{"id":7908,"date":"2025-06-20T00:09:05","date_gmt":"2025-06-19T22:09:05","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7908"},"modified":"2025-06-20T00:09:05","modified_gmt":"2025-06-19T22:09:05","slug":"neil-young-and-the-chrome-hearts-talkin-to-the-trees-reprise-records-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/neil-young-and-the-chrome-hearts-talkin-to-the-trees-reprise-records-2025\/","title":{"rendered":"Neil Young and The Chrome Hearts \u2013 Talkin\u2019 To The Trees \u2013 Reprise Records 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Neil-Young-and-The-Chrome-Hearts-Talkin-To-The-Trees.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/Neil-Young-and-The-Chrome-Hearts-Talkin-To-The-Trees.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7909\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (18.06.2025)<\/p>\n\n\n\n<p>Ich hatte ja in letzter Zeit keine Hehl daraus gemacht, dass mir Neil Young mit seiner Ver\u00f6ffentlichungswut\/-flut so ein ganz kleines bisschen auf den Sack geht \u2013 aber mal ehrlich, ein Jahr ohne minnichstens drei neue Young-Ver\u00f6ffentlichungen (eine neue Aufnahme plus zwei aus den Archiven in exzellenter Tonqualit\u00e4t herausgebuddelten Liveaufnahmen aus den 1970ern, die sich in etwa so anh\u00f6ren wie die Studio-Aufnahmen von damals, wobei es da ja auch immer noch Studioaufnahmen aus den 1970er Jahren gibt, die damals nicht ver\u00f6ffentlicht wurden, aber daf\u00fcr dann auf anderen Studiover\u00f6ffentlichungen aus der damaligen Zeit, die sich fast genauso anh\u00f6ren wie das, was jetzt als nicht ver\u00f6ffentlichtes Album von damals nun doch ver\u00f6ffentlicht wird \u2013 gengan\u2019s schee\u00dfn, Mr. Young) ist nun auch aus meiner Sicht ein verlorenes Jahr, und so sei es drum, dass Young heuer au\u00dfer dem \u201eCoastal Soundtrack\u201c mit wirklich guten und rewiederneuver\u00f6ffentlichungswerten Rewiederneuver\u00f6fffentlichungen alter Songs nun auch noch ein Album mit neu ausgedachten Liedern heraushaut.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>\u201eTalkin\u2019 To The Trees\u201c hei\u00dft es, und Neil Young hat es zusammen mit seiner neuen Band \u201eThe Chrome Hearts\u201c eingespielt. Diese besteht au\u00dfer aus Young selber aus Spooner Oldham, der Young schon als Mitglied der International Harvesters (ein wahrhafter Welt-Name f\u00fcr eine Begleitband), der Stray Gators und auch sonst schon oft unterst\u00fctzte, so zum Beispiel an der Orgel auf dem ganz wunderbaren \u201eHarvest Moon\u201c, Corey McCormick und Anthony LoGerfo, die schon zu Zeiten von \u201eNeil Young and Promise Of The Real\u201c mit Neil Young zusammengespielt haben, n\u00e4mlich als Teil von \u201ePromise Of The Real\u201c, sowie Micah Nelson, der sich auch schon als Begleitmusiker f\u00fcr seinen Vater Willie (sowie als dessen Co-Songwriter) mehr als nur einen Namen gemacht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Erste Dinge zuerst: Youngs Stimme klingt auf diesem Album immer noch genau so, wie wir sie h\u00f6ren wollen: Hoch, teils schneidend, manchmal aggressiv, aber irgendwie auch immer die H\u00f6renden warm und gef\u00fchlvoll umschmeichelnd. Und ein neues Young-Album begr\u00fc\u00dfe ich immer nochmal mehr als eine neue Ver\u00f6ffentlichung aus des Meisters 1970er-Jahre-Archiven. Weil ich bei neuen Alben des mittlerweile 79j\u00e4hrigen immer wieder aufs Neue mitbekomme, dass Young es noch drauf hat, dass er toll Gitarre spielt, dass er toll singt und vor allem, dass er immer noch Wichtiges zu sagen hat.<\/p>\n\n\n\n<p>So zum Beispiel bei \u201eLet\u2019s Roll Again\u201c (wir erinnern uns noch alle an \u201eLet\u2019s Roll\u201c vom 2002er, zusammen mit Booker T. &amp; The MG\u2019s aufgenommenen Album \u201eAre You Passionate\u201c, auf dem sich Young in die Passagiere des Fluges hineinversetzte, der im World Trade Center endete), ein St\u00fcck, das melodisch sehr nach \u201eThis Land Is Your Land\u201c klingt und in dem sich Autofreak Young an die drei gro\u00dfen amerikanischen Autobauer Ford, GM und Chrysler wendet und sie dazu auffordert, endlich etwas zu bauen, das nicht die eigenen Kinder t\u00f6tet und sauber l\u00e4uft. Auch, dass China sowas inzwischen besser kann, erw\u00e4hnt Young in dem Song. Und Faschisten sollen ruhig Tesla kaufen, schei\u00dfegal, ob der elektrisch f\u00e4hrt. \u201eOver in China, they&#8217;re way ahead \/ That&#8217;s hard to swallow, they&#8217;re way ahead\u201c ist schon mal eine Ansage von einem Kanadier, der sich die USA als seine Heimat ausgesucht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Die ersten drei Songs des Albums sind sehr familienbezogen. \u201eFamily Life\u201c beispielsweise ist ein wundersch\u00f6n herzerw\u00e4rmender Song, in dem Young f\u00fcr jedes Kind und Enkelkind eine eigene Zeile \u00fcbrig hat, und das alles zu wunderbarer fr\u00f6hlicher Folk-Musik. Nicht mal Zeilen wie \u201eSinging for my best wife ever \u2013 The best cook in the world\u201c kann man ihm \u00fcbelnehmen, au\u00dferdem erf\u00e4hrt man so ja auch, dass Darryl Hannah wohl recht gut kochen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDark Mirage\u201c klingt dann schon sperriger \u2013 Youngs Vortrag h\u00f6rt sich irgendwo nach \u201eFreedom\u201c oder \u201eRagged Glory\u201c, also 1989 bis 1990 an \u2013 und er singt \u00fcber einen Konflikt mit seiner Tochter (\u201eWell I lost my little girl to the darkness inside \/ Her mama&#8217;s gone now, and there&#8217;s nowhere to hide\u201c), den er aber nur andeutet und nicht eindeutig beim Namen nennt. Jedem Vater einer Tochter, dem Konflikte nicht fremd sind, stehen hier die Tr\u00e4nen in den Augen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf einigen Songs kommt Young von wegen so der Musik und der Stimmung und so an \u201eHarvest Moon\u201c von 1991 heran \u2013 beispielsweise auf \u201eFirst Fire Of Winter\u201c. Sch\u00f6\u00f6n mit Mundharmonika, sehr hohem Gesang und trauriger Melodie.<\/p>\n\n\n\n<p>Musikalischen Krach, f\u00fcr den Neil Young ja ebenfalls bekannt ist, gibt es gl\u00fccklicherweise auf \u201eTalkin\u2019 To The Trees\u201c ebenfalls zu h\u00f6ren. N\u00e4mlich auf \u201eBig Change\u201c. Youngs Stimme r\u00f6hrt beinahe heiser und vor allem aggressiv, die Gitarre dr\u00f6hnt und r\u00fcckkoppelt, wie man es von Young h\u00f6ren will, und der Text macht deutlich, dass \u201ebig change\u201c mit dem derzeitigen Pr\u00e4sidenten wohl nicht so schnell kommen wird. Dann wieder Folk, auch sehr sch\u00f6n mit Mundharmonika (\u201eTalkin\u2019 To The Trees\u201c, der Titelsong) und sehr gef\u00fchlvoll-sentimentalem Vortrag. Hier h\u00f6re ich all das heraus, was ich damals, als ich mir Young als K\u00fcnstler meines Vertrauens erschloss, n\u00e4mlich zu Zeiten von \u201eHarvest Moon\u201c und \u201eUnplugged\u201c in den fr\u00fchen 1990ern, so gro\u00dfartig und einzigartig an ihm fand und immer noch finde.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMovin\u2019 Ahead\u201c ist dann nochmal ein Bluesrockkracher, bei dem Young gef\u00fchlt drei Meter hinter dem Mikro steht und in es hineinschreit, \u201eBottle Of Love\u201c ist dann nochmal ein wunderbarer Appell, alle Menschen zu lieben (h\u00e4tte vom Sound auch gut auf \u201eHarvest Moon\u201c gepasst), und handelt davon, alle Tr\u00e4nen in einer Flasche der Liebe aufzubewahren (und der Verlierer muss sie dann austrinken, h\u00e4tte ich fast in Erinnerung an ein \u00e4hnlichlautendes Weinprobenzitat meines Herausgebers aus 2005 gesagt, zum Gl\u00fcck bleibe ich manchmal einfach stumm und spreche meine Gedanken nicht aus) \u2013 und der Abschlusssong \u201eThankful\u201c haut nochmal einmal mehr in die \u201eHarvest Moon\u201c-Kerbe und l\u00e4sst uns H\u00f6rende dann doch recht dankbar daf\u00fcr zur\u00fcck, was Neil Young auf seine alten Tage noch an toller Musik so raushaut. Aus autobiografischer Sicht muss ich dann noch anf\u00fcgen, dass Young, als ich ihn 1993 mit \u201eUnplugged\u201c f\u00fcr mich entdeckte, mit 47 Jahren deutlich j\u00fcnger war, als ich es heute bin, seine richtig gro\u00dfen Zeiten mit \u201eAfter The Gold Rush\u201c, \u201eHarvest\u201c, \u201eRust Never Sleeps\u201c und sogar \u201eFreedom\u201c dennoch schon irgendwie hinter sich hatte, und es trotzdem immer wieder geschafft hat, weltbewegende Musik zu ver\u00f6ffentlichen, wie zum Beispiel \u201eMirror Ball\u201c, zusammen mit Pearl Jam 1995, \u201eGreendale\u201c 2003, \u201eLiving With War\u201c 2006 \u2013 eins der apseluten \u201eWir-sind-durch-mit-George-W\u201c-Alben aller Zeiten, unglaublichen Noise-Experimenten wie \u201eLe Noise\u201c (2010, produziert von Daniel Lanois) oder auch \u201eA Letter Home\u201c (2014), aufgenommen unter der Produktion von Jack White in einer Vinylaufnahmebox aus den 1940er Jahren. Nun hier also eine R\u00fcckbesinnung auf musikalische Zeiten vor knapp 40 Jahren mit aktuell bewegenden Themen in den Texten \u2013 perfekt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (18.06.2025) Ich hatte ja in letzter Zeit keine Hehl daraus gemacht, dass mir Neil Young mit seiner Ver\u00f6ffentlichungswut\/-flut so ein ganz kleines bisschen auf den Sack geht \u2013 aber mal ehrlich, ein Jahr ohne minnichstens drei neue &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/neil-young-and-the-chrome-hearts-talkin-to-the-trees-reprise-records-2025\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-7908","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7908","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7908"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7908\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7910,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7908\/revisions\/7910"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7908"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7908"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7908"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}