Doppelb\u00f6digkeit: Brexit, Corona, das Querdenker-Virus, schon verstanden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Danny Boyle ist nicht der erste Regisseur, der auf die Idee kommt, einen Film mit dem Smartphone zu drehen, und er wird mit Sicherheit auch nicht der letzte sein. Die Apparatur verleiht den Drehenden unendliche M\u00f6glichkeiten, gerade weil sie so klein und handlich ist: ungew\u00f6hnliche Perspektivwechsel, schnelle Bewegungen, enge wie weite R\u00e4ume, der Ger\u00e4t ist \u00fcberall einsetzbar, und das macht Boyle auch. F\u00fcr den Film bedeutet das, dass man Bilder, Schwenks und Schnitte zu sehen bekommt, die auch nach Jahrzehnten der Filmkunst etwas Neues beisteuern. Die kurzen Stops, sobald ein Pfeil einen Zombie durchschl\u00e4gt, mit Freeze auf dem Impact, sind zus\u00e4tzliche Besonderheiten, die Boyle unterbringt. Nach Art der Neunziger garniert Boyle seine Bilder zudem mit krachender Mucke der Young Fathers.<br><br>Zudem bringt das Material selbst eine \u00c4sthetik mit, die man mit Zelluloid oder digitalen Profi-Kameras nicht so einfach hinbekommt: Das Bild ist gleichzeitig ultrahoch definiert und verwaschen. Das k\u00f6nnte so wirken, als handele es sich um Found Footage, doch gibt die Story das gar nicht her, weil es im Gro\u00dfbritannien 28 Jahre nach Ausbruch des Rage-Virus\u2018, das Menschen zu Zombies macht, keine Elektrizit\u00e4t und erstrecht keine Smartphones mehr gibt. So kann Boyle es sich also leisten, seine hyperrealistischen Bilder artifiziell zu bearbeiten und kunstvolle bis psychedelische Spielereien einzubauen, die das Auge erfreuen. Der Lauf des Vater-Sohn-Gespanns \u00fcber den Damm zur Insel mit dem Rabenumkreisten Alpha-Zombie auf den Fersen vor dem Hintergrund von Nordlichtern ist jedenfalls gleichzeitig spannend, dramatisch und sch\u00f6n.<br><br>Und damit bedauerlicherweise die einzige Szene des Films, auf die diese Attribute passen. Daf\u00fcr kurz zur Handlung \u2013 und kurz reicht da aus: Eine Gruppe Nichtinfizierter verbarrikadiert sich auf der Gezeiteninsel Lindisfarne (ausgerechnet), die nur \u00fcber einen Ebbepfad mit dem Britischen Festland verbunden ist. Da m\u00fcssen die Leute bisweilen hin, um Rohstoffe zu sammeln, was kein Spaziergang ist, weil \u00fcberall wahlweise ultraschnelle oder extrem langsame Zombies lauern. \u00dcberlebensregeln zu lernen ist wichtig, und so setzt ein Vater seinen Sohn dem Initiationsritus aus, sich bis zur n\u00e4chsten Flut auf dem Festland mit Pfeil und Bogen Zombies zur Wehr zu setzen. Die dazugeh\u00f6rige Mutter ist irgendwie krank, und als das Gespann knapp gerettet ins Dorf zur\u00fcckkehrt und der Vater mit irgendwem anders poppt, gehen dem Bengel die Sicherungen durch. Er h\u00f6rt von einem alten Arzt auf dem Festland, schnappt sich seine Mutti und macht sich auf die Suche nach dem Wunderdoktor. Erfolgreich, doch mit einer den Sch\u00e4del zum Kochen bringenden Diagnose. \u00c4h: Dann bringt der Junge ein von einer Zombiefrau geborenes Baby zu seinem Dorf und schlie\u00dft sich auf dem Festland einer Horde bekloppter Droogs an, die nach Klonen von Richard D. James aussehen und lustvoll Zombies schlachten. Cliffhanger f\u00fcr die Fortsetzung.<br><br>Was man vom ersten Teil \u201e28 Days Later\u201c noch kennt, sind die schnellen Zombies. Der Kniff damals war, dass man die blutigen Attacken nicht klar und direkt zu sehen bekam, sondern verhuscht im Dunkeln, und dass das T\u00f6ten daher nicht direkt auf der Leinwand, sondern im Kopf der Betrachter stattfand. Daran h\u00e4lt sich Boyle hier nicht mehr. Und das nimmt einiges an Schrecken. Zus\u00e4tzlich dazu, dass er Schreckmomente hier komplett schnell und unspektakul\u00e4r aufl\u00f6st. Der erste solche findet in einem verlassenen Haus statt \u2013 und es handelt sich beim Schreckerzeuger allen Ernstes um die verfickt nochmal seit Jahrzehnten in jedem verpupsten Horrorfilm oder Thriller als Pseudo-Schock auftauchende fl\u00fcchtende Katze. Gotteswillen. Danach gestaltet Boyle kaum noch ernsthaft spannende Momente, und treten sie dennoch ein, h\u00fcpft jedes Mal ein Jack In The Box hinter einem Geb\u00fcsch hervor und kl\u00e4rt die Situation. Kann man sich drauf verlassen. Spannend. Als Drittes nimmt das Tageslicht viel Schrecken, alles ist sofort sichtbar.<br><br>Je weniger Zombies Thema des Film sind, umso mehr tritt der Rest in den Vordergrund. Den guckte sich Boyle angeblich bei Ken Loachs Film \u201eKes\u201c ab, und mal ehrlich, nicht nur da: Vater-Sohn-Drama, Mutter-Sohn-Drama, Coming Of Age, Suche nach Heilung und Erl\u00f6sung, blablabla. Das ist so eine d\u00fcnne Handlungsdecke, dass man selbst bei einem Horrorfilm noch ungl\u00e4ubig staunt. Diese Decke wird noch umso d\u00fcnner, je mehr Quatsch Boyle mit einwebt. Zun\u00e4chst wachsen einem die Figuren \u2013 bis auf den Arzt \u2013 kein Bisschen ans Herz. Das liegt einmal daran, dass man deren Motivation wahlweise nicht versteht oder nicht nachvollzieht; erste H\u00e4lfte: Warum atzt ihr durch den Wald voller Zombies, lasst das doch? Zweite H\u00e4lfte: Nur, weil der pubertierende Knabe unzufrieden ist, h\u00e4lt er sich nach einem ersten Ritt durch die H\u00f6lle f\u00fcr Superheld und schleift seine Mudder durch den Wald? Diggi, such dir nen Kinderpsychologen und komm zur Besinnung. Der Bruch mit dem Dad kommt zudem reichlich unmotiviert \u2013 weder Dialog noch Bitte um Verst\u00e4ndnis, sondern gleich komplette Ablehnung. Na dann, auch egal. Genau wie das immerhin optisch nett inszenierte Schicksal der Mutter: Naja, dann tsch\u00fc\u00df, nech. Und zum Anderen sind die Figuren selbst nicht sonderlich tief gezeichnet. Hei\u00dft also: Was an \u201e28 Years Later\u201c nicht Zombie-Horror ist, ist banaler Schei\u00df. Und der ist in der \u00dcberzahl.<br><br>Solcher wie dieser: Es gibt pl\u00f6tzlich st\u00e4rkere Endgegner, Alpha genannt, die nicht wie die anderen mit nur einem Pfeil zu erlegen sind. Ein solcher schw\u00e4ngert eine Zombiefrau, die in einem aufgelassenen Zug ein Baby gebiert, das Mutter und Sohn ihr zur Welt zu bringen helfen und feststellen, dass dieses Neugeborene nicht infiziert ist, \u201eWunder der Plazenta\u201c, wie der Arzt sp\u00e4ter treffend sagt. Jener Arzt nun ist ein solcher Jack In The Box, der n\u00e4mlich den angreifenden Alpha \u2013 bet\u00e4ubt, nicht t\u00f6tet, weil er ihn seit drei Jahren studiert und damit fortfahren will. Dann randaliert der Alpha sp\u00e4ter in der Unterkunft des Arztes, weil er sein Baby sucht, und wieder wird er nur bet\u00e4ubt, zumindest vermutlich. Beste Idee mit diesem Wissen: das Blag zur Insel der Gesunden bringen, klar.<br><br>Die Unterkunft des Arztes: Mutter, Sohn, Baby und Doc \u00fcberqueren vermittels einer Seilkonstruktion einen Fluss und der Arzt sagt, \u201edas h\u00e4lt sie ab\u201c. Was genau: das Seil? Oder die Knochent\u00fcrme, die der Arzt auf der anderen Seite des Ufers errichtete? Wie soll das funktionieren, egal welches von beiden? Schlie\u00dflich ist die andere Seite eines Flussufers ja keine Insel. Was eben kurz darauf schon deutlich wird, wenn der Alpha einbricht.<br><br>Ein sch\u00f6ner Kniff ist, dass Boyle immer wieder historisches Filmmaterial mit vergleichbaren Szenerien in die Plausibilisierungsszenen der Zombie-Apokalypse hineinschneidet, das ist \u00e4sthetisch gut gelungen und zudem anschaulich. Wie aus dem Nichts indes entwickelt sich eine solche vermeintliche Erkl\u00e4rszene zu einer Nebenhandlung: Ein Rudel Soldaten fl\u00fcchtet wild um sich schie\u00dfend vor Zombies und nur einer kann \u00fcberleben. Okay, na gut. Dann verbarrikadieren sich Mutter und Sohn in einer Shell-Tankstelle \u2013 Zuschauer entdecken hier Relikte ihrer Zivilisation wieder, ach guck, und auf dem Logo der Tanke fehlt das \u201eS\u201c, wie sinnig \u2013 vor anst\u00fcrmenden Zombies, und pl\u00f6tzlich ist der \u00fcberlebende Soldat aus dem vermeintlichen R\u00fcckblick ein Jack In The Box und schlie\u00dft sich dem Duo nach der Rettung widerwillig an. Ein klares Wow an Drehbuchschreiber Alex Garland.<br><br>Der Soldat h\u00e4tte auch ohne die parallel gezeigte Vorgeschichte auftauchen und seine Geschichte dann einfach erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, das w\u00e4re effektvoller gewesen. Denn an sich ist diese Figur Teil eines Pluspunktes von \u201e28 Years Later\u201c, n\u00e4mlich, dass es eine Au\u00dfenwelt gibt, von der man auch erf\u00e4hrt. Der Schwede ist n\u00e4mlich Teil einer Milit\u00e4r-Patrouille, die die Quarant\u00e4ne \u00fcberwacht, in die der Rest der Welt Gro\u00dfbritannien zwang. An Land gelangte seine Truppe als Folge eines Unfalls. Die zivilisatorischen Schw\u00e4nke, die er mit in den Film bringt \u2013 \u201eich kenne eine, die hat auch eine solche Allergie\u201c \u2013, sind dann wiederum eher so naja.<br><br>Wenn wir schon beim eher Guten des Films sind: Ralph Fiennes ist bestens besetzt. Wie er jodbepinselt \u2013 woher hat er so viel davon? \u2013 durch die W\u00e4lder streift und sich abgebr\u00fcht der Bedrohung stellt, das beeindruckt. Auch schick ist der Anfang, der noch 28 Jahre vor der Haupthandlung angesetzt ist, mit ver\u00e4ngstigten Kindern, die \u201eTeletubbies\u201c gucken, w\u00e4hrend die Pandemie ins Haus einbricht und nur eines der Kinder verschont, das ist gut und kompromisslos inszeniert. Wenngleich der Link zur Story 28 Jahre sp\u00e4ter fehlt \u2013 soll der Junge der sp\u00e4tere Vater sein? Zuletzt: So wenig man sich auch mit den Charakteren identifizieren kann \u2013 Alfie Williams spielt den Zw\u00f6lfj\u00e4hrigen \u00fcberzeugend. Er scheint der einzige zu sein, der neben Herumlaufen und Leiden auch Mimik beherrscht. Ach, und: Die Landschaftsaufnahmen sind sch\u00f6n.<\/p>\n\n\n\n<p><a><\/a> Nun also endet der Film damit, dass sich der Junge einer Gruppe Festland-Nichtinfizierter anschlie\u00dft, die mit umgedrehten Kreuzen an ihrer wei\u00dfen Einheitskleidung in grotesk-albernen Choreographien Zombies zerlegt. Na, und das vom Alpha gejagte Baby auf der Insel d\u00fcrfte noch eine Rolle spielen. Den zweiten Teil \u201e28 Years Later: The Bone Temple\u201c gibt es bereits, von Boyle indes lediglich produziert, Regie f\u00fchrte die New Yorkerin Nia DaCosta. Einen dritten Teil verspricht Boyle nur dann, wenn sich die Heimkino-Zweitverwertung von \u201e28 Years Later\u201c als rentabel erweist. Vielleicht dauert das ja weitere 28 Jahre, und dann sind der Bengel und das Baby-M\u00e4dchen ein Paar, mal so als Prognose. Ob man sich das alles dann noch angucken will, ist die andere Frage. Boyle best\u00e4tigt sich einmal mehr als Gl\u00fccksregisseur: Dreht er gute Filme, sind die sehr gut, doch nicht alle seine Filme sind gut, und dann sind sie nicht einfach nur nicht gut, sondern Schei\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>[Edit 22.06.2025] Micha erfuhr, was es mit dem Jungen aus der Er\u00f6ffnungsszene auf sich hat, und um nicht zu spoilern sei lediglich mitgeteilt: Es gibt eine Klammer um den Film, die schl\u00fcssig erscheint.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (20.06.2025) Der einzige Grund, sich \u201e28 Years Later\u201c anzusehen, den \u2013 ja: \u2013 ersten Teil des dritten Teils der Zombie-Serie von Danny Boyle, ist die \u00c4sthetik: Gedreht mit dem iPhone 15 pro, sieht der Film gleichzeitig unmittelbar, &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/28-years-later-danny-boyle-gb-usa-2025\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-7911","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kino"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7911","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7911"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7911\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7915,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7911\/revisions\/7915"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7911"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7911"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7911"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}