{"id":7766,"date":"2025-05-23T16:14:15","date_gmt":"2025-05-23T14:14:15","guid":{"rendered":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/?p=7766"},"modified":"2025-06-09T20:51:54","modified_gmt":"2025-06-09T18:51:54","slug":"spezial-addicted-label-aus-moskau-teil-17","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-addicted-label-aus-moskau-teil-17\/","title":{"rendered":"Spezial: Addicted Label aus Moskau, Teil 17"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/addicted-label.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"110\" height=\"110\" src=\"http:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2019\/07\/addicted-label.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3052\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Von Matthias Bosenick (23.05.2025)<br><br>Unsere Moskauer Freunde sind wieder aktiv! F\u00fcnf neue Ver\u00f6ffentlichungen gibt\u2019s auf dem Label addicted\/noname: \u201eBibliotheka XXXX\u201c von Libr\u0451Fn\u00f8rd soll Impro-Metal sein, ist aber eher improvisierter Jazz. Mit \u201eGeo Murmuratio\u201c kredenzt Starlit Tales Ambient-Relax-Musik zu literarischen Reisegeschichten. \u201e\u0421\u043c\u0435\u0440\u0442\u044c \u043f\u043e\u0434\u043e\u0436\u0434\u0435\u0442\u201c von Zatvor ist dunkel-gruftiger, epischer, rauher Doom. Die Band Petyaev-Petyaev (\u041f\u0435\u0442\u044f\u0435\u0432-\u041f\u0435\u0442\u044f\u0435\u0432) macht auf \u201e\u041e\u0442\u0441\u0443\u0442\u0441\u0442\u0432\u0438\u0435\u201c wilden Free Jazz. Noch wilder ist \u201e\u0412\u043a\u0443\u0441 \u0436\u0430\u0440\u0435\u043d\u044b\u0445 \u0433\u0432\u043e\u0437\u0434\u0435\u0439\u201c vom aus drei Bands bestehenden Projekt Pizzdol EB \u2013 ein akustischer Schlag aus Free Jazz, Noisecore, Hip Hop und Pop mitten in die Fresse.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Libr\u0451Fnord-Bibliotheka-XXXX.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Libr\u0451Fnord-Bibliotheka-XXXX.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7767\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Libr\u0451Fn\u00f8rd \u2013 Bibliotheka XXXX (2025)<br><\/strong><br>Das Vier-Personen-Projekt Libr\u0451Fn\u00f8rd improvisiert Heavy Metal. Sagt es zumindest. H\u00f6rt man das Deb\u00fct-Album \u201eBibliotheka XXXX\u201c, stimmt man dem nur bedingt zu \u2013 und verweist vielmehr auf den Jazz. Oder andere Kunstmusik, vergleichbar etwa mit der von Diamanda Gal\u00e1s, nicht nur, sobald die S\u00e4ngerin wie jene zu schreien beginnt. Der Titel des Albums bezieht sich auf den Aufnahmeort: Dieses ist n\u00e4mlich ein Mitschnitt aus der Bibliothek des Moscow Museum Of Modern Art. Miteinander improvisieren geht live wohl am besten.<br><br>Nun geh\u00f6rt zu vielen Metal-Spielarten eine gewisse Sounddichte, und die erreicht das Projekt hier eher selten. Also miteinander grooven, brettern, riffen und rocken, das ist improvisiert etwas schwierig. Der Auftakt \u201eObscurum Per Obscurius. Introductio\u201c legt zwar noch andeutungsweise eine solche F\u00e4hrte, doch bestehen die n\u00e4chsten beiden Tracks aus Experimenten ohne Rhythmus, Struktur, Melodie; hier agieren die Musizierenden und die Singende komplett frei, wie miteinander isoliert, werfen kunstvoll Br\u00f6ckchen und St\u00fcckchen in den Raum, die nebeneinander liegen bleiben und wieder verschwinden. Erst \u201ePsyche In Scorpio. Casus No. \u2026\u201c ist wieder als herk\u00f6mmliche Musik aufzufassen, mit einem schleppenden, sich zwischenzeitig steigernden Rhythmus, einer gnargelnden Gitarre, einem quengelnden Synthie und einer predigenden Stimme.<br><br>Kernst\u00fcck ist \u201eChronicles Of A Lost Planet\u201c, das mit Glockenspiel und der inzwischen vertrauten experimentellen Anordnung der Instrumente beginnt, zu der die S\u00e4ngerin eine un\u00fcberblickbare Vielzahl an vokalen Erscheinungsformen darbietet. Erst nach einer Weile sch\u00e4lt sich ein Rhythmus heraus, dezent geklopft, zu dem die \u00fcbrigen Mitspielenden ihr Instrumentarium strukturiert gruppieren, darunter auch mal eine Orgel. Die fast zehn Minuten L\u00e4nge nimmt man gar nicht wahr. \u201eAstro Metal Inhale. Instructio\u201c ist tats\u00e4chlich Atem, kombiniert mit Untertongesang und leise quietschenden Instrumenten von Leuten, die bereits mit den Hufen scharren, wann sie denn endlich dazusto\u00dfen k\u00f6nnen, und da das Startsignal ausbleibt, mogeln sie sich still und heimlich in den Track hinein und machen ihn zu nachtwandlerisch-alptraumhafter Angstmusik. Das \u201ePost Scriptum\u201c beginnt als Ambient-Track mit Gitarrenfeedback und Stimmspielereien, alsbald entwickelt sich ein Krautrock-Beat heraus.<br><br>Die vier Beteiligten sind in der Moskauer Impro-Szene bekannte bunte Hunde, mindestens von Gitarrist Anton Efimov war auf KrautNick bereits zu lesen: Er ist Teil des Projektes Der Finger, aber auch Musiker bei Disen Gage, The Eggg und Unicellular Music, hier unter vielen anderen mit Damo Suzuki. Der ausdrucksstarke Gesang kommt von Tatyana Izotova, die ebenfalls bei Disen Gage schon mitmachte, zudem bei dem Orchester Insomnia Improvisers sowie weiteren Projekten aus Free Jazz und Argentinischem Tango. Die Keyboards und gelegentliche m\u00e4nnliche Stimmbeitr\u00e4ge kommen von Feodor Amirov, der als klassischer Pianist und Free-Jazzer seit \u00fcber 20 Jahren in der Szene bekannt ist. Das Schlagzeug bedient Peter Ototsky, andernorts aktiv bei Gruppen wie Baritone Domination, Drumazhur, seinem Ototsky Quartet, Radost&#8216;, Visokosnyi Jazz, Lenina Paket und weiteren. Vor diesem Album ver\u00f6ffentlichte das Quartett bisher lediglich die EP \u201eChagall 345\u201c.<br><br>Hier dominiert schon in den Biografien der Jazz. Der ist auch in dieser Aufnahme weit pr\u00e4senter, neben Avantgarde und Experiment. Aber Metal? Eher nicht. Wer aber \u00fcber dieses Etikett auf das Album aufmerksam wird, bekommt sein Spektrum erweitert.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Starlit-Tales-Geo-Murmuratio.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Starlit-Tales-Geo-Murmuratio.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7768\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Starlit Tales \u2013 Geo Murmuratio (2025)<\/strong><br><br>Auf eine merkw\u00fcrdige Art gelingt es dem Projekt Starlit Tales, eine positive Stimmung zu erzeugen. Auf dem Deb\u00fctalbum \u201eGeo Murmuratio\u201c ist eine Art Ambient zu h\u00f6ren, aber mit Beats, und dazu mit sch\u00f6nen Melodien, die nicht dem Pop zuzuordnen sind, sich eben ihrerseits dichter am Ambient bewegen, an Entspannungsmusik, an Traumreisen, und da ist man schon mitten im Thema.<br><br>Denn Schlagzeuger Viktor Tikhonov, ansonsten bei Bands wie Detieti und Kshettra, generiert hier im Verbund mit Kontrabassist Nikolai Samarin von IWKC und Gaststimme Arina Salevich, die beide jeweils einmal zum Einsatz kommen, also doch quasi solo, Soundtracks zu B\u00fcchern, und zwar zu solchen, die Reisegeschichten erz\u00e4hlen. Entsprechend tragen diese chilligen, elektronisch dominierten und mit Samples angereicherten Musikst\u00fccke den Hauch der Ferne in sich, klingen mal nach fern\u00f6stlichem Urwald (\u201eFlocking Without End\u201c), mal nach von Warp-Musikern generiertem spanischem Flamenco (\u201eAlbatross\u201c) und ansonsten einfach nur nach Unterwegssein, also nicht nach Aufbruch oder Ankunft, sondern nach dem Vorgang des Reisens, nach Entdeckung, nach Beobachtung, danach, den fremden Ort auf sich wirken und weniger fremd werden zu lassen.<br><br>Dabei geht Tikhonov behutsam vor, eben so, wie man sich als Reisender in der Fremde auch verhalten sollte. Seine Sounds sind kr\u00e4ftig, aber nicht harsch, rhythmisch, aber nicht auf die Zw\u00f6lf, auch wenn er sein Schlagzeug mal gegen IDM-Beats austauscht oder es jazzig die Treppe herunterpurzeln l\u00e4sst (\u201eWhale Navigation\u201c). Das \u201eTransparent Awakening\u201c am Schluss erfolgt mit der Stimme von Arina Salevich, die den Kopfnicker-Track bereichert, mit dem Tikhonov die H\u00f6renden aus seinen B\u00fcchern wieder herausholt. Inspirieren lie\u00df er sich \u00fcbrigens von Autoren wie Bernard Moitessier, Sir Christian Bonington oder Ernest Shackleton.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Zatvor-\u0421\u043c\u0435\u0440\u0442\u044c-\u043f\u043e\u0434\u043e\u0436\u0434\u0435\u0442.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Zatvor-\u0421\u043c\u0435\u0440\u0442\u044c-\u043f\u043e\u0434\u043e\u0436\u0434\u0435\u0442.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7769\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Zatvor \u2013 \u0421\u043c\u0435\u0440\u0442\u044c \u043f\u043e\u0434\u043e\u0436\u0434\u0435\u0442 (2025)<\/strong><br><br>\u201e\u0421\u043c\u0435\u0440\u0442\u044c \u043f\u043e\u0434\u043e\u0436\u0434\u0435\u0442\u201c, \u201eDer Tod wird warten\u201c: Mit diesem Titel d\u00fcrfte ungef\u00e4hr zu ahnen sein, wie sich die Musik der Band Zatvor aus Kursk ausnimmt. Hier bekommt man Doom in schw\u00e4rzester Auspr\u00e4gung, drei \u00fcberlange Songs lang. Mit unglaublich wuchtigen Drums legt \u201e\u0425\u043e\u0437\u044f\u0439\u043a\u0430 \u0440\u0438\u0442\u0443\u0430\u043b\u044c\u043d\u044b\u0445 \u0443\u0441\u043b\u0443\u0433\u201c vor, mit unterschwelligen, aber brutalen Gitarren und mit epischen dunklen Fl\u00e4chen, zu denen eine wehklagende weibliche Stimme anhebt. Dieses d\u00fcstere Brett \u00fcber eine \u201eBestattungsbegleiterin\u201c halten die vier Musizierenden zw\u00f6lfeinhalb Minuten lang durch, dann folgen fast 15 Minuten \u201e\u041e\u0445\u043e\u0442\u043d\u0438\u043a\u201c, \u201eJ\u00e4ger\u201c, ebenso dunkel-doomig, aber mit dem melodi\u00f6seren Gesang zun\u00e4chst in Richtung Gothic schielend. Dar\u00fcber legt die Band dann harschere Sounds, die die Musik enorm anrauhen und bald in h\u00f6heren T\u00f6nen unter Spannung setzen.<br><br>Die Band spielt sich in einen Rausch, frei von Konventionen und Strukturen, sie rollt die Tracks jeweils vor den H\u00f6renden aus, generiert Atmosph\u00e4ren und Stimmungen, und paradoxerweise macht dieser d\u00fcstere Doom auch noch gl\u00fccklich, so gut gelungen ist er. Im nicht einmal zehnmin\u00fctigen Titeltrack spielen die Musizierenden all ihre F\u00e4higkeiten nochmal eindrucksvoll aus, das St\u00fcck beginnt als Ambient, in den sich die Instrumente hineindoomen, die Stimmung ist getragen und ern\u00fcchtert, der Gesang wie mutlos, nicht einmal mehr klagend, und doch birgt die Musik Filigranit\u00e4t, Detailreichtum, sogar Halt inmitten des sich dahinschleppenden Tracks. Der sich im Verlauf noch m\u00e4chtig aufb\u00e4umt, Elemente aus Post Rock und Black Metal hinzuf\u00fcgt und das leider viel zu kurze Album perfekt episch abrundet. Aber lieber kurz und geil als lang und weilig.<br><br>Erstaunlich ist, dass es die Band seit fast 30 Jahren gibt, dass \u201e\u0421\u043c\u0435\u0440\u0442\u044c \u043f\u043e\u0434\u043e\u0436\u0434\u0435\u0442\u201c aber erst das zweite Album von Zatvor ist. 1996 gegr\u00fcndet, ver\u00f6ffentlichte die Band ihr Deb\u00fct \u201e\u041a\u043b\u044e\u0447 \u0437\u0435\u043c\u043b\u0438\u201c, das aus nur einem 50min\u00fctigen Track besteht, erst 2018. Und eben erst jetzt den Nachfolger. Die Band besteht auf diesem Album aus S\u00e4ngerin und Keyboarderin Katya Sumina, Gitarrist Denis Kolesnikov, Bassist Anton Eremin und Schlagzeuger Kirill Kiryukhin.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Petyaev-Petyaev-\u041e\u0442\u0441\u0443\u0442\u0441\u0442\u0432\u0438\u0435.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Petyaev-Petyaev-\u041e\u0442\u0441\u0443\u0442\u0441\u0442\u0432\u0438\u0435.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7770\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Petyaev-Petyaev (\u041f\u0435\u0442\u044f\u0435\u0432-\u041f\u0435\u0442\u044f\u0435\u0432) \u2013 \u041e\u0442\u0441\u0443\u0442\u0441\u0442\u0432\u0438\u0435 (2025)<\/strong><br><br>Von \u201e\u041e\u0442\u0441\u0443\u0442\u0441\u0442\u0432\u0438\u0435\u201c, \u201eAbwesenheit\u201c, kann hier keine Rede sein: Die beiden Petyaev-Br\u00fcder Peter und Pavel sind mit ihrem Ensemble auf dem genannten Album sowas von pr\u00e4sent. Abwesend ist hier S\u00e4ngerin \u041e\u043a\u0441\u0430\u043d\u0430 \u0422\u0430\u0440\u0443\u043d\u0442\u0430\u0435\u0432\u0430, die ansonsten auf den Alben dieser Freejazzgruppe zu h\u00f6ren ist, und diesen Umstand nutzten die Musiker, um deren Platz mit ihren Instrumenten zu besetzen, bis sie zur Band zur\u00fcckkehrt. Entsprechend r\u00fccken hier allerlei Blasinstrumente in den Vordergrund und spielen sich so frei, wie es das Genre erfordert, die Seele aus dem Leib.<br><br>Jazz ist nat\u00fcrlich eine ernsthafte Angelegenheit, aber man kommt nicht umhin, dem Ensemble hier zu unterstellen, sich so manchen Scherz erlaubt zu haben. Es sind nur drei Blasinstrumentalisten dabei, aber die sind dazu in der Lage, Pand\u00e4monien zu entfachen, Chaos zu erschaffen, ein amtliches Durcheinander obwalten zu lassen, dass es klingt wie die Testabteilung einer Instrumentenfabrik. Das vollf\u00fchren sie nicht permanent, sondern dezidiert, und spielen ansonsten so, dass die f\u00fcnf Tracks auf \u201e\u041e\u0442\u0441\u0443\u0442\u0441\u0442\u0432\u0438\u0435\u201c eindeutig dem Free Jazz zuzuordnen sind, also frei und nahe an der Improvisation, begleitet von Klavier oder Synthie, Gitarre und Bass zu einem Schlagzeug, das stoisch den Takt h\u00e4lt, den Tracks \u2013 bis auf dem vierten \u2013 eine feste Form gibt und damit den H\u00f6renden eine Orientierungshilfe. Und \u00fcberhaupt der Musik eine Nachvollziehbarkeit, die das Freie umso genie\u00dfbarer erscheinen l\u00e4sst.<br><br>Solche humorvollen Passagen, die etwa an die Horns Of Dilemma denken lassen, finden sich am Anfang des Openers \u201e\u0420\u0430\u0441\u043f\u043b\u0435\u0441\u043a\u0430\u043b\u043e\u0441\u044c\u201c, \u201eBespritzt\u201c (mit Wasser!), und in der Mitte von \u201e\u0414\u0432\u0430 \u0438\u0437\u0433\u0438\u0431\u0430\u201c, \u201eZwei Kurven\u201c, in denen die Saxophone schnattern wie Wasserv\u00f6gel am Teich. Im zw\u00f6lfmin\u00fctigen Mittelteil \u201e\u0423\u0431\u0438\u0442\u044c \u0431\u0430\u0440\u043e\u043d\u0435\u0441\u0441\u0443\u201c, \u201eT\u00f6te die Baronin\u201c, drehen alle sowas von durch und generieren ein gigantisches Chaos, bei dem man nicht anders kann als laut losprusten. Und dieses Chaos, das zieht die Band durch das gesamte Album, immer wieder drehen die Musiker auf, geraten ins geh\u00f6rige Durcheinander und finden doch immer ausreichend Zur\u00fcckhaltung, um nie g\u00e4nzlich unh\u00f6rbar zu werden. Obschon etwa \u201e\u042f \u0437\u0430 \u0430\u0432\u0430\u043d\u0433\u0430\u0440\u0434 \u0431\u043e\u043b\u0435\u044e\u201c, \u201eIch dr\u00fccke der Avantgarde die Daumen\u201c, seinem Titel mit Stressmusik gerecht wird. F\u00fcr den abschlie\u00dfenden Titeltrack kehren die Musiker zum rhythmisch grundierten Free Jazz zur\u00fcck.<br><br>Zur Band geh\u00f6ren neben den beiden namensgebenden Br\u00fcdern, Peter Petyaev (\u041f\u0451\u0442\u0440 \u041f\u0435\u0442\u044f\u0435\u0432) am Saxophon und Pavel Petyaev (\u041f\u0430\u0432\u0435\u043b \u041f\u0435\u0442\u044f\u0435\u0432) an der Gitarre, folgende K\u00fcnstler: Ivan Bashilov (\u0418\u0432\u0430\u043d \u0411\u0430\u0448\u0438\u043b\u043e\u0432) an Bass und Gitarre, Piotr Talalai (\u041f\u0451\u0442\u0440 \u0422\u0430\u043b\u0430\u043b\u0430\u0439) am Schlagzeug, Victor Konovalov (\u0412\u0438\u043a\u0442\u043e\u0440 \u041a\u043e\u043d\u043e\u0432\u0430\u043b\u043e\u0432) an Klarinette und Trompete, Maxim Bezhenov am zweiten Saxophon und Slava Burlakov an den Keyboards. \u201e\u041e\u0442\u0441\u0443\u0442\u0441\u0442\u0432\u0438\u0435\u201c ist das achte Album seit Bandgr\u00fcndung 2016.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignright size-full\"><a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Pizzdolf-EB-\u0412\u043a\u0443\u0441-\u0436\u0430\u0440\u0435\u043d\u044b\u0445-\u0433\u0432\u043e\u0437\u0434\u0435\u0439.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"111\" height=\"111\" src=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Pizzdolf-EB-\u0412\u043a\u0443\u0441-\u0436\u0430\u0440\u0435\u043d\u044b\u0445-\u0433\u0432\u043e\u0437\u0434\u0435\u0439.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7771\"\/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><strong>Pizzdolf EB \u2013 \u0412\u043a\u0443\u0441 \u0436\u0430\u0440\u0435\u043d\u044b\u0445 \u0433\u0432\u043e\u0437\u0434\u0435\u0439 (2025)<\/strong><br><br>Das ist brutal. \u201e\u0412\u043a\u0443\u0441 \u0436\u0430\u0440\u0435\u043d\u044b\u0445 \u0433\u0432\u043e\u0437\u0434\u0435\u0439\u201c, \u201eDer Geschmack von gebratenen N\u00e4geln\u201c, beginnt mit extrem speedigem Free Jazz. Das ist strukturierter L\u00e4rm, den das Ensemble hier mit \u201e\u0420\u0435\u0431\u044f\u0442\u0430, \u043c\u0435\u043d\u044f \u0432\u0437\u043b\u043e\u043c\u0430\u043b\u0438!\u201c, \u201eLeute, ich wurde gehackt!\u201c, losl\u00e4sst, mit umeinanderkreisenden Saxophonen zu hyperschnellem Schlagzeug und entfesseltem Gebr\u00fcll. Also direkt in die Fresse. Diese Brutalit\u00e4t und Brachialit\u00e4t nimmt das Projekt gleich in das n\u00e4chste St\u00fcck \u201e\u0410\u0439\u0431\u043e\u043b\u0438\u0442\u201c, \u201eAibolit\u201c, hin\u00fcber und kommt erst in der Mitte des Dreizehnmin\u00fcters halbwegs zur Ruhe, wenn dann nur noch etwas Vinyl-Scratchen zum freundlichen Schlagzeug zu h\u00f6ren ist, aber keine Angst, das Monster br\u00fcllt schon noch wieder los.<br><br>Pizzdolf EB nennt sich diese Zusammenkunft von Mitgliedern dreier Bands, die hier ihre Namen zusammenschieben: Die Pissdeads sind eine Noisecore-Band, Rudolf (\u0420\u0443\u0434\u043e\u043b\u044c\u0444) machen experimentellen Post-Hardcore mit Hip Hop und IWKC (in Klammern EBB) sind inzwischen beinahe Pop, wenn auch abermals experimenteller. Also schon mal eine Kombination, von der man niemals ausgegangen w\u00e4re, dass sie \u00fcberhaupt existieren k\u00f6nnte. Aber sie existiert und sie bringt Schabernack hervor, der zwischen Saxophon-Noisecore \u00e0 la Monno und verunsichernder Kontemplation changiert. Irgendwas scheint die Leute hier anzutreiben, ein Ventil zu suchen, um mal Dampf abzulassen.<br><br>Immer wieder baut das Ensemble n\u00e4mlich Absurdit\u00e4ten in die L\u00e4rmw\u00e4nde ein. Scratches gibt\u2019s immer wieder, der Mittelteil des Achtzehnmin\u00fcters \u201e\u041a\u0440\u0430\u0431\u0435 \u0438 \u0448\u043c\u0435\u043b\u0435\u201c, \u201eDie Krabbe und die Hummel\u201c, hat sogar etwas von Hip Hop \u2013 und am Ende ganz kurz Reggae. In \u201e\u041a\u043e\u043b\u0434\u0443\u043d-\u0430\u0443\u0442\u0438\u0441\u0442\u201c, \u201eAutistischer Zauberer\u201c, gibt\u2019s tiefe Growls wie aus einem Horror-H\u00f6rspiel und Speed Metal im scratchy Free Jazz. \u201eDa Flava\u201c ist ein chilliger Reggae mit obskuren Sprengseln, einem Trompetensolo etwa. Der \u201eMoscow Undead Club\u201c ist ein mit \u00e4hnlichen Mitteln gepeinigter Swing, der einem Foetus zur Ehre gereichen w\u00fcrde. Das Quasi-Titelst\u00fcck \u201e\u0416\u0430\u0440\u0435\u043d\u044b\u0435 \u0433\u0432\u043e\u0437\u0434\u0438\u201c, \u201eGebratene N\u00e4gel\u201c, und der Rauswerfer \u201e\u041a\u0430\u0440\u043d\u0430\u0432\u0430\u043b\u201c, \u201eKarneval\u201c, entsprechen wieder den inzwischen vertrauten Noiseausbr\u00fcchen.<br><br>Das sind satte 82 Minuten L\u00e4rm, verteilt auf nur acht St\u00fccke und nur gelegentlich unterbrochen, daf\u00fcr aber mit schwindelerregenden Details garniert. Man h\u00f6rt dem Trubel an, dass es den Musikern fetteste Laune gemacht haben muss, diesen Schabernack einzubr\u00fcllen. Und die gehen damit auch noch auf Tour, mit der Gazelle Of Death, einem dort ber\u00fchmten \u201eRock Wagon\u201c. Verr\u00fcckt!<\/p>\n\n\n\n<p>Zu haben auf <a href=\"https:\/\/noname666.bandcamp.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Bandcamp<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Matthias Bosenick (23.05.2025) Unsere Moskauer Freunde sind wieder aktiv! F\u00fcnf neue Ver\u00f6ffentlichungen gibt\u2019s auf dem Label addicted\/noname: \u201eBibliotheka XXXX\u201c von Libr\u0451Fn\u00f8rd soll Impro-Metal sein, ist aber eher improvisierter Jazz. Mit \u201eGeo Murmuratio\u201c kredenzt Starlit Tales Ambient-Relax-Musik zu literarischen Reisegeschichten. &hellip; <a href=\"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/spezial-addicted-label-aus-moskau-teil-17\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,19],"tags":[],"class_list":["post-7766","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-album","category-download-stream"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7766","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7766"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7766\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7821,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7766\/revisions\/7821"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7766"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7766"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/vanbauseneick.de\/krautnick\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7766"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}