{"id":7848,"date":"2025-06-15T21:08:14","date_gmt":"2025-06-15T19:08:14","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7848"},"modified":"2025-06-15T21:08:14","modified_gmt":"2025-06-15T19:08:14","slug":"the-young-gods-appear-disappear-two-gentlemen-records-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-young-gods-appear-disappear-two-gentlemen-records-2025\/","title":{"rendered":"The Young Gods \u2013 Appear Disappear \u2013 Two Gentlemen Records 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/The-Young-Gods-Appear-Disappear.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/The-Young-Gods-Appear-Disappear.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7849\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Guido D\u00f6rheide (14.06.2025)<\/p>\n\n\n\n<p>Von den Young Gods aus der Schweiz habe ich \u2013 damals als Kind \u2013 zuerst gelesen, dann ihre dritte Ver\u00f6ffentlichung \u201ePlay Kurt Weill\u201c (mit wunderbaren Industrial-Versionen von Songs aus der \u201eDreigroschenoper\u201c und \u201eAufstieg und Fall der Stadt Mahagonny\u201c) geh\u00f6rt, bei meinem Gifhorner Freund Klaus, dem ich ohnehin einen gro\u00dfen Teil meiner musikalischen Sozialisierung zu verdanken habe.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Und dann erschien \u201eT.V. Sky\u201c, 1992 war das; ich kaufte mir die CD und war seitdem f\u00fcr einige Jahre den Young Gods verfallen. Kaufte mir die ersten beiden Alben \u201eThe Young Gods\u201c und \u201eL\u2019Eau Rouge\u201c \u2013 beide komplett in franz\u00f6sischer Sprache gesungen, die besagte \u201ePlay Kurt Weill\u201c und dann noch \u201eOnly Heaven\u201c (1995). Danach war erstmal Schluss und ich kriegte nicht mehr mit, dass es mit der damaligen Besetzung Franz Treichler (Gesang, inzwischen auch Gitarre), Keyboarder Alain Monod und Schlagzeuger \u00dcse Hiestand erstmal vorbei war, man mit \u00dcses Nachfolger Bernard Trontin aber beiging, weitere Alben aufzunehmen. Das ging bis 2010, \u201eEverybody Knows\u201c hie\u00df das damalige Werk, dann gab es eine Pause bis 2019, wo sich The Young Gods mit \u201eDATA MIRAGE TANGRAM\u201c eindrucksvoll zur\u00fcckmelden. In der ver\u00f6ffentlichungslosen Zeit, n\u00e4mlich 2012, ist auch der urspr\u00fcngliche Samplerk\u00f6nig Cesare Pizzi wieder zur Band gesto\u00dfen und bis heute geblieben, er bediente die Elektronik auch schon auf den ersten beiden Alben der jungen G\u00f6tter. Kurze Zeit sp\u00e4ter k\u00fcmmerte auch ich mich wieder darum, was ich wohl verpasst h\u00e4tte, und stellte fest: Einiges.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu Zeiten von \u201eT.V. Sky\u201c bestand die Musik der Young Gods aus Treichlers bei\u00dfendem Gesang (der Mann hat eine Stimme, die zum einen Kruppstahl schneiden kann und zum anderen dennoch eine ziemliche W\u00e4rme besitzt, zudem singt er Englisch mit franz\u00f6sischem und Franz\u00f6sisch mit englischem Akzent), einem echten Schlagzeug, elektronischen Ger\u00e4uschen und gesampleten Gitarren. Bis \u201eSuper Ready \/ Fragment\u00e9\u201c (2007) ging es so weiter, dann kam 2008 ein Akustik-Album mit faszinierenden Versionen alter St\u00fccke heraus, und \u201eEverybody Knows\u201c (2010) enthielt \u00fcberraschen viele tolle ruhige St\u00fccke. \u201eDATA MIRAGE TANGRAM\u201c, das 2019er Comeback-Album, war dann eher von ruhiger Elektronik gepr\u00e4gt, aber die Klammer f\u00fcr all diese Alben bildete stets der unverkennbare Gesang Franz Treichlers. Mit \u201ePlay Terry Riley In C\u201c (2022) sollte sich das gr\u00fcndlich \u00e4ndern: Weg vom Industrial Rock und hin zum elektronischen Minimalismus, Rileys Hauptwerk \u201eIn C\u201c wird in ganz hervorragender Art und Weise aufgef\u00fchrt und mit einem Dokumentarfilm komplettiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Und wer nun denkt, die Young Gods sind seitdem weg von dessen, was sie ausmacht, und widmen sich nun einem wie auch immer gearteten Alterswerk, der hat falsch gedacht: Mit \u201eAppear Disappear\u201c kehren Treichler, Pizzi und Trontin nun direkt wieder zu \u201eT.V. Sky\u201c zur\u00fcck: Knochentrockenes Schlagzeug, harte Gitarren, Treichlers unbarmherziger Gesang, elektronische Effekte und Samples, das k\u00f6nnen die Young Gods immer noch so wie vor weit \u00fcber 30 Jahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Titelsong reicht eigentlich schon, um sich in damalige Zeiten zur\u00fcckgesetzt zu f\u00fchlen, und das auf angenehmste Art und Weise. \u201eSystemized\u201c beginnt dann mit warmer Elektronik, typischem Treichler-Gesang und dumpf-zur\u00fcckgenommenen Gitarrensamples. Nach gut der H\u00e4lfte des Songs bricht dann das Inferno los, die Gitarre wird l\u00e4rmender, dann eine kurze Pause und etwas \u00e4hnliches wie ein Solo, danach kehrt der Song wieder in die Rhythmik und Monotonit\u00e4t des Anfangs zur\u00fcck \u2013 so wollen wir die Young Gods h\u00f6ren. Auf \u201eBlue Me Away\u201c bilden die krachige Musik und Treichlers hymnischer Gesang einen nicht nur interessanten, sondern wirklich tollen Gegensatz, das Schlagzeug h\u00e4mmert wie ein Specht, die Elektronik und die Gitarren quietschen um die Wette, Treichler singt den Blues und f\u00e4ngt dann irgendwann an, zu br\u00fcllen, um schnell wieder in den Blues zur\u00fcckzuverfallen. So innovativ und frisch klingt nicht jede Band, die schon seit \u00fcber 40 Jahren im Gesch\u00e4ft ist (\u201eThe Young Gods\u201c erschien 1987 und die Band existiert seit 1984). Man denke an die Rolling Stones in den 90er und 2000er Jahren. Oder man denke besser nicht. Und w\u00fcnsche sich einen \u201eJetta Young Gods\u201c von der Volkswagen-Firma, als Antwort auf den Rolling-Stones-Golf.<\/p>\n\n\n\n<p>Und dann \u201eHey Amour\u201c \u2013 auf diesem St\u00fcck k\u00f6nnen die Young Gods mal alle Register ziehen, die sie kennen: Der Song ist ruhig, aber aggressiv, der Text wechselt zwischen englisch und franz\u00f6sisch und Treichler singt \u201eHey Amour\u201c mit ausgesprochenem \u201eh\u201c und der Betonung bei \u201eAmour\u201c auf der ersten anstatt auf der letzten Silbe \u2013 so, wie es dr Schwyzer eben gern macht, oddr? Und dazu s\u00e4gen die Gitarren, das Schlagzeug erteilt eine Lektion in Stoik, wie es Liebezeit nicht besser hingekriegt h\u00e4tte, und ich freue mich, dass mich die Young Gods im letzten Drittel meiner beruflichen Laufbahn immer noch so begeistern k\u00f6nnen wie damals nach dem Schulabschluss.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eBlackwater\u201c setzt dann nochmal einen on Top obendrauf: Schlagzeug und Elektronik pluckern vor sich hin, Treichler singt ruhig und entspannt, die Gitarre kracht erst hintergr\u00fcndig und dann so mittenmang vorne rein auf die Zw\u00f6lf. Das w\u00e4hrt nur kurz, dann pluckert es wieder, in einer Hypnotik, der man sich nicht zu entziehen wei\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eTu en ami du temps\u201c haut in dieselbe Kerbe, wenn auch gleich um einiges atonaler, aber danach kommt mit \u201eIntertidal\u201c mein pers\u00f6nliches Highlight des Albums: Ruhig f\u00e4ngt es an, l\u00e4sst die H\u00f6renden knapp vier Minuten zappeln, dann wird es so rockig, dass man sich das Ganze auch in der Inkontinenz-Arena oder wie moderne Fu\u00dfballstadien heute hei\u00dfen, vorstellen k\u00f6nnte, und es ert\u00f6nen Harmonien, die eindeutig keine sind. Dann ist vorbei. Ein Song wie die gesamte \u201eDark Side Of The Moon\u201c von Pink Floyd: \u201eWie, das war es jetzt??!?\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMes yeux te tous\u201c ist wieder einmal mehr ein Beweis daf\u00fcr, das Franz\u00f6sisch eine der unmelodischsten Sprachen ist, die es gibt, ein tolles 80er\/90er-Elektronik-St\u00fcck mit Sprechgesang, eine Art des Gesangs, f\u00fcr die sich diese merkw\u00fcrdige Sprache sehr eignet. \u201eShine That Drone\u201c macht elektronisch-angenehm weiter, auch hier wird die Gitarre erst im Laufe des Songs eingesetzt, im Wechsel mit basslastigen Synthesizern, die sich mit Sicherheit auf die Verdauung auswirken.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOff The Radar\u201c ist dann ein wieder einmal mehr eher elektronisch dominiertes St\u00fcck, leicht und trotzdem gewichtig, es bildet einen guten Abschluss f\u00fcr ein grandioses Album, mit dem die Young Gods beweisen, dass sie immer noch die Klasse der fr\u00fchen 90er besitzen, ohne dass alles, was sie danach gemacht haben, auch nur ann\u00e4hernd umsonst war. Merci f\u00fcr die Mussig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Guido D\u00f6rheide (14.06.2025) Von den Young Gods aus der Schweiz habe ich \u2013 damals als Kind \u2013 zuerst gelesen, dann ihre dritte Ver\u00f6ffentlichung \u201ePlay Kurt Weill\u201c (mit wunderbaren Industrial-Versionen von Songs aus der \u201eDreigroschenoper\u201c und \u201eAufstieg und Fall der &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/the-young-gods-appear-disappear-two-gentlemen-records-2025\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-7848","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7848","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7848"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7848\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7850,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7848\/revisions\/7850"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7848"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7848"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7848"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}