{"id":780,"date":"2014-02-02T21:53:20","date_gmt":"2014-02-02T20:53:20","guid":{"rendered":"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=780"},"modified":"2014-02-12T17:13:55","modified_gmt":"2014-02-12T16:13:55","slug":"blackhole-factory-%e2%80%9ethe-flight-of-the-sea-swallow-live-in-braunschweig-kunstmuhle-sydney-und-new-jersey-am-24-und-25-januar-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/blackhole-factory-%e2%80%9ethe-flight-of-the-sea-swallow-live-in-braunschweig-kunstmuhle-sydney-und-new-jersey-am-24-und-25-januar-2014\/","title":{"rendered":"blackhole-factory: \u201eThe Flight Of The Sea Swallow\u201c &#8211; Live in Braunschweig (Kunstm\u00fchle), Sydney und New Jersey am 24. und 25. Januar 2014"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/blackhole-factory-Sea-Swallow.jpg\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-781\" title=\"blackhole-factory - Sea Swallow\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/blackhole-factory-Sea-Swallow-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Von Matthias Bosenick (02.02.2014)<\/p>\n<p>Selbst wenn man es erkl\u00e4rt bekommt, kann man das Konzept zum \u201eFlug der Seeschwalbe\u201c nicht in seiner gesamten Komplexit\u00e4t und Genialit\u00e4t erfassen. Und wenn man es nicht erkl\u00e4rt bekommt, freut man sich \u00fcber ein Live-Konzert mit an fr\u00fchen europ\u00e4ischen Industrial erinnernde Loops und Gesang, die dem Internet sei Dank in Braunschweig, Sydney und New Jersey erzeugt werden, und \u00fcber auf mehreren Leinw\u00e4nden gezeigte Kuriosit\u00e4ten. In diese Melange ist per Sample- und Wortbeitrag das grobe Thema Rastlosigkeit mit allen Fassetten eingebettet. Ein sympathisches, bemerkenswertes, einzigartiges Vergn\u00fcgen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die Zuschauer erleben dieses Kuriosum in der Kunstm\u00fchle in Braunschweig; in New Jersey und Sydney sind die Beteiligten ohne Beobachter. Was zu sehen ist: Eine B\u00fchne mit zwei gro\u00dfen Leinw\u00e4nden, zwei Luftballons in der Mitte, drei Luftballons links, ein Tisch mit Equipment und einen Sessel links, ein Tisch mit Equipment und drei Lampen rechts.<\/p>\n<p>An dem Tisch links steht Elke Uterm\u00f6hlen, an dem rechts Martin Slawig, die Video- und \u00dcbertragungs-Technik steuert Martin Kroll. Auf den linken der beiden mittleren Ballons ist Marc Sloan projiziert, der live in New Jersey mit Gitarren, Elektronik und Percussioninstrumenten arbeitet, auf dem rechten erlebt man Roger Mills, der in Sydney verfremdete Blasinstrumenten beisteuert. Elke Uterm\u00f6hlen singt und bearbeitet ihre Stimme live, und wenn sie sich unbearbeitet dazwischenmengt, erinnert sie angenehm an die von Lisa Gerrard. Martin Slawig hat wie Marc Sloan und Roger Mills einen Apparat am Arm, den er sich von einer Wii-artigen Spielekonsole ausborgte und mit dem die drei auf eine virtuelle Sounddatenbank zugreifen k\u00f6nnen. Ihre Handbewegungen sind jeweils auf die drei Ballons links projiziert, ihren Griff in die Datenbank verfolgt man auf der linken gro\u00dfen Leinwand. Die zeigt auf blauem Grund eine stilisierte Weltkugel mit innen liegenden St\u00e4dten, an die kleine Kugeln gekn\u00fcpft sind, die jeweils f\u00fcr einen Sample stehen. Mit dem Sensor an der Hand steuern die Verkn\u00fcpften nun durch die Weltkugel, greifen nach den kleinen Kugeln und lassen damit sofort einen Sound erklingen. Au\u00dferdem l\u00e4sst Martin Slawig von seinem Platz aus diverse andere krude Samples los, w\u00e4hrend die Mitmusiker in Australien und den USA ihrerseits Krach machen und Elke Uterm\u00f6hlen singt. Die drei Lampen rechts geben zudem via Farbgebung und Lichtintensit\u00e4t Ausk\u00fcnfte \u00fcber Witterung, Tageslicht oder irgendeinen anderen bemerkenswerten Zustand an den drei jeweiligen Orten. Auf der rechten gro\u00dfen Leinwand sind unnat\u00fcrlich bearbeitete Fotos zu sehen, vermutlich ebenfalls per Sensor angesteuert. Martin Kroll besorgt die Dokumentation in Wort und Bild und sorgt daf\u00fcr, dass die Performance live im Internet zu sehen ist. Zu der geh\u00f6rt, dass Elke Uterm\u00f6hlen sich bisweilen beinahe in Erika-Berger-Haltung in den orangefarbenen Sessel vor ihrem Pult setzt und mit Marc Sloan und Roger Mills das eigentliche Thema bespricht, das, das den Titel gab: \u201eDer Flug der Seeschwalbe\u201c.<\/p>\n<p>Ausgehend von der Rastlosigkeit des K\u00fcnstlers an sich, geht es dabei um Themen wie Heimat, Fremde, Reisen, Grenzen, Migration, Verfolgung, Fernweh, Heimweh, Freiheit. Die drei geben pers\u00f6nliche Statements ab und berichten von geopolitischen Verh\u00e4ltnissen, diskutieren \u00fcber kenternde Fl\u00fcchtlingsboote vor Lampedusa, Einwanderer aus Indonesien und Mexiko und vieles mehr. Die Form, dass n\u00e4mlich Menschen auf drei Kontinenten miteinander musizieren und auf eine Datenbank zugreifen, stellt dabei ein eigenes dazu passendes Statement dar. Die Samples aus der Weltkugel wiederum erg\u00e4nzen das Thema, denn sie zitieren Menschen aus aller Welt zu diesen Inhalten.<\/p>\n<p>Klingt kompliziert? Vermutlich war es noch nicht einmal vollst\u00e4ndig. Was zum Beispiel noch fehlt: Die f\u00fcnf K\u00fcnstler boten die Performance in Varianten innerhalb von 24 Stunden f\u00fcnfmal dar, w\u00e4hrend in den Pausen eine geloopte und verfremdete Version davon im Internet lief. Die K\u00fcnstler scheuten sich nicht vor unchristlichen Uhrzeiten, die trafen n\u00e4mlich alle an allen Orten jeweils einmal. In Braunschweig gab es nach der Premiere am Freitag um 21 Uhr die n\u00e4chste Show am Samstag um 3 Uhr, dann Fr\u00fchst\u00fcck mit Show um 9 Uhr, Kaffee und Kuchen mit Show um 15 Uhr und den Abschluss um 21 Uhr.<\/p>\n<p>Als Zuschauer der Premiere erlebte man nun so etwas wie eine Reportage mit rhythmischem L\u00e4rm. Diese Sorte Industrial-Ambient mag f\u00fcr unbedarfte H\u00f6rer schwer verdaulich sein, wer aber mit Bands wie Klinik, Esplendor Geom\u00e9trico oder Suicide aufwuchs, f\u00fchlte sich angenehm zu Hause. In diesem Mix aus Wort, Sound und Bild konnte man sich prima fallen lassen und dank der Inhalte sogar noch Diskussionsstoff mit nach Hause nehmen. Oder ins Foyer und das Caf\u00e9, wo sich alle mit gl\u00e4nzenden Augen sammelten und versuchten, das Erlebte zu begreifen. Hey, das war gerade Mega-Kunst auf Weltniveau, und das im kleinen Braunschweig, und das \u2013 von Leuten, die selbst immer noch mit gl\u00e4nzenden Augen herumlaufen und dem\u00fctig strahlen, wenn man Freude an ihren Ideen zeigt. Diese Bodenst\u00e4ndigkeit der Protagonisten von blackhole-factory macht deren Projekte jedes Mal so liebenswert.<\/p>\n<p>Wer einen Eindruck vom Finale haben m\u00f6chte: Das hat Steffi besucht, sie berichtet davon auf ihrer Seite <a title=\"Kult-Tour Braunschweig\" href=\"http:\/\/kult-tour.jimdo.com\/2014\/02\/04\/telematisch-telepathischer-flug-durch-raum-und-zeit\/\" target=\"_blank\">Kult-Tour Braunschweig<\/a>.<\/p>\n<p>[Edit 12.02.2014] Um es noch etwas komplizierter zu machen: Offiziell war der Standort von Marc Sloan New York, weil er auch dort h\u00e4tte spielen k\u00f6nnen, sich aber kurzfristig f\u00fcr seine andere Heimat New Jersey entschieden hatte. Das Trio von blackhole-factory belie\u00df es bei der Benennung, weil es sie f\u00fcr greifbarer hielt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (02.02.2014) Selbst wenn man es erkl\u00e4rt bekommt, kann man das Konzept zum \u201eFlug der Seeschwalbe\u201c nicht in seiner gesamten Komplexit\u00e4t und Genialit\u00e4t erfassen. 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