{"id":7786,"date":"2025-05-28T16:12:00","date_gmt":"2025-05-28T14:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7786"},"modified":"2025-05-28T16:12:00","modified_gmt":"2025-05-28T14:12:00","slug":"mark-springer-neil-tennant-sacconi-string-quartet-sleep-of-reason-sub-rosa-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/mark-springer-neil-tennant-sacconi-string-quartet-sleep-of-reason-sub-rosa-2025\/","title":{"rendered":"Mark Springer\/Neil Tennant\/Sacconi String Quartet \u2013 Sleep Of Reason \u2013 Sub Rosa 2025"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Springer-Tennant-Sacconi-Sleep-Of-Reason.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"113\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Springer-Tennant-Sacconi-Sleep-Of-Reason.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7787\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (28.05.2025)<br><br>\u201eEl sue\u00f1o de la raz\u00f3n produce monstruos\u201c ist die Nummer 43 des achtzigbl\u00e4ttrigen satirischen Zyklus\u2018 \u201eLos Caprichos\u201c aus Aquatinta und klassischer Radiertechnik, mit dem Francisco de Goya zum Ende des 18. Jahrhunderts seine gesellschaftskritische Sicht der Welt darlegte. Dieses Blatt griffen Neil Tennant, seit \u00fcber 40 Jahren S\u00e4nger des Synthiepop-Duos Pet Shop Boys, und Mark Springer, bis vor 40 Jahren Mitglied der Experimental-Popband Rip Rig + Panic, der auch Neneh Cherry angeh\u00f6rte, auf und komponierten das dreiteilige St\u00fcck \u201eSleep Of Reason\u201c drumherum. F\u00fcr den ersten Teil verfasste Tennant Texte, jenen und den zweiten begleitet das Sacconi String Quartet, den dritten performt der Komponist solo am Piano. Das Ergebnis: viel Kopf, wenig Herz, reichlich artifiziell und spr\u00f6de. Aber was wei\u00df denn schon jemand, der von Klassik keine Ahnung hat.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p><a><\/a> Ein Mann schl\u00e4ft zusammengesunken mit dem Kopf auf den Armen am Tisch sitzend ein, hinter ihm sammeln sich allerlei Tiere der Nacht, von Eulen \u00fcber Flederm\u00e4usen bis zu Katzenartigen, deutlich sichtbar in der N\u00e4he des Mannes, mit der Dunkelheit des Raumes verschmelzend hoch \u00fcber ihm. \u201eDer Schlaf der Vernunft erzeugt Ungeheuer\u201c, behauptet de Goya, und das greift Tennant f\u00fcr die ersten sechs St\u00fccke von \u201eSleep Of Reason\u201c auf, es geht viel um Monster. Mit \u201ePhantoms And Monsters\u201c startet das Album, \u201eA Witch And A Devil\u201c folgen, Titel wie \u201eMy Friend The Monster\u201c und \u201eThe Madness Of The Summer\u201c schlie\u00dfen sich dem an. Woran auch immer es liegen mag: Das Ungemach der Horrordarstellungen, angewandt auf den Horror 225 Jahre sp\u00e4ter, stellt sich beim H\u00f6ren der Musik nicht ein.<br><br>Der Opener ist zackig und spr\u00f6de, und diese Merkmale treten \u00fcber die gesamte Spielzeit der ersten CD immer wieder zutage. Die Stimme erscheint losgel\u00f6st von der sperrigen Streichermusik, wie nicht ganz passend dar\u00fcbergelegt, als h\u00e4tte jemand ein Mash-Up versucht, und dieses Mash-Up wirkt reichlich artifiziell. Im zweiten St\u00fcck gibt\u2019s erstmals einige erhellende Pizzicato-Effekte, die f\u00fcr etwas W\u00e4rme sorgen. \u201eTruth Is For Losers\u201c skandiert Tennant auf eine Weise zum Streichquartett, dass man unweigerlich \u201eHurz!\u201c rufen m\u00f6chte. \u201eSchmutzig\u201c wirkt wie eine Vaudeville-Persiflage, k\u00fcnstlich dramatisch. Erst im f\u00fcnften St\u00fcck singt Tennant zwischenzeitig w\u00e4rmer, unmittelbarer, weil er seine Stimme dann senkt, und f\u00fcgt sich damit harmonischer in die Musik ein. Das finale gemeinsame sechste St\u00fcck hat etwas von einem russischen Drama.<br><br>Das waren die ersten rund 23 Minuten mit Tennant. Die sechs Tracks gehen flie\u00dfend ineinander \u00fcber, ebenso flie\u00dfend geht es in den zweiten Teil weiter, der ohne ihn stattfindet, mit weiteren \u00fcber 20 Minuten \u201eMorn\u201c, \u201eNoon\u201c und \u201eNight\u201c. Ohne Gesang wird umso deutlicher, wie reduziert, minimalistisch die Kompositionen sind. Man kann auch sagen: simpel, auch auf der Piano-Seite gibt es zahlreiche Passagen, in denen sich lediglich zwei T\u00f6ne abwechseln. So erinnert \u201eMorn\u201c beispielsweise an den Score zu \u201eDer wei\u00dfe Hai\u201c. \u201eNight\u201c hingegen vermittelt ausgezeichnet die titelgebende Tageszeit, das St\u00fcck ist dunkel, tragisch, schwerm\u00fctig und schmeckt nach Vodka.<br><br>Adieu Streichquartett, die zweite CD geh\u00f6rt allein dem Pianisten. Gut eine Stunde lang darf der sich in \u201eBreak\u201c, \u201eFlight\u201c, \u201eDark\u201c und \u201eMoon\u201c \u2013 nun: austoben w\u00e4re nicht ganz das angemessene Wort, ausschlafen hingegen trifft es auch nicht. Das erste St\u00fcck vermittelt etwas von der guten Laune, die Yann Tiersen f\u00fcr \u201eDie fabelhafte Welt der Am\u00e9lie\u201c initiierte. Im zweiten St\u00fcck beginnt Springer auch mal damit, den Fu\u00df von der Bremse zu nehmen und die Klaviernoten mit Hall zu versehen; die Musik wird w\u00e4rmer und erinnert hier bisweilen an Richard Clayderman. Naja, und irgendwie geht es so weiter, der einsame Mann am Klavier bedauert sein Leben und holt ab und zu doch nochmal Schwung und wird zum Schluss hin auch wieder etwas schwerm\u00fctiger.<br><br>M\u00f6glicherweise Musik f\u00fcr Leute, die sagen: \u201eIch mag ja keine Klassik, aber das gef\u00e4llt mir.\u201c Wenn man also von Klassik oder Neo-Klassik keine Ahnung hat, erscheint einem dieses Album streckenweise amateurhaft, beliebig, wie Gefiedel und Geklimper. Als Soundtrack f\u00fcr eine BBC-Dokumentation kann man sich das gut vorstellen, auf dem Gebiet ist Springer hin und wieder ohnehin t\u00e4tig. Tja, und dann die St\u00fccke mit Tennant. Man wundert sich dar\u00fcber, wie unbequem seine sechs Lieder einem erscheinen. So war es auch schon mit \u201eWhat Keeps Mankind Alive?\u201c von Brecht\/Weill, das die Pet Shop Boys 1993 auf einer B-Seite von \u201eCan You Forgive Her?\u201c unterbrachten: Tennant singt zackig-milit\u00e4risch, die Musik ist spr\u00f6de und ruckig, es f\u00fcgt sich nicht \u00fcberzeugend zusammen. Genau wie hier.<br><br>Und das ist merkw\u00fcrdig, denn im gigantischen Oeuvre der Pet Shop Boys gibt es zahllose Songs, die stark nach Klassik klingen und in denen Tennant seine Stimme harmonisch in die Musik einbettet. Sagen wir \u201eIt Couldn\u2019t Happen Here\u201c oder \u201eJealousy\u201c oder gar \u201eLeft To My Own Devices\u201c, es funktionierte stets tadellos. Gut, Harmonie ist offenbar nicht der Anspruch von Springer und Tennant, stattgegeben, aber dann l\u00e4sst einen das Ergebnis eben teilnahmslos mit den Schultern zucken. So aufregend ist es n\u00e4mlich nicht. Holt man sich eben ein Album vom Kronos Quartet aus dem Regal und h\u00f6rt sich wahrhaftig experimentelle Neo-Klassik an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (28.05.2025) \u201eEl sue\u00f1o de la raz\u00f3n produce monstruos\u201c ist die Nummer 43 des achtzigbl\u00e4ttrigen satirischen Zyklus\u2018 \u201eLos Caprichos\u201c aus Aquatinta und klassischer Radiertechnik, mit dem Francisco de Goya zum Ende des 18. 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